Die Weg-Malve ist eine typische Vertreterin der Pflasterritzenflora: Eine ein- bis zweijährige, außerordentlich widerstandsfähige Kreatur. Aufgrund ihrer langen Pfahlwurzel, die bei Schädigung schnell wieder austriebt, ist sie schwer vollständig zu entfernen.
Zu den Malvengewächsen (Malvaceae) gehörend,, ist sie über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet. In Amerika erobert sie ihren Lebensraum als Neophyt.
Die typische Wuchsform wird als "niederliegend" bezeichnet. Die Spreite geht nahezu kreisförmig vom Blattstiel ab (und ist deshalb nur schwer quer zu schneiden).
Hier zunächst der Habitus:
Bild 1 (Wikimedia Commons, public domain)
(https://up.picr.de/50857940uo.png)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Malva_neglecta_cleaned_Sturm.png
Und jetzt zwei typische Habitate, beide nur wenige Schritte von meiner Haustüre entfernt.
Bild 2
(https://up.picr.de/50857938yl.jpg)
(rechts noch Oxalis corniculata)
Bild 3
(https://up.picr.de/50857939ok.jpg)
Man sieht, die Weg-Malve nutzt wirklich jeden Raum, der sich ihr bietet.
Leider ist Malva neglecta wieder eine dieser extrem schleimhaltigen Pflanzen, die beim Schneiden und Färben in Schleimwolken gehüllt sind, die sich dann mit dem Astrablau anfärben und hässliche Farbfetzen bilden. Eine wirkliche Lösung für das Schleimproblem habe ich noch nicht gefunden, bin da aber am Experimentieren.
Ich zeige den Blattstiel. Alle Schnitte sind 30 µm dick und mit FCA nach Etzold angefärbt.
Hier die Übersicht (leider mit den Farbfetzen):
Bild 4
(https://up.picr.de/50857915sc.jpg)
Wir sehen einen unregelmäßig, leicht herzförmig geformten Querschnitt, mit einigen prominenten Trichomen, einem deutlichen Kollenchym unter der Epidermis und mehreren Leitbündeln. Schnell wachsende Pflanzen setzen in puncto Festigkeit gerne auf Kollenchyme, die das eher lockere Parenchym, das hier den Hauptteil des Querschnitts ausmacht, schützen. In den zurückliegenden Wochen war es spannend zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die Pflasterritzenpflanzen wachsen. Da scheint es in Konkurrenz zu ähnlichen Arten, die ebenfalls karge Lebensräume besiedeln, um jeden Tag Vorsprung zu gehen.
Jetzt noch der Querschnitt im polarisierten Licht:
Bild 5
(https://up.picr.de/50857916dv.jpg)
Hier wird noch einmal der Unterschied zwischen dem zarten Parenchym im Inneren und dem kräftigen stützenden Kollenchym unter der Epidermis besonders deutlich.
Die Polarisation ist in der Pflanzenanatomie zu deutlich mehr zu gebrauchen als nur für die Darstellung von Trichomen oder Kristallen.
Jetzt einige Detailbilder von Trichomen.
Bild 6
(https://up.picr.de/50857921hs.jpg)
Bild 7 (DIC)
(https://up.picr.de/50857918mu.jpg)
Die beiden mehrzelligen rundlichen Strukturen direkt vor und rechts neben dem großen Haar halte ich für Ansätze von drüsigen Trichomen.
Bild 8
(https://up.picr.de/50857917kd.jpg)
Die Trichome bei M. neglecta sitzen meist auf Zellpolstern, die die Trichombasis bilden. Im letzten Bild sieht man das sehr ausgeprägt. Außerdem wieder die von mir als drüsige Trichome verdächtigten Strukturen.
Abschließend noch ein Leitbündel im Hellfeld und in der Polarisation:
Bild 9
(https://up.picr.de/50857919ua.jpg)
Bild 10
(https://up.picr.de/50857920yh.jpg)
Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.
Hallo Peter
Mir gefällt es 👍 👌👍
Liebe Grüße
Gerhard
Hallo Gerhard,
das freut mich sehr!
Vielen Dank und schöne Grüße aus München
Peter
Hallo Peter,
Ich bin immer sehr angetan von der Klarheit und Schärfe deiner Bilder, Nr. 4 gefällt mir besonders.
Viele Grüße Manfred
Lieber Peter,
ein interessanter Beitrag, bin begeistert.
Die Pflanze ist reich an Schleimstoffen, die in speziellen Zellen gebildet werden, und besitzt ein ausgeprägtes System von Trichomen als Teil ihrer Behaarung.
Diese drüsige Trichome (Auswüchse auf Pflanzenoberflächen) habe ich besonders beim Cannabis gefunden. Sie sehen aus wie kleine Pilze.
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=14990.0
Gruß in die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern.
Hans-Jürgen
Lieber Peter,
wieder ein wundervoller Beitrag #4 ist auch mein Favorit.
Lieber Manfred, lieber Hans-Jürgen, lieber Jürgen,
euch allen großen Dank für die Bereitschaft, diesen kleinen Beitrag zu kommentieren. Ich freue mich sehr über diese Resonanz.
Beste Grüße
Peter
Lieber Peter,
Die paar Farbfetzten finde ich jetzt nicht störend da ja der Rest der Aufnahmen sehr schön geworden sind☺️💪
Liebe Grüße, Daniel