Letztes Jahr habe ich hier die Terpentin-Pistazie (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=52615.msg382546#msg382546) vorgestellt.
Heute möchte ich einer Verwandten, nämlich der Chinesischen Pistazie, einen Beitrag widmen.
Auch sie gehört zu den Sumachgewächsen (Anacardiaceae).
P. chinensis ist ein sommergrüner Laubbaum von 10-20 m Höhe. Die Blätter sind wechselständig und paarig gefiedert, 10 bis 20 cm lang. Sie färben sich im Herbst auffällig orange oder rot.
Wie der Name vermuten lässt, stammt dieser Baum aus China. Im Osten der USA ist er als Neophyt eine invasive Spezies. Mein Exemplar habe ich in New Orleans entdeckt.
In seinen Harzkanälen produziert P. chinensis ein Oleoresin, also eine Harz/Öl-Mischung.
Zunächst der Habitus. Ich habe ein Bild mit der schönen Herbstfärbung ausgewählt.
Bild 1 (Wikimedia Commons, public domain)
Pistacia_chinensis.jpg
Ich habe mir Blattstiel und Blatt angeschaut. Meine Schnitte sind durchgehend 30 µm dick. Geschnitten habe ich mit einem Schlittenmikrotom, gefärbt wurde mit FCA nach Etzold. Fotografiert habe ich am Leica DMLB mit einer Sony a6400. Die Bilder sind in der Regel gestackt und wurden hinsichtlich Schärfe, Kontrast, Belichtung und Farbausdruck optimiert.
Zunächst der Überblick über den Blattstiel
Bild 2
(https://up.picr.de/50689475cc.jpg)
Unter der Epidermis fällt ein gleichmäßig über den gesamten Querschnitt reichendes Kollenchym auf, das dem Stiel Festigkeit verleiht. Im Rindenparenchym zeigen sich Bögen von Sklerenchym, die sich über dem Phloem des Leitbündelbereiches wölben. Auffällig sind die im Phloem befindlichen Harz- bzw. Sekretkanäle. Imposant auch die großlumigen Tracheen im Xylem. Zentral findet sich ein lockeres Markparenchym.
Hier noch der Querschnitt in der Polarisation:
Bild 3
(https://up.picr.de/50689476rz.jpg)
Jetzt noch einige Detailbilder des Blattquerschnittes
Bild 4
(https://up.picr.de/50689477to.jpg)
Bild 5
(https://up.picr.de/50689478ed.jpg)
Bild 6 (Markbereich)
(https://up.picr.de/50689471pg.jpg)
Und hier noch der Anblick im polarisierten Licht
Bild 7
(https://up.picr.de/50689472xr.jpg)
Jetzt zu den Blättern. Sie sind stark asymmetrisch aufgebaut, so dass eine Blattspreite schon sehr ausladend ist, bevor die andere sich überhaupt erst entwickelt.
Bild 8
(https://up.picr.de/50689473ta.jpg)
Bild 9 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50689474kw.jpg)
Der unruhig-unscharfe Eindruck entsteht dadurch, dass der Stiel am Blattgrund stark gebogen ist, so dass man meist einen schrägen Anschnitt erhält.
Im Blatt selbst verläuft die Mittelrippe dann wieder etwas mehr gerade, so dass hier der Querschnitt geordneter wirkt.
Bild 10 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50689463je.jpg)
Die Asymmetrie der Spreitenentwicklung wirkt teilweise schon fast absurd:
Bild 11
(https://up.picr.de/50689462jb.jpg)
Jetzt einige Details aus dem Blattquerschnitt
Bild 12
(https://up.picr.de/50689464af.jpg)
Ein deutliches Eckenkollenchym und unregelmäßig verteilte, rot gefärbte Idioblasten.
Bild 13(DIC)
(https://up.picr.de/50689465as.jpg)
Man sieht hier schön das einschichtige sekretorische Epithel, das den Harzkanal auskleidet und das das Harz aktiv ins Lumen des Kanals abgibt. Auch hier wieder vereinzelte rot gefärbte Idioblasten. Sie sind Speicherzellen für Phenole und andere chemisch definierte Substanzen (Tannine, Flavonoide), die potentiell toxisch sind. Sie dienen der Fraßabwehr sowie dem Wundverschluss bei Verletzung.
Ich könnte hier schon wieder ins Schwärmen verfallen, wie unglaublich sinnvoll sich bei den Pflanzen Anatomie, Physiologie und Biochemie ergänzen und unterstützen. Und das ganz ohne planende und lernende Gehirnfunktionen. ;)
Bild 14 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50689470er.jpg)
Zahlreich sind auch Kristalldrusen:
Bild 15 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50689466oh.jpg)
Ein eigenartiges Phänomen ist der bereits in den Übersichtsbildern zu sehende "Knick" im Verlauf der Blattspreite. Hier eine Nahaufnahme:
Bild 16
(https://up.picr.de/50689469mi.jpg)
Mit bloßem Auge dachte ich an ein Präparationsartefakt, aber erstens findet sich das in allen Schnitten und zweitens hat man den Eindruck, die Epidermis verläuft hier ohne Verletzung und auch die darunter liegenden Zellen weisen keine Schädigung auf. Ohne mir den Sinn des "Knicks" erklären zu können (und ohne etwas in der Literatur gefunden zu haben), würde ich diesem Phänomen doch etwas Absichtsvolles unterstellen. Vielleicht hat ja jemand eine Idee, was dieses Phänomen für einen Hintergrund haben könnte.
Jetzt noch zwei Bilder von den Blattspreiten mit dem ausgeprägten einreihigen Palisadenparenchym.
Bild 17
(https://up.picr.de/50689467qj.jpg)
Bild 18
(https://up.picr.de/50689468wh.jpg)
Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.
Hallo Peter,
perfekte Schnitte, perfekte Färbungen, perfekte Bilder ... perfekter Beitrag.
Danke!
Guten Abend Peter T,
ich schließe mich den lobenden Worten meines Vorgängers an. Auch Du hast wie Hans-Jürgen ein Feuerwerk entfacht. Gratulation
Gruß Peter W
Lieber Peter,
super Beitrag.
Starke Wölbungen oder Einbuchtungen können auf sklerenchymatische Stränge (Festigungsgewebe) zurückzuführen sein, die eine fächerförmige Streifung der Oberfläche erzeugen.
Bei einigen Pflanzenarten sind eingeknickte oder eingebuchtete Blattspreiten ein charakteristisches Merkmal zur Identifikation (z. B. der "geknickte" Halm bei bestimmten Ungräsern wie dem Ackerfuchsschwanz).
Eine Einbuchtung oder ein Knick ist meist ein Hinweis auf die spezifische strukturelle Ausformung zur Optimierung der Stabilität oder eine anpassungsbedingte Formgebung der Pflanze.
Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Jürgen,
hallo Peter,
vielen Dank für Eure freundliche Aufnahme meines Beitrags, hat mich sehr gefreut.
Liebe Hans-Jürgen,
auch Dir besten Dank, auch und vor allem für Deine Ausführungen zum "Knick" im Blatt. Ich werde da weiter nachforschen.
Schöne Grüße
Peter