Felsenbirnen gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Weltweit gibt es mehrere Arten.
Sie wächst als Strauch oder kleiner Baum, die Blätter sind wechselständig. Junge Blätter zeichnen sich durch ihre kupferfarbene Färbung aus. Außerdem weisen sie spärliche Trichome auf, die bei älteren Blättern dann verschwinden. "Laevis" als Artname bedeutet glatt oder kahl und weist auf diesen Umstand hin.
Ihre Verbreitung hat die Art im östlichen Nordamerika. Mein Exemplar stammt aus New York.
Zunächst zum Habitus:
Bild 1 (Typische Erscheinungsform. Wikimedia Commons, Autor Sherief Saleh)
A21-1-Amelanchier_laevis_(Allegheny_Serviceberry).JPG
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A21-1-Amelanchier_laevis_(Allegheny_Serviceberry).JPG?uselang=de
Bild 2 (Blüten und Blätter. Wikimedia Commons, Bibliothek der Universität Laval)
Amelanchier_laevis_15-p.bot-amel.laevi-18.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amelanchier_laevis_15-p.bot-amel.laevi-18.jpg?uselang=de
Für meinen Beitrag habe ich einen Blattstiel und ein Blatt mikroskopiert. Die Schnittdicke beträgt 30 µm, die Färbung erfolgte mit FCA nach Etzold.
Jetzt zum Blattstiel:
Bild 3
(https://up.picr.de/50759160ie.jpg)
Die FCA-Färbung steht ja im Ruf, öfter mal "nur blau" zu produzieren. Hier ist es aber ganz anders. Wenn hier überhaupt etwas angefärbt ist, ist es rot/orange. Das ist meistens ein Hinweis auf ausgeprägtes Stützgewebe in Form sklerifizierter Zellen. Dies scheint hier ganz ausgeprägt der Fall zu sein.
Bild 4 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50759161fn.jpg)
Auf der linken Seite eins der erwähnten spärlichen Haare bei jungen Blättern.
Hier der zentrale Leitbündelbereich in "Nahaufnahme":
Bild 5
(https://up.picr.de/50759162kd.jpg)
Auch hier scheint alles vor allem auf Stabilität und Festigkeit ausgelegt zu sein.
Nun folgen Bildern vom Blattquerschnitt;
Bild 6
(https://up.picr.de/50759170nw.jpg)
Und nun im Detail:
Bild 7
(https://up.picr.de/50759158uz.jpg)
Das Blatt hat zumindest ein wenig Astrablau aus der FCA-Färbung angenommen. Überwiegend sehen wir aber rot! Schon direkt unter der Epidermis zieht ein Ring aus sklerifizierten Zellen rund um den Schnitt. Noch drastischer sieht es rings um die Leitbündelregion aus. Hier dominiert das Sklerenchym deutlich. Die Felsenbirne ist ein richtiger Panzer!
Wer genau hinschaut, entdeckt eine Eigenart:
Bild 8
(https://up.picr.de/50759169zu.jpg)
Und hier noch näher dran:
Bild 9
(https://up.picr.de/50759163of.jpg)
Die beiden Ausstülpungen, die durch die gesamte Schnittebene hindurch vorhanden sind, hat mich ins Rätseln gebracht. Erst nach einiger Recherche war klar: Es ist ein "Sulcus adaxialis": Bei Amelanchier und einigen anderen Rosaceen bildet die adaxiale Seite (die Oberseite) der Mittelrippe eine Längsrinne (adaxiale Furche), deren Flanken im Querschnitt als genau diese zwei symmetrischen, bläulichen Lappen erscheinen. Neben der mechanischen Stabilisierung (schon wieder!) dient diese Rinne auch dazu, Wasser und Nährstoffe schnell zur Basis des Sprosses zu leiten.
Nun noch die Mittelrippe im polarisierten Licht:
Bild 10
(https://up.picr.de/50759171zn.jpg)
Die Spreite selbst zeigt ein einreihiges Palisadenparenchym und ein (für junge Blätter typisches) relativ dichtes Schwammparenchym:
Bild 11
(https://up.picr.de/50759165ax.jpg)
Bild 12
(https://up.picr.de/50759166xk.jpg)
Wenn sich das Blatt beim Schneiden dreht, bekommt man eine Aufsicht. Hier kann man die Verzweigung der Leitbündel schön nachvollziehen:
Bild 13
(https://up.picr.de/50759164pc.jpg)
Kristalle sind bei A. laevis selten. Wenn sie auftreten, dann in eigenartiger Perschnurformation:
Bild 14
(https://up.picr.de/50759167pb.jpg)
Bild 15
(https://up.picr.de/50759168eb.jpg)
Abschließend noch ein paar Eindrücke vom nativen Blatt im Hellfeld (Durchlicht, 10x Obj.):
Bild 16
(https://up.picr.de/50759272cz.jpg)
Die "Gnubbel" sind am ehesten "Haarnarben", zeigen also die Basis eines bereits abgefallenen Trichoms. Diese Basen haben die Form einer Rosette (auf 2 Uhr noch ein Stoma):
Bild 17 (40x Obj., Ausschnitt)
(https://up.picr.de/50759274gg.jpg)
Zum Abschluss noch eins der sehr spärlichen Stomata, ebenfalls aufgenommen am nativen Blatt:
Bild 18
(https://up.picr.de/50759273vo.jpg)
Wie immer freue ich mich auf Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.
Hallo Peter,
Die FCA Etzold ist hier ja außerordentlich Cool geworden, hast du was geändert am Verfahren?
Und der Rest des Beitrages ist auch wieder toll geworden, eine sehr interessante Pflanze🙂
Liebe Grüße Daniel
Lieber Peter,
herzlichen Dank für diesen wundervollen Beitrag!
Hallo Daniel,
vielen Dank!
Ich gehe meist nach diesem Schema vor:
https://mikroskopie-bonn.de/_downloads/Arbeitsplan_Etzold_FCA.pdf
Die absteigende Alkoholreihe führe ich meist nicht so sklavisch durch, sondern gebe einfach Aqua dest. zu. Manchmal gehe ich auch direkt von Ethanol 70% in Aqua dest.
Als (für mich) wichtig hat sich erwiesen: Das Erwärmen auf 60 Grad für 20 bis 30 Sekunden und das Entwässern in Isopropanol. Da mache ich es meistens so: 2x 30 Sekunden, 1x 3 Minuten, 1x 5 Minuten.
Man kann also durchaus ein wenig abweichen bzw. experimentieren, das Grundprinzip sollte aber erhalten bleiben.
Bezüglich der Färbung habe ich diesmal nichts anders gemacht, die einzelnen Pflanzenschnitte sind einfach immer Wundertüten. ;)
Schöne Grüße
Peter
Lieber Jürgen,
herzlichen Dank für Deinen freundlichen Kommentar. Ich freue mich sehr über Deine häufige Präsenz in meinen Vorstellungen!
Beste Grüße
Peter
Lieber Peter
toll!! Schnitte, Färbung und Bilder!
Bild 13 ist eine Perspektive, die ich noch nicht kannte. Sehr interessant.
Viele frisch geschnittene Mikrogrüße
Bernhard
Lieber Bernhard,
auch Dir besten Dank!
Anfangs habe ich mich immer geärgert, wenn sich beim Schneiden Blattspreiten drehen. Mittlerweile schätze ich dieses "Missgeschick", weil man neben dem Querschnitt auch das Blatt von oben (bzw. unten) betrachten kann. Damit kann man regelmäßig Stomata aufsuchen oder, wie hier in Bild 13, die Verzweigungen der Leitbündel verfolgen.
Schöne Grüße
Peter