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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Peter T. in April 12, 2026, 14:06:20 NACHMITTAGS

Titel: Botanik: Gefleckter Storchschnabel (Geranium maculatum)
Beitrag von: Peter T. in April 12, 2026, 14:06:20 NACHMITTAGS
Dieser Storchschnabel, der zur Familie der Geraniaceae gehört ist eine ausdauernde, sommergrüne Staude. Er wird bis zu 60 cm hoch.
Verbreitung ist das östliche Nordamerika, wo er im Halbschatten in der Nähe von Bäumen gut gedeiht.
Mein Exemplar habe ich im Central Park in New York gefunden.

Zunächst der Habitus mit Blättern und Blüte:

Bild 1 (Wikimedia Commons, Autor "Fritzflohrreynolds")
Geranium_maculatum_-_Wild_Geranium_2.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Geranium_maculatum#/media/File:Geranium_maculatum_-_Wild_Geranium_2.jpg

Für den Beitrag habe ich den Blattstiel angeschaut, leider konnte ich keine größere Probe nehmen.
Gefärbt habe ich mit FCA nach Etzold, die Schnittdicke beträgt 30 µm. Die Aufnahmen entstanden an einem Leica DMLB mit einer Sony a6400. Die Bilder sind in der Regel gestackt und wurden hinsichtlich Schärfe, Belichtung und Farben nach meinen Vorstellungen optimiert.

Hier die Übersicht über den Blattstiel im Hellfeld und in der Polarisation:

Bild 2
(https://up.picr.de/50771225rz.jpg)

Die seh dünnwandigen Zellen im zentralen Bereich sind in allen Schnitten eingerissen. Auffällig die vier großen Bereiche mit Leitbündelstrukturen. Man erkennt im gesamten Querschnitt rötlich/ violett gefärbte Zellen, die am ehesten Tannine oder andere Gerbstoffe enthalten. Unter der Epidermis deutet sich ein ein- bis zweireihiges Kollenchym an.

Bild 3 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50771226ei.jpg)

Nun einige Detailbilder:

Bild 4
(https://up.picr.de/50771228fn.jpg)

Bild 5
(https://up.picr.de/50771235jk.jpg)

Bild 6 (Polarisation)
(https://up.picr.de/50771237yy.jpg)

In der Epidermis gibt es immer wieder eigenartige Abflachungen bzw. Zellücken, die ich mir nicht erklären kann. Hier sind zwei zu sehen:

Bild 7
(https://up.picr.de/50771231xi.jpg)

Außerdem sieht man auf dem Bild ganz oben einen zellfreien Bereich, möglicherweise dient dieser dem besseren Gasaustausch.

Hier eines der spärlichen Trichome im DIC. Man erkennt hier schön die Verankerung des Haares in der Epidermis.

Bild 8
(https://up.picr.de/50771229zg.jpg)

Der zentrale Bereich mit den wahrscheinlich mit Gerbstoffen gefüllten Zellen:

Bild 9
(https://up.picr.de/50771233ux.jpg)

Und hier noch ein Blick auf die zahlreich enthaltenen Kristalle (am ehesten Calciumoxalatkristalle):

Bild 10
(https://up.picr.de/50771232se.jpg)


Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.

Titel: Aw: Botanik: Gefleckter Storchschnabel (Geranium maculatum)
Beitrag von: Manfred Rath in April 12, 2026, 15:25:24 NACHMITTAGS
Hallo Peter, interessanter, informativer und sehr ansprechender Beitrag.
Auch an dich (aus gegebenem Anlass) die Frage, warum Schnitte teilweise eingerissen sind, Hans Jürgen konnte sie nicht beantworten und auch bei meinen Schnitten kommt es immer wieder vor?

Schönen Restsonntag

Titel: Aw: Botanik: Gefleckter Storchschnabel (Geranium maculatum)
Beitrag von: Peter T. in April 12, 2026, 17:12:18 NACHMITTAGS
Hallo Manfred,

besten Dank!

Das Einreißen kann mehrere Ursachen haben. Wie Du siehst, ist das zentrale Parenchym sehr dünnwandig und fragil. Das reißt sehr leicht ein während des Vorgangs Schneiden/ Färben etc.
Dann ist es wichtig, möglichst eine frische Einmalklinge zu verwenden und beim Schneiden das Präparat nicht zu sehr zu drücken, die "ideale" Geschwindigkeit beim Ziehen zu erwischen usw.
Außerdem spielt der Turgor der Pflanze eine Rolle. Ich habe gerade zu Beginn oder am Ende der Wachstumsperiode die meisten Risse im Präparat gesehen. Manche Pflanzen haben auch "von sich aus" die Tendenz, im Zentralbereich innen hohl zu werden. Gerade schnell wachsende Pflanzen wie z.B. Frühblüher, bei denen es nicht so sehr auf Stabilität, sondern mehr auf Wachstumsgeschwindigkeit ankommt, tendieren z.B. zu hohlen Stängeln.

Du siehst, bei so vielen Einflussfaktoren gehört auch ein wenig Glück dazu, keine Risse zu bekommen.

Je mehr ich selbst schneide, desto weniger stören mich die Risse, weil die Pflanze selbst so spannend ist, dass ich das verschmerzen kann. Viel schlimmer sind da z.B. starke Schleimansammlungen, die sich dann als gefärbte Fetzen über das Präparat legen und es unbrauchbar machen.

Schöne Grüße

Peter
Titel: Aw: Botanik: Gefleckter Storchschnabel (Geranium maculatum)
Beitrag von: Manfred Rath in April 12, 2026, 18:31:50 NACHMITTAGS
Hallo Peter

danke für deine Erklärung, klingt plausibel.
Titel: Aw: Botanik: Gefleckter Storchschnabel (Geranium maculatum)
Beitrag von: Hans-Jürgen Koch in April 13, 2026, 11:15:59 VORMITTAG
Lieber Peter,

top Beitrag.

Chemischer Nachweis von  Calciumoxalatkristallen:

Essigsäure: Calciumoxalat löst sich darin nicht (Unterscheidung zu Calciumcarbonat).

Salzsäure: Darin lösen sich die Kristalle ohne Gasentwicklung auf.

Schwefelsäure: Führt zur Bildung von Calciumsulfat-Nadeln (Gips), was eine klassische mikrochemische Nachweisreaktion ist.

Gruß nach München

Hans-Jürgen