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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Peter T. in Januar 17, 2026, 12:40:13 NACHMITTAGS

Titel: Botanik: Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia)
Beitrag von: Peter T. in Januar 17, 2026, 12:40:13 NACHMITTAGS
Die Kaukasische Flügelnuss gehört zur Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae). Wie der Name vermuten lässt, ist ihr natürliches Verbreitungsgebiet der Kaukasus (bis hinunter in den Iran). Bei uns wird der Baum nicht selten in Parks angepflanzt. Mein Exemplar habe ich in München in den Isarauen gefunden.

Interessant ist das in den Blättern vorkommende Juglon, ein Stoff mit mehreren bemerkenswerten Eigenschaften. Es wirkt allelopathisch (hemmt das Wachstum anderer Pflanzen), antimikrobiell und in hohen Dosen zelltoxisch.  Juglon und seine Vorstufen befinden sich in Hohlräumen in der Pflanze.

Hier der imposante Baum

Bild 1 (Wikimedia Commons, Autor Jean-Pol Grandmont)
(https://up.picr.de/50488535bp.jpg)

Und hier die Früchte

Bild 2 (Wikimedia Commons, Autor Matthieu Sontag)
(https://up.picr.de/50488552zc.jpg)

Nach einigen Wochen in 70% Ethanol sieht das Probenröhrchen so aus

Bild 3
(https://up.picr.de/50488604ue.jpg)

Für die intensive Verfärbung dürften am ehesten Juglon und seine Vorstufen bzw. zusätzliche phenolische Stoffe verantwortlich sein.

Für den Beitrag habe ich Spross, Blattstiel und Blatt geschnitten (30 µm) und mit FCA nach Etzold gefärbt.
Zunächst der Spross. Interessant war, dass der Spross auf der Höhe des Abgangs eines breiten Blattstiels hohl wurde. Die Aufnahme von FCA war im Spross sehr gering, so dass fast der Eindruck eines ungefärbten Präparates entsteht.

Bild 4
(https://up.picr.de/50488405mt.jpg)

Bild 5 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50488406wj.jpg)

Man erkennt den hohen Anteil an kristallinen Strukturen, wahrscheinlich Calciumoxalat-Kristalle.

Die nächsten Bilder zeigen weiter den Spross (rechts) und die Basis eines abgehenden Blattstiels (links)

Bild 6
(https://up.picr.de/50488409db.jpg)

Bild 7
(https://up.picr.de/50488407st.jpg)

Bild 8 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50488408na.jpg)


Jetzt zum Querschnitt des Blattstiels

Bild 9
(https://up.picr.de/50488385uw.jpg)

Man erkennt mehrere Leitbündelzonen. Im Mark deutet sich bereits eine Zone an, in der man eine Auflösung der Zellstrukturen erkennt.

Bild 10 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50488386kw.jpg)

Die wohl lysigen entstandene Auflösungszone könnte auch mit der zytotoxischen Wirkung von Juglon zu tun haben. Hier sieht man die Defekte etwas besser

Bild 11
(https://up.picr.de/50488384xl.jpg)

Im folgenden noch einige Detailbilder, zunächst zu den Defektstrukturen

Bild 12
(https://up.picr.de/50488388zu.jpg)

Bild 13 Hier musste ich an das Buch "Die purpurnen Flüsse" denken.
(https://up.picr.de/50488402sv.jpg)

Bild 14 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50488393mt.jpg)

Bild 15 (DIC)
(https://up.picr.de/50488401qt.jpg)

An manchen Stellen durchbricht der Auflösungsvorgang die Epidermis. Ich dachte zuerst an ein Eindringen von außen, aber das hätte wohl mehr Schaden bei den umliegenden Zellen angerichtet und hätte auch nicht die deutliche Verbindung zur Auflösungszone im Mark.

Bild 16
(https://up.picr.de/50488387kk.jpg)

Jetzt wieder einige "normale" Details, nämlich Leitbündel

Bild 17
(https://up.picr.de/50488392dh.jpg)

Bild 18
(https://up.picr.de/50488389je.jpg)

Bild 19 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50488390dh.jpg)


Und hier ein peltates Trichom

Bild 19
(https://up.picr.de/50488404nl.jpg)

Jetzt zu den Blättern. Sie sind bereits an der Basis recht ausladend:

Bild 20
(https://up.picr.de/50488788ty.jpg)

Bild 21
(https://up.picr.de/50488776un.jpg)

Bild 22
(https://up.picr.de/50488778xm.jpg)

Auch hier erkennt man lysigene Strukturen, die sich wie ungeordnete "Gänge" durchs Parenchym ziehen

Bild 23
(https://up.picr.de/50488779iq.jpg)

Auf Bild 21 sieht man bereits die eindrucksvollen Trichombüschel

Bild 24
(https://up.picr.de/50488780br.jpg)

Bild 25 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50488781xy.jpg)

Die Blattspreite zeigt ein ein- bis zweireihiges Palisadenparenchym und ein lockeres Schwammparenchym. Außerdem fallen verdickte Zellstrukturen auf, die am ehesten Hydathoden (zur Ausscheidung von Wasser und möglicherweise auch phenolischen Stoffen/ Juglon) darstellen. Hier sind zwei davon in der Epidermis erkennbar.

Bild 26
(https://up.picr.de/50488823so.jpg)


Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.



Titel: Aw: Botanik: Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia)
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in Januar 17, 2026, 14:45:04 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

Danke für den schönen Bericht🙂

Die recht unterschiedlichen Färbeeigenschaften sind mir auch schon aufgefallen. Ich habe ja in die Richtung schon einiges Probiert aber noch nicht rausgefunden an was es wirklich liegt. Vlt weiß ja jemand mehr?

Liebe Grüße Daniel