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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Gerd Schmahl in Dezember 22, 2025, 15:14:33 NACHMITTAGS

Titel: Mikrofossilien aus der Rügener Kreide
Beitrag von: Gerd Schmahl in Dezember 22, 2025, 15:14:33 NACHMITTAGS
Hallo,
ich habe im Rahmen meiner Schüler-AG mal wieder Rügener Kreide geschlämmt. Hat wunderbar funktioniert und das Ziel, verschiedene Foraminiferen-Formen zu finden, wurde erreicht. Die wichtigsten Formen hatte ich unter "Foraminiferen der Rügener Schreibkreide"  (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=29707)schon mal im Forum vorgestellt.
Zu Hause habe ich etwas weiter mit dem Siebrückstand der Fraktion 200-65 µm gearbeitet und einen Teil in Essigsäure aufgelöst. Der kalkfreie Rückstand enthält geschätzt 95% langweiligen Quarzsand, der nur gering transportiert wurde (kaum gerundete Kanten). Die verbleibenden 5% sind oft schwer deutbare Mikrofossilien. Zwei meiner Funde möchte ich hier zeigen. Beide konnten nur als Stak in der ganzen Schärfenausdehnung dargestellt werden.

Das erste Objekt habe ich "Siebhülle" getauft:
Siebhülle-SPA20-1600.jpg

Es ist stark doppelbrechend:
Siebhülle-SPA20-X-POL-1600.jpg

Da ich die Probe nicht selber genommen habe und sie vom Anschein her nicht aus dem Anstehenden stammt, sondern aus einer Wasserrinne, kann ich nicht ausschließen, dass es sich um eine organische Kontamination handelt. Die starke Doppelbrechung spricht eher für Zellulose als für ein Skelett aus Kieselsäure. Vielleicht eine winzige Samenhülle?

Beim zweiten UMO (Unbekanntes Mikro-Objekt)bin ich mir sicher, dass dies ein Fossil ist. Es ist nicht doppelbrechend, was typisch ist für ein Kieselsäure-Gebilde. Ich habe es "zerbohrte Platte" getauft:
K1600_ZerbohrtePlatte-SPA40.JPG

Wie man sieht, gibt es hier feine (?Bohr-)Gänge, die ein schier unübersichtliches Wirrwarr bilden. Die 3-D-Darstellung für die Anaglyphenbrille bringt hier tatsächlich etwas mehr Informationen:
K1600_ZerbohrtePlatte-SPA40-3D.JPG

Was das nun ist, weiß ich trotzdem nicht. Ich weiß, dass es Bohrschwämme gibt, die sehr feine Röhrensysteme in Kalkschalen ätzen. Davon, dass das hier kein Kalk ist, darf man sich aber nicht täuschen lassen: Viele Kalkschalen oder zumindest ihre Hohlräume werden oft von Kieselsäure ausgefüllt, die dann einen Innenabdruck liefert. Man denke z.B. an die Seeigel aus Feuerstein. Auch das sind nur die Steinkerne der ehemals leeren Seeigelgehäuse.

Vielleicht hat ja hier im Forum noch jemand eine Idee dazu, wer hier der Verursacher gewesen sein könnte.

Beste Grüße
Gerd