Guten Abend,
aktuell bin ich dabei meine Kulturanleitungen zu überarbeiten. Ich habe mit dem für mich unspektakulärsten Einzeller aus meiner Sammlung angefangen: Chilomonas paramecium. Ein kleiner, unauffälliger Flagellat, welcher aber sehr wichtig für die Kultur anderer Ein- und Mehrzeller ist. Ansonsten allerdings fand dieser bisher von mir wenig Beachtung. Doch es gab einiges zu entdecken und Herausforderungen: die Maupas-Körper z. Bsp. und die Dokumentation der Zellteilung.
Übersicht:
chilomonas_paramecium_gesamtb.jpg
rot: Nukleus / gelb: kontraktile Vakuole / blau: Stärkekorn / orange: Geißel / schwarz: Ejektisome / grün: Maupas-Körper
chilomonas_paramecium_maupasb.jpg
Maupas-Körper im polarisiertem Licht
Welche Funktion haben die Maupas-Körper und die Ejektisome?
Zellteilung:
Obwohl sich Chilomonas sehr schnell vermehrt, war es nicht einfach eine Zellteilung zu dokumentieren. Gefühlt habe ich 1000de von Zellen durchgemustert, konnte doch nur 3x eine Zellteilung beobachten (ggf. immer falscher Zeitpunkt / ggf. nachts?).
chilomonas_paramecium_zellteilung1b.jpg
Bei Flagellaten findet eine Längsteilung statt
chilomonas_paramecium_zellteilung2b.jpg
Jede zukünftige Zelle erhält einen Maupas-Körper
chilomonas_paramecium_zellteilung3b.jpg
Die beiden Flagellen-Paare haben sich schon gebildet
chilomonas_paramecium_zellteilung4b.jpg
Nur noch ein kurzer Strang verbindet die zwei Zellen
chilomonas_paramecium_zellteilung5b.jpg
Abgetrennt
Ich habe noch einen Film u. A. mit den Maupas-Körper im polarisiertem Licht zusammengeschnitten. Hier der Link auf meine aktualisierte Seite mit dem Video (hier können nur über youtube Videos eingebunden werden):
Chilomonas paramecium: Kulturanleitung Bildergalerie Video (https://lebendkulturen.de/kulturen/algen-flagellaten/chilomonas-paramecium)
Viel Spaß beim Anschauen und Grüße in die Runde.
Gerald
Hallo Gerald,
tolle Aufnahmen und schöne Dokumentation! Gerade die Bilder der Teilung finde ich spannend. Man erkennt die Längsteilung echt gut.
Viele Grüße
Jan
Hallo Gerald,
wirklich sehr eindrucksvolle Bilder!
Danke fürs Teilen.
Hallo Gerald,
Die Vernachlässigung hast du aber mehr als wieder wett gemacht!
Superschön und informativ.
Gefällt mir sehr.
LG Holger
Lieber Gerald,
ganz tolle Bilder, und das in diesem Größenbereich!
Perfekte Doku.
lG
anne
Hallo Gerald,
hoch interessanter und für mich lehrreicher Beitrag. Hervorragende Dokufotos. 8)
Gruß von Siegfried
Guten Morgen zusammen,
ganz lieben Dank für die positiven Rückmeldungen. Das freut mich sehr.
@ Holger: hast Du im Video gesehen, dass ich Deinen Tipp von damals umgesetzt habe. Schaut besser aus ;) .
Viele Grüße aus dem verregneten Prien.
Gerald
Zitat von: Gerald in August 01, 2025, 09:38:11 VORMITTAG@ Holger: hast Du im Video gesehen, dass ich Deinen Tipp von damals umgesetzt habe. Schaut besser aus ;) .
Hallo Gerald,
Klar, aber da ging es ja nur um das Ausrichten/Drehen des Bildausschnitts im Übersichtsbild. Freut mich das ich da einen kleinen Beitrag zu deiner genialen Website leisten konnte.
An dieser Stelle will ich auch nochmal erwähnen wieviel Spaß und Bereicherung mir auch unser privater Austauch bisher schon gebracht hat.
Einfach toll jemanden mit soviel Erfahrung Bauchgefühl und "grünem Daumen", was die Kultivierung von Mikroorganismen angeht, zu kennen. Ich freue mich schon auf weitere Projekte.
Und Grüße auch an Jan, die Zweigstelle im hohen Norden, mit den Schwefelbakterienbiotop.
Holger
Hallo zusammen,
@ Gerald:
mit diesen Beitrag hast du auf eine m.E. sehr rätselhafte Organismengruppe hingewiesen, welche nicht nur bei dir, sondern ebenfalls in diesem Forum in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt worden ist. Das liegt möglicherweise auch daran, dass diese Viecher sehr klein und deshalb schwer zu untersuchen, sind. Insofern Respekt vor deinen detailreichen Aufnahmen, auch von der Zellteilung (gleich noch eine Anmerkung dazu).
Da bisher sich noch niemand zu deinen Fragen bezüglich der Maupas-Körper und der Ejectisomen geäußert hat: hier noch eine Anmerkung dazu. Meine relativ oberflächliche Literaturrecherche hat ergeben, dass die Funktion für beide Organelle ziemlich unbekannt ist.
Zu den Ejectisomen: die Ejectisomen sind Organelle, die man sich ähnlich wie aufgerollte Luftschlangen vorstellen kann, die unter Spannung stehen und sich entrollen können. Im Buch von Hausmann: ,,Protistology" (1996) ist eine schöne Zeichnung dazu. Interessanterweise scheint es ähnliche Strukturen auch in Paramecium zu geben. (daher scheint der Artname aber nicht zu stammen.)
Bei den Maupas-Körpern ist die Lage aus meiner Sicht total verwirrend. Ich weiß ja nicht, woher du diesen Begriff hast, Fakt ist aber, dass in einigen Protisten Büchern (,,The Illustrated Guide to the Protozoa") diese Organelle überhaupt nicht erwähnt werden, auch im "Wassertropfen" nicht. Aber in FOTTs ,,Algenkunde" (1971), sowie in ,,Freshwater Algal Flora..." sind sie erwähnt. Die Maupas-Körper sind ja an der doppeltbrechenden Struktur sehr gut erkennbar, insofern ist es verwunderlich, dass sie in manchen Büchern bei der Beschreibung der Cryptomonaden überhaupt keine Erwähnung finden.
Mir war vor langer Zeit mal aufgefallen, dass diese Körper wasserlöslich sind:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Algen/AndereAlgen/Source/Cryptomonas%20sp.2.html
In deinen Bildern sieht es so aus, als wären in jeder Zelle 2 dieser Maupas-Körper vorhanden. Interessant nun, dass diese bei der Zellteilung auf die beiden Tochterzellen verteilt werden. Wie erkennt die Zelle, welches Organell in welche Tochterzelle kommt?
Apropos doppeltbrechend: genau wie in der Literatur hast du die runden Körnchen als Stärkekörner bezeichnet. Ich kenne deren optischen Eigenschaften lediglich von der Kartoffel und Banane, wo diese im polarisierten Licht deutlich leuchtend in Erscheinung treten. Ich kenne kein Bild im www. von Cryptomonaden, wo diese ,,Stärke"körner ähnlich leuchten wie die in der Kartoffel.
Handelt es sich möglicherweise gar nicht um Stärke (1,4-/ 1,6-glycosidische Bindung) sondern um Paramylon (1,3-glycosidische Bindung?
Fragende Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Meine Quellen zu dem Bogengeißelflagellat waren rein im Internet:
https://realmicrolife.com/cryptomonas-paramaecium/
https://www.inaturalist.org/taxa/1099224-Cryptomonas-paramecium
http://protist.i.hosei.ac.jp/pdb/images/mastigophora/Chilomonas/paramecium9b.html
Taxonomie: ist es falsch von mir sie weiter und Chilomonas zu führen?
Ejectisome: dienen sie zur Bewegung der Flagella oder zur Abwehr (wie Trichozysten)?
Maupas-Körper: den Begriff habe ich aus der Internet-Recherche. Pro Zelle sind es immer 2. Sehr interessant, dass sich bei der Zellteilung diese nicht vorher verdoppeln, sondern erst nach der abgeschlossenen Zellteilung duplizieren (wie geschrieben gekommt jede Zelle während der Teilung einen Maupas-Körper).
Stärkekörner: sie zeigen im POL nicht das markante Kreuz durch die Doppelbrechung wie z. Bsp. bei der Kartoffel. Wäre interessant wie die Zusammensetzung ist, aber da bin ich kein Chemiker und kein Biologe.
Viele Grüße vom verregneten Chiemsee
Gerald
Hallo Gerald,
zu deinen Fragen:
1.Taxonomie: es ist eigentlich immer dasselbe: neue Erkenntnisse über die Morphologie, heutzutage auch über das Genom, lassen die Verwandtschaft von Organismen immer wieder in neuem Licht erscheinen. Was konkret bei Cryptomonas /Chilomonas den Ausschlag gegeben hat, müsste eine genauere Recherche ergeben.
Ansonsten sollte die Bennenung nach offiziellen Quellen (z.B. NCBI , EOL oder onezoom) erfolgen
2. Funktion der Ejektisomen: so, wie ich bereits vorher geschrieben habe, ist deren Funktion beziehungsweise wozu sie ,,dienen", bisher reine Spekulation, d.h. es fehlen Experimente, welche die jeweiligen Hypothesen belegen oder widerlegen.
Die Darstellung bei Hausmann lässt meines Erachtens aber den Schluss zu, dass keine funktionale Verbindung zu den Geißeln vorliegt.
Beste Grüße, Michael Plewka
Guten Morgen Michael,
besten Dank für die weiteren Infos. Es bleibt somit spannend und vielleicht ergeben sich mal neue Erkenntisse über Maupas-Köper oder Ejektisomen.
Viele Grüße aus dem Chiemgau.
Gerald
Hallo Gerald,
fantastische Bilder, gerade Teilungen haben immer ihren besonderen Reiz.
Übrigens, zur Beobachtung der charakteristischen Kreuze in den Körperchen müsste die Polarisation linear sein, sind also nur zwischen streng gekreuzten Polarisatoren (ohne Kompensatoren und DIK-Prismen) ggf. zu sehen.
Beste Grüße von der anderen Seite und vom Ablauf des Sees
Stefan
Hallo Stefan,
Danke für den Tipp - das werde ich mal ausprobieren.
Zitat von: purkinje in August 04, 2025, 09:17:33 VORMITTAGÜbrigens, zur Beobachtung der charakteristischen Kreuze in den Körperchen müsste die Polarisation linear sein, sind also nur zwischen streng gekreuzten Polarisatoren (ohne Kompensatoren und DIK-Prismen) ggf. zu sehen.
Wohnst Du in Seebruck?
Viele Grüße aus Prien.
Gerald
Hallo Gerald,
Altenmarkt ;)
Beste Grüße Stefan
Hallo zusammen,
Stefan´s Hinweis (...Beobachtung der charakteristischen Kreuze in den Körperchen müsste die Polarisation linear sein...) hat mich beschäftigt. Also habe ich gestern Abend mein Mik richtig konfiguriert und es erstmal an der klassischen Kartoffelstärke ausprobiert:
kartoffel_stärkekörner.jpg
Kartoffelstärke: das Kreuz durch Doppelbrechung (Malteserkreuz), gekreuzte Polarisatoren (kein Hilfsobjekt), Objektiv 20x
Dann die Chilomonas:
chilomonas_paramecium_stärkekörner1.jpg
und tatsächlich sieht man hier auch das Kreuz. 63x Öl + 1,5x Optovar
chilomonas_paramecium_stärkekörner2.jpg
besser noch sichtbar bei durch zu geringe Schichtdicke geplatzten Zellen
Beim 63er habe ich mit den gekreuzten Polarisatoren trotz Blitz einfach zu wenig Licht. Und die markanten Maupas-Körper haben immer überstrahlt. Hier musste ich viel mit den Entwicklungseinstellungen arbeiten. Aber ich hoffe es ist trotzdem sichtbar und verständlich.
@ Michael: die Maupas-Körper haben sich nach dem Platzen der Zellen mit der Zeit aufgelöst. Genauso wie Du es schon beobachtet hast.
Viele Grüße in die Runde.
Gerald
Hallo Gerald,
wenn Du ein Hilfsobjekt Rot I (Lambda) in 45° zu den gekreuzten Polarisatoren einbringst, zeigen die Stärkekörner das Kreuz farbig je nach Drehung blau/gelb. Dass das Kreuz bei intakten Zellen nicht zu sehen ist, könnte an der sehr unregelmäßigen Form der Körner liegen; bei geringer Schichtdicke werden si geplättet und in ein ovale Form gezwängt. Je nach System müsste man auch im DIC ein Kreuz sehen (bei Kartoffelstärke/geplätteten Zellen).
Excellent Gerald!