Hallo,
hier kommt wieder ein Schätzchen.
Wie gut, das Friedensreich nicht nebenbei auch noch Kristallographie studiert hat. Er wäre ein völlig unbedeutender, unbekannter Kasten-Architekt geworden. An diesem Naturobjekt hätte er aber sicherlich seine Freude gefunden und wir würden diese Alge irgendwo an einem Haus oder ALS Haus kennen.
Auch dieser Objektträger hat Standardmaße. Er ist 1 mm dick. Die Kanten sind geschliffen. Das verwendete Deckgläschen ist rund, 10 mm im Durchmesser und trägt keinen Lackring. Auf dem Deckgläschen befindet sich ein kleiner roter Markierungsring. Auf dem Objektträger sind zwei Etiketten. Das rechte, fast quadratische Etikett aus ursprünglich blauem Papier, trägt die gedruckte Beschriftung "DIATOMACEA" und darunter Handschriftlich "Triceratium flavus v quadrata". Das linke eher rechteckige Etikett in gleicher Farbe trägt den handschriftlichen Text "Oamaru n.z." und gedruckt "W.A.FIRTH".
Herrn W. A. Firth hatte ich bereits hier vorgestellt: W. A. Firth (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=53765.msg390483#msg390483)
20260908_175154.jpg
Bild 1: der Objekttäger
hell_10.jpg
Was sehen wir hier? Auch hier starte ich mit einem Übersichtsbild, um den Dreck der Zeit zu zeigen (Bild 2).
dik_10jpg.jpg
Bild 2: Triceratium flavus v quadriata im Hellfeld, mit dem 10er Planapochromaten
dik_16.jpg
Bild 3: Triceratium flavus v quadriata im DIK, mit dem 10er Planapochromaten
dik_40.jpg
Bild 4: Triceratium flavus v quadriata im DIK, mit dem 16er Planapochromaten
dik_100_1.jpg
Bild 5: Triceratium flavus v quadriata im DIK, mit dem 40er Planachromaten
dik_100_2.jpg
Bild 6: Triceratium flavus v quadriata im DIK, mit dem 100er Planachromaten
Bild 7: Triceratium flavus v quadriata im DIK, andere Schärfeebene, mit dem 100er Planachromaten
Schöne Grüße
Carsten
Hallo Carsten,
Jetzt muss ich ein wenig schmunzeln, genau für ein solche Diatomee versuche ich runde Etiketten
handschriftlich zu erstellen.
Es heisst aber "Triceratium favus var. quadrata"
LG
Michael
Hallo zusammen,
weiß jemand, warum die überhaupt Triceratium (also Dreihorn) heißt, die ist doch viereckig (was ja das quadratum wieder richtig stellen soll)?
Die "eigentliche" T. favus ist ja dreieckig und von Ehrenberg 1840 beschrieben:
https://www.algaebase.org/search/species/detail/?species_id=39891
Wie Michael schon anmerkte handelt es sich hier um die viereckige Variante "quadratum".
https://www.algaebase.org/search/species/detail/?species_id=91686
Grüße
Martin
Hallo Martin,
herzlichen >Dank für die Antwort. Aber sind die tatsächlich verwandtschaftlich so eng, dass man sie mit demselben "Vornamen" bedacht hat?
Hallo Jürgen,
ich bin wirklich kein Algenkenner, aber habe doch etwas Erfahrung in Taxonomie.
Als der Name Triceratium vergeben wurde, hatte Ehrenberg wahrscheinlich nicht damit gerechnet, daß es auch rechteckige Formen davon geben könnte.
Obwohl es sich bei T. favus und der Variante quadratum um rezente marine Algen handelt, sind in der Genbank noch keine DNA-Sequenzen hinterlegt. Die Verwandschaft ist deshalb wohl nur morphologisch begründet.
Da muß ich allerdings sagen, daß mir die von Grunow vorgelegte Abbildung (Nr. 4, in Schmidt) gerade in den Ecken etwas anders aussieht als das Präparat von Carsten:
https://www.biodiversitylibrary.org/item/131751#page/184/mode/1up
Aber wie gesagt, das ist nicht meine Baustelle...
Grüße
Martin
@ Martin: Noch einmal danke. Nun ja, Nomenklatur ist -gerade bei den Diatomeen- nicht immer nachvollziehbar.
@ Carsten: Entschuldige bitte, dass ich Deinen Faden gestört habe. Auf jeden Fall zeigst Du uns wieder ein tolles Schätzchen, danke dafür!
@Jürgen
Alles gut. Diese Frage stelle ich mir auch schon lange. Zumal ich hier ja auch schon die Triceratium favus septangulum vorgestellt habe.
Grüße Carsten
Ich habe gerade über Wikipedia gelernt, dass die septangulum nicht mehr zur Art favus, sondern zu grande gezählt wird.
Grüße
Carsten