Bärenklau, die Herkulesstaude.
Die Verbreitung vom Wiesen-Bärenklau ist fast ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens und weiten Teilen des Mittelmeerraumes.
Heracleum sphondylium ist in Deutschland verbreitet, vor allen in nährstoffreichen Fettwiesen und Gräben.
Diese Pflanze habe ich im Sommer 2026 bei mir zu Hause im Ristedter Moor gefunden.
Das etwa 1000 ha große Ristedter Moor liegt zwischen den Ortschaften Ristedt, Fahrenhorst Seckenhausen und Erichshof und war früher in Teilen mal ein Niedermoor.
Die kräftigen, hohen Stängel dieser Pflanze werden bis 20 mm dick und 180 cm hoch.
Sie sind kantig, deutlich gefurcht und steif beborstet.
Wie unterscheidet man den Wiesen-Bärenklau sicher vom giftigen Riesen-Bärenklau ?
Der Hauptunterschied zwischen dem giftigen Riesen-Bärenklau und dem harmlosen Wiesen-Bärenklau liegt in ihrer Größe, dem Stängel, der Blattform und der Giftigkei.
Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)Größe: Wird extrem groß, meist zwischen 2 bis 4 Meter (selten bis 5 Meter).
Stängel: Glatt bis leicht gerillt, mit auffälligen, purpurnen oder roten Flecken und Punkten.
Blätter: Sehr groß, spitz, tief eingeschnitten und scharf gesägt.
Herkunft & Status: Kommt ursprünglich aus dem Kaukasus (Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt), gilt als invasiv und nicht heimisch.
Gefahr: Stark phototoxisch. Der Pflanzensaft ruft in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautrötungen, Juckreiz und Verbrennungen bis zum 3. Grad hervor.
Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)Größe: Bleibt viel kleiner, meist zwischen 30 Zentimeter und 1,5 Meter.
Stängel: Fein gerfurcht, grün und ohne die typischen purpurnen Flecken des Riesen-Bärenklaus.
Blätter: Eher runder, stumpfer und weicher geformt.
Herkunft & Status: Heimisch und ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts.
Heracleum sphondylium ist ein Doldenblütergrwächs.
Der heimische Wiesen-Bärenklau (der sogenannte ,,normale" Bärenklau) ist giftig und enthält phototoxische Substanzen (Furocumarine), allerdings in deutlich geringerer Konzentration als der Riesen-Bärenklau.
Inhaltsstoffe:Furocumarine (ca. 1%), Pimpinellin, Isopimpinellin, Sphondin und Bergapten.
Wiesen-Bärenklau ist für Hunde mäßig giftig.
Under Hund (Labrador) nähert sich dem Bärenklau nicht.
Seine Inhaltsstoffe (Furocumarine) reagieren bei Sonnenschein auf der Haut und im Fell und können Rötungen, Reizungen oder leichte Verbrennungen auslösen; unbehaarte Stellen (Nase, Bauch, Pfoten) sind gefährdet.
Der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) ist die Heilpflanze, die in der Volksmedizin traditionell bei Verdauungsbeschwerden, nervösen Leiden, Epilepsie und Ruhr angewendet wurde.
Systematik:Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Bärenklau (Heracleum)
Art: Wiesen-Bärenklau
Wissenschaftlicher Name: Heracleum sphondylium
Syn.: Heracleum elegans, Heracleum branka
Trivialnamen: Gemeine(r) Bärenklau, Heilkraut
Englische Bezeichnung: Common Hogweed
Der Gattungsname Heracleum wurde nach dem griechischen Held Heros bzw. Herkules benannt, da dieser die Heilwirkung der Pflanze entdeckt haben soll.
Die Wiesen-Bärenklau wurde 1753 von
Carl von Linné (1707 – 1778) in Species Plantarum Tomus I, S. 249 als Heracleum sphondylium erstbeschrieben.
Das Epitheton "sphondylium", einen alten Pflanzennamen, hatte
Linné von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen.
Bild 01 Habitus, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581051/1.jpg)
Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132843
Bild 02 Unterer Teil einer Pflanze mit Grundblättern und kräftigem Stängel, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581053/2.jpg)
Quelle: Von Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4468014
Der Stängel ist gefurcht und steifhaarig.
Der Wiesen-Bärenklau hat eine Pfahlwurzel.
Die einfach gefiederten Blätter werden bis 40 cm groß.
DieBlätter sind unterschiedlich gefiedert, mit großen eiförmigen bis lanzettlichen oder gelappten Fiederblättern.
Bild 03 Blattscheiden sind groß und auffällig, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581052/3.jpg)
Quelle: Von Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903266
Währen die unteren Blätter rinnig gestielt sind, fallen die oberen, sitzenden Blätter durch aufgeblasene Blattscheiden auf.
Schaut man sich das gesamte, ziemlich große Blatt an, erinnert es (mit sehr viel Fantasie) an eine Bärentatze ("Bären-Klau(e)").
Bild 04 Doppeldeudiger Blütenstand, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581055/4.jpg)
Quelle: Von Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903275
Die Einzelblüten sind reinweiß, sitzen zu mehrere in halbkugeligen Döldchen, die sich ihrerseits in auffallend großen Dolden bis cm Durchmesser zusammensetzen.
Dolden mit 15 – 30 Strahlen.
Die Randblüten erhöhen den Schaueffekt, wodurch viele Insekten angelockt werden.
Bild 05 Blüten, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581054/5.jpg)
Quelle: Von Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903288
Die Blütezeit ist von Juli bis September / Oktober.
Der Wiesen-Bärenklau ist zweikeimblättrig.
In den übrigen (seitlichen) Dolden finden sich neben zwittrigen Blüten oft auch reine männliche Blüten oder funktionell weibliche Blüten (bei denen die Staubbeutel oder Pollen steril sind).
Die Art ist vormännlich (proandrisch): Die Staubblätter reifen und entladen den Pollen zuerst, während sich die Narben und Griffel erst danach entwickeln. Das verhindert eine Selbstbestäubung.
Die Blüten haben einen unangenehmen, harnartigen Geruch.
Bild 06 Junge Früchte, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581056/6.jpg)
Quelle: Von Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903292
Bild 07 Früchte, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581058/7.jpg)
Quelle: Von Rasbak - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=326462
Füchte bis 12 mm lang.
Bild 08 Rau behaarter, kantig gefurchter, hohler Stängel. Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581057/8.jpg)
Quelle: Von Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903274
Bild 09 Illustration, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581059/9.jpg)
A Teil der Pflanze.
1 Stempel;
2 halbreife Frucht;
3 Fruchtträger mit den Früchtchen ;
4 Fruchtquerschnitt.
1 bis
4 vergrössert.
Quelle: Von Thomé, Otto Wilhelm; - /mode/1up, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74493024
Dieses Werk ist gemeinfrei
Teil 1
Spross, Querschnitt
25 Mikrometer
Bild 10 Schnittstelle, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581274/10.jpg)
Quelle: https://www.naturkraeutergarten.de/shop/baerenklau/
Bild 11 Übersicht, Dunkelfeld, ungefärbter Schnitt, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581135/11.jpg)
In der Fachliteratur steht: ,, Typisch für viele Doldenblütler weist der markante, kantig gefurchte Stängel im Inneren einen durchgehenden Hohlraum auf.
Das kann ich so nicht bestätigen.
An den sogenannten Knotenstellen (Nodien), an denen die Blätter ansetzen, befinden sich feste Zwischenwände (Quersepten).
Der Teil in Richtung Pfahlwurzel ist hohl; da wo sich Blattscheiden gebildet haben ist der Stängel mit Zellen gefüllt.
Sie entstehen meist nach der Ausbildung der Sekundärwand, verholzen in der Regel nicht (bleiben unlignifiziert) und dienen vermutlich häufig als Stärkespeicher.
Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581136/12.jpg)
Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581139/13.jpg)
Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt,Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) Autofluoreszenz,
(https://www2.pic-upload.de/img/37581137/14.jpg)
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581138/15.jpg)
Bild 16 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium
(https://www2.pic-upload.de/img/37581140/16.jpg)
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) Arbeitsablauf:1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung
Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5.
Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung
Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
Tipp:Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis:Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000
Bild 17 Offen kollaterale Leitbündel mit Beschriftung, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581257/17.jpg)
XY = Xylem, Phloem, K = Kambium
Die ringförmig angeordnete Leitbündel sind das klassische anatomische Merkmal im Querschnitt der Sprossachse von zweikeimblättrigen Pflanzen (Dikotyledonen).
Die einzelnen Bündel sind offen kollateral aufgebaut.
Das bedeutet, dass das Xylem (Wasserleitung) nach innen zum Mark hin liegt und das Phloem (Zuckerleitung) nach außen zur Rinde zeigt.
Bild 18 Detailaufnahme , Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581142/18.jpg)
Bild 19 Detailaufnahme, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581143/19.jpg)
Bild 20 Detailaufnahme, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581145/20.jpg)
Bild 21 Detailaufnahme, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581144/21.jpg)
Bild 22 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,
Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581146/22.jpg)
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581147/23.jpg)
Teil 2
Blattstiel mit Blattscheide, Querschnitt
25 Mikrometer
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 24 Schnittstelle, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581276/24.jpg)
Bild 25 Übersicht, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581356/25.jpg)
Oft ist jedes Leitbündel von einer schützenden Sklerenchymkappe (totem Festigungsgewebe) umgeben.
Bild 26 Detailaufnahme, Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581358/26.jpg)
Bild 27 Übersicht, Negativaufnahme , Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
(https://www2.pic-upload.de/img/37581357/27.jpg)
Literaturverzeichnis:Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Dietmar Aichele ,,Was blüht denn da ?2, 1956
Aichele ,,Der Kosmos Pflanzenführer", ISBN: 6-86047-394-8
Bruno Kremer ,,Wiesenblumen", ISBN: 3-7742-1357-7
Rita Lüders ,,Grundkurs Pflanzenbestimmung", ISBN: 3-494-10418-3
H. Liebenow ,,Giftpflanzen"1 988
Schmeil ,,Leitfaden der Pflanzenkunde", 1952
,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6
,,Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen", ISBN: 978-3-89996-508-7
,,Der Kosmos Pflanzenführer", ISBN: 978-3-44016318-4
,,Samenpflanzen"
,,Pflanzen der Wiese", ISBN: 3-405-16988-6
,,Wildblumen"
,,Was blüht denn da?", ISBN: 978-3-440-11379-0
,,Der neue Kosmos Tier- und Pflanzenführer", ISBN: 3-440-07286-X
,,Kosmos Neophyten", ISBN: 978-3440-16874-5
,,Was blüht denn da ?"1965
Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.
Hans-Jürgen