Guten Abend zusammen,
In der vergangenen Woche stellte mir Holger Flottoblasten von Cristatella mucedo zur Verfügung. Ganz lieben Dank - Holger! Ein Teil des Materials wurde eingefroren, während ein weiterer Teil unter warmen Raumtemperaturbedingungen inkubiert wurde, um den Schlupf auszulösen.
cristatella_mucedo_01.jpg
Nach vier Tagen ließ sich erstmals ein Spalt zwischen Dorsal- und Ventralklappe beobachten. Zur Dokumentation des Öffnungsvorgangs wurde eine Zeitrafferaufnahme angelegt; hierzu stellte ich die Kamera auf ein Aufnahmeintervall von 5 min bei unbegrenzter Bildanzahl ein.
Zu diesem Zeitpunkt war nicht absehbar, dass sich der Schlupfvorgang über einen Zeitraum von mehr als 64 Stunden erstrecken würde, wodurch die Stereolupe entsprechend lange belegt war. Das resultierende Zeitraffervideo findet ihr hier:
timelapse Schlupfvorgang Cristatella mucedo (https://lebendkulturen.de/index.php?option=com_sppagebuilder&view=page&id=146)
Viel Spass beim Anschauen.
Gerald
Vowh Gerald,
das ist der helle Wahnsinn. Einfach nur super!
Freundliche Grüße
Peter
Hallo Gerald,
einfach nur ... sensationell!
Wow wow wow
Thanks for taking the effort and sharing.
Best, Maarten
Hallo Gerald,
Deine Aufnahmen sind einfach nur extrem schön und aussagekräftig!
Weltklasse wie einiges in diesem Forum!
Man sieht welche Perfektion hinter Bildaufbau, Licht und der Farbwiedergabe (die hat bei dir echt Wiedererkennungswert), steckt.
Ich freue mich auf auf weitere gemeinsame Projekte. ;D
LG Holger
Hallo Gerald,
da schlackern mir die Ohren und die Augen leuchten. Ein mikroskopisch und wissenschaftlich hoch interessantes Video und Bild zeigst du hier. 8) Vielen Dank dafür. Du kannst es halt.
Gruß von Siegfried
PS: und danke an Holger für de Bereitstellung der thüringer ;) Flottoblasten.
Vielen Dank Gerald für dieses tolle Video.
Lieber Gerald
es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von mir ;D
Gratulation zu einer tollen Doku und zu einer wunderbaren ästhetischen Makroaufnahme!!
Viele Makrogrüße
Bernhard
Hallo Gerald,
Genial was du da zeigst💪 Mosstierchrn habe ich leider bisher nur einmal gefunden, aber dein Video spornt an auf Suche zu gehen🙂
Liebe Grüße Daniel
Ich bin schwer beeindruckt!
Lieber Gerald,
zur Qualität deines Videos ist ja schon alles gesagt!
Wenn es keine "Industriespionage" ist, würde mich interessieren, wie Du das technisch bewerkstelligt hast. Ich habe noch nie Moostierchen gesehen und somit auch keine rechte Vorstellung von den Lebensbedingungen und genauen Größenverhältnissen. Ich hoffe, mich insofern nicht mit folgender Frage zu blamieren: Ich vermute doch, dass sich die Probe unter Wasser befindet, oder? Wie hast Du es geschafft, dass sich über einen Zeitraum von sagenhaften 65 Stunden nichts wegbewegt und auch nichts aus dem Fokus gerät? Mit welcher Vergrößerung an der Stereolupe hast Du gearbeitet?
Herzliche Grüße
Peter
Guten Morgen zusammen,
ganz lieben Dank für die überwältigenden Rückmeldungen von Euch. Es freut mich sehr und spornt an!
@ Peter
Vorab: ich hatte mich schonmal 2009 mit der Haltung von Cristatella beschäftigt (Cristatella mucedo / Forum) (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1220.0). Allerdings konnte ich nie mehr als 4-5 Zooide pro Kolonie "züchten". Holger´s positiven Kulturerfahrungen mit Hilfe von schwimmenden Deckgläschen (somit hängend) waren für mich vollkommen neu. Darum die Auffrischung des Themas - wie geschrieben hatte Holger mir ein paar Flottoblasten hierfür geschickt.
Zu Deinen Fragen: Moostierchen (Bryozoa) sind aquatische Organismen, die überwiegend marine Lebensräume besiedeln; jedoch ist auch im Süßwasser eine beachtliche Anzahl von Arten vertreten, darunter Cristatella mucedo. Die Flottoblasten dieser Art besitzen einen charakteristischen Schwimmring mit Haken, der ihnen Auftrieb verleiht und ein freies Schwimmen an der Wasseroberfläche ermöglicht.
Für die Timelapse-Aufnahmen wurde der kleine Flottoblasten-Haufen mit einem kleinen Deckglassplitter beschwert und dadurch auf einem Objektträger fixiert. Als Hintergrund diente eine schwarze Klebefolie aus dem KFZ-Bereich, um den Kontrast zu maximieren. Der Objektträger wurde in einer Petrischale mit möglichst geringer Wassersäule positioniert, um Bewegungen und Fokusdrift zu minimieren.
Die Aufnahmen erfolgten unter einer Stereolupe mit 1× Objektiv, einer Zoomvergrößerung von etwa 10–15× sowie einem 2,5× Projektiv. Die bewusst geringe Gesamtvergrößerung wurde gewählt, um eine möglichst große Schärfentiefe zu erzielen. Dank der hohen Sensorauflösung der Canon R5 konnten die resultierenden Bildsequenzen anschließend verlustarm beschnitten (cropped) und softwareseitig gezoomt werden.
Der Fokus wurde in Abständen von etwa 10 Stunden kontrolliert und gegebenenfalls minimal nachjustiert. Kamera und Blitzanlage waren über eine Dauerstromversorgung angeschlossen, um konstante Aufnahmebedingungen zu gewährleisten.
Die Einzelbilder wurden mit der Software LRTimelapse zu einer Timelapse-Sequenz verarbeitet. Aufgrund umfangreicher eigener Erfahrung mit dieser Software, insbesondere im Rahmen von Reise-Timelapse-Projekten, wurde LRTimelapse gezielt wegen seiner sehr effektiven Deflicker-Funktion eingesetzt, die Helligkeitsschwankungen zwischen den Einzelaufnahmen zuverlässig kompensiert.
Wenn ich noch etwas vergessen habe bitte fragen. Es gibt in unserem Hobby keine Industriespionage :) , der Erfahrungsaustausch ist viel effektiver ;)
Viele Grüße
Gerald
Lieber Gerald,
danke für die ausführliche Schilderung des Workflows, der aber wieder einmal zeigt, dass solch tolle Videos nicht "mal eben so" gemacht sind und wieviel Arbeit und Überlegung hinter den 29 Sekunden stecken. Erstaunlich ist auch die Leistungsfähigkeit heutiger Software, z.B. für den Ausgleich der Helligkeitsschwankungen.
Sind die Einzelaufnahmen geblitzt? Und weißt Du noch, wieviel Einzelaufnahme Du verarbeitet hast?
Jedenfalls wäre auch dieses Video etwas für den Nikon Small...äh...erwähnte ich das schon einmal? ;)
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Gerald,
Die Vorgehensweise für die Aufnahmen ist, um es mit deinen Worten zu sagen: Genial!
Was die Ernährung angeht, hast du ja auch schon Erfahrung und da hatten wir uns ja bereits auch schon ausgetauscht.
Sowohl Plumatella als auch Christatella filtern grundsätzlich ja alles was größenmäßig passt.
Aber das Wachstum ist mit proteinreichen Ciliaten deutlich besser als mit Phytoplankton.
Ich drücke dir die Daumen für das weitere Wachstum.
Bei mir hat es Plumatella inzwischen bis zur Statoblastenbildung geschafft:IMG_20260202_145348.jpg
Meine Christatella hat dann irgendwann bei 20 Zooiden das Wachstum eingestellt. Beim Umsetzten in ein neues Medium hab ich sie dann versehentlich gekillt.
(Das Deckglas ist abgestürzt, natürlich auf die "gebutterte Seite":-\)
Weiterhin viel Erfolg. Ich drück die Daumen.
Ach, eine Frage noch:
In welchem Medium hast du sie schlüpfen lassen? Reines Volvic, oder etwas "deftigeres"?
LG Holger
@ Peter
es waren 769 Bilder, welche zum timelapse konvertiert wurden. Die Aufnahmen waren geblitzt (zwei Blitzröhren - ich blitze eigentlich immer).
@ Holger
ich habe die Flottoblasten in 50% Volvic und 50% von meinem Erdabkochungsmedium überführt. Ich bin sehr gespannt mit der weiteren Entwicklung. Ich halte Dich auf dem Laufenden.
Die Plumatella waren damals wesentlich anspruchsloser. Ich hatte sie über 2 Jahre in Cokultur mit Chilomonas gehalten. Dabei haben sie Unmengen an Flottoblasten gebildet. Hier ein Bild von 2008:
plumatella_repens_flottoblasten.jpg
die Flottoblasten von Plumatella repens waren wie Goldtaler in einem Strumpf :-)
Deine gezeigten Flottoblasten sind wesentlich schmäler und ovaler. Ggf. könntest Du Plumatella fruticosa kultivieren.
Liebe Grüße
Gerald
Liebe Moostierchen-Freunde,
Nachdem ich das OK bekommen habe diesen Faden mit den wunderbaren Zeitrafferaufnahmen von Gerald weiter zu ergänzen (bzw zu verwässern, je nachdem ;) ).
Hier noch ein paar Beobachtungen der letzten Tage.
Nach dem Fingerzeig in Richtung P. fruticosa hab ich mir das Glas mit den Kolonien nochmal genauer angeschaut:
IMG_20260203_122052.jpg
Die langen verzweigten "Bärte" waren neu, und haben sich erst in den letzten Tagen gebildet. Das würde gut zu P. fruticosa passen.
Auch die inzwischen schon zahlreicheren Flottoblasten sehen alle länglich aus:IMG_20260203_162024.jpg
Es sieht so aus als ob in meinem See, neben Christatella also auch noch mindestens zwei Plumatella Arten vorkommen.
Hier nochmal die runden Flottoblasten der anderen Kolonie von letztem Sommer (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=51706.msg377204#msg377204):
IMG_20260203_150602.jpgIMG_20260203_150733.jpg
Das die Plumatella-Kolonien jetzt nochmal so einen Schub gemacht haben erkläre ich mir damit, dass ich zusätzlich zu Colpidium und Chilomonas, auch noch mit Saprolegnia, einem Oomyceten der auch am Fundort der Moostierchen vorkommt und dort Pflanzenmaterial zersetzt, angeimpft habe.
Sonst hat sich in den ca 200ml in denen die Tierchen leben seit Wochen nichts geändert.
LG Holger