Die Baumförmige Strauchpappel (auch Baummalve genannt) gehört zu den Malvengewächsen (Malvaceae). Eine Zeitlang wurde die Art unter der Gattung Lavatera geführt, nachdem diese aufgrund der Form des Außenkelchs von der Gattung Malva abgetrennt wurde. Genetische Analysen zeigten jedoch, dass die Unterschiede nicht für eine neue Gattung ausreichen und so kehrte arborea wieder in die Gattung Malva zurück.
Baumförmig heißt die Pflanze, weil sie verholzt und so Wuchshöhen bis zu 3 m erreichen kann. Ihr Habitus ähnelt einem Baum, daher die Bezeichnung.
Bild 1 (Wikimedia Commons, Autor Paul Smith)
(https://up.picr.de/50560049ay.jpg)
Bild 2 (Wikimedia Commons, Autor Jeantosti)
(https://up.picr.de/50560061rw.jpg)
Das Vorkommen der Baummalve umfasst West- und Südeuropa bis nach Kleinasien. Mein Exemplar habe ich in Kroatien gefunden.
Für den Beitrag habe ich mir Spross, Blattstiel und Blatt angeschaut. Gefärbt wurde nach Etzold mit FCA, die Schnittdicke ist durchgehend 30 µm.
Malvengewächse sind berüchtigt für ihre Schleimproduktion. Bei der Präparation kommt es im Färbevorgang zu einem massenhaften Aufquellen und Auslösen des Schleims aus den Zellen und Kanälen, der sich sofort mit dem Astrablau im FCA anfärbt und sich wie ein klebriger Schleier über das Präparat legt.
Ein "normal" präparierter Sprossquerschnitt sieht dann so aus:
Bild 3
(https://up.picr.de/50559145zh.jpg)
Blaue Fetzen und Schleier überall!
Obwohl ich kein Fan von Klorix bin, musste ich es bei der Baummalve aber anwenden, um vorzeigbare Schnitte zu erhalten. Alle weiteren Bilder zeigen also mit Klorix behandelte Schnitte.
Zunächst der Sprossquerschnitt
Bild 4
(https://up.picr.de/50559139mq.jpg)
Das Klorix hat den Schleim weitgehend entfernt. Man erkennt eine kräftige Epidermis, darunter ein ausgeprägtes Kollenchymband, das den Spross rings umgibt. Es verleiht der Malva die nötige Festigkeit, um baumartig wachsen zu können. Die Leitbündel sind ringförmig gruppiert.
Bild 5 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50559140pg.jpg)
Bemerkenswert sind hier die rings um die Leitbündel angeordneten Kristalle (wohl Calciumoxalat-Kristalle)
Jetzt einige Detailbilder
Bild 6
(https://up.picr.de/50559141ak.jpg)
Dieses Detail aus dem Rindenbereich zeigt die ausgeprägte Cuticula, die Epidermis, das Rindenparenchym und die sowohl Festigkeit gebende wie hübsche Kollenchym-Zone.
Bild 7
(https://up.picr.de/50559142pu.jpg)
Der Spross trägt vereinzelte Haare.
Nun ein Leitbündel im Hellfeld und im polarisierten Licht
Bild 8
(https://up.picr.de/50559143ag.jpg)
Bild 9 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50559144oh.jpg)
In beiden Aufnahmen erkennt man wieder den Kranz aus Kristallen rings um das Leitbündel.
Nun zum Blattstiel
Bild 10
(https://up.picr.de/50559132kx.jpg)
Man erkennt, dass die Leitbündel sich zur Mitte des Querschnitts orientieren.
Die Leitbündel verbreitern sich bzw. konfluieren:
Bild 11
(https://up.picr.de/50559136ph.jpg)
Bild 12 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50559137ho.jpg)
Weiter in Richtung Blatt zeigen die Querschnitte vom Blattstiel ein chaotisches Bild
Bild 13
(https://up.picr.de/50559133ao.jpg)
Bild 14 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50559134jp.jpg)
Die Leitbündel zeigen keine Ordnung mehr, sondern gruppieren sich um, um sich in die kräftigen und zahlreichen Blattadern aufzumachen. Auch die Kristalle sind deutlich mehr geworden.
Die "chaotische" Leitbündelstruktur im Detail
Bild 15
(https://up.picr.de/50559138qz.jpg)
Nun zum Blatt. Bereits auf den Habitus-Bildern ist erkennbar, dass die Blätter eine enorme Fläche einnehmen und sich von Blattstiel aus fast ringsum ausbreiten.
Bild 16
(https://up.picr.de/50560082sb.jpg)
Wie soll man von so etwas Querschnitte herstellen?
Mein Versuch:
Bild 17
(https://up.picr.de/50560083jr.jpg)
Richtig schön sind auf diese Weise die Blattquerschnitte nicht geworden, wie man vielleicht nachvollziehen kann.
Bild 18
(https://up.picr.de/50559171lc.jpg)
Auf der linken Seite kann man erkennen, wie ein Leitbündel zu Seite zieht, um sich in die sehr kräftige Blattader zu begeben.
Die Blattspreiten selbst weisen eine Menge Trichome auf.
Bild 19
(https://up.picr.de/50559172uq.jpg)
Auf der rechten Seite sieht man noch blau gefärbte Schleimfetzen, die das Klorix nicht geklärt hat.
Bild 20 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50559173cy.jpg)
Zum Abschluss noch ein Bild von einem gedrehten Schnitt der Blattspreite, das eine Aufsicht wie ein Längsschnitt ermöglicht. Man sieht, die Malve hat nicht an Spaltöffnungen gespart.
Bild 21
(https://up.picr.de/50560134px.jpg)
Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.
Lieber Peter,
manche Pflanzen wehren sich regelrecht gegen die Einwegklinge.
Du hast das Problem super gelöst.
Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Peter,
sehr schön! Ich finde, dass die gebleichten Schnitte das Etzold wirklich sehr gut und schön differenziert aufgenommen haben. Mir gefällt das ausgesprochen gut.
Darf ich fragen, wie du die Pflanzen fixierst?
Liebe Grüße,
Daniel
Lieber Hans-Jürgen,
eine alte Tradition der Pflanzen seit "Röslein auf der Weiden". Danke Dir.
Lieber Daniel,
Dir auch besten Dank.
In 99% der Fälle liegen die Proben bei mir in 70% Ethanol für einige Wochen bis Monate. Ganz vereinzelt habe ich Eisessig/ Ethanol versucht, konnte aber bis jetzt keine Vorteile erkennen.
Zitat von: Peter T. in Februar 09, 2026, 15:28:20 NACHMITTAGSIn 99% der Fälle liegen die Proben bei mir in 70% Ethanol für einige Wochen bis Monate. Ganz vereinzelt habe ich Eisessig/ Ethanol versucht, konnte aber bis jetzt keine Vorteile erkennen.
die Mischung von Essigsäure und Ethanol, wird gerne als Carnoy bezeichnet (nicht ganz Richtig da das gute Zeug fehlt ;-) )
Ethanol : Eisessig = 3 : 1
→ korrekt bezeichnet als Ethanol-Essigsäure-Fixativ oder Farmer-Fixativ (oft auch Modified Carnoy genannt).
Ich verwende es so, aber da mir jeder Vergleich fehlt kann ich nichts sagen ob das jetzt besser oder schlechter ist als Eth70% 8)
Guten Abend Namensvetter,
Eine Frage zur Terminologie: Ich habe gelernt:
Probe: das kleine Stängelchen, das ich in natura schneide, hebe ich in AFE auf jahrelang.
Schnitt: Wenn ich geschnippelt habe nach Jörg, hebe ich die Schnitte (ca. 20 Stck.) auch in 70% Ethanol ca. 1 -2 a auf. Dann suche ich 4 gute Schnitte; es geht weiter nach Jörg>> dann entsteht Präparat >>
OT >> DG
Gruß Peter W
Noch was: Welches Buch über Bäume könnt Ihr mir empfehlen?
Gruß Peter W
Hallo Peter,
was die Baum-Literatur angeht, frag am besten bei Hans-Jürgen nach.
Zu den Schnitten: Mit AFE habe ich keine Erfahrung und werde sie wahrscheinlich auch nicht sammeln. Nach dem Schneiden hebe ich die Schnitte nicht mehr auf, sondern verarbeite sie im Färbevorgang direkt weiter.
Schöne Grüße
Peter
Hallo Peter,
schönes Eckenkollenchym.
Ich frage mich nur warum dein Kollenchym so rot eingefärbt ist?
Eigentlich sollte es nur ein tiefes Blau zeigen.
Zitat von Wikipedia:
ZitatMan unterscheidet hierbei das Kollenchym und das Sklerenchym, wobei das Kollenchym als noch wachstums- und dehnungsfähiges, nicht verholztes Festigungsgewebe aus lebenden Zellen besteht, das Sklerenchym hingegen aus abgestorbenen Zellen.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kollenchym (https://de.wikipedia.org/wiki/Kollenchym)
LG
Leo
Hallo Leo,
bei der FCA-Färbung werden vor allem lignifizierende oder lignifizierte Strukturen durch Fuchsin pink oder rot gefärbt. Das heißt, dass in diesem Kollenchym ein Lignifizierungsprozess sichtbar ist, bei dem noch das bekannte blau gefärbte Kollenchym (lebende Zellen) zu sehen ist, aber auch der Vorgang einer Sklerifizierung dieses Kollenchyms (pink gefärbtes Stützgewebe) zu erkennen ist.
Esau schreibt dazu in seiner Plant Anatomy (3. Auflage. 2006):
"In old plant parts collenchyma may harden and become less plastic than in younger parts, or [...] it may change into sclerenchyma by a deposition of lignified secondary walls bearing simple pits."
Das Zitat beschreibt einen ontogenetischen Prozess, bei dem sich Kollenchym im Laufe der Entwicklung verändert:
Junge Pflanzen zeigen ein plastisches und flexibles Kollenchym, das ideal ist als Stützgewebe für wachsende Pflanzenteile.
Bei älteren Pflanzen kann sich das Kollenchym verhärten und durch Einlagerung von lignifizierten Sekundärwänden zu Sklerenchym umwandeln.
Die rosa gefärbten Strukturen in dem Präparat sind also ehemaliges Kollenchym, das durch Lignin-Einlagerung zu "Sklerokollenchym" oder "sclerified collenchyma" geworden ist.
Habe ich so auch zum ersten Mal gesehen.
Schöne Grüße
Peter
Michael (M59) weist mich zurecht darauf hin, dass es bei einer Lignifizierung genau anders herum sein sollte, nämlich rosa Zellwände und blaues Lumen. Was ist da die Erklärung? Eigenartiges Färbeverhalten nach Klorix-Behandlung? Irgendwelche Inhaltsstoffe (Phenole?) im Zellumen? Artefakte?
Die Idee mit der Lignifizierung scheint es hier doch nicht zu sein (obwohl das bei den Malvaceae so beschrieben ist).