Hallo zusammen,
nachdem ich nun seit März mitlese, dabei mit großem Spaß in vielen Threads gewühlt, über detaillierte Infos und tolle Fotos gestaunt habe, schon ein paar mal direkte Hilfe aus dem Forum in Anspruch genommen und den ein oder anderen Kauf getätigt habe ;) würde ich hier gerne zeigen, womit ich mich in den letzen Monaten beschäfigt habe, nämlich einem Bildvergleich zwischen meinen beiden Hauptmikroskopen:
Zeiss Standard 18
- achr. apl. INKO-Kondensor mit Frontlinse 1,4, DIC-Positionen I, II, III, (IIII ist leer), Ph 2, Ph3
- DIC-Ausstattung (DIC alt: Schieber II im Zwischentubus)
- Kameraadaption: Pentax K-5 mit 40 mm Pancake-Objektiv über Okular Kpl W10x/18 Brille und Reprostativ
Zeiss Primostar 3
- Full-Köhler Version
- ABBE-Kondensor 0,9
- Phasenkontrast-Ausstattung (Phasenkontrast-Schieber)
- Kameraadaption: mechanische Adaption einer Canon EOS 600D mit Lacerta PriT2set
Setup:
1_Setup.jpg
Bildfeldvergleich (Blick durchs Okular vs Kamerabild):
2_Bildfeld.jpg
Bildvergleich an einem Diatomeenpräparat:
- Jedes Bild zeigt möglichst immer den gleichen Ausschnitt von Gyrosigma reimeri
- Bei allen Aufnahmen habe ich versucht die Areolen möglichst scharf abzubilden (Fokus auf die Mitte der Schale)
- Alle Bilder wurden im Live View Modus mit Mirror Lockup (MLU), Fernauslösung und 2-3 sec Verzögerungszeit aufgenommen
- Die Kameraeinstellungen (Belichtungszeit, Weißabgleich) habe ich nicht groß optimiert, daher die unterschiedlichen Helligkeiten und Farbtemperaturen (Lampenintensität am Mikroskop wurde nach visuellem Eindruck am Okular justiert)
- Alle Bilder sind unbearbeitet (bis auf das Ausschneiden und Skalieren)
- Ich habe folgende Objektive / Kontrastverfahren miteinander verglichen:
Primostar 3:
-- Zeiss iPlan Achromat 40/0,65 Ph2 im Hellfeld
-- Zeiss iPlan Achromat 40/0,65 Ph2 mit schiefer Beleuchtung (Schieflichtkeil von Stephan Hiller)
-- Zeiss iPlan Achromat 40/0,65 Ph2 im Phasenkontrast (Primostar Phasenkontrastschieber)
-- Zeiss iPlan Achromat 100/1,25 Ph3 im Phasenkontrast, Objektiv und Kondensor mit Öl immergiert
Zeiss Standard 18:
-- Zeiss Plan 40/0,65 im Hellfeld
-- Zeiss Plan 40/0,65 mit schiefer Beleuchtung (Revolverkondensor außerhalb der Raststellung)
-- Zeiss Plan 40/0,65 im DIC
-- Zeiss Ph2 Neofluar 40/0,75 im Phasenkontrast
-- Zeiss Planapo 40/1,0 Oel m.I., Objektiv und Kondensor mit Wasser immergiert
-- Zeiss Winkel Ph3 Neofluar 63/0,90 im DIC (Deckglaskorrektur auf 0,17 mm eingestellt)
-- Zeiss Plan 100/1,25 Oel m.I., Objektiv und Kondensor mit Wasser immergiert
3_Gyrosigma_Detail_Vergleich.jpg
Mein persönliches Fazit:
- Das Zeiss Standard liefert insgesamt bessere Bilder als das Primostar.
- Fürs Zeiss Standard gibt es allerdings auch ein große Auswahl toller Objektive (wie Neofluar und Planapo), die höhere numerische Apertur führt hier auch zu merklich besserer Auflösung (zu sehen im Vergleich Plan 40/0,65 Ph2 vs Neofluar 40/0,75 Ph2). Solche Aufrüstmöglichkeiten gibt es beim Primostar 3 nicht, ganz zu schweigen vom DIC natürlich.
- Ich ziehe Wasserimmersion der Ölimmersion deutlich vor, weil das Putzen einfach viel schneller geht und Fertigpräparate dabei weniger in Mitleidenschaft gezogen werden.
- Mit schiefer Beleuchtung lassen sich wirklich viele Details herauskitzeln: Beim Primostar ist die Auflösung unter schiefer Beleuchtung deutlich besser als im Phasenkontrast, am Standard 18 ist der Kontrast zwar schwächer als im DIC, die Auflösung ist aber vergleichbar (jeweils beim Plan 40/0,65 Objektiv, siehe die beiden Bilder unten).
- Das Sehfeld am Primostar ist deutlich größer als am Standard 18 und macht dadurch wirklich Freude. Subjektiv habe ich beim Blick durchs Okular allerdings am Primostar mehr Mühe, feine Details zu erkennen (es kommt mir vor, als würde das Standard 18 stärker vergrößern, obwohl ja beide Mikroskope 10x Okulare haben und nur die Sichtfeldgröße sich unterscheiden sollte)
- Beide Kameraadaptionen führen zu scharfen Bildern (minimal weniger scharf als der Eindruck am Okular). Die Pentax K-5 ist leider nicht für eine feste Adaption (direkt verbunden mit dem Mikroskop) geeignet, das Bild verwackelt dann immer leicht, da sie keinen EFCS (electronic front curtain shutter) hat, der bei der Canon im Live View Modus mit MLU automatisch aktiviert ist.
Vergleichsbilder Plan 40/0,65 am Standard 18:
DIC (die gefurchte Erhebung in der Mitte der zentralen Diatomee ist deutlicher zu erkennen):
Standard18_Plan40_DIC_DxO-1.jpg
Schiefe Beleuchtung (die Areolen der zentralen Diatomee sind besser aufgelöst):
Standard18_Plan40_Schieflicht_DxO-1.jpg
Ich hoffe der Vergleich kann ein paar Neueinsteigern bei der Kaufentscheidung helfen und ich bin gespannt auf Eure Kommentare!
Viele Grüße,
Sebastian
Hallo Sebastian,
Um ein guter Vergleich durch zu führen sollte die beide Kamera-Adaptionen Optimal sein und müssen die Bedingungen gleich sein. Das sind sie bei dir nicht. Die zwei letzte Bilder von Standard 18 zeigen deutlich chromatische Aberration und Verzerrung, etwas ist nicht richtig justiert. Die Wasserimmersion deiner Oel-Objektive halte ich nicht für optimal, die Objektive sind dafür nicht gerechnet. Du schreibst als würde das Standard 18 stärker vergrössern, du hast vielleicht ein Tubusfaktor 1.25, damit wird alles grosser sein.
Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Sebastian,
da hast Du Dir viel Arbeit gemacht.
Für mich ist es (trotz der vielen Arbeit) jedoch ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, bzw. eines Routinemikroskops mit einem Mikroskop mit Wunschausstattung, daher hinkt der Vergleich. Zudem noch unterschiedliche Kameras benutzt worden sind.
Das Einzige was man evtl. vergleichen kann und darf ist das 40er Objektiv Hellfeld und Schräglicht. Wobei es bei Schräglicht nahezu unmöglich ist exakt die gleichen Einstellungen zu bekommen.
Ich denke es gibt für beide Mikroskope viele zufriedene Nutzer für die jeweilige passende Anwendung.
lG
anne
Hallo Anne und Rolf,
Vielen Dank für Euer Feedback und Eure Einschätzung!
@Anne: Du hast natürlich Recht, der Vergleich zwischen den beiden Mikroskopen (mit ihren ganz unterschiedlichen Ausstattungen und Kameraadaptionen) hinkt schon gewaltig. Ich war mir bei der Anschaffung allerdings sehr unsicher, ob ich nun lieber ein modernes Routinemodell mit Unendlich-Optik oder einen bewährten Endlich-Klassiker mit vielfältigen Aufrüstmöglichkeiten anschaffen will. Am Ende wurde es beides :), aber ein paar Vergleichsbilder hätte ich mir damals schon gewünscht.
Jetzt wo ich beide habe (und auch beide gerne nutze), hatte ich aber immer noch das Gefühl, dass ich selbst beim schnellen Wechsel zwischen Mikroskopen, Objektiven und Kontrastverfahren die Detailunterschiede nur subjektiv bewertet konnte. Mit den Test-Diatomeen hat es mir nun wirklich Spaß gemacht, diese Fotoserie zu machen und im Detail und im direkten Vergleich nebeneinander zu schauen, was sich da alles unterscheidet.
@Rolf:
Der Tubus hat tatsächlich einen Faktor von 1,25, steht sogar gut sichtbar drauf :), danke für den Hinweis!
Bei den beiden Multi-Immersions-Objektiven hatte ich mal einen Vergleich zwischen Wasser- und Ölimmersion gemacht und keinen großen Unterschied festgestellt. Zu dem Zeitpunkte hatte ich aber noch keine Test-Diatomeen und das DIC-Primsa III fürs 100er war dejustiert... Den Vergleich zur Ölimmersion werde ich wohl noch nachziehen.
Bezüglich der chromatischen Abberration am Standard 18: Die ist tatsächlich recht stark, ich dachte es liegt vielleicht am Eindeckmedium. Ich habe unten einen Vergleich zwischen Kamerabild und Okularansicht gemacht, sowohl mit einem Objektmikrometer (da finde ich die Farbsäume gar nicht schlimm), als auch mit einem anderen Diatomeenpräparat (da sieht man die wieder deutlich). Für mich sieht es allerdings so aus, als ob die chromatische Aberration im Okluar genauso auftritt. Das hieße ja, irgendwas im Mikroskop (und nicht an der Kamera oder den Okularen) wäre dejustiert, könnte das die Beleuchtung oder der Kondensor sein, oder eher der Tubus? Hast Du vielleicht einen Tipp, wie ich die Ursache am besten ausfindig machen kann?
Liebe Grüße,
Sebastian
Farbsäume om Objektmikrometer:
Std18_Plan40_Objektmikrometer_Farbsäume.jpg
Farbsäume an einer anderen Diatomee (Pinnularia?):
Std18_Plan40_Pinnularia_Farbsäume.jpg
Hallo Sebastian,
Der Fototubus an dem Trino hat eine Schnecke zur Höhenverstellung, d.h., es könnte sein, dass da nicht die richtige Tubuslänge von 160mm eingestellt ist, ein Muss für eine Abbildung mit möglichst geringer chromatischer Aberration. Das ist auch umso wichtiger, je höher korrigiert die Objektive sind. Was kann man tun? Der binokulare Beobachtungstubus selbst hat keine Dioptrienverstellung; man braucht daher stellbare Okulare. Lege in eines eine Strichplatte ein, halte das Okular gegen eine homogen und breit ausgeleuchtete helle Wand, stelle die Markierung der Platte mit der Dioptrieneinstellung scharf stecke es dann in einen der Okularstutzen am Bino. Ändere die Dioptrieneinstellung dieses Okulares nicht mehr und fokussiere nun ein Präparat mit demselben Auge, mit dem Du die Strichmarke vorher scharf eingestellt hast. Damit hast Du die korrekte Schärfeebene für eine TL von 160mm definiert. Das nicht stellbare Okular KPl 10x W bleibt im Fototubus. Kamera einschalten und das Monitorbild durch Drehen an dem dicken silbernen Rohr des Fototubus auf dem Monitor scharf; dazu muss eine Inbusschraube in dem grauen Ring am Fototubus gelockert werden. Jetzt sollten Beobachtung und Foto parfokal für die nominale TL 160mm parafokal sein. Die Inbusschraube wieder festdrehen (bitte nicht festknallen). Zusätzlich kann man die eingestellte Höhe mit einem Bleistrich an der Grenze zwischen dem silbernen und dem grau lackierten Teil markieren.
Ich hoffe, das hilft Dir ein bisschen weiter.
Hello Sebastian,
Regarding water immersion objectives-
I believe those are better for water mounts, rather than mounted Diatoms that are optimized for oil.
Hallo Jürgen und Ariel,
Vielen Dank für Euren Input! Ich hab schon geahnt, dass ich noch einiges dazuzulernen habe! ;)
@Jürgen: Vielen Dank für die ausführliche Anleitung. Ich hatte das Okular am Fototubus mittels Schneckengewinde parfokal zu den beiden Okularen im Binotubus eingestellt, im Prinzip so wie du es beschrieben hast. Da aber keines meiner Okulare stellbar ist, musste ich dabei mit der gegebenen Tubuslänge des Binotubus leben. Die Definition der korrekten Schärfeebene über ein stellbares Okular mit Strichplatte werde ich auf jeden Fall noch durchführen (allerdings nach meinm Urlaub und sobald ich ein stellbares Okular mit Strichplatte über den Mikro-Markt besorgt habe :)). Worüber ich bisher nie nachgedacht habe: Ist ein Tubus ohne Dioptrieneinstellung mechanisch ab Werk eigentlich immer schon minimal kürzer als die nominalen 160 mm, damit man dann mit einem stellbaren Okular in beiden Richtungen (+/-) justieren kann? Dann bräuchte ich für das Bino ja eigentlich zwingend zwei stellbare Okulare... ???
@Ariel: Thanks for pointing that out, I didn't really think on that, now I'm definitely going to make additional comparison photos with oil immersion!
Liebe Grüße,
Sebastian
Guten Tag Sebastian
Wegen deiner Suchanfrage: zum Abstimmen des Fototubus reichen stellbare Zeiss West Okulare mit Strichplatte, es muss kein Kpl-W sein. Ein einfacheres Paar Cpl oder Kpl 8x (ohne Brille) würde auch reichen. Das kann man sich bestimmt auch ausleihen.
Grüße
Peter
Hallo Peter,
Vielen Dank für den Hinweis, es muss also gar nicht so kompliziert sein...
Ich bin über den Mikro-Markt auch schon fündig geworden und berichte dann bald gerne, wie die Justage gelaufen ist.
Beste Grüße,
Sebastian
Hallo Sebastian,
damit ein Okular als Projektiv wirkt, also ein reelles Bild entwirft, muß es um einen bestimmten Betrag gegenüber der Verwendung als (Okular= Lupe) angehoben werden. Beim Kpl 8x- Okular sind das -je nach Abstand Kamerasensor zum Okular- etwa 3 - 5 mm.
Man kann sich dazu kleine Pappringe basteln. Den richtigen Abstand der Kamera ermittelt man so:
Am besten nimmt man als Testpräparat ein Objektmikrometer. Dann braucht man ein schwächer vergrößerndes Objektiv (10x oder 16x), sehr gut geeignet ist das NEOFLUAR 16x Ph2. Im Phasenkontrast sieht man die Fokusebene der Objektmikrometer- Teilstriche besonders gut. Ebenso Astigmatismus und sphärische Aberration. Das "Foto- Okular" wird im Tubus versuchsweise um etwa 3- 5 mm angehoben. Jetzt stellt man zunächst die Beobachtungsokulare auf die eigene Fehlsichtigkeit ein (Brille auflassen) und fokussiert auf die Teilstriche. Dann wird die Kameralänge verändert, bis die Kamera ebenfalls die gleiche Fokusebene zeigt. Fertig. Bei mir wirkt dann das S- Kpl 10x- Okular wie ein Projektiv 3,2x.
Cpl- Okulare haben einen anders korrigierten Farbquerfehler (CVD) als die Kpl- Okulare. Die Kpl- Okulare sind besonders für die besser korrigierten CZO 160mm- Objektive (NEOFLUAR, Plan- NEOFLUAR, Apo, Planapo) gerechnet.
LG
Michael
NACHTRAG: Die Okulare Kpl W 10x sind als Projektiv nicht so gut, wie ein staubfreies Kpl 8x. Besonders gut sind diese Okulare in Verbindung mit einem CZO- Grundkörper. Dazu gab es auch einmal im MIKROKOSMOS in den 1970er Jahren einen Artikel von Dale Quakenbush. Auch die LEITZ PERIPLAN 10x Okulare mt dem roten Punkt harmonieren sehr gut mit der alten CZO 160 mm- Optik. Am besten ist aber das Okular S- Kpl 10x/ 20, welches speziell ür diesen Zweck entwickelt wurde (weniger zum visuellen Einsatz).
Hallo Michael,
Vielen Dank für deine nützlichen Tipps zur optimalen Verwendung eines Objektmikrometers zur Justage und für die wertvollen Infos zur Eignung verschiedener Okulare zur Fotoadaption!
Zur Anhebung des Okulars im Fototubus muss ich zugeben, dass ich die optischen Zusammenhänge noch nicht vollständig verstanden habe, vielleicht könnte mir jemand hier eine kleine Nachhilfe zu den folgenden Fragen geben?
Meine aktuelle Fotoadaption am Zeiss Standard müsste der Variante 2b gemäß Mikrofibel entsprechen (siehe Auszug unten): Das Okular im Fototubus entwirft hierbei ein virtuelles Bild des reellen Zwischenbilds (vom Objekt) im Unendlichen. Dieses wird vom 40 mm Pancake Objektiv meiner DSLR (auf Unendlich fokussiert) wieder als scharfes Bild auf den Kamerasensor gebündelt (analog zur Pupille des Auges, die ein Bild auf die Netzhaut wirft).
Frage 1: "Im Unendlichen" heiß, dass die aus dem Okular austretenden Strahlen eines Bildpunktes parallel verlaufen. Durch diese Parallelität ist der genaue Abstand des Kameraobjektivs zum Okular nicht mehr wichtig, das ist auch meine praktische Erfahrung am Reprostativ (ich kann die Kamera in einem sehr breiten Bereich ans Okular annähern oder entfernen, ohne dass die Bildschärfe sich dabei ändert, nur die Große des Bildausschnitts ändert sich). Parallele Strahlen treten allerdings nur dann auf, wenn der Abstand von Okular und Zwischenbild genau der einfachen Brennweite des Okulars entspricht. In diesem Fall wird das Bild aber nicht vom Okular vergrößert (Sammellinse wirkt nur als Lupe, wenn das Objekt bzw. reelle Zwischenbild innerhalb der einfachen Brennweite liegt). Kann das wirklich sein oder habe ich was falsch verstanden?
Auszug aus der Mikrofibel:
Mikrofibel Kameraadaption.jpg
Die Anhebung des Okulars verwandelt es in ein Projektiv, das dann ein reelles Bild erzeugt, das entspricht Variante 2d gemäß Mikrofibel.
Frage 2: In diesem Fall muss der Kamerasensor selbst an den Ort des reellen Bilds gebracht werden, ein zwischengeschaltetes Kameraobjektiv kann damit aber nicht mehr verwendet werden, richtig?
Ich nehme an, der große Vorteil würde hierbei im Verzicht auf unnötige Optik beruhen (keine weiteren Aberrationen oder Reflexe)?
Vor dem Wechsel aufs Repro-Stativ hatte ich übrigens versucht, meine Pentax K-5 ohne Kameraobjektiv mit einem Asahi Mikroskopadapter direkt am Fototubus zu adaptieren (beides auf Basis der hilfreichen Infos von Thomas Gade: https://www.photoinfos.com/Mikroskope/Mikroskop-Fotografie.htm). Ich habe dabei aber erstens nur verwackelte Bilder hinbekommen (auch mit LiveView Shooting und Spiegelvorauslösung) und zweitens hat das Schneckengewinde des Fototubus nicht genug Raum für ausreichende Anhebung des Okulars geboten. Den Tipp mit den Pappscheiben muss ich also unbedingt ausprobieren!
Vielen Dank für Deine ausführlichen Hinweise und Beste Grüße,
Sebastian
Hallo Sebastian,
im Prinzip scheinst Du das ja alles richtig verstanden zu haben. Es gibt letztlich zwei grundlegende Vorgehensweisen bei der Adaptierung einer Kamera an ein Mikroskop mit Optik endlicher Tubuslänge:
1. Die afokale Projektion: Hier wird die Situation der Beobachtung mit dem Auge nachgespielt, d.h., das Okular wird mit (exakter) nominaler Tubuslänge eingesetzt (jede Abweichung liefert hier optische Fehler, die sich im Bild niederschlagen; die Rolle der Linse im Auge wird von einem auf Unendlich eingestellten Kameraobjektiv übernommen; die Kamerablende spielt dabei letztlich keine Rolle, solange sie nicht kleiner eingestellt ist wie das abbildende Strahlenbündel aus dem Okular (Vignettierung). Tatsächlich ist der Kameraabstand bei diesem Vorgehen nicht sehr streng einzuhalten; die beste Einstellung ist hier wenn Okular-Austritts- und Kameraobjektiv-Eintrittspupille zur Deckung gebracht werden, dann sollte keine Vignettierung eintreten und auch die optischen Fehler am geringsten sein. Deshalb darf das als Relais-Optik verwendete Kamera-Objektiv nicht zu lang gebaut sein.
2. Die fokale Anpassung durch Projektion eines reellen Bildes auf den Sensor; ein Kameraobjektiv muss dann entfallen. Dies kann entweder mit einem Projektiv erfolgen oder durch Umfokussieren eines Okulares, das dadurch zum Projektiv wird. Das Okular muss dazu um 2-4mm angehoben werden.
Zwei Dinge in Deinem letzten Post versteh ich nicht:
1.
Zitat... hat das Schneckengewinde des Fototubus nicht genug Raum für ausreichende Anhebung des Okulars geboten. ...
Der Fototubus M (den Du ja auf dem Standard hast) hat eine Höhenverstellung von insgesamt 8mm (!), das sollte doch eigentlich reichen.
2.
Zitat... Parallele Strahlen treten allerdings nur dann auf, wenn der Abstand von Okular und Zwischenbild genau der einfachen Brennweite des Okulars entspricht. In diesem Fall wird das Bild aber nicht vom Okular vergrößert (Sammellinse wirkt nur als Lupe, wenn das Objekt bzw. reelle Zwischenbild innerhalb der einfachen Brennweite liegt). ...
Natürlich vergrößert das Okular das Zwischenbild. Wenn man mit entspanntem, also auf Unendlich eingestelltem Auge durch eine Lupe blickt, erhält man ein scharfes Bild, wenn der Gegenstand in der vorderen Brennebene liegt. In dieser "Situation" befinden sich doch auch Okular und Kameraobjektiv bei korrekter Adaptierung.
Hallo Jürgen,
Vielen Dank für Deine Erklärungen und Deine Geduld! (Jetzt verstehe ich auch den Nachbar-Thread von Daniel besser, der sich ja ebenfalls mit den korrekten Abständen bei der Kameraadaption beschäftigt: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=51989.0, entschuldigt die Redundanz!)
Bezüglich Höhenverstellung am Fototubus M: Ich musste für ein scharfes Bild auf dem Kamerasensor die breite, graue Manschette abnehmen, die normalerweise die Höheneinstellung begrenzt, und den Tubus dann noch etwas weiter herausschrauben als eigentlich vorgesehen. Dadurch wurde der ganze Aufbau noch wackliger und ich hab dann auf die afokale Projektion gewechselt. Es ist aber gut möglich, dass der verwendete Pentax Fotoadapter nicht optimal war, mit den zahlreichen Tipps aus diesem Thread werde ich mich nochmal eingehender damit beschäftigen.
Bezüglich Lupenbild bei Gegenstandsweite g = Brennweite f: Ich glaube hier bin ich meinem eigenen Unverständnis und confirmation bias durch KI aufgesessen... Auf eine entsprechende Frage (Was sieht man durch eine Lupe, wenn der Gegenstand im Abstand genau einer Brennweite liegt?) hat mir die Google KI folgendes geantwortet "Wenn eine Lupe so gehalten wird, dass die Gegenstandsweite (Abstand vom Objekt zur Linse) gleich der Brennweite der Lupe ist, dann entsteht kein vergrößertes Bild, das man mit dem bloßen Auge betrachten kann. Stattdessen wird das Bild unscharf und verschwindet." Nach weiterer Recherche habe ich es nun aber besser erklärt (und wohl auch richtig ;) ) gefunden:
https://wissenstexte.de/physik/brennpunkt.htm
https://www2.physki.de/PhysKi/index.php/Lupe
Der zweite Link erklärt auch gut den Unterschied zwischen Nutzung einer Lupe bei entspanntem Auge (wie am Mikroskop-Okular) und bei akkomodiertem Auge.
Liebe Grüße,
Sebastian
Hallo,
wenn man das Okular als Projektiv verwendet um ohne Kameraobjektiv zu fotografieren, hängt die notwendige Okularanhebung natürlich stark von der Okularvergrößerung (also dessen Brennweite) und von der gewünschten Bildgröße (und damit vom Kamerasensorformat) ab.
Außerdem hängt die erreichbare Bildqualität dabei einerseits vom Okulartyp ab, da manche empfindlicher auf die Abweichung vom konstruktiven Strahlengang (Bildort in unendlicher Entfernung) reagieren. Und auch vom verwendeten Abbildungsmaßstab des Okulars, umso kleiner das Bild werden soll (für kleine Sensoren), desto schlechter wird die Bildqualität am Bildrand.
Hubert
Hallo Hubert,
Vielen Dank für Deine Einordnung, bei der Umfokussierung eines Okulars scheint mir doch noch einiges mehr zu beachten zu sein, als bei der Projektion mit Relais-Optik. Ich werde mich zuerst auf Zweiteres konzentrieren... aber letztendlich muss ich wohl erpröbeln was an meinem System die besten Fotos ergibt :)
Viele Grüße,
Sebastian