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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Bernd Miggel in Oktober 08, 2026, 11:48:39 VORMITTAG

Titel: Interessante Pilzfunde 181 - Großsporiger Riesenchampignon
Beitrag von: Bernd Miggel in Oktober 08, 2026, 11:48:39 VORMITTAG
Großsporiger Riesenchampignon (Agaricus urinascens, Syn. A. macrosporus)

Alle Fundberichte in der Übersicht: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=42360.msg312080#msg312080
sowie:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=49256.new#new

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Bild 1 – Fundort: Wiese, Fruktifizierung zwischen aufwachsendem Adlerfarn.
 
Einführung, Lebensweise und Verbreitung
Im September 2026 fand ich bei einer Kartierungsexkursion im Naturschutzgebiet ,,Mistwiesen" im Nordschwarzwald einen einzelnen, durch seine enorme Größe und seine weiße Färbung weithin sichtbaren Großsporigen Riesenchampignon Agaricus urinascens. Er stand dort inmitten von Adlerfarn-Jungaufwuchs, Begleitpilze waren Wiesenchampignons. Das Wetter war seit Tagen trocken und sonnig gewesen, und das Exemplar war voll ausgewachsen.
Bei den Egerlingen handelt es sich durchweg um terrestrische Saprobionten, die Humus, Streu oder Dung abbauen.
Die Rote Liste gefährdeter Großpilzarten Deutschlands (2016) führt unsere Art in der Kategorie G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes).

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Bild 2 – Hutrand mit Fetzen des Rings; Stiel schlankkeulig. Sehr schwach gelbliche KOH-Reaktion ganz oben am Stiel. 

Makroskopische Merkmale des Fundes
Der Hut war 18 cm breit, flach ausgebreitet mit flachem Buckel und eingerolltem Rand, weißlich und eingewachsen schuppig. Nach der Fachliteratur sind Hutdurchmesser von 30 cm keine Seltenheit. Stiel stämmig, leicht keulenförmig, enghohl und mit 12 x 4 cm kürzer als der Hutdurchmesser. Ring hängend und derb, mit glatter Ober- und gefranster Unterseite. Stiel oberhalb des Rings glatt, unterhalb schuppig. Basalmyzel weiß, dünn. Lamellen braun, frei, dichtstehend und mit hellerer, glatter Schneide. Fleisch weiß, weder gilbend noch rötend, im Schnitt nach wenigen Minuten bräunend. Geschmack angenehm und mild. Der Geruch des gefundenen Exemplars wurde mit angenehm bis unangenehm recht unterschiedlich beurteilt. Junge Exemplare sollen angenehm anisartig riechen.

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Bild 3 – Lamellen frei, dichtstehend; Stiel oberhalb des Rings glatt, unterhalb schuppig.

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Bild 4 – Fleisch im Schnitt nach 5 Minuten.

Makrochemische Farbreaktionen
KOH 20% zeigte auf der oberen Stielhälfte nur eine sehr schwach gelbliche Reaktion. Die Schäffer'sche Kreuzreaktion verlief negativ, kann lt. Literatur aber auch positiv ausfallen.

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Bild 5 – Schäffer'sche Kreuzreaktion negativ.
 
Mikroskopische Merkmale des Fundes
Basidien keulig, 4-sporig.
Sporen braun, zylindrisch, oval oder mandelförmig, glatt, dickwandig, ohne Keimporus (ohne apikale Verdünnung).
Größe nach eigener Messung auf Basis von 24 repräsentativen Sporen:
L x B = 9-11 x 6-6,8 µm, Schlankheitsgrad Q = L / B = 155-1,62. Volumen V = 200-220 µm3.

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Bild 6 - Sporen: elliptisch bis mandelförmig, bräunlich, dickwandig.

Weitere Champignonarten mit Hutdurchmessern von 20 cm und mehr
Der Riesenchampignon Agaricus augustus unterscheidet sich allein schon durch seinen braunschuppigen Hut. Auch sind die Sporen mit im Mittel 8 x 5 µm kleiner.
Der Große Anischampignon Agaricus macrocarpus besitzt zwar ebenfalls eine weiße Hutoberfläche, die allerdings nicht grob schuppig, sondern seidig matt ist und die auf Druck hin chromgelb verfärbt. Er riecht zudem deutlich anisartig, und seine Sporen sind kleiner.

Literatur
BON, M. (1988): Pareys Buch der Pilze: 278-279.
BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (1995): Pilze der Schweiz Bd. 4: Nr. 183.
GMINDER, A. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5: 528-529.
LUDWIG, E. (2007): Pilzkompendium Bd. 2: Nr. 99.44.

Viel Vergnügen beim Anschauen!
Bernd