,,lignum sacrum"- Das heilige Holz.
Als ,,lignum sacrum" (lateinisch für ,,heiliges Holz") wurde historisch das Lindenholz bezeichnet. Dieser Name entstand, weil das weiche und feinfaserige Holz im Mittelalter und in der Renaissance das bevorzugte Material für sakrale Kunstwerke war.
,,Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen" war Tilman Riemenschneiders (1460 – 1531) Meisterwerk ; es besteht aus Lindenholz.
Linden kommen nur auf der Nordhalbkugel (ganz Europa bis östlich in den Kaukasus) vor, vor allem in
Laub- und Mischwaldgebieten gemäßigter Breiten einige Arten reichen bis zur tropischen Zone.
Weltweit gibt es etwa 40 Arten der Linde. Nur wenige kommen bei uns ( autochthon) natürlicherweise vor, hauptsächlich sind dies die Sommer- und Winterlinde.
Sie haben sehr viele Gemeinsamkeiten und sind nur schwer zu unterscheiden.
Die Winterlinde, um die es hier geht, gehört zu den kräftigsten Baumarten Europas.
Dieser Laubbaum wird bis 25 bis 35 Meter hoch; der Stammdurchmesser mit bis zu 7 Meter.
Bild 01 Habitus, Winterlinde Tilia cordata, König-Matthias-Linde im Park von Schloss Bojnice ( Slowakei ).
(https://www2.pic-upload.de/img/37579239/1.jpg)
Autor: Martin Hlauka (Pescan)
Die Linde ist zwittrig. Um eine Selbstbestäubung möglichst zu vermeiden, sind die männlichen Blütenteile, pollenabgebenden Staubblätter, etwas schneller reif als die
weiblichen.
Die Winter-Linde (Tilia cordata) ist eine zweikeimblättrige Pflanze.
Systematik:Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Unterfamilie: Lindengewächse (Tilioideae)
Gattung: Linden (Tilia)
Art: Winterlinde
Wissenschaftlicher Name: Tilia cordata
Syn.: Tilia officinarum, Tilia parvifolia. Tilia sylvestris, Tilia ulmifolia
Trivialnamen: Steinlinde, Kleinblättrige Linde, ,,Herzblättrige Linde" oder auch ,,Herzblattlinde"
Englische Bezeichnung: Small-leaved lime, Basswood
Die Gattungsbezeichnung Tila stammt von ,,tilos" ab, griechisch für Bast – auch ein konkreter Hinweis auf das Weiche, Biegsame der Linde.
Der lateinische Name ,,cordata" = herzförmig, wegen der Form der Blattspreite.
Die Erstveröffentlichung von Tilia cordata erfolgte 1768 durch
Philip Miller in The Gardeners Dictionary, 8. Auflage, Nummer 1.
Philip Miller (1691 bis 18. Dezember 1771 London) war ein englischer Gärtner und Botaniker.
Der Volksmund sagt, eine Linde komme 300 Jahre, stehe 300 Jahre und vergehe 300 Jahre. Aber nicht selten grünt sie auch noch mehr als 1000-jähriger Baum.
Zahlreiche Volkslieder und Sagen erzählen von der Linde. Unseren Vorfahren galt der Lindenbaum als heilig und unter der alten Dorflinde berieten einst die Erfahrensten und Ehrwürdigen der Gemeinde.
Viele Urkunden dieser Zeit sprechen von ,,judicium sub tilia", der Gerechtigkeit unter den Linden.
Begriffe wie Gerichtslinde, Tanzlinde oder Apostellinden sind bekannt.
Bei den sogenannten Apostellinden werden zwölf Äste einer Linde künstlich in die Breite gezogen und die weit ausladenden Äste mit Eichensäulen gestützt.
Goethe schrieb in seinem Frust von Gretchen und dem Bauern unter der Linde.
Dort heißt es:
,,,Der Schäfer putzte zum Tanz,
Mit bunter Jacke, Band und Kranz,
Schmuck war er angrzogen.
Schon unter der Linde war es voll
Und alles tanzte schon wie toll"
Bild 02 Stamm, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579241/2.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die Rinde der jungen Linde ist glatt und hellgrau. Ungewöhnlich ist jedoch, dass sich direkt unterhalb dieser Schichten viele lange Bastfasern befinden, die bis in unsere Zeit hinein den Ausgangsstoff für Bindematerial und Seilwaren stellten.
Mit zunehmenden Alter des Baumes entwickelt sich eine ansehnliche, braune Borke, die tiefe Längsfurchen aufweist.
Die Linde zählt zu den Tiefwurzlern und bildet anfangs eine Pfahlwurzel.
Bild 03 Blätter, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579240/3.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die Blätter sind schief herzförmig, mit etwa 3 – 10 cm langer Spreite cm groß, unten mit kleinen orangefarbenen Haarbüscheln.
Bild 04 Blattober- umd Blattunterseite, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579244/4.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die Blätter sind fein und scharf gesägt., Zähne ohne Grannenspitzen.
Bild 05 Zweig in der Blüte, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579243/5.jpg)
Autor: N p holmes
Die Blütezeit ist von Juni bis Juli.
Die Blüten sind weißlich gelb, zu 4 – 12 in hängenden Rispen an einem flügelartigen Hochblatt.
Bild 06 Blüten mit Baumhummel (Bombus hypnorum) , Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579242/6.jpg)
Autor: Ivar Leidus
Lindenblütenhonig ist besonders wertvoll, nicht zu verwechseln mit dem ,,Lindenhonig", den die Bienen aus den Ausscheidungen der Blattläuse /Honigtau) erzeugen.
Bild 07 Reife
Diasporen, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579245/7.jpg)
Quelle: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20991433
Die Ausbreitungseinheit
(Diaspore) der Winterlinde (Tilia cordata) besteht aus dem gesamten Fruchtstand, dessen Stiel bis zur Hälfte mit einem zungenförmigen, hellgrünen bis bräunlichen Hochblatt (Tragblatt) verwachsen ist
Dieses Hochblatt wirkt bei der Reife als Flugorgan (Drehflieger), wodurch der Wind die Samen effizient verbreiten kann.
Die Drehflieger tragen die Samen bis zu 60 Meter weit.
Bild 08 Winterlinde in Form der Blütendroge (Tiliae flos)
(https://www2.pic-upload.de/img/37579250/8.jpg)
Quelle: Von Rillke, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13661994
Tiliae flos (Lindenblüten) bezeichnet die getrockneten Blütenstände von Lindenbäumen (Tilia cordata oder Tilia platyphyllos), die traditionell zusammen mit dem charakteristischen, zungenförmigen Hochblatt als Arzneidroge verwendet werden.Hauptsächlich kommt die Droge bei Erkältungskrankheiten und trockenem Husten zum Einsatz.
ZU Hildegard von Bingens (1098 -1179) Zeiten wurden hauptsächlich die Rinde und die Blätter genutzt, diese enthalten viele ätherische Öle, mit Linalool, Germacrene und Schleimstoffe.
Bild 09 Illustration, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579249/9.jpg)
Quelle: Von Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen - List of Koehler Images, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=255471
Teil 1
3- jähriger Spross, Querschnitt
25 Mikrometer
Meine Pflanzenproben stammen aus dem Arboretum in Syke (Niedersachsen) vom Juni 2026.
Holzanatomisch ist die sichere Trennung verschiedener Linden weder mikroskopisch noch makroskopisch möglich.
Bild 10 Schnittstellen, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579273/10.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Bild 11 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579274/11.jpg)
Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579275/12.jpg)
Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579278/13.jpg)
Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579276/14.jpg)
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579277/15.jpg)
Bild 16 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579280/16.jpg)
Bild 17 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579279/17.jpg)
W-3A-Färbung nach Wacker
(Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf:1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung
Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5.
Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung
Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
Tipp:Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis:Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000
Bild 18 Übersicht, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579314/18.jpg)
Bild 19 Detailaufnahme mit Beschriftung, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579315/19.jpg)
MP = Markparenchym, XY = Xylem, 1 + 2 = Jahresringgrenzen, PHST = tangential erweiterter Phloemstrahl, RP = Rindenparenchym, St = Strahl
Bild 20 Tangential erweiterter Phloemstrahl (dilatierter Baststrahl), Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579363/20.jpg)
Baststrahl
Bild 21 Markparenchym, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579317/21.jpg)
Bild 22 Detailaufnahme, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579318/22.jpg)
Laubholz mit deutlichen Jahresringgrenzen.
Jahresringgrenzen markiert urch zwei bis drei Reigen verdickter, tangential abgeflachter Zellen.
Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579319/23.jpg)
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 24 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579320/24.jpg)
Teil 2
Spross, Längsschnitt
25 Mikrometer
W-3A-Färbung nach Wacker
(Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 25 Übersicht, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579353/25.jpg)
Bild 26 Detailaufnahme, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579355/26.jpg)
Bild 27 Detailaufnahme, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579354/27.jpg)
Bild 28 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579356/28.jpg)
Bild 29 Deutliche Schraubentracheen, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579358/29.jpg)
Schraubentracheen (auch Spiralgefäße genannt) sind spezialisierte, röhrenförmige Wasserleitungsbahnen im Xylem von Pflanzen. Sie dienen dem Transport von Wasser und gelösten Nährsalzen aus den Wurzeln in die Blätter.
Bild 30 Schraubentracheen, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579357/30.jpg)
Teil 3
Blattstiel, Querschnitt
20 Mikrometer
Die Blätter hängen an bis zu 5 cm langen Stielen.
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 31 Übersicht, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579359/31.jpg)
Die Winterlinde (Tilia cordata) besitzt leider spezielle schleimbildende Gewebe und Drüsen, die bei der W-3A-Färbung nach Wacker zu schwarzgefärbten Zellen führen.
Bild 32 Detailaufnahme, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579361/32.jpg)
Bild 33 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579360/33.jpg)
Bild 34 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winterlinde Tilia cordata
(https://www2.pic-upload.de/img/37579362/34.jpg)
Literaturverzeichnis:Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Bernd Miggel ,,Holzbestimmung mit dem Mikroskop", ISBN: 978-930167-81-4
Andreas Hase ,,Bäume", ISBN: 978-3-440-15869-2
Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7
P. Schütt ,,Lexikon der Bäume und Straucharten", ISBN: 978-3-86820-123-9
P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3
,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6
,,Der Kosmos Waldführer", ISBN: 978-3-440-17680-1
,,Tiere und Pflanzen", ISBN: 978-3-440-14136-6
,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1977
Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.
Hans-Jürgen
Hallo Peter W..
schön, dass du nach langer Zeit wieder dabei bist.
Danke für deine Rückmeldung
Hans-Jürgen
Hallo Peter T.,
danke.
Ich habe versucht die Muzilagenzellen von dem Mehrfachzucker (Polysaccharide) zu reinigen, kein Erfolg.
Bei Kontakt mit Wasser quillt der Zucker stark auf und bildet einen zähflüssigen Schleim.
Dies schützt die Pflanze in trockenen Phasen oder bei starker Hitze vor dem Austrocknen.
Gruß
Hans-Jürgen