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Bibliothek => Mikro-Know-How => Technik => Thema gestartet von: Alfons Renz in März 12, 2026, 22:51:10 NACHMITTAGS

Titel: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Alfons Renz in März 12, 2026, 22:51:10 NACHMITTAGS
Liebe Foristen,

Für die Restaurierung eines Trichinen-Kompressoriums müsste ich zwei runde, ca. 5 mm dicke Platten aus Floatglas durchbohren. Durchmesser der Platten 8 cm und Durchmesser der Bohrung ca. 6 mm.

Im Netz finden sich genügend Ratschläge zu Hartmetall- und Diamantbohrern sowie Kühlung mit Wasser oder Öl. Und immer die Warnung, man müsse vorsichtig bohren, ohne Druck und Verkanten.

Meine Frage: Hat Jemand von Euch schon eigene Erfahrung gesammelt? Wie groß ist das Risiko eines unschönen Absplitterns beim Durchbruch? Soll man von beiden Seiten anbohren? Eine Säulenbohrmaschine hätte ich.

Vielen Dank schon mal für's Lesen!

Grüße,

Alfons
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Peter V. in März 13, 2026, 07:29:33 VORMITTAG
Lieber Alfons,

In Witten gibt es einen Mann
der sowas ziemlich sicher kann
Soll alles nicht in Splittern enden
würde ich mich an ihn wenden

;) Grüße
Peter


Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Wutsdorff Peter in März 13, 2026, 08:06:10 VORMITTAG
Grüß´ Dich Alfons,
wende Dich ´mal an ein Fliesenfachgeschäft.
Gruß Peter W
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Hugo Halfmann in März 13, 2026, 08:10:47 VORMITTAG
Lieber Alfons,

das geht mit Glasbohrern wie diesem (https://www.hornbach.de/p/glasbohrer-alpen-o-3-mm/4049478/?marketNo=563&utm_source=sea&utm_medium=google_ads&utm_campaign=product_mas&wt_mc=de.paid.sea.google.alwayson_assortment.mas.pla.868483096.88682553825.&wt_cc1=868483096&wt_cc2=88682553825&wt_cc3=411135745421&wt_cc4=&wt_cc6=4049478&wt_cc7=563&gad_source=1&gad_campaignid=868483096&gbraid=0AAAAADldPp28bjFG7Z3J7c79-pj8KtlBc&gclid=CjwKCAjw687NBhB4EiwAQ645di6Nr04KYIBBE6qHnDWz2m8HY_eZLmJOnL-iNH1pEwDocSvrOQ7MZBoCy2AQAvD_BwE)

Oder mit Diamant-Kernbohrern wie diesem (https://www.amazon.de/Dremel-Diamant-Glasbohrer-Zubeh%C3%B6rsatz-Multifunktionswerkzeug/dp/B07BS9YX3M?source=ps-sl-shoppingads-lpcontext&ref_=fplfs&psc=1&smid=A3JWKAKR8XB7XF&language=de_DE)

Wasser mit einem Tropfen Spüli zum kühlen verwenden und von beiden Seiten zur Mitte bohren, dann bricht nichts aus.

Oder den Glaser deines Vertrauens fragen. Meiner macht sowas für eine Packung Katzenfutter, die Werkstatt ist gleichzeitig ein kleines Tierheim für Streuner.
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Markus Hirt in März 13, 2026, 08:33:47 VORMITTAG
Hallo,
wenn Du es selber machen möchtest, würde ich zu den erwähnten Diamantbohrern raten, vor Allem, wenn Du ohnehin eine Säulenbohrmaschine hast. Wobei die Drehzahl dann meist eher zu gering ist, es also dauert.
Feinschleifer ('Dremel') mit Ständer läuft natürlich schneller.

Mit den Diamantkernbohrern habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Wie schon geraten beidseitig bohren, wenn es geht.

Die Teile eignen sich übrigens auch zum Ausbohren von abgebrochenen (VHM)-Bohrern und Gewindewerkzeugen! Das dauert aber (ein extra Ständer hilft, so dass das selbstständig läuft), und sie verschleißen schnell!
Das Kernloch zentriert den Bohrer nach einer Weile, die Stege zu den Schneiden werden durchtrennt.

Ich möchte sie nicht mehr in der Werkstatt missen.

Zum anschließenden Entgraten/Glätten einen Diamantstift am Feinschleifer/Gravierer verwenden.

Oder mit einer feinen Mikroflamme 'anschmelzen' - wird dann schön glänzend (je nach Material).
Aber Vorsicht, das platzt dann leicht. Ggf. mit Resten ausprobieren.

LG
Markus

Edit: Ich würde Dir raten, erstmal an ein paar Resten/Konservengläsern/... zu üben... ;-)
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Markus Hirt in März 13, 2026, 08:45:29 VORMITTAG
Achja, noch ein Tipp:

Zum Zentrieren/Führen einfach eine Unterlegscheibe mit passender Bohrung (oder etwas ähnliches) mit Schellack/Kanadabalsam/... auf das Glas kleben. Sollte ja beim Mikroskopiker da sein, und dessen Arbeitsweise entgegenkommen.

Halt was nehmen, was man auch gut wieder ablösen kann, also nicht unbedingt Epoxy oder UV-Kleber... ;-)


Die Diamantkernbohrer gibt es übrigens in vielen Durchmessern sehr günstig auf den bekannten Plattformen. Die sind durchaus Ok, habe noch keine Fälschungen bekommen (Glasstaub statt Diamanten).

Einst habe ich das auch mal im Labor improvisiert (sehr spezielles Material und Durchmesser), indem ich einige gedrehte Messingstifte und Schleifstaub verwendet habe. Aber das dauert!


Markus
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: olaf.med in März 13, 2026, 11:14:22 VORMITTAG
LIeber Alfons,

solche Glasarbeiten mache ich routinemäßig und ich helfe Dir natürlich sehr gerne. Hier einmal zwei Beispiele aus der Praxis. Das erste ist ein Objekttisch eines Watson-Mikroskops bei dem die schwarze Glasplatte fehlte vor und nach der Bearbeitung, das zweite ist ein Präparat bei dem zur Erreichung höchstmöglicher Apertur für konoskopische Untersuchungen der "Objektträger" möglichst dünn sein musste (vergl. hier (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35974.msg263144;topicseen#msg263144)). Dazu wurde ein Langloch in einen Objektträger gefräst, ein Deckglas von unten aufgekittet und der Kristall in den dadurch entstandenen Trog mit dünnen Boden eingebettet.

Watson.JPG

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Die saubere Bearbeitung geht ausschließlich mit Diamantwerkzeugen, und die oben schon erwähnten Hohlbohrer sind ideal dafür. Sie müssen selbstverständlich gut geführt werden (z.B.in einer Ständer-Bohrmaschine oder einer Drehmaschine), Wasserkühlung ist unabdingbar. Die Drehzahlen sollten eher niedrig (100-200 rpm reichen völlig aus) und der Druck moderat sein, aber dafür entwickelt man nach einigen Fehlversuchen ein gutes Gefühl.

Ganz wichtig ist es je eine Glasplatte von oben und von unten aufzukitten und durch das Sandwich zu bohren, sonst werden die Ränder nicht sauber. Das Verkitten geht perfekt mit einem Thermoplast, in der Optik benutzt man dafür den sog. Wachskitt (auch Blockierwachs, Fixierwachs oder Spannwachs genannt), der bei ca. 80-100°C schmilzt und sich durch normale Lösemittel wie Aceton rückstandslos entfernen lässt.

Das Bohren geht mit den Hohlbohrern ganz fix - man benötigt nur wenige Minuten für eine 5 mm dicke Glasplatte.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Markus Hirt in März 13, 2026, 11:36:24 VORMITTAG
Hallo,

als ich las, dass das Bohren ganz fix geht, war ich schon am zweifeln, ob ich nicht doch Glasstaubfälschungen erwischt hatte :-).

Aber einige Minuten passt dann doch, ich bin halt von der Metallverarbeitung andere Geschwindigkeiten gewohnt, da sind 5mm ja binnen Sekunden zerspant.

So niedrige Drehzahlen hatte ich tatsächlich gar nicht versucht. Das sind dann ja ganz geringe Schnittgeschwindigkeiten bei diesen dünnen Bohrern), hätte ich gar nicht erwartet...

Ich habe immer mit höherer Drehzahl (1-5k rpm), wenig Druck und natürlich Kühlung gearbeitet.
Standzeit war mir allerdings auch egal, da ich die Teile eben auch für harte Stahlwerkzeuge verwende, und die da ohnehin schnell verschleißen (Stahl und Diamant vertragen sich nicht).

Markus

 
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Alfons Renz in März 13, 2026, 12:34:50 NACHMITTAGS
Ganz herzlichen Dank für Eure hilfreichen Antworten, speziell die detaillierte Beschreibung von Olaf!

Meine eigene Erfahrung beruht auf der Durchbohrung einer Granitplatte für die Durchführung eines Glasfaserkabels. Mit einem Diamant-Hohllochbohrer. Hat unendlich lange gedauert....

Speziell haben mich auch die vielen Berichte im Internet in meiner Befürchtung bestärkt, dass es häufig unschöne Ausbrüche beim Durchbruch gibt - wenn man nicht von beiden Seiten anbohrt oder die optimale Methode nach Olaf mit dem Ankitten von 'Schutzscheiben' anwendet.

Das Beste wird sein, diese etwas diffizile Angelegenheit doch einem Spezialisten zu überlassen!

Mit glasharten Grüßen,

Alfons


 
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: olaf.med in März 13, 2026, 13:43:42 NACHMITTAGS
Lieber Markus,

es ist eben alles relativ. Ein guter Freund von mir ist Schreiner, und der sagt immer: pah, ihr Metallzerspaner mit euren lächerlichen Drehzahlen und Schnittgeschwindigkeiten... an meinem 5-Achser läuft der 30 mm Schaftfräser mit 25.000 Touren ;D .

Bei den Hohlbohrern gibt es auch Unterschiede. Die teuren und sehr guten aus heimischer Produktion sind mit feinem Diamantkorn gesintert, da geht's halt langsamer. Die spottbilligen aus Fernost, mit denen ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe, sind grobkörnig und da geht's ziemlich schnell. Wichtig ist eine ausreichende Spülung, damit das Schleifgut ausgeschwemmt wird.

Herzliche Grüßem,

Olaf
Titel: Aw: Wie durchbohre ich eine Glaspatte?
Beitrag von: Markus Hirt in März 13, 2026, 14:11:30 NACHMITTAGS
Ja, und ein Feinwerktechniker schalt mich einst: "Zentimeter kann ich nicht, ich kann nur Hundertstel, ich bin doch kein Tischler!", als ich eine Messingleiste, 'so etwa 30cm lang', orderte.  :)

Genau diese groben meine ich, die sind richtig genial. Damit habe ich schon Tantalelektroden aus Vollkeramik und Bauteile aus Platinen herausgefräst. Ein kleines Schutzröhrchen über den Draht gestülpt und das geht dann auch frei Hand, da der hohle Kern ja als Führung dient.

Aber ich schweife offenkundig ab.  ::)

Markus