Hallo zusammen,
Ich klaue jetzt einfach mal diesen Betreff von Anne, nicht, weil mir nichts besseres einfällt, sondern weil es hier u.a. um einen Organismus geht, den ich in mehr als 20 Jahren intensiver Mikroskopierei noch nicht gesehen habe und der meines Wissens hier im Forum auch noch nie gezeigt worden ist. Deshalb hier der Hinweis auf eine Muschel larve, die in z. Zt. in großer Anzahl in einem der Ruhr Stauseen (Baldeney-See) auftritt:
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Mollusca/image/Dreissena-sp_302-5c-800.jpg)
Diese segeln mit verschiedenen Cilien-Feldern (deshalb mein Interesse ;-)) ziemlich schnell durchs Wasser.
Dann stelle ich noch ein Bild von einem weiteren Organismus ausgegebenem Anlass mit Bezug zu dem Faden hier:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=51914.0 ein:
das Rädertier Trichocerca rattus ist zur Zeit ebenfalls sehr häufig im Plankton des Baldeneysees ist zu finden.
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/Trichocercidae/im/Trichocerca-rattus_351-5e-800.jpg)
(Mehr dazu hier hier (https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Trichocerca%20rattus.html))
Und das ist genau diejenige Art, bei der Amsellen und Clement (1988) die Muskeln ziemlich intensiv mit einem Elektronenmikroskop untersucht haben. Die Arbeit ist hier zu finden:
https://www.academia.edu/25779015/The_muscle_of_a_monogonont_rotifer_Trichocerca_rattus_II_The_central_retractor_muscles?auto=download
Und, um es kurz zu machen: ja, selbstverständlich haben die quergestreiften Muskeln der Rädertiere Sarkomere (sonst wären es keine quergestreiften Musklen).
Dazu noch eine weitere Ergänzung: die hier im Forum allseits wegen der ,,schönen Bilder" beliebte Fluoreszenzmikroskopie hat in Form der Immunofluoreszenzmikroskopie einen hohen diagnostischen Wert, weil die Fluoreszenzfarbstoffe selektiv bzw. spezifisch an bestimmte Organelle oder Strukturen binden. So bindet z.B. Phalloidin an die Aktinmoleküle innerhalb der (quergestreiften) Muskelfasern. Eike Wilts hat mit Bezug zu Rädertieren mal einen Artikel mit schönen Bildern dazu im Mikrokosmos geschrieben (Mikrokosmos 100 Heft 2 (2011))
Beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
danke für den Link zu dem Wilts-Artikel. Ich habe in dem anderen Thread noch einen Link ergänzt, der sich mit der Dickenmessung von Myofilamenten bei Rotiferenmuskeln beschäftigt und zum Schluss kommt, dass dünne und dicke Filamente mit den Durchmessern von Actin und Myosin vorliegen.
Ich habe die Diskussion jetzt im anderen Thread (in dem sie ja entstanden ist) mal abgeschlossen.
Hallo Michael,
das ist die Veligerlarve der Zebramuschel oder, wahrscheinlicher, der Quaggamuschel (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28729.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28729.0)). Zur Unterscheidung müßtest du die Muscheln suchen und bestimmen. Die leben eher in etwas tieferem Wasser, aber du bist doch Taucher ;) . Wahrscheinlich findest du aber auch Muschelschalen am Ufer.
Diese invasiven Muscheln haben sich in den letzten 20 Jahren auch in Deutschland in allen größeren Flüssen und Seen ausgebreitet. Besonders in Seen sind sie so was wie die Pest. Eine Muschel filtriert etwa 1 Liter Wasser pro Tag. Die Populationsdichte kann bis zu mehreren hunderttausen Exemplaren pro Quadratmeter (!) betragen. Da werden selbst große Seen nachhaltig von Plankton befreit. So ist zum Beispiel das in den letzten Jahren viel klarer gewordene Wasser des Bodensees zu einem großen Teil auf diese Viecher zurückzuführen. Sehr zum Leidwesen der dortigen Fischer. Zu allem Überfluß kann eine Muschel pro Jahr bis zu mehreren hunderttausend Eier, also nach Befruchtung Veligerlarven, produzieren.
Ich empfehle, Veligerlarven-haltiges Wasser fast wie Sondermüll zu behandeln. Also z. B. im Garten auf den Boden zu kippen und bloß nicht in irgendeinen Teich oder Bach zu gießen.
Viele Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
vielen Dank für den Hinweis zur Quagga-Muschel; die Veligers hier sehen anders aus als die von Dreissena in deinem Link, eher ,,dreieckig". Von daher hatte ich auch den Verdacht auf eine andere (invasive) Art. Könnte also wirklich ein Organismus sein, der hier nicht zu Hause ist...
Leider ist die Tauch-Infrastruktur am Baldeneysee etwas unterentwickelt (keine Luft, keine Dusche, kein Bier), deshalb dann doch eher Indonesien ( aber erst im Dezember)....
Beste Grüße
Michael
Hallo Michael,
so viel ich weiß, sind die Quagga- und Zebramuschel die einzigen bei uns im Süßwasser vorkommenden Muscheln mit Veligerlarven.
Viele Grüße
Bernd