Hallo,
hier kommt noch eins.
Auch dieser Objektträger hat Standardmaße, ist aber deutlich dicker, ich messe hier 1,8 mm (ok, mit dem Papier). Für das Deckgläschen messe ich dann mit dem Messchieber eine erstaunliche Dicke von nur 0,10 mm. Zur Bearbeitung der Kanten kann ich nichts sagen, da sie umklebt sind. Das verwendte Deckgläschen ist quadratisch, lediglich die in das Papier gestanzte Öffnung ist rund. Auf dem Objektträger sind zwei Etiketten. Der obere ovale weiße Aufkleber zeigt in Handschrift "Triceratium favus Septangulatum". Auf dem unteren ebenfalls ovalen Etikett steht "Stanley Optician Railway approach London Bridge". Hier kommt Bild 1.
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Bild 1: der Objekttäger
Von dem typischen Erscheinungsbild mit dem grün-roten Einwickelpapier stammt das Präparat von James Barnett. Das Präparat stammt also sehr wahrscheinlich aus dem Zeitraum 1870-1880. Seinen Lebenslauf findet ihr hier: James Barnett (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=53678.0).
Aber auch der Herr Stanley ist interessant:
William Ford Robinson Stanley (1829 – 1909)
Stanley wurde 1829 geboren. Sein Vater war Mechaniker und Erfinder, weshalb Stanley schon früh mit Metall- und Holzarbeiten in Berührung kam. Er lernte technisches Zeichnen.
1854: Mit nur 100 Pfund eröffnete er in Holborn, London (dem damaligen Optiker-Viertel), seinen eigenen kleinen Laden. Er begann damit, Zeicheninstrumente aus Holz und Metall (Lineale, Winkel) herzustellen. Er erfand Maschinen, die diese Instrumente präziser und billiger fräsen konnten als je zuvor.
Stanley erkannte den absoluten Boom seiner Zeit: Das Britische Empire baute weltweit Eisenbahnen, Brücken und Kanäle. Er spezialisierte sich auf Theodolite, Nivelliergeräte, Kompasse und meteorologische Instrumente. Wenn britische Ingenieure in Indien oder Afrika eine Eisenbahntrasse vermaßen, schauten sie mit höchster Wahrscheinlichkeit durch eine Stanley-Optik. Sein Katalog war bald das Standardwerkzeug für jeden Ingenieur.
Stanley war ein genialer Geschäftsmann. Die Filiale, deren Stempel auf dem Objektträger zu sehen ist, eröffnete er strategisch brillant direkt an der Zufahrtsstraße zum wichtigsten Pendler-Bahnhof. So fing er die reichen Ingenieure und Wissenschaftler auf dem Weg zur Arbeit ab. Dort verkaufte er nicht nur Theodolite, sondern auch "Wissenschafts-Spielzeug" für Gentlemen – wie eben Mikroskope und Barnett-Präparate.
Stanley wurde durch seine Patente extrem reich. Aber er hortete das Geld nicht. Er gründete und finanzierte in Süd-London (South Norwood) die Stanley Technical Trades School, um Jungen aus einfachen Verhältnissen eine erstklassige technische Ausbildung zu ermöglichen. Er baute öffentliche Hallen und spendete fast sein gesamtes Vermögen. Er starb 1909 als hochangesehener Erfinder und Wohltäter.
Was sehen wir hier? Auch hier starte ich mit einem Übersichtsbild, um den Dreck der Zeit zu zeigen (Bild 2). Aber Übersicht ist hier gut, die Alge ist so riesig, das sie bereits im 10er Objektiv das Bildfeld völlig füllt.
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Bild 2: Triceratium favus im Hellfeld mit dem 10er Planachromaten
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Bild 3: Triceratium favus im DIK mit dem 10er Planachromaten
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Bild 4: Triceratium favus im DIK mit dem 40er Apochromat
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Bild 5: Triceratium favus, Details im DIK mit dem 100er Planachromaten
Viel Spaß beim Betrachten,
Carsten