Hallo liebe Mineralfreunde,
heute stelle ich Dünnschliffe von den Seltenerdmineralisationen aus Olserum/Djupedal (Südostschweden) vor.
Olserum und Djupedal liegen in der Västervik - Region. Es sind verstreut gelegene Gehöfte/Häuser. Sie sind über eine Strasse gut zugänglich. Ich besuchte die Gegend im Juli 2025. Die Angaben zur Lagerstätte stammen aus Origin of the high-temperature Olserum-Djupedal REE-phosphate mineralisation, SE Sweden: A unique contact metamorphic system von S.S Andersson, T. Wagner, E. Jonsson, T. Fusswinkel, M. Leijd und J. T. Berg. In der Region befinden zahlreiche kleine Gruben in denen im 15. Jahrhundert Fe-Cu-Mo-Co-Mineralisationen abgebaut wurden. In den 1950-er Jahren erkundete der Geologische Dienst Schwedens (SGU) dort Uran. Die Anreicherungen Seltener Erden wurden vom SGU erst in den 1990-er Jahren entdeckt. Die Lagerstätte wurde von 2003 bis 2008 von IGE Nordic AB durch Oberflächenkartierung und Kernbohrungen erkundet. Sie enthält 4,5 Mio. Tonnen Erz mit 0,6% Seltenerdoxiden, davon 33,9% schwere Seltenerdoxide. Tasman Metals teufte 2012 weitere 5 Kernbohrungen ab. Das Besondere an dieser Lagerstätte ist, dass sie mit Graniten mit einem Alter um 1,8 Mrd. Jahren verbunden ist. Die Seltenen Erden kommen in Form von Monazit, Xenotim und als Einschlüsse in Apatit vor. Die Vererzungen sind mit Eisen- und Uranerzen verbunden. Sie sind, für Seltene Erden eher untypisch, hydrothermaler Natur. Das erste Bild zeigt die Übersichtskarte.
01_Olserum_Djupedal_Lageplan.jpg
Sie stammt aus dem Ergebnisbericht der Erkundungsfirma. Meine Probe von Olserum stammt von der Kallhagnen - Eisen - Mine, da die Lagerstätte Olserum nur über einen Privatweg zugänglich ist. Ich fand keinen Eigentümer, um nachzufragen, ob ich den Weg benutzen darf. Die Probe von Djupedal stammt direkt aus dem Bereich der Lagerstätte Djupedal. Beide Proben sind magnetisch und weisen deutlich erhöhte Ortsdosisleistungen auf.
Das zweite und dritte Bild zeigen die Ortsdosisleistung der vererzten Gesteine. Zum Vergleich, die normale Ortsdosisleistung in Wohnräumen liegt etwas unter 0,2 µSv/h, die von hydrothermalen Uranerzen aus dem Erzgebirge über 4 µSv/h. Die "Radioaktivität" dieser Seltenerderze ist recht hoch. Deutlich höher als die schon vorgestellten Lagerstätten Norra Kärr (0,4 µSv/h), Kiruna, Malmberget und Grängsberg (0,4 µSv/h) sowie die ehemalige Ceritgrube Bastnäs (0,3 µSv/h).
02_olserum_ODL.jpg
ODL - Olserum
03_Djupedal_ODL.jpg
ODL - Djupedal
Mit dem vierten Bild zeige ich die eingezäunte Grube, in deren Nähe das vererzte Stück lag. Das fünfte Bild zeigt das Erzstück, von dem der erste Dünnschliff Olserum stammt. Danach folgen die mikroskopischen Aufnahmen vom Dünnschliff.
04_Olserum_Altbergbau.jpg
eingezäunter Altbergbau
05_Olserum_Probe.jpg
vererztes Gestein
Die Bilder sind nicht farbkorrigiert, sondern nur verkleinert. Die Bilder sind mit der Flexcam von Leica auf einem Motic SMZ 171 mit Pol-Ausrüstung gemacht. Die Bilder mit dem Mikroskop wurden unter einem Leica DM 750 P (Fluotar 10x/0.30 Pol, Bildausschnitt ca. 2 mm Breite) und der adaptierten Kamera Canon EOS 550D angefertigt. Für die konoskopischen Abbildungen verwandte ich das Objektiv Fluotar 40x/0.8 Pol von Leica. Auf den Übersichtsbildern von Olserum mit parallelen und gekreuzten Polarisatoren (PPL/XPL) erkennt man opakes Erz, und Chlorit (Clc), Apatit (Fap), Fluorit (Flr) und Xenotim (Xtm). Diese werden danach als Einzelbilder gezeigt.
08_Olserum_Chlorit_ppl.jpg
Chlorit PPL
09_Olserum_Chlorit_xpl.jpg
Chlorit XPL
10_Olserum_Chlorit_Kon.jpg
Chlorit konoskopisch
11_Olserum_Chlorit_lambda.jpg
Chlorit konoskopisch mit Lambda - Schieber
Da es etwas unübersichtlich wird, teile ich diesen Beitrag an dieser Stelle.
Viele Grüsse
Michael
Jetzt geht es weiter mit Olserum.
12_Olserum_Apatit01ppl.jpg
Apatit PPL
13_Olserum_Apatit02xpl.jpg
Apatit mit Einschlüssen ähnlich Kiruna XPL
14_Olserum_Fluorit01ppl.jpg
Fluorit PPL
15_Olserum_Fluorit02xpl.jpg
Fluorit PPL
16_Olserum_Xenotim_ppl.JPG
Xenotim PPL
17_Olserum_Xenotim_xpl.JPG
Xenotim XPL
Nun kommt Djupedal.
18_Djupedal_Übersicht_ppl.jpg
Djupedal Übersichtsbild PPL
19_Djupedal_Übersicht_xpl.jpg
Djupedal Übersichtsbild XPL
20_Djupedal_Apatit_ppl.jpg
Fluorapatit mit vererzung durch Monazit/Xenotim/Allanit PPL
21_Djupedal_Apatit_xpl.jpg
Fluorapatit mit vererzung durch Monazit/Xenotim/Allanit XPL
22_Djupedal_Fluorit_ppl.jpg
Djupedal Fluorit PPL
23_Djupedal_Fluorit_xpl.jpg
Djupedal Fluorit XPL
Djupedal_Mikroklin_ppl.jpg
Djupedal Mikroklin PPL
Djupedal_Mikroklin_xpl.jpg
Djupedal Mikroklin XPL
Viele Grüsse
Michael
Hallo Michael,
wieder ein interessantes Gestein! Warum hat der Fluorit bei Dir so ein starkes Chagrin?
Viele Grüsse
Florian
Hallo Florian,
danke für den Hinweis. Oben im Bild Fluorit von Olserum könnte man meinen, es wäre Granat. Der Brechungsindex sieht nicht aus, wie um 1,4 von Fluorit. Aber Granat kommt in den Gesteinen, die man dort findet, im Gegensatz zu Fluorit nicht vor. Da gibt es noch eine Alternative, AL-Spinell, aber der wurde nur in Lamellen in Magnetit gefunden. Alle anderen dort gefundenen transparenten Minerale sind ein- oder zweiachsig. Das von mir für Fluorit gehaltene ist nicht gerade selten, aber eindeutig isotrop. Vielleicht entsteht der Eindruck des starken Chargin durch die hohe Differenz zwischen den Brechungsindizes der beiden benachbarten Minerale.
Viele Grüsse
Michael
Michael, evtl. könnte es auch isotropisierter Allanit o. ä. sein?
Hallo Florian,
danke für die Nachricht. Allanit ist in Olserum nicht gefunden worden. Folgende Minerale sind in Olserum im "Angebot". Direkt aus o.g. Publikation kopiert.
Biotite, quartz, amphibole (gedrite), xenotime-(Y), monazite-(Ce), fluorapatite, magnetite, ilmenite, (REE,Y,Th,Ca)-(Nb,Ta)-oxides, cordierite, chlorite, muscovite, andalusite, plagioclase, pyrite, chalcopyrite, galena, zircon, Al-spinel lamellae in magnetite, uraninite, columbite, unidentified Th-U silicates, fluorite, chlorite, rutile, hematite, calcit
Bei Olserum habe ich keine bessere Idee als Fluorit. Sonst würde ich bei Olserum auch eher für Granat plädieren.
Djupedal hat folgende Minerale zu bieten. Das unterscheidet sich schon beim ersten Blick deutlich von Olserum, weil die Amphibole recht häufig auftreten. Außerdem sieht es aus wie ein granitisches Gefüge, Olserum eher wie ein Schiefer. Aber auch Quarz und Feldspat (nicht nur Plagioklas, sondern wahrscheinlich auch Mikroklin) gibt es in Djupedal reichlich. Da bestünde die Möglichkeit, dass etwas isotropisiert wäre. Sieht mir aber nicht so aus, als ob das im Bild gezeigte etwas anderes als Fluorit wäre.
Biotite, xenotime-(Y), monazite-(Ce), magnetite, quartz, fluorapatite, cordierite, allanite-(Ce) - ferriallanite-(Ce), ilmenite, muscovite, amphibole (gedrite, anthophyllite), tourmaline (uvite and schorl-dravite), uraninite, thorite, clinozoisite, staurolite, andalusite, scheelite, ferberite, fluorite, Al-spinel lamellae in magnetite, bastnäsite-(Ce), pyrite, chalcopyrite, chlorite, hematite, rutile, titanite
Das wurde von ausgewachsenen Mineralogen mit heutiger high-Tech dieser Zunft untersucht. Ich gebe dir insofern Recht, dass das Mineral von Olserum verdächtig nach etwas anderem als Fluorit aussieht, habe aber wirklich keine Idee, was das sonst noch sein könnte.
Viele Grüsse
Michael