Hallo,
ich habe kürzlich mal wieder Rügener Kreide geschlämmt und Durchlicht-Dauerpräparate auf Basis von Malinol erstellt. Langsam wird das Eindeckmittel etwas fester, so dass eine erste Sichtung erfolgen konnte. Ach, wie hat da die Kamera geklickt!
Hier ein paar Bilder für die Anaglyphenbrille:
Zunächst etwas wie ein Übersichtsbild, obwohl auch das mit dem 20er-Objektiv gemacht wurde:
30-3D-1600.jpg
Dann ein paar einzelne Formen:
11-3D-quadrat.jpg
Eine der häufigsten Formen:
02-3D-quadrat.jpg
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Hier bringt der 3-D-Effekt einen echten Mehrgewinn gegenüber dem einfachen Stak :
10-3D-quadrat.jpg
Zum Schluss mein Lieblingsbild des heutigen Tages eine Planktische Foraminifere aus dem Formenkreis der Globigerinen:
23-3D-quadrat.jpg
Viel Freude beim Betrachten wünscht
Gerd
Lieber Gerd,
sehr schön!
Ich habe auch noch ein Gläschen Foraminiferen von Dir in Glycerin lagern.
lG
anne
Lieber Gerd,
das sind echt tolle Aufnahmen. Bei mir dauert es immer eine Zeitlang, bis der 3D-Effekt eintritt, aber dann ist es wirklich faszinierend.
Hallo Anne,
ja die Einbettung in Glycerin bringt schon einen riesengroßen Gewinn gegenüber der in Wasser. Die Kalkschalen werden viel durchsichtiger. Für Dauerpräparate hatte ich schon mal Pleurax verwendet, weil das so schön schnell geht. Auch hier ist die Transparenz gut, leider bilden sich an den Kalkschalen irgendwelche nadeligen Kristalle, die bei erneutem Erhitzen zwar wieder verschwinden, aber wer will schon jedes Mal vorher seine Präparate auf die Heizplatte legen, bevor er mikroskopiert. Deshalb habe ich jetzt gut getrockneten Siebsatz in der Korngröße unter 200 und über 65µm eine Weile mit Xylol getränkt, auf dass die holen Foraminiferen keine Luft mehr enthalten. Dann habe ich Malinol dazugegeben und gaaaanz vorsichtig verrührt, dass auch hierbei keine Luftblasen in die Suspension kommen und diese dann mit einem Glasstab (auch die Pipette bringt Luftblasen ein!) auf Deckgläser und Objektträger getropft, noch ein wenig abdampfen lassen und dann je einen Objektträger mit dem Harztropfen nach unten auf den Harztopfen eines Deckglases gebracht, schnell umgedreht und vorsichtig angedrückt.
Der Brechungsindex scheint auch hier günstig zu sein. Normalerweise sind Foraminiferen eher Auflichtobjekte, aber in dieser Größenordnung geht es sehr gut im Durchlicht. Man sieht dann auch die Kammern besser. Für die Schule, wo neben ein paar Stereolupen nur Durchlichtmikroskope sind, ist das günstiger. Ich habe das Schlämmen kürzlich mit Schülern und Schülerinnen gemacht und vom noch nassen Sand in Glycerin eingedeckt als Frischpräparate. Aber mir war der schöne Schlämmrückstand zu schade, ihn einfach zu verkippen...
Wer Naturkreide haben möchte, oder von der genannten Schlämmfraktion, möge sich via PM bei mir melden. Auch ein paar Präparate, in die sich Luftblasen geschlichen haben, kann ich abgeben. Tatsächlich sind alle hier gezeigten Fotos an eben diesen "Ausschusspräparaten" entstanden. Die blasenfreien liegen noch auf der Heizung.
LG Gerd
Hallo Gerd,
wie alt sind denn diese Foraminiferen.
LG
Gerhard
Hallo Gerhard,
die Rügener Schreibkreide wurde vor etwa 68 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit (Maastricht) gebildet, kurz (ca. 2 Millionen Jahre = kurz 8) )vor dem Chicxulub-Einschlag (https://de.wikipedia.org/wiki/Chicxulub-Krater), der die Saurier und insgesamt 75% aller Arten ausgelöscht hat, auch fast alle Kalkschalen bildenden Foraminiferen-Arten.
LG Gerd
Hallo Gerd,
Hat jemand schon mal Versuche gemacht das Material in UV-Harz einzudecken? PVA könnte eventuell ja auch in Frage kommen😊
Liebe Grüße Daniel
Hallo Daniel,
das Hauptproblem bei Foraminifern ist es die Luft aus den Schalen auszutreiben - und das ist hier ein wirklich größeres Problem. Das ist mit UV Harz schon bei anderen Objekten schwierig bis unmöglich. Daher ist es meiner Meinung nach erforderlich ein Harz oder Einbettung zu nehmen welches in einem Lösemittel gelöst ist um vorher mit diesem Lösemittel die Luft in den Kammern auszutreiben. Aber am Schluss ist so, Versuch macht klug.
lG
anne
Hallo Daniel,
die Schichtdicke ist sehr hoch. Bei dieser Fraktion zwischen 200 und 65µm kannst Du von 200µm, also 0,2 mm ausgehen. Das machen die meisten UV-Harze nicht so ohne weiteres mit und wenn dann sind sehr zähflüssig. Wichtig für ein gutes Ergebnis ist ja die Durchdringung der Schalen mit dem Eindeckmittel, damit der aufhellende Effekt eintritt. Mit Foraminiferen ausprobiert hab ich da noch nichts in dieser Richtung. Ich habe auch eine selbst zusammengerührte UV-Harz-Mischung von Jürgen "jcs" aus dem Forum, die solche Dicken mitmacht, aber die ist mir ehrlich gesagt zu schade, um sie dafür zu "verwursten".
Was ich schon gemacht habe ist, rezenten Spülsaum mit Foraminiferen in Kunstharz einzugießen (Epoxy 2000), um dann einen Dünnschliff herzustellen. Das geht schon, aber die Luft aus den Schalen zu lassen, ist nicht einfach. Da muss man mit auf und abschwellendem Vakuum arbeiten, um die herauszupumpen. Ist mir leider nur unvollständig gelungen. Die Größenordnung ist hier aber auch eine andere. Die sind zwischen 2 und 8mm groß.
LG Gerd
Hallo Anne, Hallo Gerd,
200um ist schon anständig dick, da hätte zwar mein UvKleber kein Problem, aber da er eher dickflüssig ist wirds wahrscheinlich mit den Luftblasen Probleme geben, Danke für eure Erfahrung in dem Thema🙂
Lg Daniel
Zitat von: Gerd Schmahl in Januar 05, 2026, 18:21:27 NACHMITTAGSIch habe auch eine selbst zusammengerührte UV-Harz-Mischung von Jürgen "jcs" aus dem Forum, die solche Dicken mitmacht, aber die ist mir ehrlich gesagt zu schade, um sie dafür zu "verwursten".
Hallo Gerd,
sparen musst Du nicht mit dem UV-Harz. Bei Bedarf bin ich lieferfähig. Allerdings ist diese Formulierung vermutlich nicht geeignet für den Einsatz bei Foramaniferen, aus zwei Gründen:
(1) Die Formulierung ist zu viskos für diesen Einsatzzweck.
(2) Die Benetzung der kalkhaltigen Skelette mit apolaren Harzen ist vermutlich eher schlecht. Üblicherweise wird in so einem Fall das Objekt zuerst mit einem Dispergier/Netzmittel behandelt, um die Polarität der Formaniferen-Oberfläche an die Polarität des Harzes anzupassen. Dann sollten Luftblasen in den feiner Poren der Skelette weniger ein Problem sein.
LG
Jürgen
Hallo Jürgen,
ein wenig ist es mir ja peinlich, dass ich bisher noch gar nicht wirklich mit Deiner Formulierung ein richtiges Präparat hergestellt habe, weil meine eigentliche Idee, durch Tubus und Objektiv punktuell Nadelquerschnitte einzeln "anzukleben" (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=50212.msg366989#msg366989) bevor ich das gesamte Präparat aushärte, nicht funktioniert hat. Dafür waren meine Optiken nicht durchlässig genug für UV-Licht.
Das für Foraminiferen zu benutzen, auf diese Idee wäre ich ohnehin nicht gekommen. Das Problem der "Benetzung" ist mir bekannt und ich habe ja ein Mittel, das richtig gut funktioniert. Man muss eben nur mehr Geduld haben, aber mikroskopische Präparation war noch nie etwas für Ungeduldige ;)
LG Gerd