Ich habe aus einem Nachlass ein Leitz Ortholux II POL-BK erhalten - allerdings fehlt da ganz viel, Okulare, Objektive, Beleuchtung und mehr. Es lag jahrelang im Keller, aber alle beweglichen Teile sind noch beweglich.
Ich habe durchaus Interesse daran, dieses Mikroskop wieder betriebsbereit zu machen, allerdings habe ich quasi keine Ahnung von den technischen Details.
Meine Frage ist daher: Was brauche ich und woher bekomme ich es? Erst mal für den grundlegenden Betrieb ohne Polarisation, gerne aber auch mit Auflicht.
Fotos machen mit einer externen Kamera (und sei es das Handy) wäre dann auch nett; ich habe irgendwo gesehen, dass es Aufsätze gibt, bei denen eine beliebige Kamera nicht direkt montiert ist - sofern ich das richtig verstanden habe.
Ich habe einen 3D-Drucker und kann auch (weniger kritische) Teile selbst erstellen.
Hallo Unscharf ,
die fehlenden Teile wie ein Auflichtilluminator mit Objektivrevolver und falls Durchlicht gewünscht "normaler" Objektivrevolver, Kondensorträger, Kondensor, Okulare (Periplan GF) und Auflicht bzw Durchlicht-Objektive (170mm TL-Abgleich) erfordern schon noch Such- und Finanzaufwand. Bei Durchlichtinteresse würde ich lieber nach einem kompletten Ortholux II Ausschau halten, damit käme dann auch ein funktionierende Beleuchtung ;)
Hier etwas Lesestoff:
Ortholux II (https://www.science-info.net/docs/leitz/Leitz_Ortholux_II.pdf)
Ortholux-pol (https://www.microscopia.de/WebRoot/Store28/Shops/91351031/608D/7F7E/DFFF/8AD7/A567/0A0C/6D0F/A120/Ortholux2_Pol_instructions_-_550-50_Engl._-_V_75.pdf)
Passende Optik zu diesen 170mm Tubuslängen Mikroskopen v Leitz (https://www.science-info.net/docs/leitz/LeitzImageForming-IlluinatingSystems.pdf)
Beste Grüße Stefan
Danke schonmal für die Dokumentation. Irgendeine Auflichtoptik ist da ja schon montiert; Objektive scheinen da mit einer Art Schnellwechsel-Anschluss angeklipst zu werden, wofür allerdings noch ein passender Adapter fehlt. Das würde mir reichen (bräuchte also keinen Revolver) - aber dazu habe ich keine Informationen gefunden.
Periplan-GF-Okulare scheint es bei ebay schonmal hinreichend zu geben, auch an Objekiven gibt es einiges an Auswahl für grob um 100€ - allerdings weiß ich da nicht, was geeignet wäre. Ich hatte gehofft, mit Okular-paar, erst mal einem Objektiv und diesem Adapter schon mal ein funktionierendes Mikroskop zu haben - als Lichtquelle fiele mir dann vorerst schon irgendwas ein.
Ein komplettes neues Mikroskop will ich jedenfalls nicht kaufen; es geht mir darum, dieses Gerät wieder in Betrieb zu nehmen; falls das nicht mit vertretbarem Aufwand (was immer das heißen mag) möglich ist, dann würde ich es notfalls zum Kauf anbieten.
Hallo,
da das gute Stück ja im Keller weilte, könnte das Innere des Trinokulartubus nicht gerade staubfrei sein, dies zu säubern wäre recht aufwendig. Zu dem Auflichtilluminator mit Zangenwechsler braucht man, wenn ich nicht irre, spezielle zentrierbare Objektivaufnahmen, welche sich von anderen ähnlichen von älteren Leitz Pol-mikroskopen unterscheiden und selten zu finden sind.
Würde es als Rudiment so wie es ist verkaufen, aber der innere Zustand des Tubus, wie auch seine Leichtgängigkeit der Verstellung ist für den Wert schon entscheidend.
Beste Grüße Stefan
Hallo Unscharf,
ja, du braucht 2 Okulare, am besten eines davon mit Fadenkreuz und kleiner Nase an der Seite, die in die Aussparungen an der rechten Okularaufnahme passt. Dann die Ringe für die Objektive (es gibt 2 Größen, Du brauchtst die mit ca 38 mm Aussendurchmesser) und entsprechende Objektive (Leitz Auflicht unendlich, evtl. Pol) und natürlich eine Beleuchtung. Hier ein Bild der Minimalausrüstung:
photo_5400149470772661740_y.jpg
Viele Grüsse
Florian
Hallo Unscharf,
aus Deinen Äußerungen schließe ich, dass Du wahrscheinlich keine Auflichtmikroskopie im wissenschaftlichen Sinne betreiben möchtest, daher wäre wohl eher eine Aufrüstung des Stativs für normale Durchlicht-Mikroskopie sinnvoll. Dies ist ungleich einfacher (und billiger!!!) als die Aufrüstung zum Auflicht-Pol-Mikroskop.
Solltest Du kein Pol benötigen, könntest Du die spezifischen Pol-Teile (den Auflicht-Kondensor, den Pol-Tubus und den Drehtisch evtl. gegen die Dir fehlenden Teile (Objektivrevolver, normaler Trino-Tubus, Tisch und Lampenhaus) tauschen und Du hättest damit ein voll funktionsfähiges Durchlicht-Mikroskop.
Diana hier aus dem Forum firmiert im Internet unter Microscopia.de hat immer solche Teile auf Lager und könnte da möglicherweise helfen.
Herzliche Grüße,
Olaf
Olaf hat natürlich recht. Damit da aber keine "Hans im Glück" Geschichte draus wird, sollte zumindest der Objektivrevolver mit guten Objektiven (>= Fluotare) bestückt sein.
Viele Grüsse
Florian
Vielen Dank schon mal für die Hinweise. Allerdings interessiert mich Auflicht mehr als Durchlicht. Polarisation klingt für mich erst mal nicht so wichtig - allerdings wohl nur, weil ich nicht weiß, welche zusätzlichen Informationen ich damit gewinnen kann. Gibt es irgendwo Beispielaufnahmen?
Bei ebay finde ich ein "Leitz Wetzlar Mikroskop Objektivfassung * Pol-Ausführung * RMS zentrierbar", aber das scheint die falsche Größe zu sein. Wo könnte ich sonst noch schauen?
Ich hoffe Du weißt was diese Art des Auflichts bedeutet. Damit kannst Du keine Fliegenbeine und Blütenstempel ansehen, sondern nur hochpolierte plane Flächen von z.B. Erzen und Metalllegierungen. Das ist schon etwas sehr spezielles!
Herzliche Grüße, Olaf
Oha, nein, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte eher an raue Oberflächen, z.B. Papier, Bruchkanten von 3D-Drucken, Körnung von Schleifpaste, oder auch ein Fliegenbein... Wie ein Stereomikroskop nur in mono. Gibt es da keine Möglichkeiten?
Doch, das geht auch. Ist halt ein bisschen wie ein Mikrotom zu benutzen um eine Zwiebel zu schneiden.
Lieber Florian,
dafür ist das Mikroskop aber wirklich nicht gemacht und ich denke Unscharf ist nicht damit gedient wenn man ihn in dem Wunsch der Vervollständigung des Ortholux II in dieser Richtung bestärkt. Damit wird er definitiv NICHT glücklich und es würde viel Geld kosten.
Der geeignete Vergleich wäre, wenn man einem Obst- und Gemüsehändler zum Kauf eines Ferrari raten würde, mit dem er dann morgens seine Apfelsinenkisten auf dem Großmarkt abholen kann 😁.
Hallo,
wie Olaf schon schrieb, ist dieses Mikroskop einfach nicht das richtige Instrument für Deinen Zweck. Selbst wenn Du die passenden Objektive bekommst, wärst Du von dem Bild sehr enttäuscht. Die Vorstellung, dass man damit die von Dir genannten Objekte in guter Bildqualität im Auflicht betrachten kann, ist schlicht falsch. Wenn überhaupt, würde sich dafür noch am ehesten ein System mit Auflicht-Dunkelfeld eignen wie zum Beispiel das Leitz Ultropak-System. Ich sehe auch nicht, wie Du dieses Mikroskop wirtschaftlich auch nur halbwegs sinnvoll so ausrüsten könntest, dass Du das, was Du damit sehen möchtest, auch so sehen kannst. Das Ortholux pol BK ist schlicht für einen ganz anderen Anwendungszweck konstruiert.
Ich habe Dir auch eine private Nachricht geschrieben.
herzliche Grüße
Peter
Hallo Unscharf,
das große Problem ist in der Tatsache zu suchen, dass der Begriff "Auflichtmikroskopie" synonym für zwei komplett unterschiedliche Verfahren verwendet wird, die praktisch keine Schnittmenge haben.
- Auflichtmikroskopie im strengen Sinne: hier bedient man sich einer speziellen und nicht trivialen Methode das Objekt genau senkrecht von oben zu beleuchten und das reflektierte Licht zu analysieren. Dabei wirkt das Objektiv gleichzeitig auch als Kondensor. Voraussetzung sind plane und hochpolierte Präparate. Diese Art der Auflichtmikroskopie wird vor allem in der Werkstoffkunde und, in Verbindung mit Pol, in der Erzmikroskopie zur Diagnose verwendet. Die Anforderungen an die Qualität der Optik sind sehr groß und die Komponenten daher sehr teuer (und selten). Auflichtmikroskopie kann bis zu sehr hohen Vergrößerungen (Objektiv 160x, Endvergrößerung bis zur Auflösungsgrenze optischer Systeme) und hohen Aperturen unter Ölimmersion betrieben werden. Dein Ortholux Pol BK ist ein Instrument für diesen Zweck. Seltener kommt bei diesen Untersuchungen auch Auflicht-Dunkelfeld (Ultropak) und Auflicht-Differential-Interferenzkontrast zur Anwendung. Das ist alles das was Du wahrscheinlich niemals brauchen wirst!
- Auflichtmikroskopie mit schrägem Auflicht - "Stereomikroskop": Bino-Lupen, Stereomikroskope - wie immer man sie nennen mag - gibt es als Durchlicht- und Auflicht-Varianten. Sie sind durch zwei getrennte Strahlengänge für die beiden Augen gekennzeichnet, wodurch die Präparate räumlich gesehen werden. Sie sind also die richtigen Geräte für die Betrachtung dreidimensionaler Objekte wie Du sie aufgezählt hast. Prinzipiell lkassen sich mit solchen Einrichtungen nur moderate Vergrößerungen (meist bis ca. 80x) erreichen.
Ich hoffe iuch konnte das Dunkel etwas erhellen.
Herzliche GRüße,
Olaf
Hallo Olaf,
ja, das habe ich mittlerweile verstanden, wobei es da noch Makroskope gibt, wie ich mittlerweile gelesen habe, quasi die Mono-Variante des Stereoskops mit 'geradem' Strahlengang und Vergrößerung bis auch etwas über 100. Im Vergleich zum üblichen Mikroskop zeichnet es sich wohl durch einen größeren Objektabstand (üblicherweise im Bereich von Zentimetern), eine kleinere numerische Apertur und damit auch größere Tiefenschärfe aus (oft auch mit Irisblende zum Anpassen der Tiefenschärfe auf Kosten von Licht und Auflösung).
Ich hoffte (und habe es noch nicht ganz aufgegeben), sowas aus dem Ortholux machen zu können und dachte, ein passendes Objektiv könnte das bewirken. Auflicht-Optik brauchts da wohl noch nicht mal, ist ja genug Platz für Licht von außen. Bevor ich also aufgebe: Was genau spricht denn dagegen? Gibt es keine passenden Objektive? Wäre das Sichtfeld zu klein? Hat das Ortholux irgendwas im Strahlengang, das dies verhindert?
Ich halte es für nahezu ausgeschlossen dieses Ortholux zu etwas umzurüsten, was auch nur annähernd einem Foto-Makroskop entspricht, lasse mich aber überraschen😁
Zitat von: Unscharf in Januar 08, 2026, 11:52:12 VORMITTAGAuflicht-Optik brauchts da wohl noch nicht mal, ist ja genug Platz für Licht von außen. Bevor ich also aufgebe: Was genau spricht denn dagegen? Gibt es keine passenden Objektive? Wäre das Sichtfeld zu klein? Hat das Ortholux irgendwas im Strahlengang, das dies verhindert?
Das einschränkende Element ist das Objektiv. Du hast es ja selbst schon beschrieben, Nochmal zusammengefasst:
Während bei Stereolupen (für Fliegenbeine etc.) der Arbeitsabstand mehrere cm beträgt, und Du bequem mit der Schreibtischleuchte beleuchten kannst, haben ,,echte" Mikroskopobjektive einen Arbeitsabstand im Zehntel-Millimeter-Bereich. Da ist nix mit von-aussen-beleuchten.
Und bei Stereolupen hast Du Objektive , die z.T. 0.5x vergrößern (Vergrößerungsbereich gesamt etwa 5x -100x mit entsprechender Schärfentiefe und räumlichem Eindruck), hast Du bei "echten" Miktoskopobjektiven im Auflicht Faktor 10. Somit Gesamtvergrößerungen ab 50x (Vergrößerungsbereich etwa 50x -1600x mit quasi keiner Schärfentiefe und ohne räumlichem Eindruck).
Da sieht man nicht mehr viel vom Fliegenbein und ist auch nicht mehr im Makrobereich.
Wolfgang
Ja, das habe ich schon verstanden. Es scheint also kaum Objektive mit großem Arbeitsabstand und kleiner NA zu geben. Ich habe mal die Liste von Objektiven durchgeschaut, die Stefan in #1 verlinkt hatte, immerhin tauchen da gelegentlich welche auf, z.B. Standard Achromatic dry system, 4x, NA 0,12, Abstand 24mm (S. 42), Plano objective PL1 (sogar mit Iris), NA 0,04, Abstand 30mm oder Pl Fl 10, NA 0,30, Abstand 6,9mm, was wahrscheinlich noch halbwegs gut von der Seite beleuchtbar ist, aber mit NA 0,3 wohl schon ganz wenig Tiefenschärfe haben dürfte), es gab sogar eine L-Serie (long working distance), z.B. L10 Iris, NA 0,22, Abstand 16mm (S.57) - und noch ein paar wenige weitere. Ich hätte jetzt erwartet, dass sowas die gewünschten Eigenschaften haben könnte. Was übersehe ich?
(Die sind alle für 170mm Tubuslänge - was ist jetzt eigentlich richtig für das Ortholux, 170mm oder unendlich?)
Der Opak-Illuminator ist für Unendlich-Optik, der Durchlicht-Objektiv-Revolver für 170mm.
Zitat von: Unscharf in Januar 08, 2026, 19:59:08 NACHMITTAGSJa, das habe ich schon verstanden. Es scheint also kaum Objektive mit großem Arbeitsabstand und kleiner NA zu geben. Ich habe mal die Liste von Objektiven durchgeschaut, die Stefan in #1 verlinkt hatte, immerhin tauchen da gelegentlich welche auf, z.B. Standard Achromatic dry system, 4x, NA 0,12, Abstand 24mm (S. 42), Plano objective PL1 (sogar mit Iris), NA 0,04, Abstand 30mm oder Pl Fl 10, NA 0,30, Abstand 6,9mm, was wahrscheinlich noch halbwegs gut von der Seite beleuchtbar ist, aber mit NA 0,3 wohl schon ganz wenig Tiefenschärfe haben dürfte), es gab sogar eine L-Serie (long working distance), z.B. L10 Iris, NA 0,22, Abstand 16mm (S.57) - und noch ein paar wenige weitere. Ich hätte jetzt erwartet, dass sowas die gewünschten Eigenschaften haben könnte. Was übersehe ich?
(Die sind alle für 170mm Tubuslänge - was ist jetzt eigentlich richtig für das Ortholux, 170mm oder unendlich?)
Ja, diese Objektive gibt es. Aber sie passen nicht an Dein Mikroskop. Dein Auflicht-Illuminator ist für Unendlich-Objektive ausgelegt. Die erwähnten sind aber für 170mm gerechnet.
Was Du übersiehst? Das Ortholux2 (insbesondere das Zubehör) ist auf dem Gebrauchtmarkt noch relativ selten, da viele noch in Gebrauch sind. Hinzu kommt, dass Deine Variante eine recht spezielle ist, die für den Hobbymikroskopiker und -fotographen zu komplex ist. Das Teil auf ein normales Mikroskop zurückzubauen und zu ergänzen würde Dich mehr kosten, als wenn Du direkt ein einfacheres und komplettes Gebrauchtgerät kaufst.
Das Ortholux verkloppst Du, und dann kommst Du vielleicht mit Null oder wenigstens geringem finanziellen Aufwand an ein funktionierendes Mikroskop.
Wolfgang
PS: Olaf war ein wenig schneller, bestätigt aber das Gesagte
Sorry für die späte Reaktion, hatte viel um die Ohren.
Naja, dann gebe ich meine Wunschvorstellung auf. Schade, ist ein beeindruckendes Gerät.
Ich werde das Mikroskop dann demnächst verkaufen. Muss mal herausfinden, was wohl ein angemessener Preis ist (alle beweglichen Teile sind gängig, aber ein paar nicht leichtgängig) und wie ich das sicher verpacken und versenden kann, ist ganz schön schwer...
(Nur so aus Neugier: Wäre denn Okulare + Revolver (statt Opak) + L10 Iris-Objektiv so ungefähr das gewesen, was ich mir vorgestellt habe? So wie ich das nun verstanden habe, scheitert das wohl an der Verfügbarkeit.)