Hallo liebe Gesteinsfreunde,
heute möchte ich ein weiteres Gestein von der Insel Alnön vorstellen. Es handelt sich um Alnöit, ein kimberlitähnliches Gestein. Das was ich hier vorstelle stammt aus der Nähe der Typuslokalität in Näset, die ziemlich zugewachsen ist. Das Gestein ist gut erkennbar, es hat relativ große Dunkelglimmer auf einer feinkörnigen Grundmasse. In Näset handelt es sich um einen 16 m breiten Lagergang. Am Strand von Stornäset findet man ein ähnliches Gestein, das aber viel Calcit enthält. Außerdem kommen (in diesem Schliff nicht) Pyroxene und Magnetit vor. In einem Diamantmuttergestein wie Kimberlit würde ich allerdeings auch Pyrop und Chromit erwarten.
Als erstes das Übersichtsbild mit der Leica Flexcam C3 auf dem Motic Stereomikroskop hergestellt.
Alnöit_ppl.jpg
Alnöit ppl
Alnöit_xpl.jpg
Alnöit xpl
Die folgenden Bilder sind wieder mit der Canon EOS R10 auf ein Leica DM 750P montiert unter dem Objektiv Leica Fluotar 10x/0.30 Pol hergestellt. Das Gestein ist recht apatitreich.
Apatit_ppl.jpg
Apatit ppl grau 1. Ordnung
Apatit_xpl.jpg
Apatit xpl
Wie schon angesprochen kennzeichnen größere Dunkelglimmer das Gestein.
Phlogopit_ppl.jpg
Phlogopit ppl hier gelbbraun
Phlogopit_xpl.jpg
Phlogopit xpl
Dann gibt es vermutlich ziemlich große Olivine, eigendlich kennzeichnend für basaltische Gesteine.
Olivin_ppl.jpg
Olivin ppl
Olivin_xpl.jpg
Olivin xpl
Eine Besonderheit am Alnöit ist das Vorkommen von Melilith. Das kennen vielleicht die Freunde der Steinmeteoriten. Das ist, wie auch Olivin, ein Mischkristall. Man findet wenige Beispielbilder von Dünnschliffen, aber ich glaube das ist dieses Mineral.
melilith_ppl.jpg
Melilith ppl serpentinisierter Olivin ppl, kein Zonarbau, keine Spaltbarkeit kein Melilith, Magnetitausscheidung durch Serpentinisieung
melilith_xpl.jpg
Melilith xpl serpentinisierter Olivin xpl
Ich denke, das ist ein recht interessantes Gestein, das (?wie alle Basalte?) aus dem oberen Erdmantel stammt. Der Alnöit soll, wie Kimberlit, aus einer Tiefe von 110 km bis 160 km stammen.
Viele Grüße
Michael
Lieber Michael,
wieder ein spannendes Gestein, dass Du hier vorstellst!
Ich hatte seinerzeit eine kleine Exkursion in die Schwäbische Alp unternommen, um an melilithhaltiges Gestein zu kommen, siehe hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=39606.0
Oft zeigen die Melilithkristalle anomale bläuliche oder bräunliche Interferenzfarben. Dein Mineralkorn, das Du als möglichen Melilith ansprichst, scheint auch keine Spaltbarkeit aufzuweisen. In der Umgebung dieses Kristalls scheinen aber einige Kriställchen bläuliche Interferenzfarben zu zeigen.
Viele Grüsse
Florian
Hallo Michael,
ja, das ist ein wirklich interessantes Gestein - Danke für die Vorstellung!
Bei Florian klang es ja schon unterschwellig an und auch ich bin sicher, dass es bei dem von Dir als Melilith bezeichneten Kristall eher nicht um dieses Mineral handelt. Bei aller gebotenen Vorsicht bei Ferndiagnosen glaube ich doch, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen serpentinisierten Olivin handelt. Die Maschenstruktur und die Aussscheidungen von opakem Magnetit auf den "Maschen" spricht sehr dafür, wie auch die Eigenfarbe und die sehr geringe Doppelbrechung. Zum Melilith selbst findest Du Erschöpfendes in dem von Florian angegebenen Link.
Beim Bild Deines Olivins bei gekreuzten Polarisatoren bin ich am Rätseln. Ist das "Weiß höherer Ordnung", dann wäre der Schliff viel zu dick, oder ist es eine Interferenzfarbe niedriger Ordnung, dann würde man ein schönes Achsenbild erwarten. Hier sieht man übrigens auch die Ausscheidung der opaken Magnetite als Frühstadium der Serpentinisierung.
Herzliche Grüße,
Olaf
Lieber Florian, lieber Olaf,
schönen Dank für die Verbesserungen. Ich hatte die Interferenzfarben von Melilith wie folgt von der KI erklärt bekommen:
"In der Polarisationsmikroskopie weist Melilith typischerweise sehr niedrige Interferenzfarben erster Ordnung auf, die von Grau bis Weiß reichen. Besonders charakteristisch sind jedoch anomale Interferenzfarben in Blau-, Violett- oder Brauntönen, die aufgrund einer starken Dispersion der Doppelbrechung auftreten. "
An serpentinisierten Olivin hatte ich nicht gedacht, zumal das Mineral häufig vorkommt. Wieder was dazugelernt und Florian hatte ja auch die Spaltbarkeit vermisst, womit serpentinisierter Olivin doch viel wahrscheinlicher erscheint. Wenn man dann noch die Magnetite als Ausscheidungen bei der Serpentinisierung dazunimmt, ist das ziemlich sicher Olivin oder besser serpentinisierter Olivin. Jetzt zum Olivin XPL das würde ich als zwischen Mattmeergrün und bläulichgrün, 4. Ordnung, Olivin deuten. Ein Achsenbild habe ich davon nicht herstellen können. Das ging nur bei dem oben gezeigten Phlogopit. Der Schliff scheint mir nicht zu dick zu sein. Auch schönen Dank für den Hinweis auf die Ausscheidung der Magnetite als Frühstadium der Serpentinisierung. Da habe ich noch etwas dazugelernt.
Herzliche Grüße
Michael