Hallo liebe Metoritenbegeisterte,
ich möchte mal wieder ein paar Aspekte über unsere Besucher aus dem Weltraum beleuchten, bzw. diskutieren und zwar soll es hauptsächlich um Schockstrukturen in Meteoriten und in diesem Zusammenhang auch um seltene Hochdruckmineralien gehen. Für das Auffinden und die Untersuchung der Hochdruckminerialien wäre mein RAMAN-Mikroskopaufbau übrigens sehr gut geeignet.
Vllt erstmal eine schnelle Einführung. Schockstrukturen in Meteoriten sind irreversible Veränderungen im Gestein, die bspw. durch extreme Druck- und Temperatureinwirkungen bei kosmischen Kollisionen entstehen. Diese Prozesse finden meist lange vor dem Fall auf die Erde statt, bspw. wenn Asteroiden im Weltraum miteinander zusammenstoßen oder extreme Einschläge auf den Gesteinsplaneten und Monden Gesteinsbrocken in den Weltraum schleudern.
In diesem Zusammenhang gibt es auch eine nachvollziehbare Schock-Klassifikation für gefundene Meteoriten, wobei die Intensität des Schocks in sechs Stufen (S1 bis S6) unterteilt wird, welche normalerweise im Dünnschliff unter dem Mikroskop bestimmt werden:
S1 (ungeschockt): Keine sichtbaren Veränderungen in den Mineralen.
S2 (schwach geschockt): Erste Anzeichen, wie undulöse (wellige) Auslöschung (optische Unregelmäßigkeiten im Kristallgitter).
S3–S4 (moderat geschockt): Bildung von Planar Fractures (PF - periodische Risse mit ~einigen 10er um Abstand). Mosaizismus, also mosaikförmige Auslöschung im Dünnschliff sichtbar. Ab S4 sind auch Planar Deformation Features (PDF - lamellenförmige Kristallstörungen, <5um) festzustellen.
S5 (stark geschockt): Umwandlung von Mineralen in Hochdruckmodifikationen oder Glas (z. B. Maskelynit, Diamanten, Bridgmanit, Ringwoodit, Wadsleyit). "Schock-Darkening", also Eindunkeln des Meteoriten aufgrund von sich bildenden Metall- und Troilithaltigen Schockschmelzadern
S6 (sehr stark geschockt): Teilweises bis vollständiges Schmelzen des Gesteins.
Anbei ein paar Bilder und Impressionen:
PlanarFractures.jpg
Bild 1: Planar Fractures in einer Chondre, Bildbreite ~0,5mm (Anschliff, gekreuzte Polarisation, Fluotar 10x)
Gesteinsglas.jpg
Bild 2: Mglw. Gesteinsglas (Chondrit) (Bildbreite ~0,2mm) (Anschliff, gekreuzte Polarisation, Fluotar 10x)
PlanarDeformatioFeatures.jpg
Bild 3: Planar Deformation Features in einem Chondriten (Bildbreite ~0,2mm) (Anschliff, gekreuzte Polarisation, Fluotar 10x)
Shock-Darkening.jpg
Bild 4: Schock-Darkening im oberen Bildbereich (Chondrit) (Bildbreite ~10mm) (Anschliff, gekreuzte Polarisation, Stitching Fluotar 10x)
MeltingVeins.jpg
Bild 5: Schmelzadern in einem Chondriten (Bildbreite ~0,2mm) (Anschliff, gekreuzte Polarisation, Fluotar 10x)
Diamant.jpg
Bild 6: Diamantstruktur, mglw auch Lonsdaleit in einem Ureilit (Bildbreite ~20um) (Anschliff, gekreuzte Polarisation, Fluotar 150x)
Ergebnisse der RAMAN-Untersuchungen folgen demnächst!
Lg Tino
Hallo Tino,
einen sehr interessanten Beitrag hast Du da verfasst. Eine Frage habe ich: Heißt das tatsächlich "Schmalzadern", wie Du an zwei Stellen schreibst, oder "Schmelzadern".
LG Gerd
Hihi, Schmelzadern sind gemeint 🤭
Habs fix geändert .
Hallo Tino,
danke für deinen Beitrag zum Thema Meteorite und im Speziellen zu der Schock Klassifizierung der Meteorite.
Deiner, sicherlich bewusst vereinfachten Einführung der Schockklassen, möchte ich nur eine kleine Hintergrundinformation hinzufügen:
Die ersten Versuche der Kalibrierung der durch Druck-Temperatur-Verhältnisse induzierten Veränderungen in Gesteinen, wurden anhand der Indizierung der PDF-Translation – Flächen an geschockten Quarzen unternommen.
Da Quarz aber eher selten bis gar nicht in den chondritischen Meteoriten vorkommt, wurde das Auftreten von Veränderungen in anderer Mineralphasen, die parallel zur Quarz-Modifikation verliefen, den gleichen Druck- und Temperaturverhältnissen ausgesetzt waren, zur Schockklassifizierung herangezogen.
Die von Stöffler et al. 1965 postulierten Stufen S1 bis S6 galten strenggenommen nur für porösen Sandstein. Da aber die Porosität für die Post-Shock – Temperatur entscheidend ist, fallen Umwandlungen von anderen Mineralen, die häufig anzutreffen sind wie Olivin, Pyroxen und Feldspat, nicht in die die gleiche Schockklasse.
Diesem Umstand haben Stöffler et al. 2017 dann in einer überarbeiteten Veröffentlichung Rechnung getragen.
Bei Schockangaben, die sich auf Chondrite beziehen, ist dann das Präfix ,,C" dem ,,S" vorangestellt, um im richtigen Kontext zu agieren.
Da deine Einleitung aber der Vorbereitung deines eigentlichen Beitrags, der Bestimmung der Schockminerale durch Raman-Spektroskopie nur vorangestellt war, bin ich jetzt gespannt auf deine Raman Spektren und ob und welche Minerale du bestimmen konntest.
lG
Jürgen
Hallo Tino,
Komplettes Neuland für mich, aber gerade deshalb ganz besonders interessant.
Vielen Dank für diese tolle Präsentation.
Holger
Hallo Tino,
toller Beitrag, da könnte man tatsächlich in Versuchung kommen, auch nach Minimeteoriten zu suchen.
schöne Grüße
Peter
Hallo Tino,
herzlichen Dank für den sehr interessanten Beitrag. Ich bin sehr gespannt ob Du Diamant oder sogar Lonsdaleit verifizieren kannst! In irdischen Impaktgesteinen ist ja zumindest Diamant eindeutig gefunden worden, und zwar als direktes Umwandlungsprodukt von Graphit (z.B. im Nördlingen Ries).
Herzliche Grüße, Olaf