Mikroskopische Untersuchung von Primula elatior (Hohe Schlüsselblume)
Die untersuchte Pflanze stammt aus einem Gartenfund – sie wurde von spielenden Kindern unbeabsichtigt ,,geerntet" und anschließend in die Sammlung übernommen. Dieses eher zufällige Sampling erwies sich als ausgesprochen geeignet für eine mikroskopische Betrachtung.
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Material und Methode
Das Pflanzenmaterial wurde in einer Eisessig–Ethanol-Lösung fixiert, um Zellstrukturen zu stabilisieren und autolytische Prozesse zu verhindern.
Die Schnitte wurden mit einem Schlittenmikrotom angefertigt. Aufgrund der mechanischen Eigenschaften des Gewebes konnten nur relativ dicke Schnitte erfolgreich gewonnen werden; dünnere Schnitte führten wiederholt zu Instabilitäten und unvollständigen Schnittbildern.
Die Bildaufnahme erfolgte mit:
• Leica DMRB (Durchlichtmikroskop)
• ToupTek Kamera
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Beobachtungen
1. Gewebestruktur der Blüte
Die insgesamt lockere Gewebestruktur erklärt die Schwierigkeiten bei der Herstellung dünner Schnitte.
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2. Heterostylie (Distylie)
Ein zentrales Merkmal der Art ist das Auftreten zweier Blütentypen:
• langgriffelig (Pin-Typ)
• kurzgriffelig (Thrum-Typ)
In geeigneten Längsschnitten lässt sich die unterschiedliche Höhenlage von Narbe und Staubblättern nachvollziehen – ein klassischer Mechanismus zur Förderung der Fremdbestäubung. folgt vlt später!
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3. Epidermis und Trichome
Auf den untersuchten Geweben konnten Drüsenhaare (Trichome) sowie typische polygonale Epidermiszellen beobachtet werden. Diese Strukturen spielen eine Rolle beim Schutz der Pflanze und bei der Interaktion mit ihrer Umwelt.
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4. Pollen
Die Pollenkörner zeigen eine strukturierte Oberfläche (Exine). Unterschiede zwischen den Blütentypen sind prinzipiell zu erwarten und könnten Gegenstand weiterführender Untersuchungen sein.
Nr.1
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Geplante Weiterführung: PEG-Einbettung
Zur Verbesserung der Schnittqualität ist eine Einbettung in Polyethylenglykol (PEG) vorgesehen.
Ziel dieser Methode ist:
• bessere Stabilisierung des fragilen Gewebes
• Herstellung dünnerer und homogener Schnitte
• Reduktion mechanischer Artefakte
Insbesondere für Längsschnitte durch die Blüte wird erwartet, dass sich damit die räumliche Anordnung von Griffel und Staubblättern deutlich präziser darstellen lässt.
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Biologisch bemerkenswerte Eigenschaften
• Heterostylie als Bestäubungsstrategie
Ein effektiver Mechanismus zur Förderung genetischer Vielfalt
• Hybridisierungspotenzial
Kreuzungen mit verwandten Arten führen zu morphologischen Übergangsformen
• Frühjahrsökologie
Nutzung lichtreicher Zeitfenster vor der Belaubung der Bäume
• Feinbau und Funktion
Die zarte Gewebestruktur ermöglicht effizienten Stofftransport und schnelles Wachstum
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Fazit
Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass Primula elatior trotz (oder gerade wegen) ihrer feinen Gewebestruktur ein äußerst interessantes Objekt für die mikroskopische Analyse darstellt.
Die geplante PEG-Einbettung verspricht eine deutliche Verbesserung der Präparationsqualität und eröffnet weitere Möglichkeiten zur detaillierten Untersuchung der funktionellen Morphologie.
Liebe grüße Daniel
Als Start: Frisches Material ohne Färbung und Fixierung:
Nr.2und3
20260324182341832.jpeg20260324182602778.jpeg
Stempel Anthere: nr.4
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Blütenblatt: Nr.5 20260404144907046.jpeg
Das Opfer:Nr.6 IMG_0293.jpeg
Nr.7 und Nr8. 20260404151351569.jpeg20260404152419191.jpeg
Interessante Struktur:Nr.9 20260404152729618.jpeg
Pol: panorama und Detail:Nr.10 und11 20260404205112508.jpeg20260404205534778.jpeg
Hellfeld FCA Etzold gefärbt:Nr 12 und 13 20260404205736206.jpeg20260404205634503.jpeg
Dic: nr14
20260404210059999.jpeg
Ungefärber aber fixierter Schnitt : Nr.15
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Hallo Daniel,
danke für diesen Beitrag.
Zu den Pollen und der Heterostylie siehe auch hier:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=12108.msg90018#msg90018
Grüsse Arnold
Hallo Daniel,
Zitat von: Daniel Scheibenstock in April 05, 2026, 20:38:36 NACHMITTAGSStempel:
20260404144952621.jpeg
zeigt das Bild wirklich den "Stempel", oder doch eine Anthere?
Grüße
Alex
Hallo Arnold,
Danke fürs verlinken, genau dein Beitrag hat mich überhaupt auf das aufmerksam gemacht ☺️
Hallo Alex,
Das hast du richtig erkannt. Ich habe es im Text verbessert😉
Liebe Grüße Daniel
Hallo Daniel,
sehr schöne Bilder mit vielen (,,Daniel-like") Variationen, die einen guten Einblick in die Anatomie geben. Eine Anregung: Für die Kommentierung wäre es vorteilhaft, wenn Du die Bilder durchnummerieren würdest.
Eine Frage: Bei einem Präparat schreibst Du ,,Etzold-Färbung". Ist hier FCA gemeint? Mich wundert, dass nur die Farbe blau auftaucht.
Freut mich, dass Du immer wieder Pflanzen zeigst.
Schöne Grüße
Peter
P.S. Die Primel kommt natürlich in die Botanik-Liste.
Hallo Daniel,
danke für deinen Beitrag aus der Botanik.
Ich vermute du hast diese Färbung benutzt.
Fuchsin-Chrysoidin-Astrablau nach Etzold (FCA-Färbung)
Arbeitsablauf :
Entparaffinierte Schnitte gründlich in Aqua dest. spülen.
FCA-Farblösg. 5-8 Min. gelegentlich schwenken.
Kurz abspülen in Aqua dest.
In zwei Portionen Ethanol 30%ig abspülen. je 30 Sek.
In Ethanol 70%ig differenzieren ca. 30 Sek.
In zwei Portionen Ethanol 30%ig abspülen. je 30 Sek.
der Rest des überschüssigen Farbstoffes geht ab.
Entwässern in zwei Portionen abs. Isopropanol je 1 Min.
Je nach Einschlussmittel über Xylol oder gleich einschließen.
Ergebnis :
Verholzte Zellwände rot, oft in verschiedenen Farbtönen (Sklerenchym purpurrot, Xylem: ziegel- bis gelbrot). Eingewachsenen Steinzellen orange. Holzfasern dunkelrot, Markstrahlenzellen mehr gelbrot, cutinisierte Zellwände gelb bis orangerot. Unverholzte, nicht cutinisierte Zellwände blau, Korkschichten ungefärbt. Mittellamellen verkorkter Zellen oft rot (verholzt). Kallose sowie Reservezellulose in Samen ungefärbt. Plasma meist rötlich. Zellkerne rot oder blau.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3mm dick) erreicht.
Mir fehlt die rote Farbe in den Leitbündell.
Tipp:
Vor der Entwässern mit Isopropanol die Reste vom Ethanol mit einen Kleenex Kosmetiktuch absaugen.
Viel Erfolg mit der PEG-Einbettung.
Hans-Jürgen
Hallo Peter, hallo Hans-Jürgen,
Danke für eure Hinweise und Ratschläge ☺️🙏
Die Nummerierung habe ich nachgetragen, das habe ich im Eifer des Gefechts vergessen.
Mein FCA Etzold ist im Prinzip ganz neu. Ich war auch etwas enttäuscht über die Färbung 😒
Ich habe die Schnitte gewässert. Mit purer Färbelösung beschichtet, 5 Minuten bei 48c erwärmt und dann mit Ethanol 99,8 gewaschen. Anschließend wurden die Schnitte in Euparal eingedeckt. Gerne versuche ich das ausführlichere Protokoll das nächste Mal aus🙏
Liebe Grüße Daniel
Hallo Daniel -
das Bewundern deiner Bilder, insbesondere des unfixierten Frischschnitts hat bei mir einen alten Kommentar ausgelöst:
Versuche es doch mal mit UV-Fluoreszenz an Frischschnitten! UV wird eher selten benutzt, aber die 365 nm LEDs sind ja erschwinglich geworden und bei unfixierten und ungefärbten Schnitten hat man auch die Chance was neues zu entdecken, während die Fluoreszenzen von Farbstoffen ja weitgehend bekannt sind.
Viele Grüße
Rolf
Danke Rolf, das du das ansprichst 🙂
Ich würde aus Reflex fast behaupten die Untersuchung eines fixierten Schnittes ist fast schon sinnlos. In meinen älteren Beiträgen sieht man einige native Schnitte mit 470nm angeregt. Da zeigt sich meines Erachtens sehr viel interessantes 🙂 Ich habe es hier aus Zeitmangel nicht gemacht. Die Blume wurde am Abend gekillt und mehr als ein paar schnelle Schnitte des nativen Materials sind sich nicht ausgegangen 😅
Lg Daniel