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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: ChristianS in Januar 03, 2026, 17:54:09 NACHMITTAGS

Titel: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: ChristianS in Januar 03, 2026, 17:54:09 NACHMITTAGS
Hallo!

Ich möchte mir Dauerpräparate herstellen und habe mir zunächst einem Buch gemäß Entellan besorgt (es stinkt bestialisch)

Gibt es sinnvolle Alternativen dazu, die (Wie Euparal) vielleicht auch nicht so teuer sind?

Wer hat Erfahrungen mit Einschlussmitteln speziell bei anorganischen Proben?
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in Januar 03, 2026, 18:22:20 NACHMITTAGS
Hallo Christian,

Ich habe bei anorganischen Proben gute Erfahrungen mit Uv-Harz gemacht. Das gibt es in Labor Qualität oder von Amazon als China Krempel ( den verwende ich recht erfolgreich!) ob es den beste möglichen brechungsindex hat wage ich zu bezweifeln, aber von der Probe zum fix fertigen Präparat in 5 Minuten ist schon recht schnell💪

Liebe Grüße Daniel
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: ChristianS in Januar 03, 2026, 19:25:02 NACHMITTAGS
Danke, Daniel.

Da hätte ich drauf kommen können. Witzigerweise benutzt meine Frau durchsichtigen! UV-Nagellack, das könnte also klappen (vorausgesetzt ich erhalte Erlaubnis   :-X  )

Ansonsten kaufe ich dieses Einschlussmittel, gibt's eventuell sogar im Baumarkt.
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: Jürgen Boschert in Januar 03, 2026, 20:27:42 NACHMITTAGS
Hallo Christian,

mit klarem Nagelleck habe ich bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Der ist i.d.R. nicht sauber, enthält alle möglichen Partikel.
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 03, 2026, 21:13:12 NACHMITTAGS
Hallo Christian,
ich benutze seit vielen Jahren CONLOC UV 665 (http://glas-per-klick.de/glaskleben/uv-klebstoff-ego-665.html). Die Nummer ist wichtig! Die entscheidet über die Viskosität. Das 665er ist so extrem dünnflüssig. Das ist aber nur für relativ geringe Schichtdicken geeignet. Ist die Schicht zu dick, wird es nicht fest. Auch wenn es Luftkontakt hat, wird es nicht fest. Das ist sehr hilfreich: Man kann herausgequollene Reste einfach mit Isopropanol wegputzen. Auch ausgehärteter Kleber kann mit einer Klinge oder Lanzettnadel leicht weggekratzt werden. Und man kann eine Luftblase mit Kontakt zum Deckglasrand nachträglich auffüllen. Das läuft fast von selber unter das DG.

Ich benutze es vor allem zum Aufkleben von Gesteinsdünnschliffen, habe aber auch schon Haare und Insektenflügel darin eingeschlossen.

Ein professionelles Eindeckmittel für anorganische Substanzen (Farb- und Staubpartikel, Fasern, Haare und andere trockene Proben ist Meltmount. Ist aber schwer zu bekommen und relativ teuer. Es wird geschmolzen (bei ca. 60 Grad) und ist nach Erkalten sofort fest. Gibt es mit verschiedenen genau definierten Brechungsindices. Das ist auch für höhere Schichtdicken geeignet.

Der Teufel steckt oft im Detail. Dein Entellan ist auch nur für relativ dünne Schichtdicken geeignet, genauso wie das Euparal. Beide sind auf Lösungsmittelbasis und schrumpfen stark beim Trocknen. Man muss die vor dem Auflegen des Deckglases etwas eintrocknen lassen, das Deckglas ganz leicht mit dem Lösungsmittel befeuchten und dann auflegen. Zum Eindecken des Objektes ist es gut, wenn dieses auch zuvor in dem Lösungsmittel war, damit sich das Harz gut anlegt. Einerseits braucht man also das Lösungsmittel, andererseits will man so wenig wie möglich davon unter dem Deckglas haben, damit es nicht so sehr schrumpft, wenn es trocknet und Luftblasen in das Präparat zieht. Die Erfahrung der richtigen Menge ist schwer erklärbar. Da muss man bereit sein, aus Fehlern zu lernen und darf sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen.

Für Präparate, die etwas dicker sein müssen (Flöhe, Foraminiferen) nutze ich Meltmount, das dem klassischen Kandabalsam sehr nahe kommt. Es schrumpft nicht ganz so brutal, wie die beiden "E"s, braucht dafür aber auch 3..4 Wochen auf der Heizung.

Viele anorganische Proben lassen sich auch in Luft einschließen. Das geht am besten mit einer Lackringdrehscheibe: Man malt damit zunächst mehrere Schichten in der Deckglasgröße (runde Deckgläser gehen für Dauerpräparate immer besser) auf den Objektträger, legt nach dem Trocknen das Objekt ein und das DG auf den Ring, der natürlich dick genug sein muss für das Objekt. Dann wird das Deckglas je nach Lack entweder aufgeschmolzen oder mit einer weiteren Lackschicht befestigt und luftdicht abgeschlossen. Für qudratische DG kann man sich einen einfachen Stempel bauen, z.B. aus einem Pappstreifen mit der DG-Breite und tupft den Lack damit zu einem Quadrat.

Was willst Du denn einschließen?

LG Gerd
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: ChristianS in Januar 04, 2026, 14:08:37 NACHMITTAGS
Also erst mal vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Das Thema ist wohl doch ziemlich komplex.

Die Idee mit dem Kandabalsam hatte ich auch. In dem Buch Faszination Mikroskopie Teil 2 (auch anorganischer Substanzen) wurde Entellan zum Einschluss von Eiskristallen explizit empfohlen...

Und da hier gerade Schnee fällt und ich mein teures Mikroskop nicht draußen aufstellen will (ich hab's ja bei Gerd gesehen) kam mir eben die Frage auf. Klar, man könnte es auch mit Kältespray probieren. Aber ob die Ergebnisse so toll sind wage ich mal zu bezweifeln.

Im Prinzip klingt die Beschreibung sehr einfach: Eine Petrischale draußen über zwei Objektträgern aufstellen mit dem Einschlussmittel bestreichen und warten bis es kalt genug ist und schneit. Die Scheeflocken sinken dann ab und hinterlassen einen Abdruck, so habe ich es verstanden.

Ich warte jetzt bis es wieder schneit...
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: Spectrum in Januar 04, 2026, 14:32:40 NACHMITTAGS
Hallo Christian,
Also für Schneekristalle funktioniert Zaponlack, verdünnt mit Xylol ganz gut.
Styropor das in Xylol aufgelöst wurde soll auch funktionieren.
Grundsätzlich brauchst du ein absolut hydrophobes Gemisch, das gut benetzt!
Es muss natürlich vorher schon die Außentemperatur angenommen haben.
Ich hab das mal mit Zaponlack aus der Sprühdose gemacht. Am besten den Lack vorher in ein sauberes Marneladenglas sprühen und staubgeschützt eintrocknen lassen. Dann mit Xylol auflösen und die Objektträger damit bestreichen.
Es sollte schon deutlich unter 0°C sein damit das was wird.
Damit in dem Zeitfenster, in dem der beschichtete Objektträger "aufnahmefähig" ist, auch schöne Kristalle eingeschlossen werden, brauchst du viel Glück.
Mit einem Wollpulli kannst du warten bis ein schönes Exemplar auf dem Ärmel landet und es mit einem Pinsel oder Katzenschnurrbarthaar (was'n Wort🙀) auf den OT schubsen.
War ein ziemliches Gefummel, dass zwar Spaß gemacht hat, aber die Ergebnisse kamen an frische Flocken bei weitem nicht ran!
Viel Glück Holger

P.s.: Die Art des Schnees ist auch noch wichtig, "Wattebauschflocken" werden nix. Du musst auf die flachen kleinen "Sterne" warten.
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 04, 2026, 16:36:21 NACHMITTAGS
A
Hallo Christian,
das ist ja gaaanz was anderes! Das ist ja ein Abdruck und kein Einschluss. Ziemlich tricky!

Siehe auch hier: Schneekristall-Genuss-Mikroskopie  (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=21807.msg162677#msg162677)

Für die Kristalle im Eindeckmedium oder Zaponlack braucht es viele Objektträger und viel Geduld und wie so oft im Leben den richtigen Moment. Die Witterung ist dabei der größte Unsicherheitsfaktor. Es sollte bei unter -5 Grad nur leicht in schönen Einzelflocken schneien. In Dresden gibt es das nicht in jedem Jahr und dann muss man auch noch Zeit haben...

Viel Erfolg wünscht
Gerd
Titel: Aw: Einschlussmittel gesucht
Beitrag von: ChristianS in Januar 04, 2026, 20:10:01 NACHMITTAGS
Danke, Zaponlack leg ich mir dann zu. Die passende Wetterlage sollte in den nächsten Wochen im Schwarzwald anzutreffen sein. Wenn ich Glück haben sollte kann ich hier wieder schreiben.