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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Boboliena in März 06, 2026, 13:15:48 NACHMITTAGS

Titel: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Boboliena in März 06, 2026, 13:15:48 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

ich arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit im Bereich der analogen Fotografie. In meinem Projekt untersuche ich die formale und visuelle Beziehung zwischen mikroskopischen Strukturen der Natur und Makroformen in der Umwelt.

Ich habe Erfahrung in Fotografie, da ich Foto-Design studiere, aber keine Erfahrung in der Mikroskopie. Mein Plan ist, Aufnahmen direkt mit einer Mittelformat-Kamera Mamiya 645 oder einer Canon AE-1 Programm zu machen.

Ich weiß allerdings nicht genau, welche Adapter, Anschlüsse oder Zubehörteile ich dafür benötige, um die Kameras an ein Mikroskop anzuschließen. Zur verfügung habe ich momentan nur ein normales Schülermikroskop von Kosmos. In laufe meines Projektes werde ich sicher eine Möglichkeit finden, mit einem guten Labormikroskop zu arbeiten.

Ich wäre sehr dankbar für jede Art von Info, Tipps oder Erfahrungen, egal ob technische Hinweise, Empfehlungen für Adapter oder einfach grundsätzliche Hinweise, worauf man achten sollte.

Vielen Dank schon mal!

Viele Grüße
Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: K. B. in März 06, 2026, 13:48:49 NACHMITTAGS
Hallo Bobeliena,

für die analogen Kameras benötigt man meistens eine Zwischenoptik mit Möglichkeit zur Lichtmessung, da ist es häufig einfacher ein gebrauchtes Gerät mit passenden Adaptern/ Kameras zu kaufen, die sind aber häufig teuer oder für z.B. nicht mehr erhältlichen Polaroid Film.

Hier z.B. eine generelle Kameraadaption für das Olympus BH2 System (Könnte man für die Canon AE1 adaptieren), das Prinzip ist meistens ähnlich aufgebaut
https://www.alanwood.net/olympus/digital-slr-bh2-microscope.html

Hier eine dezidierte Analogkamera für einen runden Okularstutzen mit Fokussierokular und Belichtungsmessausgang
https://olypedia.de/index.php?title=PM-6_(Mikroskop-Kamera)

Und hier eine Belichtungsmesseinheit für Mikroskope
https://www.cameramanuals.org/flashes_meters/microsix-l.pdf

Prinzipiell hatten alle großen Mikroskophersteller ihre jeweils passenden Systeme für die Mikrofotografie.

An ein modernes Mikroskop könnte es aber schwieriger werden noch eine analoge Kamera zu adaptieren.

Geeignete Mikroskope mit Fotoadaptionen auf dem Gebrauchtmarkt wären z.B. Olympus BH2 oder Zeiss Standard, billig sind die aber nicht.

Evtl. wäre es einfacher jemanden mit so einem System zu finden bei dem du die Versuche durchführen kannst.

Viele Grüße
Kay
Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Lupus in März 06, 2026, 15:37:20 NACHMITTAGS
Hallo,

es dürfte nicht ganz einfach werden die relativ großformatigen Kameras an ein Mikroskop anzuschließen. Jedenfalls nicht an ein Schülermikroskop. Man bräuchte zumindest ein Mikroskop mit einem Fotoausgang (Trinokular). Aber es wäre zunächst einen Versuch wert, die Kamera mit Objektiv provisorisch berührungslos möglichst nahe vor ein Okular des Mikroskops zu montieren (z.B. mit Hilfe eines Stativs). Die auf unendlich fokussierte Kamera funktioniert dabei wie das Auge, mit dem man in das Okular blickt. Am ähnlichsten bezüglich der Geometrie des Auges und dessen Blendenlage (Pupille) kommt das kompakte Objektiv einer Smartphonekamera, das man ganz nahe an das Okular halten kann.

Das Problem ist dass großformatige Kameras auch große (d.h. relativ lange) Objektive besitzen, mit weit innen liegender Blende. Das Licht tritt aus dem Mikroskopokular sich kegelförmig verbreiternd aus (mit einem Winkel der dem Bildwinkel des Okulars entspricht). Mit einem kompakten, kurz bauendem Kameraobjektiv - da werden gerne sog. Pancake-Objektive verwendet - kann man normalerweise diesen Kegel ohne Vignettierung erfassen.

Wenn man die Blende voll öffnet, kann das allerdings auch mit einem noch relativ kompakten Normalobjektiv oder leichten Weitwinkelobjektiv einer großformatigen Kamera funktionieren. Einfach ausprobieren. Am besten ist für diesen Zweck ein sog. Brillenträgerokular am Mikroskop, weil die so konstruiert sind dass dieser Lichtkegel erst relativ weit hinter dem Okular (typisch 15-20 mm) beginnt und damit leichter von einem nicht optimalen Kameraobjektiv erfasst werden kann.

Hier ein Beispiel mit einem einfachen monokularen Schülermikroskop und einer MFT-Kamera am Stativ. Der (hier angeschnittene) sichtbare Bildkreisdurchmesser des Okularbildes ergibt sich aus dem Verhältnis Bildwinkel Okular/Bildwinkel Kamera je nach Objektiv.

Kameraadaption Stativ.jpg

Hubert
Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Marcus_S in März 06, 2026, 16:48:42 NACHMITTAGS
Moin!

Grundsätzlich wird Dein Ansinnen schon umsetzbar sein - viele Jahrzehnte gab es ja gar keine andere Möglichkeit, Mikrographien anzufertigen. Aber so richtig spaßig war das ganz sicher nicht. Und die Damen und Herren dürften ein paar Tage probiert haben, bis sie einigermaßen gut knipsen konnten.

Vor einigen Jahrzehnten habe ich sowas auch mal ausprobiert (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=52981.msg385131#msg385131), habe aber nie besondere Kunstfertigkeiten im Analog-Mikrofotos-machen erlangt. Für den Hausgebrauch hat es gelangt.

Die größten Schwierigkeiten damals lagen im erstaunlich wackeligen Aufbau (und das, obwohl ich eine recht weich spiegelschlagende Pentax an einem stabilen Mikroskop hatte. Da half sanftes Handauflegen auf die Kamera beim Auslösen ein klein wenig weiter) und in der frickeligen Belichtungsmessung. Egal, ob Spot- oder Integralmessung, falsch war das immer. Zumindest ein wenig.
Dafür war das unendlich unbequem, weil der ganze Aufbau höher war, als mein Hals lang war - um in den Sucher zu linsen, da mußte ich immer auf einen Hocker steigen. Und: man (also ich) brauchte schon Licht. Recht viel Licht. Die 30W-Halogenlampe (zugegeben: mit Trino-Tubus) waren kein Luxus.

_Die_ analoge SLR für Mikroskopie und Endoskopie und sowas dürfte damals (man darf mich da gerne korrigieren) eine Olympus OM2 (wegen der wohl einzigartigen Belichtungsmessung) gewesen sein. Ob das mit der Canon auch so funktioniert - keine Ahnung.

Viel Erfolg!

Grüße von Marcus
Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: A. Büschlen in März 06, 2026, 17:17:43 NACHMITTAGS
Hallo Boboliena,

eine Frage zu deinen Projekt: was sind deine mikroskopischen Strukturen? Dauerpräparate für Durchlicht oder für Auflicht? Sind es bereits erstellte Präparate, oder ...?
Und, in welchem Vergrösserungsbereich möchtest du mikroskopieren?
Dies zu wissen, ist eine Grundvoraussetzung um dir zielgerichtet weiterzuhelfen.

Ich würde mir einen Arbeitsplatz suchen, der mit einer für dich geeigneten Ausrüstung eingerichtet ist.
Mache doch eine konkrete Anfrage hier in diesem Forum: Ich suche Zugang zu einem Photomikroskop das mit einer Einrichtung für die analoge Fotografie ausgerüstet ist.

Grüsse Arnold Büschlen

Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Rawfoto in März 06, 2026, 18:46:19 NACHMITTAGS
Wo bist du denn zu Hause?

Die beiden genannten Gehäuse sind ungeeignet, Erschütterungen durch Spiegelschlag. Olympus OM2n, Hasselblad und 4x5" habe ich damals eingesetzt.

Liebe Grüße aus Wien
Gerhard
Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Boboliena in März 06, 2026, 20:52:50 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten, Links und Bilder, das ist wirklich sehr hilfreich für mich! 😊

Ist die Zwischenoptik hauptsächlich für die Lichtmessung da, oder hat sie noch andere wichtige Funktionen im Aufbau?
Ich hatte ursprünglich gehofft, dass meine Mittelformatkamera mit einem normalen C-Mount-Ring vielleicht schon ausreichen könnte.

jetzt bin ich ein wenig eingeschüchtert. :O

ich studiere in München, pendel aber oft nach Wien und Berlin.
@Gerhard ich bin im April eine Woche in Wien und dankbar für jede Hilfe.

Nächste Woche habe ich einen Termin im Archiv im Deutschen Museum, wo ich Zugang zur Sammlung Lehmann sowei Georg Schedele bekomme. Oft sind das wohl Kolokiumplatten, aber ich hoffe darauf Präparate zu finden, die mich visuell ansprechen um genauer zu werden. @Arnold Büschlen

Lieben Dank schonmal

Borjana



Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Thomas Böder in März 06, 2026, 22:02:53 NACHMITTAGS
Ich würde auch die OM-2n empfehlen.
Die Belichtungsmessung ist einzigartig gut und wirklich zuverlässig.
Titel: Aw: Analoge Mikro-Aufnahmen
Beitrag von: Spectrum in März 06, 2026, 22:47:55 NACHMITTAGS
Hallo Borjana,
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, willst du wohl Aufnahmen von den Kollodiumplatten der erwähnten Fotographen machen, richtig?
Und du hofft darauf unter dem Mikroskop auf diesen etwas Interessantes (z.b. Staub, Pollenkörner, Pilzhyphen in der Emulsion bzw Firnis) zu finden.
Falls ja, wäre der benötigte Vergrößerungsmaßstab um sowohl die Bildinformation (Silber) als auch die darüber befindlichen "Präparate" abzulichten eher was für Lupenobjektive, Vergrößerungsobjektive aus der Dunkelkammer in Retrostellung oder ein Makroskop.
Also grob geschätzt eher so im Bereich 0,5x-15x.
Alle Aufnahmen mit noch größeren Maßstäben werden dann schon sehr "grafisch" um es mal milde auszudrücken.
Das ist dann auch etwas einfacher umzusetzen, als analoge Mikrofotos, aber auch hier braucht man entsprechendes Equipment und Knowhow.
Ich würde da bei deinem Termin im Museum fragen ob dort ein Stereomikroskop vorhanden ist um die Platten zu begutachten.
(Sowas haben die bestimmt vor Ort, alleine schon für Restaurationszwecke)
Da kannst du dir schonmal einen Eindruck verschaffen was es da überhaupt zu finden gibt, und welche Vergrößerungen du brauchst.

Egal wie, wenn du Gerhard's Angebot annimmst, bist du da bestens beraten.

Gut Licht Holger