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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: rlu in Februar 17, 2026, 10:59:05 VORMITTAG

Titel: 3D - Paraffinschnitte - Malinol
Beitrag von: rlu in Februar 17, 2026, 10:59:05 VORMITTAG
Hallo,

ich experimentiere gerade mit Paraffinschnitten. Was mir so aufgefallen ist....

Dabei wurde mit Xylol entparaffiniert. Es war naheliegend Malinol(säureneutrales Kunstharz) zum Eindecken zu testen, da man dieses nicht wie Euparal direket über Isopropanol verwenden kann.
Nach dem Färben: 3xIsopropanol, abtupfen mit Papier, 2xXylol, dann Malinol, Deckglas.
Mit Schraube oder Mutter beschwert. Der Wärmeschrank sollte im Wasser stehen, sonst rutscht das Deckglas ab.
Man riecht das Xylol im Wärmeschrank, am nächsten Tag ist der Geruch weg. Ganz anders ist das bei Euparal, der Geruch ist nach Wochen noch da.

Leider waren Luftblasen unter dem Deckglas sichtbar. Schade.
Ab in den Wärmeschrank bei 60°. Nach ein paar Stunden war das Malinol fest und konnte mit der Rasierklinge geschabt/gesäubert werden. Dabei splittert es ab, das ist nicht schön. Das Malinol unter dem Deckglas scheint weiterhin noch flüssig zu sein.
Aber die Luftblasen sind alle weg und man hat das Gefühl das Bild wird klarer und die HE-Färbung hat nachgefärbt. Dachte eigentlich, dass nur Euparal diese Selbstheilungskräfte hat.

Vielleicht macht es Sinn, dass man das Deckglas, kurz vorher in das Xylol taucht, bevor man es auflegt.

Die Hämatoxylin-Lösungen war zu alt, nach 18min unter dem Wasserstrahl war es nur braun und nicht blau.
Bei Thorns gibt es HE-Lösung zu kaufen. Die werde ich noch testen.

Mit den Paraffinblöcken und einer optimalen Einbettung in Paraffin kämpfe ich noch.
Am liebsten wäre mir die ISO-Methode vom Klaus Henkel.
Denke über einen Einbettautomaten nach. Damit könnte man den Prozeß nachvollziehbarer machen.
Die Blöcke sind nicht von mir, sondern von einem Vereinskollegen.

Das Xylol scheint sich relativ schnell zu verbrauchen. 15ml für ein Deckglas. Dann nochmal mit einer frischen Xylol-Lösung. Das frische wird dann zur Erstentparaffinierung verwendet. Das erste wird in den Sammelbehälter gegossen.

Was nehmt ihr zum Fixieren für tierisches Gewebe oder Insekten?

Wasserbad(43°C): Nicht vergessen die Luftblasen am Boden vom Topf mit einem Pinsel zu entfernen. Die Schnitte nicht zu lange schwimmen lassen(aufsteigende Luftblasen). Beim ersten Mal haben die Schnitte Pickel(Luftblasen) bekommen. Ich tue jetzt noch einen Tropfen Spüli und 40ml Spiritus dazu, auf ungefähr 1,5 Liter. Als Wasserbad wird eine temperaturgeregelte Induktionsplatte verwendet, die die Temperatur ziemlich genau hält.

Thermometer für 15€ mit Fühler und Kabel, schnell, günstig und wiederholbare Messungen (https://www.amazon.de/dp/B0B1M6LKGK?ref=ppx_yo2ov_dt_b_fed_asin_t-itle&th=1)

Noch ein Tipp. Das Handling mit der Spritzflasche ist eine Sauerei.
Nehme jetzt so eine kleine Dosierflasche (https://www.amazon.de/dp/B0BW3LSB72)(Nadelflasche,Quetschflasche) 10ml mit einer stumpfen Stahlspitze, damit lässt sich dosierter arbeiten.

https://www.glas-shop.com/mehrinteressanteartikel/trinkalkohol-weingeist/alkoholrechner.php
ungefähre Angaben, genau
30% Alkohol: 5.0 ml(96%): 10 ml Wasser; 1:2 ;32%
50% Alkohol: 7.5 ml(96%): 7.5ml Wasser; 1:1 ;48%
70% Alkohol: 10  ml(96%): 5.0ml Wasser; 2:1 ;64%; 11ml/4ml wäre näher dran


Der Paraffinblock wird vorher gekühlt und kommt dann auf Eis.
Gefärbt mit HE(Hämatoxylin und Eosin) und Etzold(Pflanzenschnitt).

Die Schnitte sind nicht abgeschwommen. Was habe ich mir davor alles überlegt.
Die Objektträger wurden nicht mal abgewischt. Einfach eine neue Packung aufgemacht.
1h trocknen bei 37°, dann in den Wärmeschrank auch bei 37° über Nacht.


Die Schnitte sind mit 10µm relativ dünn. Eigentlich kein Objekt für Stacking oder 3D?
Doch!
Wer den Kreuzblick kann, wird erkennen, dass die Schärfe maximal zunimmt und auch die Lage im Raum erkennbar wird, obwohl die Schnitte so dünn sind. Dass das kein Standard ist, ist mir immer noch ein Rätsel.
Wie immer mit PICOLAY.

Liebe Grüße
Rudolf

Die 3D-Bilder sind eine andere Welt und liefern eine Schärfe, die das ursprünglich Bild nicht zeigt, obwohl es gestacked ist.
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Ösophagus



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Türkenbund
das Bild ist nur aus 3-Bildern entstanden




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Titel: Aw: 3D - Paraffinschnitte - Malinol
Beitrag von: Gerd Schmahl in Februar 17, 2026, 20:53:58 NACHMITTAGS
Hallo Rudolf,
ich arbeite sehr oft mit Malinol. Wie bei allen Eindeckmitteln auf Lösungsmittelbasis möchte man zum Eindecken so wenig Lösungsmittel wie möglich unter dem Deckglas haben, damit der Schwund und damit die Gefahr von Luftblasen nicht zu groß ist. Andererseits braucht man es, damit sich das Harz gut "anlegt" (gilt auch für das Deckglas). Schnitte dürfen ja auch nie austrocknen vor dem Eindecken. Ich behelfe mir beim Malinol, indem ich es erst noch ein wenig antrocknen lasse, nachdem ich es auf das Objekt gegeben habe. Es bildet ohnehin sehr schnell eine Haut aus, die das blasenfreie Abdecken mit dem Deckglas erschwert. Deshalb feuchte ich die Seite des Deckglases mit Xylol an, die dann auf das Harz kommt. Dazu nutze ich die Trennblätter, die zwischen den Objektträgern sind. Die saugen sehr gut, aber nicht zu viel, weil sie so dünn sind. Danach muss man dann aber schnell sein, weil das Xylol auch schnell wieder verdampft. Deckglas mit Xylol zu betropfen fand ich nicht so gut. Man hat dann schnell wieder zu viel davon drauf.

Meine Objektträger mit Malinol trockne ich innerhalb von 4 bis 6 Wochen auf der Heizung. Ich mag es, wenn sich das überflüssige Harz splitternd vom Deckglasrand löst, wenn ich mit der Lanzettnadel darum herum fahre. Das kann man mit wenig (!) Xylol und Wattetupfer glätten. Ich lasse das i.d.R. weil ich ohnehin einen Deckglasring aufziehe, auch wenn der bei Malinol nur ästhetische Wirkung hat.

Die farbauffrischende Wirkung haben die meisten Eindeckmittel, die die Objekte durchdringen und somit durchsichtiger machen. Das liegt wohl vor allem daran, dass das ganze Objekt gleichmäßiger wird, was den Brechungsindex angeht. Deshalb darf bei gefärbten Objekten der Brechungsindex des Eindeckmittels gerne möglichst ähnlich sein. Es ist ja die Farbe, die den Kontrast macht. Bei ungefärbten Objekten ist das umgekehrt (Stichwort Diatomeen).

LG Gerd
Titel: Aw: 3D - Paraffinschnitte - Malinol
Beitrag von: Alf in Februar 17, 2026, 21:40:04 NACHMITTAGS
Ich verwende gerne Malinol oder Histokitt. Nehme die OT aus dem Xylol lasse kurz das Xylol abtropfen, dann 1 Tropfen Malinol auf das Objekt, Deckglas drauf, vorsichtig etwas andrücken, um das Deckglas herum mit etwas Küchenpapier aufsaugen, trocknen lassen mind. 4 Wochen und dann überschüssiges Malinol wegkratzen.

Lg