Hallo,
hier kommt ein weiteres historisches Kieselalgen-Präparat.
Dieser Objektträger entspricht mit 1,2 mm Dicke fast der heutigen Norm. Die Kanten sind geschliffen und gerundet. Das verwendete Deckgläschen ist rund und hat 10 mm im Durchmesser. Es gibt einen breiten und sehr dicken Lackring. Auf dem Objektträger befindet sich rechts ein quadratisches Etikett mit dünnem Rahmen. In der Kopfzeile steht gedruckt "E. Thum Leipzig, Institut für Mikroskopie, Spezialität: Diatomacea und Testpräp.". Darunter hat der englische Händler C. Baker sein Firmenetikett drauf geklebt. Am linken Rand befindet sich ebenfalls ein quadratisches Etikett mit dem handschriftlichen Inhalt: "Test. Pleurosigma angulatum, Cover 0,16 mm, Monobrom Napht.".
Darunter steht die sehr informationsreiche Zeile "Kat. VII, No. 4168".
Thums Katalog Nummer 7 ist 1895 erschienen und enthielt 5000 Präparate. Damit kann man das Herstellungdatum dieses Präparates ziemlich sicher auf 1895 festlegen.
Monobromnaphthalin ist eine nicht aushärtende Flüssigkeit mit einem nicht zu unterschätzenden Dampfdruck. Das dieses Präparat noch benutzbar ist, ist ein Beweis für die hohe Güte des Lackringes.
Ich hätte gerne gewußt, was in dem Katalog unter Nummer 4168 zu lesen ist. Ich konnte nichts finden. Laut KI zeigen alle noch erhaltenen "Reste" der Thum-Kataloge nur genau das, was auf dem Objektträger steht. Plus Preis.
Durchschnittlich hat so ein "einfaches" wissenschaftliches Präparat laut KI zwischen 1,80 und 3,00 Goldmark gekostet. Umrechnung ist schwierig:
Die Deutsche Bank verwendet ein Warenkorb-Wert Umrechner. Danach sind 1 Goldmark ca. 16 EUR. Das berücksichtigt aber nicht, was die Menschen 1895 verdient haben. Ein Schreiner kam so auf 3 bis 4 Mark Tageslohn.
Hier kommt Bild 1.
20260601_184255.jpg
Bild 1: der Objektträger
Historischer Hintergrund: E. Thum (1847 – 1926)
Den Lebenslauf habe ich hier schon gepostet: Lebenslauf Thum (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=53952.0)
Ich habe neue Informationen gefunden, die sicherlich die meisten hier interessieren: also bitte nocheinmal Klicken.
Was sieht man auf dem Präparat? Wie üblich absolut ungeputzt.
hellfeld_10.jpg
Bild 2: Übersicht mit dem 10er Planapochromaten im Hellfeld
dik_10.jpg
Bild 3: Übersicht mit dem 10er Planapochromaten im DIK
Viel Spaß beim Betrachten und einen schönen Abend,
Carsten
ACHTUNG: es geht noch weiter, bitte etwas Geduld.
So, Teil 2.
Leider ist in diesem Präparat doch schon viel "Mist" auskristallisiert, so das sich Bilder-Putzen nicht lohnt. Also sind alle Bilder weiterhin ungeputzt.
Bild 4: DIK mit dem GF Planachromat 40/0,65
dik_40.jpg
Bild 5: DIK mit dem Apochromat 40/0,95
dik_40_095.jpg
Bild 5: DIK mit dem GF Planachromat 100/1,32
dik_100.jpg
Bild 6: neg. Phasenkontrast mit dem CF250 Apochromat 50/0,95
phase_50.jpg
Viel Spaß beim Betrachten,
Carsten
Hallo Carsten,
wirklich spannend, wie du die historischen Hintergründe dazu immer wieder so fundiert recherchierst – das macht deine Beiträge gleichzeitig kurzweilig und sehr informativ.
Eine Frage stellt sich mir beim Betrachten deiner Bilder: Werden unsere heutigen Präparate – oder speziell meine Dauerpräparate – in einigen Jahrzehnten ebenfalls noch so gut erhalten sein, oder sind die heutigen Einbettungs- und Präparationsmethoden möglicherweise weniger dauerhaft als frühere?
Im professionellen Umfeld findet man ja bei Einbettmedien oft Angaben zur Haltbarkeit von etwa 10 Jahren (so in der Größenordnung von ,,Aufbewahrungsfrist" bzw. garantierter Stabilität).
Liebe Grüße Daniel
@Daniel
Tja, gute Frage. Meine Naphrax Präparate sind alle keine 10 Jahre alt geworden. Ich glaube, für den Wahn des hohen Brechungsindexes werden wir unseren Preis zahlen müssen.
Carsten
Hallo Carsten,
ich habe mal ganz schnell nach alten Naphrax Präparaten bei mir gesucht. Keine Beanstandung. Anbei ein schlecht gereinigtes Präparat vom Eutiner See von 2007.
11_45_34.jpg
Olympus DPlanApo 60/0,9 , Kamera ASI 178MM
Gruß
Peter
Noch ein Beispiel mit Naphrax. Material von Klaus Kemp, 8/2007
Olympus DPlanApo 60/0,9 , ASI 178MM
Surirella.jpg
Ich weiß, dass es gutes Naphrax gibt oder zumindest gab. Meines hatte leider eher die Eigenschaft von Speedax...
Carsten
Hallo Carsten,
Zitat von: Carsten Wieczorrek in Juni 02, 2026, 21:29:50 NACHMITTAGSLeider ist in diesem Präparat doch schon viel "Mist" auskristallisiert, so das sich Bilder-Putzen nicht lohnt. Also sind alle Bilder weiterhin ungeputzt.
das passt doch, du stellst ja auch historische Präparate als solche vor.
Danke für den wieder sehr interessanten Beitrag!
Grüße
Alex
Hallo Carsten,
Ist die Struktur denn wirklich nicht auf zu lösen mit dem 40/0.65 oder sogar die hochaperturige Apochromaten? Beste Grüsse,
Rolf