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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Florian D. in Januar 03, 2026, 23:45:07 NACHMITTAGS

Titel: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 03, 2026, 23:45:07 NACHMITTAGS
Glückauf Forum und ein gutes Neues!

Von einem sehr lieben Menschen habe ich diese Tage einige ausgewählte Stücke fränkischer Kieselhölzer, wohl aus dem Keuper, zugesand bekommen. Von einem davon wurden zwei Dünnschliffe, einmal quer und einmal ca radial angefertigt. Der Kiesel ist leider so hart, dass mir beim Sägen die OT gebrochen sind. Ich habe die gebrochenen OT daher auf einen weiteren OT aufgeklebt.
Zunächst Übersichtsbilder.
1. Quer, Übersicht
Quer_uebersicht.JPG
Breite ca. 4cm. Links die Rinde und rechts keilförmiges Auslaufen des Xylems in das Mark (nicht erhalten).
2. Quer, Detail
Quer_1.JPG
3. Radial, Übersicht
Radial_uebersicht.JPG
Bildbreite ca. 3,5 cm
4. Radial, Detail
Radial_1.JPG
Horizontal verlaufen die Tracheiden mit ein-, zwei- und mehrreihigen Hoftüpfeln, keine Tracheen, also Gymnospermenholz. Vertikale, meist vielzeilige, Markstrahlen.
4. Detail der Tracheiden mit Hoftüpfeln
Hoftüpfel.JPG
5. Detail des Kreuzfeldes, evtl. mit Kreuzfeldtüpfeln.
Querfeld.JPG

Sehr geholfen hat mir Bernd Miggels schönes Buch "Holzbestimmung mit dem Mikroskop". Zum Thema Dadoxylon ist folgender Artikel sehr interessant: Robert Noll et al. "150 Jahre Dadoxylon" https://www.zobodat.at/pdf/Veroeff-Mus-Natkde-Chemnitz_28_0031-0050.pdf
Allerdings traue ich mir nicht zu, anhand der mikroskopischen Merkmale zu entscheiden, ob es sich um Cordaiten- oder Koniferenholz handelt, da viele relevante Regionen, wie das Mark, nicht erhalten sind.
Für Koniferenholz würde sprechen, dass nur sehr wenige Tracheiden mehr als zwei Reihen Hoftüpfel aufweisen.

Viele Grüsse
Florian

Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 04, 2026, 10:51:41 VORMITTAG
Hallo Florian,
das sind sehr schöne Bilder. Die Erhaltung ist nicht immer so gut, dass man die Holzanatomie so schön erkennen kann und auch die Tüpfelung so klar zu sehen ist.

Du schreibst:
ZitatDer Kiesel ist leider so hart, dass mir beim Sägen die OT gebrochen sind. Ich habe die gebrochenen OT daher auf einen weiteren OT aufgeklebt.

Das ist mir bei zwei wertvollen Rhynie-Cherts auch schon passiert. Ich habe den UV-Kleber damals mit Aceton aufgelöst und die ca. 1,5 mm dicken Schnitte neu aufgeklebt, bevor ich sie dann auf die erforderliche Dicke (bzw. "Dünne") herunter geschliffen habe. Das kommt natürlich darauf an, wie kompakt und stabil das Material ist, ob man das wagen kann. Beim Hornstein hat es sehr gut funktioniert.

Was benutzt Du für ein Gerät zum Trennen?

LG Gerd
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 04, 2026, 22:30:54 NACHMITTAGS
Lieber Gerd,

ja, gerade bei so hartem Material bin ich um jeden mu froh, den ich nicht wegschleifen muss. Daher schneide ich die Stücke, schleife sie plan und klebe sie auf den OT. Dann versuche ich die 2. Seite möglichst dünn zu schneiden. Leider hatte ich dafür bisher keine zuverlässige Führung, was sich aber hoffentlich bald ändern wird.
Ich habe eine "Hi Tech" Säge. Auch nicht gerade ein Präzisionsteil, aber so leicht, dass ich sie noch ohne Probleme in die Küche tragen kann und danach wieder verstauen.

Würde mich freuen, von Dir weitere Schliffe von Kieselhölzern und Rhynie Chert zu sehen.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 04, 2026, 22:39:22 NACHMITTAGS
Auch so können Kieselhölzer aussehen! Von dieser Art wurden mir auch zwei Exemplare zur Untersuchung überlassen. Ich vermute, das Holz ist vor der Verkieselung schon weitgehend verfault und die Struktur kollabiert. Zueinander senkrechte Schnittlagen. Besonders der erste Schnitt ist von der Dicke nicht optimal, ich habe hier versucht, einen missglückten Schnitt zu retten. Für alternative Erklärungsansätze bin ich offen!

Viele Grüsse
Florian

IMG_0013.JPG
IMG_0014.JPG
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 05, 2026, 17:05:59 NACHMITTAGS
Hallo Florian,
ja, solch zermatschtes Holz kenne ich auch. Du wirst recht haben mit Deiner Einschätzung: Vor dem Verkieseln hat sicher schon der Sackungsdruck darüber liegender Sedimentschichten das in Auflösung befindlichen Holz platt gemacht.

Was die aktuellen Rhynie-Cherts angeht, so sind das zwar sehr schöne Schliffe geworden, aber so was richtig schönes Neues, was ich hier noch nicht gezeigt hätte, war nicht dabei. Reichlich verpilzt ist das Material.

LG Gerd
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 05, 2026, 17:53:26 NACHMITTAGS
Lieber Gerd,
die Pilze im Rhynie Chert sind ja das eigentlich Interessante!
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 08, 2026, 09:22:43 VORMITTAG
Zitat von: Gerd Schmahl in Januar 05, 2026, 17:05:59 NACHMITTAGSHallo Florian,
ja, solch zermatschtes Holz kenne ich auch. Du wirst recht haben mit Deiner Einschätzung: Vor dem Verkieseln hat sicher schon der Sackungsdruck darüber liegender Sedimentschichten das in Auflösung befindlichen Holz platt gemacht.

Dazu habe ich in dem Artikel von D. Rumpel, "Zur Herkunft der Kieselhölzer im fränkischen Raum", Geologische Blätter für Nordost-Bayern und angenzende Gebiete, Bd. 29, pp. 205-223, 1979 etwas gefunden. Rumpel beschreibt ähnliche Strukturen, allerdings auf grösserem Massstab als "Zopfachate" und konnte in diesen noch Dadoxylonreste finden. Er führt diese Zopfstruktur auf auflastbedingte Spannungen während der Verkieselung zurück.

Viele Grüsse
Florian 
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 11, 2026, 00:16:03 VORMITTAG
Nachdem der Quer- und Tangentialschnitt jetzt doch viele typische Details zeigen, wollte ich auch noch den Tangentialschnitt sehen.
In der Übersicht (Breite des Stücks etwa 2,5 cm), sieht man, wie die Tracheiden waagrecht in dem liegenden Stamm oder Ast verlaufen . Die Imprägnierung mit Eisen ist recht uneinheitlich.
Tangential_Uebersicht_klein.JPG

Im Detailbild erkennt man die quer geschnittenen mehrzeiligen Markstrahlen zwischen den Tracheiden. Wo diese doppelt erscheinen, ist dies ein Artefakt der leicht schrägen Schnittrichtung.
Tangential_detail_klein.JPG

Bei noch höherer Vergrösserung sieht man auch die Hoftüpfel als Verdickungen der Zellwände (unten). Darüber ein Markstrahl.
Tangential_detail_2_klein.JPG



Viele Grüsse
Florian
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 11, 2026, 09:28:37 VORMITTAG
Hallo Florian,
da hast Du jetzt wohl alles herausgeholt, was man herausholen aus solch einem Stück Kieselholz. Mir gefällt der Radialschnitt (Bild 4 aus dem ersten Beitrag) am besten. Der hat so eine grafische Ästhetik.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Aw: Dadoxylon
Beitrag von: Florian D. in Januar 12, 2026, 23:12:49 NACHMITTAGS
Zum Abschluss dieser Bildreihe noch eine Collage

3dWuerfel.jpg

Viele Grüsse
Florian