Hallo zusammen,
in meinem "Revier", den Tümpeln auf dem Golfplatz, habe ich gestern einen Tümpel beprobt, den ich bisher vernachlässigt hatte. Er sah aus wie fast ausgetrocknet, eine durchgehende rotbraun grüne Schicht auf den letzten Resten von Wasser, ich hatte eigentlich mit Faulgestank gerechnet. Holger (Spectrum) hat mich dann sozusagen live per whatsapp schon darauf hingewiesen, dass das wohl "aller feinste Algensuppe" ist.
Daher habe ich eine schnelle Probe genommen.
Die grüne Farbe hat sich dann als dichter Bestand von spiralförmigen Cyanoalgen herausgestellt.
Jedoch viel überraschender waren die rotbraunen Schlieren. Unfassbare Mengen von Euglena sanguinea.
Hier ein paar Bilder. Gemacht mit dem 40er Ölobjektiv.
lG
anne
Liebe Anne,
herrliche Bilder, vor allem Nummer 3 hat mein Herz erobert.
Beste Grüße
Peter
Liebe Anne,
sehr schöne Bilder mit einem wunderbaren Farbkontrast.
LG
Gerhard
Hallo Anne,
Herzlichen Glückwunsch zum Fund der "Algen-Suppenküche".
Ich bin gespannt was da noch so alles auftaucht in dieser Probe.
Euglena sanguinea hast du sehr schön abgelichtet, toll wie die einzelnen Farben der Zellbestandteile auf deinen Aufnahmen leuchten.
Dazu gibt es auch eine interessante Eigenschaft dieses Eugleniden:
Je nach Lichtintensität erscheint dieser Einzeller entweder eher grün oder rot.
Das liegt daran, dass Euglena sanguinea bestimmte Carotinoide (v.a. Astaxanthin) in kleinen globulären Zellbestandteilen (Lipidtröpfchen) sammelt.
Diese werden bei starker Sonnenbestrahlung aktiv in die äußeren Bereiche der Zelle transportiert. Als Sonnenschutz. Umgekehrt bekommen, bei wenig Licht, die Chloroplasten einen Platz an der Sonne. Dann erscheint sie eher grün.
Abgesehen davon, wäre auch noch zu erwähnen, dass Euglena sanguinea ein giftiges Alkaloid (Euglenophycin) produziert.
Das wirkt bei einem Massenvorkommen sowohl auf Fische stark toxisch als auch auf viele konkurrierende Algen herbizid.
LG Holger
Hallo Anne,
Golfbälle scheinen ein guter Nährboden für interessante Organismen zu sein. Offenbar hast Du auch die mir leider fehlende Gabe, auf interessante und ergiebige Quellen zu stoßen bzw. an den richtigen Stellen Proben zu nehmen. Diese Alge hast Du wieder einmal allerbestens in Szene gesetzt. Super-Bilder!
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Anne,
Sehr schöner Fund und schön abgelichtet☺️💪
Den Golfball hast du nicht auch zufällig fotografiert?
Liebe Grüße, Daniel
Those are wonderful images Anne. As interesting as they are inspiring!
Cheers
Beats
Liebe Anne,
tolle Bilder. War der hohe Kontrast so, oder hast du den ,,künstlich" erzeugt?
Grüße
Stephan
Liebe Anne,
wieder meisterhafte Aufnahmen!
Hallo zusammen,
danke für die vielen Rückmeldungen. Die Golfplätze sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Bei uns ist eine große Fläche dauerhaft feucht und mit den typischen Feuchtpflanzen besiedelt. Störche, Reiher, Fasane, Milane usw. bestätigen zumindest mir den sehr naturnahen Zustand. Streuobstwiesen und viel Wald sind auch vorhanden.
Stephan, das ist so wie ich es am Okular sehe, sehr farbenfroh.
lG
Anne
Hallo Anne,
diese farbenfrohe Euglena habe ich bisher noch nicht beobachten können - wäre jedoch für die CF-250 - Objektive ebenfalls ein lohnendes Objekt!
Danke für das Zeigen dieser ausgezeichneten Bilder!!
Grüße
Kurt
Liebe Anne,
ein Feuerwerk der Farben hat die Natur hier geschaffen und du zeigst uns diese Euglena sanguinea ,
meisterhaft abgelichtet, hier. Danke dafür.
lG von Sigi
Excellent pictures, Anne, as usual.
A video about this species, for those who like to see it in motion:
Dear Luis,
thank you for this great video! It is a perfect complement!
Best
Anne
Nice balance between colour and DIC, Anne, thanks for showing.
Idem for Luis'video.
Best, René
Hallo zusammen,
zum Abschluss noch ein Bild der Euglena sanguinea in der natürlichen Umgebung, dem Algenfilm auf dem Tümpel, wie ich sie gefunden habe.
lG
anne
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Hallo zusammen,
ich muss nun noch Bilder beifügen, da sich doch Einiges tut in meiner Probe.
Zum einen sterben viele ab bzw. bilden wohl eine Art Dauerstadium. Davon habe ich aber kein Bild.
Zum anderen hat sich der Farbton gravierend verändert, nun sind die Euglenen "quietsch" orange.
Es scheinen nun im Gegensatz zum Anfang nicht mehr die Astaxanthine sondern andere Carotinoide mehr für die Farbe verantwortlich zu sein.
lG
anne
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40-12.jpg
Hallo liebe Anne,
Deine wunderbaren Bilder läuten ja farblich gerade schon perfekt den nahenden Herbst ein...
Was die Farbenvielfalt, die wir hier so wunderbar abgelichtet sehen, angeht, würde ich gerne nochmal den bereits angesprochen Sonnenschutz etwas genauer ausführen. Auch wenn ich mich da stellenweise wiederhole.
Aber das ist einfach so faszinierend was sich die Natur da hat einfallen lassen...
Am Ende geht es dann auch an die Erklärung, warum da jetzt auch orange zu sehen ist...
Euglena sanguinea hat mehr als nur eine Möglichkeit entwickelt, sich auf verschiedene Umgebungsbedingungen (Lichtmenge, Stressoren) einzustellen.
Dabei sind verschiedene (farblich unterschiedliche) Carotinoide beteiligt. Und diese werden dann auch mit unterschiedlichen Mechanismen an die jeweiligen Bedingungen angepasst.
Zum einen wäre da ja das bereits angesprochene Astaxanthin.
Es ist charakteristisch rot/violett und ist ein besonders effektiver Sonnenschutz wenn es darum geht sich an der Wasseroberfläche im prallen Sonnenschein vor der harten UV Strahlung zu schützen. Euglena sanguinea bildet es deshalb vermehrt immer dann, wenn die Sonne im Sommer längere Zeit gnadenlos auf die dicht unter der Wasseroberfläche herumschwimmenden Euglenen brät.
Allerdings ist diese Schutz so effizient, dass er dann an bewölkten Tagen, bzw morgens oder abends auch die Photosynthese stark behindert.
Deshalb hat sich Euglena sanguinea da etwas raffiniertes "einfallen lassen"...
Das Astaxanthin ist in der "Sonnenanbeterversion" dieser Einzeller in kleinen granulären Strukturen/Lipidtröpfchen konzentriert und kann je nach "Licht-Belastung" innerhalb der Zelle kurzfristig (innerhalb von wenigen Minuten!) verschoben werden.
Entweder ins Innere, also so, dass die Chloroplasten aussen möglichst viel Sonnenlicht zwecks Photosynthese zur Verfügung haben, oder in Richtung Aussenhaut als besonders starker Lichtschutzfaktor.
Dann erscheint sie so leuchtend rot wie auf deinen ersten Bildern.
Bei Massenvorkommen von E. sanguinea färben sich dann ganze Gewässer im Laufe des Tages von Grün nach rot und Abends wieder zurück zu grün, das sieht dann echt spektakulär aus:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2405844024056561
Zusätzlich dient das Astaxanthin dann auch noch als ein starkes Antioxidant, was neben der reinen Abschirmung durch Absorption auch noch gegen Schäden durch freie Radikale schützt.
Astaxanthin scheint also sozusagen so etwas wie der LSF50+ unter den Carotinoiden zu sein.
Man findet es deshalb auch bei anderen Einzellern die sich als Bewohner von besonders sonnenexponierten Lebensräumen behaupten müssen. Haematococcus pluvialis wäre so ein Beispiel.
Bei Euglena sanguinea kommen hohe Konzentrationen an diesem besonders wirksamen Lichtschutzfaktor aber wirklich nur dann vor wenn diese auch benötigt werden. Wenn es lange Zeit bewölkt ist, oder bei Exemplaren die sich an Stellen aufhalten an denen nicht soviel Lichtstress herrscht ist auch die Konzentration an Astaxanthin geringer.
Davon abgesehen kommen aber auch noch zahlreiche andere Carotinoide in E. sanguinea vor.
Eins dieser Carotinoide namens Diadinoxanthin (DD) hilft bei schwachem Licht bei der Photosynthese mit. Es führt dem Photosyntheseapparat zusätzlich eingefangene Lichtenergie zu.
Wird es aber zuviel mit dem Licht, dann wird dieses umgewandelt in Diatoxanthin (DT). Das wirkt dann aber wiederum auch als Lichtschutz indem es überschüssiges Licht in Wärme umwandelt (Quenching).
Auch dieser Vorgang geht fix (innerhalb von Minuten).
Aber dieser Schutz ist lange nicht so effizient wie der des Astaxanthins.
Hohe Konzentrationen an DT, bzw DD bei gleichzeitig wenig dunkelrotem Astaxanthin könnten dann die neueren Bildergebnisse erklären.
Diadinoxanthin ist gelb orange,
Diatoxanthin ist blaßgelb.
Liebe Grüße Holger
P.s.: Seinen Namen hat das Diatoxanthin übrigens daher, dass es auch in Diatomeen vorkommt, und auch dort die Photosynthese unterstützt, bzw. vor Lichtstress schützt.
Liebe Anne,
ich kann zwar leider fachlich nix dazu beitragen, möchte aber dennoch den außerordentlichen ästhetischen Reiz dieser letzten beiden Fotos ausdrücklich hervorheben. Toll!
Danke auch an Spectrum-Holger für die sehr ausfürhlichen Erklärungen!
Passend zur derzeitigen Retro-Welle hat mich das Bild sofort inspiriert und ich habe mich zu einer kleinen Spielerei hinreißen lassen (deren Post hier im Forum Du mir hoffentlich nachsiehst) und daraus ein Tapetenmuster erstellen lassen.
Herzliche Grüße
Peter
Wie mein Zimmer Anfang der 80er. ;D
Liebe Anne und Holger,
ein wahrlich hoch interessanter und auch wissenschaftlicher Beitrag zu dieser Euglena sanguinea und
top Bilder, die zum Wochenanfang positive Energie geben.
lg von Sigi
Lieber Holger,
meinen herzlichen Dank!
Nun habe ich lange am Okular gesessen bis die 2 Farbformen mal nebeneinander waren.
Das nun aber doch als letztes Bild.
lG
anne
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Liebe Anne,
es sind sdoch sogar drei Farben!
Herzliche Grüße
Peter
Hallo,
Das kleinere grüne Exemplar muss nicht unbedingt auch eine Euglena sanguinea sein. Von dem was ich auf dem Bild erkennen kann tippe ich eher auf einen anderen Eugleniden.
Euglena hemichromata vielleicht???
Die bunten Massenvorkommen sind oft nicht sortenrein.
LG Holger
Hallo,
ja das ist eine andere Euglena, kleiner und immer saftig grün. Schwimmt da immer in gewissen Anteilen mit drin rum.
Inzwischen kann ich auch ganz gut beobachten, dass das Orange sozusagen die "Schattenfärbung" bzw. Zimmerfärbung ist. Bei Erhöhung des UV Anteils, also man stellt die Probe z.B. wie heute in die Sonne wird es dann wieder richtig Rot vom Astaxanthin.
Eigentlich ein perfekter Organismus für den Bio Leistungskurs.
lG
anne
Hallo zusammen,
nun doch noch 2 Bilder, die Begleitorganismen sozusagen.
Einmal vermutlich eine Holophrya, die Oberfläche und dann noch die kleine grüne Euglene, deren Bestimmung ich mir aber nicht zutraue.
Die Probe habe ich nun weggekippt, das wars nun also.
lG
anne
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Liebe Anne,
nach all d i e s e n Bildern in diesem Thread kannst Du die Probe auch getrost entsorgen. Besser kann es ja nicht mehr werden. Heute durfte ich eine Mineralwasserflasche Deiner reichhaltigen Algensuppe in Empfang nehmen (Danke nochmal!) und habe mich gleich daran erfreut und auch mikrofotographisch versucht. Meine Ergebnisse sind aber weit von Deinen entfernt und ich erkenne immer wieder, dass es verdammt nochmal nicht so leicht ist, Bilder Deiner Qualität zu erzeugen. Chapeau!
Hast Du sie geblitzt und weißt Du noch, welches Objektiv bei den letzten Bildern zum Einsatz kam?
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Peter,
ja ich habe geblitzt. Das Objektiv ist ein 40er DPlanApo UV mit der sagenhaften NA von 1,3 mit Öl. Hat zwar eine gewaltige Randunschärfe, mittig aber unschlagbar.
lG
Anne
.....und danke, freue mich übers Lob.
Wow das ist der krönende Abschluss🤩🤩🤩
Liebe Grüße Daniel
Liebe Anne,
Nun habe ich schon länger nicht mehr ins Forum geschaut und sehe heute diese Wahnsinnsbilder!
Einfach nur grandios!!!
Hast Du vielleicht noch ein Foto der Fundstelle, auf dem man auch sieht, wie diese braunroten Schlieren ausschauen?
LG Diana
Liebe Diana,
schön dass Du hier mal wieder schreibst!
Klar habe ich Bilder vom Fundort. Ein Tümpel mit sehr niedrigem Wasserstand.
lG
anne
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