Schnitte durch pathologisch verändertes Pflanzengewebe fand ich immer schon sehr spannend. In diesem kurzen Artikel möchte ich Querschnitte durch eine Blattgalle eines Oleanderblattes, die vermutlich durch Oleanderkrebs (Pseudomonas savastanoi) entstanden ist.
Die Gallen entstehen, weil das Bakterium Pseudomonas savastanoi pflanzliche Phytohormone, insbesondere Indol-3-Essigsäure (Auxin) und Cytokinine, produziert bzw. deren Konzentration im Pflanzengewebe erhöht. Diese Hormone regen die Zellen in der Umgebung der Infektionsstelle zu einer verstärkten Zellteilung (Hyperplasie) und Zellvergrößerung (Hypertrophie) an. Dadurch kommt es zu einer unkontrollierten Wucherung des Gewebes, aus der die charakteristischen Gallen entstehen. Die Gallen bieten dem Erreger einen geschützten Lebensraum und dienen gleichzeitig als Reservoir, aus dem sich das Bakterium weiter im Pflanzengewebe ausbreiten kann.
Technik: Fixiert in FAA, eingebettet in Paraffin, Färbung mit W3A, eingedeckt in Histokitt
Ergebnis:
Makroskopisch zeigen sich verdickte Blattbereiche mit einer gallenartigen Wucherung, die zentral nekrotische, braun verfärbte Gewebeanteile aufweist.
Der Querschnitt zeigt eine deutliche Verdickung des Blattgewebes mit einer wulstartigen Gallenbildung. Die normale Anatomie des Blattes ist verändert. Das Grundgewebe besteht aus zahlreichen unterschiedlich großen, unregelmäßig angeordneten Parenchymzellen. Im Bereich der Galle ist das Gewebe durch Hyperplasie (vermehrte Zellteilung) und Hypertrophie (Vergrößerung der Zellen) stark erweitert. Mehrere Leitbündel sind innerhalb der Galle erkennbar und erscheinen teilweise verdrängt bzw. unregelmäßig angeordnet. Die Epidermis ist erhalten, zeigt jedoch eine unregelmäßige Oberfläche infolge der Gewebevermehrung. Im unteren Bereich des Schnittes ist das Gewebe teilweise aufgerissen oder beim Schneiden beschädigt worden.
Die angefertigten histologischen Schnitte besitzen eine Dicke von etwa 8 µm bzw. 15 µm und wurden mit der W3A-Färbung angefärbt. Im Hellfeld erscheint in den nekrotischen Bereichen der Galle ein Sekret, das sich nur schwach anfärben lässt. Erst unter Anregung mit Blaulicht werden die durch Acriflavin markierten Bakterien sichtbar, die in der W3A-Färbung eine charakteristische gelblich-grüne Fluoreszenz zeigen. Die Bakterien sind als zahlreiche kleine, stäbchenförmige Zellen erkennbar, die teils einzeln, teils in dichten Aggregaten innerhalb des Sekrets und der nekrotischen Gewebeanteile vorkommen. Dadurch lässt sich die bakterielle Besiedlung der nekrotischen Bereiche der Galle deutlich nachweisen (letzten 3 Bilder - 1000x Ölimmersion).
Lieber Peter,
wundervoller Beitrag, habe viel Neues erfahren. Das Übersichtsbild ist ein Hammer!
Tolle Bilder!
Auf meinem Oleander treiben sich gerade vereinzelt diese Wesen herum und werden von Ameisen gehegt und gepflegt.
Schildlaus.jpg
Schildlaus mit dem 11er Ultropak am Orthoplan aufgenommen und gestackt.
Viele Grüsse
Florian
Und hier noch ein Doppelpack! Aufgenommen mit dem NPl 5x/ 0.09 mit LED Ringlicht.
Schildlaus2.jpg
Hallo Alf,
Kurze Frage was ist FAA für eine fixierlösung und warum das statt dem AFE?
Die Idee ist grandios und richtig Toll umgesetzt 💪☺️
Liebe Grüße,
Daniel
Noch eines der Augen mit 50x x-pol.
Auge.jpg
Hallo Alf,
spannende Bilder!
Ich nehme den Oleander gerne in die Botanik-Liste mit auf (und hoffe, dass sich die Läuse aus dem Beitrag nicht dort ausbreiten).
Schöne Grüße
Peter
P.S. Der Flachwitz musste leider mit rein 8)