Der Echte Eibisch kommt ,,wild" in den Steppenzonen Südrusslands und Zentralasiens östlich bis zum Altai (Gebirge in der Mongolei) vor. Im Westen reicht das Verbreitungsgebiet von Südeuropa und Südosteuropa bis zur Iberischen Halbinsel.
Die Gattung Eibisch umfasst ungefähr 200 Arten von Dauersträucher oder Blumen der warmen und gemäßigten Zonen.
Bild 01 Habitus, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566281/1.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Der Echte Eibisch, eine mehrjährige etwa 1,5 Meter hohe Staude. Es handelt sich um eine Pflanze, deren Wurzeln über heilende Kräfte verfügen.
Diese sind beim Eibisch derart ausgeprägt, dass er ein fester Bestandteil verschiendenster Hustensäfte geworden ist.
Bild 02 Blätter, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566283/2.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die gestielten Laubblätter sind mit Sternhaaren besetzt und auffallend samtig-weich.
Systematik:
Ordnung: Malvenartige Malvales
Familie: Malvengewächse Malvaceae
Unterfamilie: Malvoideae
Gattung: Eibisch Althaea
Art: Echter Eibisch
Wissenschaftlicher Name: Althaea officinalis
Syn.: Althaea balearica J.J.Rodr., Althaea micrantha Borbás
Trivialname: Althee, Alter Thee, Samtpappel, Ibischwurz, Heilwurz, Weiße Malve, Sumpfmalve, Adewurz oder Schleimwurzel.
Englische Bezeihnung: Marshmallow
Der Name ,,Althaea" stammt aus dem Griechischen und bedeutet etwa ,,heilen".
Bild 03 geschlossene Blüte, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566282/3.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die Blätter sind gestielt und 3 bis 5 cm breit, schwach 3 – 5-lappig, am Rand gezähnt und wie der Stängel weißlich behaart.
Die Blätter sind die ersten, die aus dem Winterschlaf erwachen. Denn zum Wachsen braucht die Pflanze Photosynthese, die in den Blättern abläuft. Das Blatt ist in der Knospe schon fertig vorhanden – entstanden durch Zellteilung des Meristems (Bildungsgewebe).
Wenn die Knospen im Frühjahr anschwellen, ist die Zellteilung längst beendet. Die Knospe (und die Blüte) wird dick. Weil die Zellen Wasser aufsaugen, sich strecken, wodurch das Blatt wächst.
Der erhöhte Turgordruck (Innendruck) dieser Zellen führt schließlich dazu, dass die schützende Knospenhülle aufplatzt und das vorgeformte Blatt freigibt, das sich dann schnell ausdehnen kann.
Nur weil das schon fertige Blatt sich lediglich noch auf seine Länge ausstreckt, können Blätter wie beispielsweise der Eibisch über Nacht erscheinen.
Durch die Streckung werden die Zellen lang und flach, liegen enger auf- und nebeneinander und geben so dem Blatt und der Blüte große Stabilität.
Bild 04 Radiärsymmetrische fünfzählige Blüte, Echter Eibisch Althaea officinalis,
(https://www2.pic-upload.de/img/37566286/4.jpg)
Quelle: Von André Karwath aka Aka - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2851608
Die Blütezeit ist von Juni bis September.
Bild 05 Blüte von der Seite, Echter Eibisch Althaea officinalis,
(https://www2.pic-upload.de/img/37566284/5.jpg)
Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63806
Die Narbe ist röhrig.
Bild 06 Echter Eibisch Althaea officinalis, Sternhaar (Trichom), mikroskopisch, polarisiertes Licht
(https://www2.pic-upload.de/img/37566285/6.jpg)
Quelle: Von Heiko4 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98920727
Bild 07 Echter Eibisch Althaea officinalis, Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen von 1887
(https://www2.pic-upload.de/img/37566287/7.jpg)
Quelle: Abbildung aus Hermann Adolf Köhler: "Köhlers Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen und kurz erläuterndem Texte"
Dieses Werk ist gemeinfrei.
Bild 08 Echter Eibisch in Form der Blattdroge (Althaeae folium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37566289/8.jpg)
Quelle: André Karwath aka Aka - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2851618
Blätter,Blüten und Wurzeln werden von alters her als Heilmittel benutzt.
Schon Theophrastos ewähnte die Pflanze als Hustenmittel.
Theophrastos von Eresos (ca. 371–287 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph und Naturforscher.
Drogen:
Eibischwurzel – Althaeae radix, die getrockneten geschälten oder ungeschälten Wurzeln..
Althaeae officinalis, Althaeae.
Eibischblätter – Althaeae folium, die getrockneten Laubblätter.
Wirkstoffe: Schleimstoffe (in den Wurzeln bis zu 20 %), besonders mit Galacturonorhamnanen und Arabinogalactanen; Pektin, in den Wurzeln.
Anwendung:
Althaea officinalis ist eine alte Heilpflanze aus der Familie der Malvengewächse, bekannt als Sumpfmalve oder Weiße Malve, die an feuchten, salzbeeinflussten Standorten wie Flussufern und Salzwiesen wächst.
Eibisch wird ferner als Geschmackskorrigens und in der Kosmetik als Bindemittel (für Zahnpasta) benutzt.
Wissenswertes:
Früher wurden Marshmallows tatsächlich mit Eibischwurzel - Extrakt hergestellt – daher der englische Name) Marshmallow
Heute nutzt man fast immer Gelatine oder pflanzliche Alternativen.
Teil 1
Hohler Spross, Querschnitt
30 Mikrometer
Bild 09 Schnittstellen, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566288/9.jpg)
Foto: H.-J_Koch
https://www2.pic-upload.de/img/37566288/9.jpg
Bild 10 Übersicht, Hellfeld, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566312/10.jpg)
Bild 11 Übersicht, Dunkelfeld, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566290/11.jpg)
Bild 12 Übersicht, Polarisation, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566292/12.jpg)
Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566294/13.jpg)
Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566295/14.jpg)
Bild 15 Chloroplasten, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566293/15.jpg)
Bild 16 Steinzellen, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566296/16.jpg)
Bild 17 Steinzellen, Autofluoreszenz, ungefärbter Schnitt, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566298/17.jpg)
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000
Bild 18 Übersicht, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566297/18.jpg)
Bild 19 Detailaufnahme, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566631/19.jpg)
Bild 20 Sternhaare 1 – 5 zellig, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566299/20.jpg)
Sternhaare bestehend aus bis zu 8 Spitzen, die an der Spitze in mehrere Strahlen verzweigen und so ein sternförmiges Aussehen erhalten.
Bild 21 Detailaufnahme mit Beschriftung, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566301/21.jpg)
RP = Rindenparenchym, PHST = Phloem-Strahl, PH = Phloem, XY = Xylem, T = Trachee, ST = Steinzellen (Sklereiden), MP = Markparenchym
Bild 22 Detailaufnahme, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566303/22.jpg)
Bild 23 Detailaufnahme mit Beschriftung, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566304/23.jpg)
Kambium (siehe Kreis), ST = Steinzellen (Sklereiden), SK = Sklerenchym
Sklereiden dienen der Festigung und Verstärkung von Pflanzenteilen
Bild 24 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566302/24.jpg)
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 25 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566305/25.jpg)
Teil 2
Spross, Längsschnitt
30 Mikrometer
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 26 Übersicht, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566306/26.jpg)
Bild 27 Detailaufnahme mit Beschriftung, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566313/27.jpg)
Schraubengefäße mit Windungen verschiedener Wreite.
Bild 28 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566309/28.jpg)
Bild 29 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566308/29.jpg)
Bild 30 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566310/30.jpg)
Bild 31 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Eibisch Althaea officinalis
(https://www2.pic-upload.de/img/37566311/31.jpg)
Verzeichnis der benutzten Literatur:
Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Walter Eschrich ,,Pulver-Atlas der Drogen", ISBN: 3-7692-2505-8
H. Liebenow ,,Gftpflanzen",1988
Bettina Rahfekd ,,Mikroskopischer Farbatlas der pflanzlichen Drogen", ISBN: 978-3-8274-1951-4
Hans Jürgen Pfänder ,,Farbatlas der Drogenkunde", ISBN: 3-437-00627-4
Rettenmaier", ,,Botanik -Drogenkunde", 973
Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7
P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3
Schönfelder ,,Das neue Handbuch der Heilpflanzen", ISBN: 978-3-440-12932-6
Schmeil ,,Leitfaden der Pflanzenkunde", 1952
,,Blumen am Mittelmeer". 1968
,,Welche Heilpflanze ist das?", ISBN: 978-3-440-10798-0
Frances Welland, ,,Pflanzen" ISBN: 0-75259-615-2
,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1977
,,Heilpflanzen", ISBN: 3-8299-5488-3
,,Kosmos Neophyten", ISBN: 978-3440-16874-5
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Ich recherchiere dann weiter, suche die zugrundeliegenden Studien heraus, werte sie aus und verbinde alles miteinander.
Beim Recherchieren öffnet sich oft nicht nur eine neue Tür, sondern gleich mehrere. Dahinter verbergen sich weitere spannende Informationen.
Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
wieder ein wundervoller Beitrag, danke!
Hallo Hans Jürgen,
Irgendwann möchte ich auch so sauber und detailliert arbeiten können wie du💪☺️
Vielen Dank!
Lg Daniel
Tolle Doku, danke! Ich finde es prima, dass Du auch ungefärbte Schnitte zeigtst.
Viele Grüsse
Florian
Lieber Hans-Jürgen,
wieder einmal eine tolle Doku mit ganz viel Informationen und ästhetischen Leckerbissen. Vielen Dank für diese Präsentation, die ich natürlich (sobald ich dazu komme) in die Liste aufnehmen werde.
Beste Grüße
Peter
Hallo Hans-Jürgen,
wie immer ein schöner Beitrag von Dir.
Das Bild Nr. 6 aus Wikipedia (dort "Heiko4") ist übrigens von "unserem" Heiko hier im Forum.
Beste Grüße
Gerd