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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: JanB in März 07, 2026, 20:10:25 NACHMITTAGS

Titel: Gebrauchtes Mikroskop: Bresser Erudit ICD oder Alternative?
Beitrag von: JanB in März 07, 2026, 20:10:25 NACHMITTAGS
Hallo allerseits,
ich vor Kurzem das Mikroskop meiner Kindheit, ein Eschenbach Stereo 15x/30x, ausgegraben und meiner Tochter (sie ist 6) zum Herumprobieren gegeben.
Da ich selber aber damals (vor rund 35 Jahren) wie heute nie so richtig zufrieden damit war, und selber nun auch ab und zu mal wieder durchschauen möchte, such ich nach einer günstigen aber besseren Alternative.

Meine grobe Vorstellung: Das Mikroskop sollte...

-ein Stereo-Mikroskop sein
-Auf- und Durchlicht unterstützen
-große Objekte bis 5cm sollten untersucht werden können
-mehrere Vergrößerungsstufen haben
-es sollte nicht zu sperrig sein
-es sollte nicht kompliziert sein, denn es soll ja auch weiterhin meiner Tochter Spaß machen

Für das Bresser Erudit ICD spricht aus meiner Sicht, dass es gebraucht recht günstig zu haben ist (50-70€ sind für mich ok, mehr möchte ich nicht ausgeben) und vor allem, dass damit laut Website auch Objekte bis zu 5cm Höhe untersucht werden können.
Was mir fehlt, wäre eine noch etwas kleinere Vergrößerungsstufe von ca. 10fach. Bin mir unsicher, kann man da einfach andere Okulare nutzen, oder ist das von Gerät zu gerät unterschiedlich? Und kann einer die Qualität des Mikroskops beurteilen?

Hab schon einige Beiträge hier gelesen, aber die Empfehlungen gehen meist eher in Richtung größere Geräte. Das Lomo Biolam, was häufig genannt wird, zum Beispiel erscheint mir zu wuchtig - aber vielleicht täuscht das auch. Ich selber möchte ab und zu mal Insekten oder Mineralien untersuchen können, für meine Tochter wirds sicher eher eine Spielerei, mit der im Zweifelsfall auch mal Kuscheltiere untersucht werden :)

Habt ihr eine bessere Empfehlung, oder ist das Bresser Erudit ICD für diese Zwecke okay? Das JUnior ist zwar günstiger, aber nur eine Vergrößerungsstufe fänd ich zu mager.
Bei meinem alten Eschenbach macht gerade die 30fache Vergrößerung einfach keinen Spaß. 15fach mit ausreichendem Licht erfüllt seinen Zweck wenn das Licht gut ist, mehr aber eben auch nicht.

Viele Grüße, Jan
Titel: Aw: Gebrauchtes Mikroskop: Bresser Erudit ICD oder Alternative?
Beitrag von: liftboy in März 07, 2026, 20:46:16 NACHMITTAGS
Hallo Jan,

was Du suchst, ist die eierlegende Wollmichsau.
Vorab:
ZitatBresser Erudit ICD
199,90 €*
Preise inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten
also nix mit billig!
Das ist ein bezahlbarer Chinese, Davon hatte ich schon reichlich hier auf dem Tisch zur Reparatur (Prismen dejustiert = Transportschaden). Für Deinen ersten Zweck durchaus brauchbar. Für 10fache Vergrößerung brauchtest Du 5fach Okulare, die es dafür nicht gibt. Eine ordentliche Tiefenschärfe haben die Dinger nicht.
Das von Dir angeführte russische MBS-10 ist da besser geeignet und für den gleichen Preis zu haben (gebraucht). Für diese Mikros mach ich auch den Service.
Wenn Du auch mal kleinere Sachen betrachten möchtest (für den Kurzen wird dann mal Wasser aus einer Pfütze oder auch ein Heuaufguss interessant sein; da ist richtig was los), wirst Du im Endeffekt dann nicht um ein richtiges Mikroskop herumkommen (schau mal öfter in den "Mikromarkt", da ist öfter was dabei).

Grüße
Wolfgang
Titel: Aw: Gebrauchtes Mikroskop: Bresser Erudit ICD oder Alternative?
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 07, 2026, 20:57:34 NACHMITTAGS
Hallo Jan,
herzlich willkommen im Forum! Schön, dass Du Deiner Tochter den Blick in die Mikrowelt ermöglichen möchtest. Mit 6 Jahren ist in der Tat ein Stereomikroskop das Richtige. Das LOMO-Biolam ist ein "normales" Durchlichtmikroskop und kommt definitiv noch nicht infrage. Klobig ist es aber keineswegs, eher zierlich oder verwechselst Du das mit dem russischen Stereomikroskop MBS-10?

In dem von Dir gesteckten Preisrahmen kommt ja in der Tat nur ein gebrauchtes Gerät infrage. Du solltest Dir aber bewusst sein, dass Du ein Gebrauchtgerät unbedingt testen solltest. Deshalb kommt nur Selbstabholung infrage oder wenigstens ein Rückgaberecht bei Nichtgefallen. An Hand von Fotos kann man die Qualität eines Gebrauchtgerätes nicht beurteilen. Versand ist auch ein Risiko, wenn von Leuten verpackt wird, die noch nie etwas Vergleichbares (schwer aber empfindlich) verpackt haben. Ein häufiger Schaden ist ein gelöstes oder verschobenes Prisma im Innern des Stereotubus. Das kann man von außen nicht sehen, aber wenn man hindurchschaut, bekommt man die beiden Bilder nicht zur Deckung gebracht.

Diese Sterolupen mit den 2 verschiedenen Vergrößerungen sind für ihren Preis ganz brauchbar und bisher habe ich Geräte von 3 unterschiedlichen Herstellern in der Hand gehabt, die alle von sehr ähnlicher Qualität waren (Motic, AmScope und Novex). Allerdings werden tatsächlich die kleineren Vergrößerungen viel öfter benötigt als die hohen. Der Stereoeffekt ist dann auch besser, weil mit stärkerer Vergrößerung die Schärfentiefe abnimmt. Deshalb empfehle ich Dir dringend ein Gerät mit 10x/30x zu kaufen, nicht mit 20x/40x. Sicher kann man auch mit kleineren Okularen (es gibt durchaus 5x-Okulare für diese Geräte, lieber Wolfgang) geringere Vergrößerungen erzielen, aber das ist nicht ganz das Gleiche, weil das Objektiv über die Schärfentiefe entscheidet, nicht das nachvergrößernde Okular. Leider ist es so, dass die 10x/30x-Geräte sehr viel seltener am Markt vertreten sind, als die 20/40-Geräte. Es gibt solche Geräte von NOVEX (Holland) (https://www.optik-pro.de/stereomikroskope/novex-stereomikroskop-ap-7-binokular/p,9692?p_id=9692&utm_medium=cpc&utm_term=9692&utm_campaign=2603&ia-pkpmtrack=31-9363835313236323131303-111-106-177&utm_source=froogle&ptype=de&utm_content=), aber ob man die auch gebraucht ergattern kann? Wohl nur mit sehr viel Geduld und dann ist Deine Tochter so alt, dass sie bald ein "richtiges" Durchlichtmikroskop benutzen kann  :D

Aber: Ein gutes Stereomikroskop ist eine feine Sache für die ganze Familie (als Erstes fällt mir das Entfernen von Splittern ein. Da kommt meine Frau dann auch immer in mein Mikroskopierzimmer). Überlege Dir also, ob ein paar Euro mehr, vielleicht doch eine gute Investition wären.

Wenn Du dickere Objekte betrachten möchtest (z.B. Steine), sollte das Mikroskop an einer Stativstange befestigt sein, wie das von mir verlinkte Gerät, oder auch das von Dir genannte BRESSER Erudit ICD. So eine Stange erlaubt nicht nur eine relativ weite Voreinstellung nach oben, sondern notfalls ein Verdrehen des ganzen Gerätes um 180 Grad. Man muss dann nur noch den Fuß etwas zusätzlich beschweren und hat einen sehr großen Freiraum.

Beste Grüße
Gerd