Die natürliche Verbreitung des Gewöhnlichen Judasbaumes erstreckt sich über Mittelmeerländer in Südeuropa und Vorderasien. Er hat ursprüngliche Vorkommen in den Ländern Frankreich, Italien, im früheren Jugoslawien, in Albanien, Griechenland, Bulgarien, in der Türkei, im Gebiet von Syrien und Libanon, Israel und Jordanien, Irak, Iran und Afghanistan.
Bild 01 Habitus, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572689/1.jpg)
Quelle: Von Jerzy Opioła - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6101225
Der Baum erreicht eine Höhe bis zu 12 Meter, anfangs straff aufrecht wachsend, im Alter mit breit ausladender, fast schirmförmiger Krone.
Im Gegensatz zu vielen anderen mediterranen Kleinbäumen entwickelt der Judasbaum ein tiefreichendes Wurzelsystem.
In frühneuzeitlichen Herbarien ist die Pflanze erstmals 1597 nachgewiesen.
Der Name ,,Judasbaum" gründet möglicherweise in der Legende,
Der Apostel Judas Ischariot habe sich an einem solchen Baum erhängt. Laut einer Erzählung des Mittelmeerraumes sei der Baum hierauf vor Scham rot angelaufen (vgl. rosa Blüten). Ergänzend hierzu kann man die rundlichen Blätter, die sich erst während der Blüte bilden, als die Judas für seinen Verrat bezahlten Silberstücke sehen. Der Baum wird in der neutestamentlichen Erzählung jedoch nicht namentlich erwähnt.
Gerücht oder Erzählung ?,,Als nun Judas, der Jesus ausgeliefert hatte, sah, dass Jesus verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohepriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe unschuldiges Blut ausgeliefert. Sie antworteten: Was geht das uns an? Das ist deine Sache. Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich".
Möglicherweise ist es eine Verwechselung mit "Arbor iudaeae", Baum aus Judäa.
Dieser Name geht sehr wahrscheinlich auf einen Übersetzungs- oder Überlieferungsfehler im Mittelalter zurück: Man nimmt an, dass der Baum ursprünglich "Baum aus Judäa" genannt wurde, da er im östlichen Mittelmeerraum beheimatet ist. Im Laufe der Zeit wurde daraus im Volksmund das ,,Judasbäumchen".
Bild 02 Stamm mit Borke; Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572690/2.jpg)
Quelle: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26387797
Der Gewöhnliche Judasbaum (Cercis siliquastrum) wächst in freier Natur oft als großer, lockerkroniger Großstrauch heran und ist dabei häufig mehrstämmig.
Bild 03 Gestielte, einfache wechselständigen Laubblätter, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572758/3.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Nach der Blüte entwickeln sich dekorative, herz- bis nierenförmige Blätter.
Bild 04
Zwitterblüten, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572691/4.jpg)
Quelle: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26129548
Zwitterblüten (monoklin) sind Blüten, die sowohl männliche Staubblätter als auch weibliche Fruchtknoten in einem einzigen Blütenorgan besitzen.
Der Gewöhnliche Judasbaum ist ein Paradebeispiel für ein solches Gewächs, da seine auffälligen Schmetterlingsblüten zwittrig aufgebaut sind und sich selbst oder durch Insekten bestäuben lassen.
Höheres Risiko für Inzucht (Degeneration), wenn keine Sperrmechanismen vorliegen.
Der Judasbaum ist eines der wenigen in Europa vorkommenden Gehölze, bei denen die Blütenstände an älteren Stammteilen hervortreten
(Kauliflorie), sie erscheinen vor dem Laubaustrieb am mehrjährigen Holz.
Als
Kauliflorie wird die Stammblütigkeit und -früchtigkeit von Pflanzen bezeichnet.
Die purpurnen Schmetterlingsblüten (,,stammblütig") sitzen zu 4 – 10 fast büschelig an kurzen Trieben.
Im Frühjahr (April/Mai) blüht der Baum am völlig kahlen Holz.
Der Judasbaum (Cercis siliquastrum) ist eine zweikeimblättrige Pflanze (Dicotyledoneae).
Der Samen treibt beim Keimen zwei gegenüberliegende Keimblätter (Kotyledonen) aus.
Bild 05 Hülsenfrüchte, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572692/5.jpg)
Quelle: Von Kurt Stüber - caliban.mpiz-koeln.mpg.de/mavica/index.html part of www.biolib.de, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8031
Bräunliche, ledrige Hülsen (6 – 15 cm lang).
Ab September und Oktober färben sich die Schoten braun und trocknen aus. Die dekorativen Schotenfrucht - Ketten bleiben oft den ganzen Herbst und Winter über am Baum hängen,
Der Name Cercis ist abgeleitet von ,,kerkis" griech. = Weberschiffchen, an deren Form sollen die Hülsenfrüchte erinnern.
Bild 06 Illustration, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572701/6.jpg)
Quelle: Von Paul Taubert - Leguminosae. inEngelmann : Natürliche Pflanzenfamilien. Vol. III, 3., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=844751
A = Blattzweig, B = Blütenstände aus dem alten Holz, C = einzelne Blätter, D = dieselben im Längsschnitt, E = Hülse
Bild 07 Porträt, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572884/7.jpg)
Quelle: https://www.gartenjournal.net/judasbaum
Der Judasbaum (Cercis) gilt als schwach giftig.
Die wichtigsten Details im Überblick:Blüten (essbar): Die Blüten sind ungiftig und können bedenkenlos verzehrt werden. Sie werden beispielsweise gerne für Salate oder als essbare Dekoration verwendet.
Früchte, Rinde und Blätter: Diese Pflanzenteile sind leicht giftig. Der Verzehr kann bei Menschen zu Magen-Darm-Beschwerden führen,
Haustiere: Für Hunde und Katzen ist die Pflanze im Allgemeinen unbedenklich oder nur schwach giftig, bei Aufnahme großer Mengen kann es jedoch zu Erbrechen oder Durchfall kommen.
Meine Pflanzenproben sind aus dem Arboretum Baumpark, Schloss Erbhof Thedinghausen.
https://www.schloss-erbhof.de/portal/seiten/willkommen-im-arboretum-baumpark-thedinghausen-909000440-20710.html
Systematik:Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Tribus: Cercideae
Gattung: Judasbäume (Cercis)
Art: Gewöhnlicher Judasbaum
Wissenschaftlicher Name: Cercis siliquastrum
Trivialnamen: Judasbaum, Liebesbaum und Salatbaum
Syn.: Cercis yunnanensis
Englische Bezeichnung: Judas Tree
Der Judasbaum gehörte früher zur Unterfamilie Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae), der nach dem Italienischer Arzt und Philosoph Andreas Cesalpino (1519 – 1603) benannt wurde.
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch
Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 374.
Carolus Linnaeus; (1707–1778) war ein schwedischer Naturforscher, Arzt und Botaniker.
Teil 1
Spross, Querschnitt
20 Mikrometer
Bild 08 Schnittstellen, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572885/8.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Bild 09 Übersicht, ungefärbter Schnitt,Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572886/9.jpg)
Bild 10 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572889/10.jpg)
Bild 11 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572888/11.jpg)
Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572887/12.jpg)
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572891/13.jpg)
links: Xylem; rechts: Markparechym
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf:1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung
Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5.
Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung
Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
Tipp:Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis:Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony alpha 6000
Bild 14 Übersicht, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572943/14.jpg)
Bild 15 Gegenüberstellung, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572941/15.jpg)
Die beiden Schnitt wurden zusammen gefärbt.
Bild 16 Detailaufnahme mit Beschriftung, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572942/16.jpg)
XY = Xylem, MP= Markparenchym, J = Jahresringgrenze, PE = Periderm, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, SK = Skleremchym
Bild 17 Detailaufnahme, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572944/17.jpg)
Bild 18 Xylem, Markparenchym, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572946/18.jpg)
Bild 19 Detailaufnahme, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572945/19.jpg)
Bild 20 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Gewöhnliche Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572947/20.jpg)
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 21 Markparenchym, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572949/21.jpg)
Bild 22 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572948/22.jpg)
Teil 2
Spross, Längsschnitt
20 Mikrometer
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 23 Übersicht, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572985/23.jpg)
Bild 24 Detailaufnahme, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572986/24.jpg)
Bild 25 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572984/25.jpg)
Bild 26 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572987/26.jpg)
Teil 3
Blattstiel, Querschnitt
25 Mikrometer
Der Blattstiel ist 2 – 4 cm lang.
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 27 Übersicht, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572989/27.jpg)
Bild 28 Leitbündel, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572988/28.jpg)
Bild 29 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
(https://www2.pic-upload.de/img/37572990/29.jpg)
Literatur�verzeichnis:Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Georg Aas ,,Laubbäume", ISBN: 10: 3774241848
Georg Aas ,,Bäume", ISBN: 3-7742-1016-0
Dietrich Böhlmann ,,Gehölbiologie" , ISBN: 978-3-494-01547-7
Bachofer ,,Der Kosmos Baumführer!, ISBN: 978-3-440-1460-6
Ulrich Hecker ,,Bäume und Sträucher", ISBN: 10-3-8354-0021-5
Spohn ,,Kosmos Baumführer Europa", ISBN: 978-3-4440-44741-
Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7
P. Schütt ,,Lexikon der Bäume und Straucharten", ISBN: 978-3-86820-123-9
P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3
,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6
,,Welcher Baum ist das?", ISBN: 978-3-440-16449-5
,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1977
,,Kosmos Neophyten", ISBN: 978-3440-16874-5
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.
Hans-Jürgen
Hallo Hans Jürgen, spannend,lehrreich und umfassend beschrieben, die Bilder, wie immer,top.
Interessant die Gegenüberstellung der Schnittdicke, 20 mü hab ich mit meinem Handzylindermikrotom noch nicht geschafft, sollte mir wohl auch ein Schlittenmikrotom anschaffen.
Schöne Pfingsten aus der Steiermark