Hallo,
angeregt durch eine kürzliche Diskussion hier über ein Digitalmikroskop Typ Andonstar mit integriertem Bildschirm war ich auf der Suche nach einem Bildqualitätsvergleich solcher Mikroskope.
Es gibt auf YouTube einige Infos dazu, ich finde folgende zwei Videos ganz interessant (die Videos lassen sich auf Deutsch synchronisieren):
Das erste Video vergleicht die Bildqualität zweier normaler Mikroskope (ein Stereomikroskop und ein Auflicht/Durchlicht Mikroskop in der 800.- € Preisklasse) mit mehreren einfachen USB-Mikroskopen und am Schluss noch mit einem dem Andonstar ähnlichem digitalen Tomlov-Mikroskop. Der Autor zerlegt z.T. auch die Geräte um mehr über den verbauten Bildsensor zu erfahren. Als Testobjekte wurden primär Halbleiterstrukturen im Auflicht verwendet. Am Ende des Videos ist noch eine Zusammenfassung zu sehen, wo die Bildqualität eines Comic-Bildmotivs, das auf einen Halbleiterchip aufgedruckt ist, für alle Testmikroskope verglichen wird (ab Minute 27:00 des Videos). Man sieht hier schön die Diskrepanz zwischen beworbener Maximalvergrößerung und erreichbarer Auflösung.
https://www.youtube.com/watch?v=4fkLigX4ilA
Im zweiten Video wird ein digitales Tomlov-Mikroskop mit der Bildqualität eines Kamera-Makroobjektivs mit geringem Abbildungsmaßstab z.B. 2.5x (mit Sony Vollformat-Kamera) verglichen. Der Autor beschäftigt sich mit der Prüfung von Messerklingen, also ebenfalls mit Auflichtaufnahmen. Er erklärt u.a. das Problem mit den scheinbar fantastischen Vergrößerungen digitaler Mikroskope und vergleicht auch die jeweils max. erreichbare Bildqualität beider Aufnahmesysteme durch Fokus-Stacking. Der Autor zeigt dass man selbst mit einem gering vergrößernden Kamera-Makroobjektiv nach digitaler Nachvergrößerung des Bildes eine bessere Detailauflösung erhält als mit einem billigen digitalen Mikroskop sehr hoher (beworbener) Vergrößerung.
https://www.youtube.com/watch?v=_K8CtSgXREk
Hubert
We've got a couple of those Tomlov's (well, marked Bresser), and they work great for showing bees to the kids. Has a focussing stand, ring light and side lights, both independent adjustable (the guy didn't spot it). I was actually quite surprised to see it working from telescope to microscope without much distortion. The images aren't bad, but while you won't win photo contests and it is no match for a macro objective (hey, stand and light and camera and screen for that money), it is a handy tool for preparation and stuff.
Best, René
Hello Rene,
I wouldn't question the suitability of these digital microscopes for simple purposes. They are ideal for children in particular, allowing relaxed binocular observation, even together with other people.
But the videos were about trying to objectively compare the optical quality. There are certainly enough inexperienced users who take the manufacturer's specifications regarding magnification and thus the optical capabilities too literally.
Hubert
Hallo Hubert,
Deine Frage würde ich ggf. ergänzen mit dem Wort "zu" was taugen ....
Im Allgemeinen wird ein Tomlov / Andonstar mit "Stativ" (Wackeldackel-Halterung) als Lötmikroskop gekennzeichnet, oder für die Begutachtung von Münzen. Dafür finde ich taugen die Mikroskope, zumindest die in der 150 Euro Klasse. Auch für Begutachtung von Substanzen, bei denen Dämpfe freigesetzt werden, würde ich so ein Teil lieber nehmen, als ein 10x so teures gutes Stereomikroskop, wo man die Dämpfe auch einatmet.
Die Vergrößerung, das wird auch im Video geklärt, ist bei den digitalen immer auch auf den Bildschirm hochgerechnet. Am 60 Zoll TV sind die Werte dann sagenhaft. Das machen auch die renomierten Hersteller wie Olympus, Zeiss und Keyence so, erklären aber in den Fußnoten wie das zustande kommt. Natürlich ist das dann eine leere Vergrößerung.
Die billigsten USB-Zigarren aus dem ersten Video-Vergleich sind natürlich tendenziell Kinder-Spielzeug bis Schrott. Es gibt aber auch da Ausnahmen. Ich habe von 3 dieser Dinger eines mit nur 640 x 480 Pixel Sensor, was aber letztlich 250-280 LP/mm im Nahbereich auflösen kann. Durch die eingebaute Ringbeleuchtung ist aber das Begutachten von glänzenden Flächen eher nicht geeignet, was bei den o.g. Tomlov etc. am Stativ mit den Schwanenhals-LEDs schon funktioniert.
Die billigen Stereomikroskope weisen sicher keine höhere Auflösung auf, haben aber dafür eine deutlich bessere Halterung und Feinverstellmöglichkeit und man kann beim Blick durchs Okular stereoskopisch sehen. Kosten aber auch eben viel mehr.
Den Vergleich zu einer DSLR mit Makro-Objektiv für mind. 2-3000 Euro halte ich für unangebracht. Wenngleich auch die üblichen DSLR-Objektive nicht deutlich höher auflösen können. Und einen großen Kamerasensor mit den mikrigen Mikroskopsensoren zu vergleichen .... mit Stacken und zusätzlicher Beleuchtung .... und Schlitten ....
Was taugen nun diese USB-Video-Mikroskope?? Es kommt drauf an.
Stativ-Mikroskope:
- Gut für Arbeiten mit dem Lötkolben.
- Gut für Arbeiten an Uhrwerken etc.
- Gut um Kinder an Mikroskopie heranzuführen
- Gut um mehreren Personsen gleichzeitig Details von z.B. Blättern, Münzen, ... zu zeigen und Bilder zu machen.
- Mangelhaft um zu stacken und große Schärfentiefe bei hohen Vergrößerungen zu bekommen.
USB-"Zigarren": (gilt leider nur für wenige dieser Gattung, Rest ist Müll)
- Gut um Feinheiten von Münzen, oder auch Insekten und Pflanzen am Handy anzusehen und dort Bilder abzuspeichern.
- Gut um Kinder für die Welt des Kleinen zu begeistern
- Kann immer in der Tasche mitgenommen werden als Immerdabei-Mikroskop (Bild dann am Handy)
Anm. mein damaliger Arbeitgeber wollte kein Geld ausgeben, daher bin ich mit so einem besseren Exemplar der Zigarre beruflich rel. gut ausgekommen. Die beiliegende Software für Windows hat auch Messungen zugelassen.
Als Alternative kann man recht günstig halbwegs brauchbare Zusatzlinsen ans Handy anbringen, da gibt es welche mit Segmentbeleuchtung und sogar UV-Licht. Ist aber ein anderes Thema.
Wenn jemand mehr Buget zur Verfügung hat, würde ich zu einem guten, ausbaubarem Stereomikroskop mit Auf- und Durchlicht raten, idealerwiese einem Trino.
Aber wer hat schon "nur" ein Mikroskop. 8)
LG Frank
Hallo Frank,
im Prinzip alles richtig was Du schreibst - aber nochmal, um die allgemeine Verwendbarkeit für unkritische Aufgaben wie Löten oder das Betrachten von Münzen ging es bei dem Vergleich nicht. Wenn diese Mikroskope mit 1000x-2000x Vergrößerung beworben werden, dann erzeugt das die falsche Vorstellung zur Verwendung als Mikroskop beim Betrachten wirklich kleiner Objekte.
ZitatDen Vergleich zu einer DSLR mit Makro-Objektiv für mind. 2-3000 Euro halte ich für unangebracht. Wenngleich auch die üblichen DSLR-Objektive nicht deutlich höher auflösen können. Und einen großen Kamerasensor mit den mikrigen Mikroskopsensoren zu vergleichen .... mit Stacken und zusätzlicher Beleuchtung .... und Schlitten ....
Der Autor hat u.a. von einer Sony Vollformatkamera gesprochen, das scharfe Bild der Kugelschreiberspitze in Minute 2 hat er wohl "nur" mit einer Sony APS-C Kamera gemacht. Und das gleiche Bild traue ich mir mit Makroobjektiv und meiner noch kleinformatigeren MFT-Kamera auch zu. Das Problem ist schlichtweg der billige Sensor dieser digitalen Mikroskope (auch deren viel schlechter abbildbarer Kontrastumfang), und natürlich das absolut billige Objektiv. Das Thema Stacken hat er wie von ihm erläutert, nur demonstriert um zu zeigen dass man wenigstens auch etwas mehr aus dem Bild des digitalen Mikroskops herausholen kann - an der fehlenden Auflösung innerhalb der jeweiligen Schärfentiefe ändert das nichts.
Hubert
Hallo,
ich habe einmal ein paar Vergleichsbilder aufgenommen. Das ist gar nicht so leicht und vor allem nur sehr bedingt vergleichbar, da Beleuchtung, Kameras, Kameraauflösung und Stärke der Kompression für das Posten im Forum extrem unterschiedlich waren. Es kamen zum Einsatz mit jeweils höchstmöglicher Vergrößerung
1) Das "TOMLOV DM202 digitale Mikroskop 1500X 16MP 10.1'' HDMI , derzeit 159 EUR auf AliExpress, auf Amazon seinerzeit 219 EUR (derzeit dort nicht im Angebot). Bild auf interner Karte des Digitalmikroskop gepeichert.
2) Dino Lite AM7013MZT, Preis auf Amazon derzeit 548,00 EUR. Dieses "Zigarren"-Mikroskop habe ich auch schon bei professionellen Archäometallurgen und Restauratoren im Einsatz gesehen.
3) Motic Stereomikroskop mit 4x-Zoomratio. Neupreis ca. 1400 EUR Aufname durch Trino über die c-mount-Schnittselle mit einer Olympus OMD E-M5 Mk II
4) Olympus Stereomikroskop SZX12, Neupreis seinerzeit geschätzt 15.000 EUR, Freihand-Handyaufanhme durch das Okular
Gezielt wurde auf die "Grünspan"-Kristalle in der "3" der Zahl 2013 dieser 5 Cent-Münze. Hieruaf wurde die maximale Schärfe gelegt.
(Die Übersicht der Münze auf diesem Bild wurde auch mit dem Tomlov-Digitalmikroskop erstellt)
[
Tomlov Flaches Auflicht
Tomlov_Auflicht.JPG
Tomlov seitliche Beleuchtung
Tomlov_schräg.JPG
Dino Lite flaches Auflicht
Dino_Auflicht.jpg
Dino Lite flaches Auflicht Polfilter gekreuzt
Dino_pol.jpg
Dino Lite seitliche Beleuchtung
Dino_schräg.jpg
Motic Stemi flaches Auflicht
Motic_Auflicht_klein.JPG
Motic Stemi seitliche Beleuchtung
Motic_schräg_klein.jpg
Olympus SZX12, seitliche Beleuchtung mit Segment-Ringlicht
Hallo,
mein Fazit: Für den kleinen Preis schlägt sich das Tomlov verdammt gut.
Natürlich ersetzt es kein hochwertiges Stereomikroskop, das Handling ist komplett anders, das Feeling nicht vergleichbar und es wäre auch vermessen, die Auflösung dieses Gerätchens mit einer kleinen Plastiklinse mit einem analogen Highend-Stereomikroskop vergleichen zu wollen.
Und es ist eben auch auch kein digitales Keyence für x mal 2 kEUR ;)
Das Stativ - das ich aber "in die Tonne gekloppt" und inzwischen durch ein brauchbares Stemi-Stativ ersetzt habe - ist wirklich ein unfassbar schlechter "Wackeldackel" (wie Frank schon schrieb). Es ist vor allem d i e Schwachstelle an dem Mikroskop schlechthin, die einem die Freude wirklich verleiden kann. Dass man da nicht noch ein paar EUR bei der Produktion mehr investiert und das Mikroskop mit einem halbwegs gescheiten Stativ verseheh hat, ist wirklich unverständlich und ärgerlich.
Aber für 200 EUR macht man damit nichts grundsätzlich falsch, wenn man nur mal ein paar Münzen, einen Druck, eine Platine oder was auch immer vergrößert anschauen und dokumentieren möchte. Man bedenke: Der 10 Zoll-Monitor ist dabei, ein weiterer HDMI-Ausgang, die Beleuchtung, eine Micro-SD-Karte zur Aufnahme, eine Fernbedienung...
Und nicht zu vergessen: Etwas Spaß macht die Spielerei damit ja auch ;) Mein Tomlov befindet sich inzwischen auf diesem Stativ und ist damit gut bedienbar.
20260213_180715.jpg
Hezrliche Grüße
Peter
Hallo Peter,
ist die Aufnahme mit dem Dino Lite wirklich habwegs scharf? Für den Preis um die 580.- € ist das Bild im Vergleich ja fürchterlich.
Hubert
Hallo Hubert,
da will ich Dir nicht widersprechen! Es sah aber - meine ich - am Monitor auch besser aus als das gespeicherte Bild.
Die Preise der Dino Lites sind ja auch nicht gerade "ohne"- um nicht zu sagen, recht heftig. Ok, es hat zwei Polfilter...es ist aus Aluminium... Die Verabeitung ist schon etwas besser als bei den Billig-"Zigarren".
Fairerweise muss man dazu sagen, dass sich die anderen Mikroskope auf Stativen befinden, das Dino Lite aber eine in der freien Hand gehaltene "Zigarre" ist und bei d e r Vegrößerung auch nur sehr schwer wackelfrei ein Bild aufgenommen werden kann, selbst wenn das Mikroskop mit dem unteren Plexiglasteil auf der Münze aufliegt; es rutscht dann ja immer noch minimal.
Ich werde aber auch nochmal versuchen, ein Bild mit "irgendwie" fixiertem Mikroskop aufzunehmen. Ein in meinen Augen echter Kontrsktuktionsfehler des Dino Lite ist übriegns ein Sensor-Auslöser am oberen Teil der Zigarre ohne Druckpunkt, den man somit beim Hantieren ständig(!!!) unbeabsichtigt betätigt.
Ich muss auch nochmal in den Einstellungen schauen, ob das Bild bei der Aufnahme zu sehr komprimiert wird und man daran etwas ändern kann. Ich meine, dass man auch TIFFs aufnehmen kann.
Tatsächlich finde ich aber auch die Performance des Dino Lites etwas enttäuschend, vor allem unter Berücksichtigung des Preises; mal schauen, vielleicht kann man doch noch etwas mehr herausholen.
Hezrliche Grüße
Peter
Hallo,
Hier noch ein Bild, aufgenommen mit einem DNT Digi micro scale 2.0, das ich 2010 schon einmal vorgestellt habe:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4776.msg31892#msg31892
Preis damals 79 EUR
Das ist das Gerät, das ich tatsächlich am liebsten benutze, wenn ich an einer Stelle, die man nur mit einem "Handheld" erreichen kann, etwas vergrößert aufnehmen möchte. Wie z.B. hier, als ich die klebrigen Tischtriebknöpfe des Primostar dokumentieren wollte:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=31800.msg235559#msg235559
Es ist in der Summe aller Eigenschaften mein praktikabelste Gerät dieser Art mit einer brauchbaren Bildqualität. Ich nutzte es viel lieber als das mehrfach teurere Dino Lite. Leider ist das DNT Dimicro schon viele Jahre nicht mehr im Handel.
Herzliche Grüße
Peter
DNT Digimicro scale 2.0 Flaches Auflicht
DNT Digimicro scale.jpg
DNT Digimicro scale 2.0 Schräges Auflicht
DNT_schräg1.jpg
Hallo Peter,
Dein Dinolite sollte wohl auch an ein Stativ adaptiert werden, die Bilder scheinen mir definitiv verwackelt.
Bei meinem USB 3.0 Dinolite mit Stativ sind viele weitere Funktionen implementiert, von segmentierbarer Beleuchtung, bis EDF (im Prinzip Stacking, ähnlich der Touptec-Software). Weiterhin kann man Adapter für Vertikalbeleuchtung etc. dazukaufen. Insgesamt ist das alles aber viel zu teuer für die optische Leistung.
Die Adaption an das BMS-Stativ wäre mal interessant, kannst Du das mal näher zeigen? Das gleiche Stativ habe ich auch, das vom Tomlov nevt ein wenig. Könnte man ggf. auch die Zigarren anbringen.
Das leidige Thema der echten Vergrößerung ist schon öfters behandelt und auch hinreichend erklärt worden. Wichtig ist hier im Mikroskopie-Forum klarzustellen, dass Vergrößerung nichts mit guter optischer Leistung zu tun hat.
Das erklären wir ja andauernd auch den Neulingen, aber manche meinen gute Optiken mit hohem Auflösungsvermögen haben dann auch große Schärfentiefe.
Vielleicht nochmals zu dem Vergleich einer APSC / Vollformatkamera mit einem Videomikroskop. Die meisten mir bekannten (Pentax, Canon, Panasonic, Tamron) 1:1 Makro Objektive leisten nur 80 bis 125 LP/mm. Ausnahmen sind die höher vergrößernden Spezialobjektive, wie z.B. das Canon MP-E 65 mm. Da sind dann Auflösungen bis 360-400 LP/mm (MP-E bei 5x) drin. In dem Zusammenhang schneiden die Tomlovs doch sehr gut ab, besonders wenn man den Preis berücksichtigt.
LG Frank
Hallo erstmal,
Zitatan ein Stativ adaptiert
genau! das hab ich dann auch gemacht. Ein Lupenstativ (also ohne Feintrieb) von Lomo angepasst, und gut so!
erstes Bild = Rohbau
zweites Bild = fertig, mit Märzhäuser Tisch, Auf- und Durchlicht.