Hallo zusammen,
immer mal wieder sieht man an frisch geschälten, äußerlich unauffälligen, Kartoffeln das folgende Bild.
20250909_123522.jpg
20250909_123533.jpg
20250909_123458.jpg
Weiß jemand, wie das zustande kommt?
Besenreiser-Varizen werden das ja eher nicht sein.
Viele Grüße
Reinhard
Hallo Reinhard,
hast du Lactophenolblau bei dir? Eventuell ist es ein Pilz :-)
lg Daniel
Leitungsbahnen?
Hallo Daniel,
das habe ich nicht. Könnte man damit Pilze ( in Kartoffeln) einigermaßen sicher identifizieren?
Gäbe es ein typisches Bild am Mikroskop?
Hallo Thomas,
...Leitungsbahnen?
also z.B. Lymphbahnen? ;-)
Ist ja nicht bei allen Kartoffeln so.
ChatGPT hatte übrigens den tollen Vorschlag: Drahtwürmer. Das passt ja wohl gar nicht...
VG
Reinhard
Hallo Reinhard,
der gebräuchliche Trivialname lautet Baumwollblau (Cotton Blue). In der Literatur sowie in entsprechenden Fachforen findet man zahlreiche Informationen dazu. Der Farbstoff bindet spezifisch an Chitin in den Zellwänden von Pilzen und wird daher häufig in der Mykologie zur mikroskopischen Darstellung von Pilzstrukturen eingesetzt.
lg Daniel
Hallo Reinhard,
ZitatDie Lactophenolblau-Lösung ist eine Mischung aus Glycerin, Phenol, Wasserblau und Milchsäure in wässriger Lösung. Sie wird insbesondere in der Mykologie zur Untersuchung von Pilzen eingesetzt. Diese spezielle Färbelösung bietet hervorragende Eigenschaften zur Visualisierung von Pilzstrukturen und trägt maßgeblich zur differenzierten Betrachtung dieser Organismen bei.
In dieser Lösung wirkt Wasserblau als primärer Farbstoff, der aufgrund physikalisch-chemischer Interaktionen mit den biologischen Materialien der Pilzzellen eine intensive Blaufärbung der Pilzstrukturen erzeugt.
Quelle: Morphisto
kann ich Dir anmischen :-)
Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
das wäre nett. Ein paar Milligramm würden ja wahrscheinlich reichen.
Meine Adresse kommt.
Viele Grüße
Reinhard
Baumwollblau ist ziemlich identisch mit Königsblauer Tinte von Pelikan.
Viele Grüsse
Florian
Hallo Florian,
ich glaube das ist so nicht richtig, im Lactophenolblau sind noch Sachen drin die (hoffentlich!) nicht in Tinte zu finden sind!
lg Daniel
Hallo,
hier: https://www.dgfm-ev.de/publikationen/beihefte-z-mykol/beiheft-12-2012-grosspilze-im-mikroskop
sind drei PDFs abgelegt.
Darin findet ihr Grundlagewissen zur Pilzmikroskopie.
Für Baumwollblau verwendet man nicht Tinte oder irgend ein Blau sondern Methylblau.
Es gibt unteschiedliche Rezepte was die Zutaten betrifft auch solche ohne Phenol.
Nicht alle Pilzhyphen lassen sich mit Baumwollblau optimal anfärben.
Grüsse Arnold Büschlen
Hallo Arnold,
vielen Dank;
das ist jedenfalls genügend Lesestoff.
Können die darin beschriebenen "Großpilze" für meine Fragestellung hilfreich sein?
Dann müssten diese doch, laienhaft gedacht, auch irgendwo auf dem Kartoffelacker zu finden sein.
Ich werde wohl einige weitere Kartoffeln "opfern" müssen, um zusätzliche Informationen zu bekommen.
Dem ersten Anschein nach könnte eine
gewisse Symmetrie der Strukturen vorliegen.
VG
Reinhard
Hallo,
Bei der Anwendung von Baumwollblau in der Pilzmikroskopie geht es darum, die Frage zu beantworten ob Strukturen cyanophil sind, oder nicht.
Cyanophil sind nicht alle Pilzstrukturen wie : Hyphen, Sporenoberflächen, Basidien, und, und.
Z.B. können Sporenoberflächen nur einer Gruppe von Arten einer Gattung cyanophil sein.
Grüsse Arnold Büschlen
Hallo Reinhard,
Wenn überhaupt Pilze, dann eher nicht Basidiomyceten.
Mir geht es um die Anwendung von Baumwollblau und um die Frage: welches Blau im Baumwollblau.
Grüsse Arnold
Warum nicht Uvitex versuchen?
Carsten
Hallo Arnold,
ich verstehe es ja gut, dass Du für reproduzierbare wissenschaftliche Färbungen von Pilzstrukturen (u. a. nachweis der Cyanophilie (ich glaube, auch in der Schweiz mit "i" :-)) nur Reagenzien definierter Zusammensetzung verwendest und habe zu diesem Behufe auch irgendwo Lactophenol Baumwollblau herumstehen.
Allerdings enthält königsblaue Tinte von Pelikan ebenfalls Baumwollblau, siehe
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ciuz.201980065
"Königsblaue Tinte (Pelikan Tinte 4001® enthält den Triphenylmethanfarbstoff Methylblau (3) (Vorsicht: nicht mit Methylenblau verwechseln; andere Tintenbereitungen können zusätzlich Wasserblau enthalten (8, 10))."
Laut http://www.aeisner.de/daten/methylblau.html ist Methylblau ein Synonym für Baumwollblau.
Königsblaue Tinte färbt meiner Erfahrung nach Pilzstrukturen ganz ausgezeichnet und ist dabei wesentlich einfacher erhältlich. Zumindest, um Kartoffelschnitte anzufärben sollte sie mehr als ausreichen. Die anderen Komponenten (Glycerin, Milchsäure, Phenol) dienen ja eher der Aufhellung.
Viele Grüsse
Florian
Lieber Reinhard,
hier mal eine typischer Antwortverlauf zu einer solchen Frage in anderen Portalen. Reichlich Antworten, aber es domnieren Nichtwissen, Vermutungen, nur bedingt witzige Spam-Antworten und eine Antwort, die KI-generiert klingt.
https://www.reddit.com/r/Kochen/comments/11xfy3b/kartoffeln_haben_haarriss_f%C3%B6rmige_braune/
Was Du sicher auch schon getan hast: Googlen. Es findet sich viel zu "potatoes disease" oder anderen Suchbegriffen, allerdings werden zumeist Bilder eines Quer- oder Längssschnittes durch die ganze Kartoffel gezeigt. Gerade Du als Radiologe solltest doch... ;) Hast Du denn mal eine solche Kartoffel entsprechend geschnitten? Also bereite doch mal Bratkartoffeln zu und nicht nur Pellkartoffeln! Vielleicht brächte das eine Erhellung?
Hezrliche Grüße
Peter
Lieber Peter,
das ist doch längst geschehen und das, obwohl mein Labor zu großen Teilen einer Art "Marcellus-Flut" ( ohne "Mandränke") zum Opfer gefallen ist.
Ich stelle hier mal eine etwas gewagte ad-hoc Diagnose als Summe meiner Überlegungen:
es handelt sich um die gefährliche Kartoffel-Krankheit "zebra-chip-disease", die eigentlich nur in USA seit wenigen Jahren gehäuft auftritt. Es ist eine bakterielle, durch vectoren übertragene Erkrankung.
Hier weitere Bilder von heute und Veröffentlichungen von Universitäten in Utah und Dakota mit Bildern.
20250910_155403.jpg
20250910_162106.jpg1722376907-zebra-chip-disease20160618-8786-xbg9qx.jpgzcd.jpg
Rest folgt
LG
Reinhard
Nachtrag !!!
https://cipotato.org/wp-content/uploads/2020/01/English-G.-Secor-Day-1.pdf
2. Nachtrag20250910_172350.jpg20250910_172435.jpg
Erhitzen für 5 min. bei 190°C im airfryer. (deshalb auch "chip")
Kommt doch den Photos aus den Veröffentlichungen schon ziemlich nahe.
Schönen Abend
Reinhard
Hallo Freunde der interessanten Kartoffelkrankheiten,
nichts ist so alt wie die Diagnose von soeben! :-[
Ich bevorzuge nun eine etwas weniger gewagte Diagnose:
"Netznekrosen bei leafroll-virus-disease" der Kartoffel. (PLRV)
Diese spielt sich deutlicher im Mantelbereich der Knolle ab.
https://ecommons.cornell.edu/server/api/core/bitstreams/06b89462-b910-4275-89fe-3a850b9080d7/content
Noch weniger spektakulär wären Kälteschäden, die sich aber meistens auch am "Integument" der Knolle zeigen müssten.
Darauf jetzt ein paar gute Bratkartoffeln
Reinhard
Lieber Reinhard,
die Differentialdiagnose der Krankheiten scheint bei den vegetabilen Kartoffeln ähnlich schwieirig wie manchmal bei uns humanen Kartoffeln.
ZitatDarauf jetzt ein paar gute Bratkartoffeln
...hatte ich heute schon! ;)
Herzliche Grüße
Peter
Du traust Dich ja was... :o ;D
Zur Ehrenrettung der Knolle:
https://www.leckerschmecker.me/kartoffelsandwiches-star/63743511579451
Tja, wie sagt mein fränkischer Kollege immer: "Die Guten überlebens und um die Schlechten is net schad."
Oder spieltest Du gar auf mein ggf. politisch unkorrektes "fetischhaftes Schnitzelgefresse" an? :D
Was Deinen Feinschmecker-Tipp betrifft: Da sehe ich doch die Warnfarbe g r ü n !! :o
Ich halte es eher mit Malmsheimer:
https://youtu.be/rfAYPP8RtVw?si=YekaXWvK47p6BRuj
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Florian,
danke für den Hinweis zur Schreibweise. Ich habe den Schreibfehler korrigiert.-
Zur Anwendung von Baumwollblau in der Pilzmikroskopie: dabei geht es primär um die Frage ob eine Cyanophilie oder eine Acyanophilie vorliegt. Im Erb/Matheis steht dazu: Für den Ungeübten ist die Unterscheidung oft sehr schwierig, ob cyanophil oder nicht, da ja meist das Zytoplasma angefärbt wird und so eine Cyanophilie vorgetäuscht wird.
Dazu kommt, dass sich nicht alle Hyphen mit Baumwollblau anfärben lassen.
Aus meiner Sicht, sollte für eine Färbelösung, die zur kritischen Beurteilung einer Eigenschaft benutzt wird, definierte Farbstoffe verwendet werden und nicht Alternativen wie Tinte die diesen Farbstoff als Teil einer Lösung enthalten.
Grüsse Arnold
Liebe ,,Erd-Pomologen",
sehr befürworte ich das Ansinnen, nicht den Pilzen dieses Schadbild ,,unter die Hyphen" schieben zu wollen ...
Außerdem: Gut gegart und dann verdaut – davor den Mikroben meistens graut. ;)
Gruß, Heiko
Hallo Reinhard,
Bist du ein Mikroskopiker oder sammelst du nur? ;) ;) . Du hättest doch schon etwas von die braune Sache in einem Wassertroppen suspendieren können um das mit dem Mikroskop zu beobachten? Es ist ganz einfach um zu sehen ob es ein Pilz ist oder nicht, auch ohne Farbstoff. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
mich als Mikroskopiker zu bezeichnen, wäre zuviel der Ehre und Sammler bin ich schon lange nicht mehr, auch wenn mein Schwarzes Phomi, das ich vor der Flutung bewahren konnte, mich an diese Ambition erinnert.
Das hier behandelte "pommologische" (s.o.) Problem habe ich versucht, phänomenologisch zu lösen, soll heißen, durch Vergleich der Schadbilder mit Bildern der Fachliteratur.
Die Möglichkeit eines Pilzbefalls im Rahmen der "zebra-chip-disease" habe ich ausgeschlossen, weil diese schlimme Pfanzenkrankheit hier noch nicht nachgewiesen ist und hauptsächlich in Teilen der USA, Australien und Neuseeland vorkommt. Außerdem sind die Veränderungen im zentralen Bereich "meiner" Knolle dazu nicht ausgeprägt genug.
Andere Pilzerkrankungen kommen eher nicht infrage, da die Knollen äußerlich unauffällig sind.
Die zweite Möglichkeit, die der "leafroll-disease", einer Viruserkrankung der Kartoffel könnte passen. Ich habe sie aber auch verworfen, da sie durch Veränderungen an den Blättern auf dem Feld dem Bauern meines Vertauens auffallen müsste.
Das ihm gezeigte Schadbild war im bekannt und wurde von ihm als Folge von Trocken- und Naßstress bei bestimmten Sorten erklärt, und das will ich ihm nun einfach mal glauben. Eine Gefährdung menschlicher Esser ist in keinem Fall gegeben.
Viele Grüße
Reinhard
Lieber Reinhard,
ich habe per Mail einen Landwirt, der sich sehr gut mit Kartoffeln auskennt (und nebenbei zu den besten deutschen Mikrofotgrafen gehört) gefragt. Der hält das Schadbild auch für Folgen von Trocken-Nässe-Stress. Gerade dieses Jahr gab es lange Trockenperioden und kurze heftige Regenphasen.
Herzliche Grüße
Peter
Lieber Peter,
danke für Deine peer-review.
Dann getrost wieder "ran an die Kartoffeln".
;)
Herzliche Grüße
Reinhard
Was man da sieht, sind ja nur die natürlichen Gefäße des vaskulären Rings, die, durch was auch immer, z.B. Trockenheit, dunkel verfärbt sind.
https://www.shutterstock.com/image-vector/parts-plant-morphology-anatomy-potato-tuber-1527364925?dd_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
Grüße
Martin
Hallo Martin,
sehr sehr interessant.
Der vaskuläre Ring , der hier zu sehen ist, ist also bei den drei Erkrankungstypen: zebra chip, leafroll und Klimastress besonders betroffen.
Bei der leaf-roll-disease wird dieser, sphärisch unterhalb der skin (wir Kartoffelbauer sagen auch gerne Schale ;) )gelegene Bereich auch net, also Netz, und die Erkrankung auch net necrosis) genannt.
Wäre mal interessant, ein sphärisches Bild dieses vasculären Bereiches zu sehen.
Gibt es das bei anderen "knolligen" Kohlehydrateträgern wie z.B. Maiskörnern auch?
Schönen Abend
Reinhard
Diese Versorgungsgefäße können natürlich ein Einfallstor für Krankheitserreger sein. Besonders bekannt ist ja die durch Bakterien verursachte Ringfäule, wo sich in diesen Gefäßen ein Bakterienschleim bildet.
Maiskörner enthalten zwar auch Stärke, sind jedoch sozusagen Grassamen, wie Roggen und Weizen, und haben mit den Knollen nix zu tun.
Grüße
Martin