Hallo,
hier kommt wieder ein Schätzchen.
Auch dieser Objektträger hat Standardmaße. Er ist gute 1,5 mm dick. Die Kanten sind geschliffen. Das ist mein erstes Präparat, dass einen Facettenschliff/Diamantschliff zeigt (drei saubere Flächen je Kante). Das verwendete Deckgläschen ist rund, 11 mm im Durchmesser und trägt keinen Lackring. Leider ist es sehr dick: das 100x und sogar das Planapo 50x versagen da ihren Dienst. Auf dem Objektträger sind zwei Etiketten. Das rechte, ovale Etikett trägt die hanschriftliche Beschriftung "Craspedodiscus elegans .". Das linke auch ovale Etikett ist unbeschriftet.
Leider gibt es hier keinen direkten Hinweis auf den Präparator oder Verkäufer. Im Ebay Angebot hieß es "from Marshall". Im Bracegirdle steht der leider nicht drin, aber mit KI-Hilfe konnte ich das bestätigen: Link zu einer identifizierten Handschrift (https://diatomimaging.com/cestodiscus-superbus-frederick-marshall/)
Der fette Punkt
Nach Google-Recherchen hat es in der Viktorianischen Zeit einen "Preiscode" für diese Mikroskopie-Präparate gegeben, damit man nicht noch ein Preisschild/-etikett auf den kleinen Objektträger kleben muss: ein fetter Punkt = 1 Shilling.
Frederick ,,Fred" Marshall
Frederick Marshall gilt heute unter Sammlern historischer Mikroskoppräparate als einer der talentiertesten Amateure der mittleren viktorianischen Ära in England. Obwohl er nie offizielles Mitglied der großen Gesellschaften war, sind seine Arbeiten handwerklich und ästhetisch von herausragender Qualität.
Beruflicher Hintergrund
Marshall war im Hauptberuf ein erfolgreicher Schriftgraveur mit eigenem Betrieb im Großraum London. Diese berufliche Präzision spiegelt sich perfekt in seinen Präparaten wider:
Seine Handschrift auf den Papieretiketten ist extrem fließend, elegant und von kalligrafischer Gleichmäßigkeit.
Sein absolutes Markenzeichen sind filigrane Blumen- und Blättermuster sowie Monogramme, die er mit einer Diamantspitze fehlerfrei direkt in das Glas der Objektträger ritzte (das hat mein Präparat leider nicht).
Aktivste Phase
ca. 1855 – 1862: Aus dieser Zeit stammen seine bekanntesten botanischen Schnitte, Diatomeen-Präparate und Seeigel-Schliffe. In Fachkreisen existieren vereinzelte, signierte Glasgravuren, die exakt auf die Jahre 1857 und 1858 datiert sind.
Fachliche Anerkennung
1862: In der 3. Auflage des berühmten Standardwerks ,,The Microscope and its Revelations" von W. B. Carpenter (1862, S. 227) wird Marshall namentlich in einer Fußnote gewürdigt. Er hatte eine Apparatur erfunden – ein spezielles Wasserbad aus Zinn –, um Kanada-Balsam direkt auf dem Mikroskoptisch präzise zu erwärmen.
Spenden an den Quekett Club
1872–1874: Obwohl er kein gelistetes Mitglied war, taucht er im QMC-Sammlungskatalog dieser Jahre als großzügiger Spender auf.
Lebenswende & Spätwerk
Mitte der 1870er-Jahre vollzog Marshall eine radikale Lebenswende. Er verkaufte seinen profitablen Graveursbetrieb und ließ sich zum vollzeitlichen baptistischen Geistlichen (Baptist Minister) ordinieren. Danach verliert sich seine Spur in der mikroskopischen Fachwelt. Er verstarb im Jahr 1902.
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Bild 1: der Objekttäger
Was sehen wir hier? Auch hier starte ich mit einem Übersichtsbild, um den Dreck der Zeit zu zeigen (Bild 2).
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Bild 2: Craspedodiscus elegans im DIK, mit dem 10er Planapochromaten
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Bild 3: Craspedodiscus elegans im DIK, mit dem 16er Planapochromaten
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Bild 4: Craspedodiscus elegans im DIK, mit dem 16er Planapochromaten, andere Schärfeebene
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Bild 5: Craspedodiscus elegans im DIK, mit dem 40er Planachromaten
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Bild 6: Craspedodiscus elegans im DIK, mit dem 40er Planachromaten, andere Schärfeebene
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Bild 7: Craspedodiscus elegans im bunten Phasenkontrast, mit dem 12,5er Apochromaten
Zum Schluss noch ein Bild, dass ich mit KI geputz habe. Ich habe mit Gemini noch etwas an der Darstellung des Hintergrundes gearbeitet.
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Bild 8: Craspedodiscus elegans im DIK, mit dem 16er Planapochromaten
Schöne Grüße
Carsten