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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Michael Plewka in Oktober 31, 2026, 10:10:22 VORMITTAG

Titel: Urlaubsfotos: „Pseudo-Rädertier“: Metachronie und Polarisation
Beitrag von: Michael Plewka in Oktober 31, 2026, 10:10:22 VORMITTAG
Hallo zusammen,

Als Tümpler bekommt man Im Laufe der Zeit eine gewisse  Erfahrung mit der Erkennung von Süßwasser-Organismen und kann schon mit der Stereolupe bei geringer Vergrößerung (ca 25x) an der Form beziehungsweise auch an der Art der Bewegung abschätzen, um welche Organismengruppe es sich handelt.

Anders ist das, zumindest bei mir, wenn ich dann marine Proben anschaue, da hat man es möglicherweise mit ganz anderen Organismengruppen zu tun als in Süßwasser,  zum Beispiel  Stachelhäutern, Manteltieren und deren Larven.

So habe ich nun  in diesem Jahr in einigen marinen  Planktonproben ein paar Organismen gefunden, die unter der Stereolupe durchaus die Anmutung eines Rädertiers  hatten, d.h. einen vorderen Wimperkranz, der demjenigen von bdelloiden Rädertieren oder auch Synchaeta sehr ähnlich erscheint.

Unter dem Mikroskop jedoch stellte sich dann heraus, dass es sich doch um etwas völlig anderes handelt, nämlich um eine Veliger-Larve von einer Schnecke:

(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenMarin/atlantic/mollusc/img/Gastropod_veliger_6913.gif)


Viele Weichtiere (Mollusken), zu denen die  Schnecken ja gehören, pflanzen sich über Larven fort, deren 1. Stadium die Trochophora-Larve ist. Diese hat einen Wimperkranz, ähnlich dem mancher Rädertiere,   Je nach Taxon wird anschließend   ein Segel  (Velum) ausgebildet, die dann dem Viech seinen Namen (Veliger-Larve) gegeben hat. Dieses Velum hat ebenfalls einen Wimperkranz, der je nach Entwicklungsstadium. (Beim erwachsenen Tier sind diese dann zurückgebildet.)
Da liegt es natürlich nahe, zu untersuchen, wie sich dort die Wimpern bewegen.


Es zeigt sich, dass die metachrone  Wellen bei diesen Tieren im Uhrzeigersinn verlaufen;  es handelt sich also um eine laeoplektische Metachronie.

Hier das Video:
https://www.youtube.com/watch?v=klVD_dpCX3U

In dem Video kann man auch mehrfach  sehen, dass die Cilienbewegung  kurz innehält;  dieses konnte ich bisher bei  Rädertieren in dieser Form noch nie beobachten.

Bei der zweiten in dem Video gezeigten Larve  sind außerdem  sehr schön zwei helle Flecken zu sehen, die ich für Augen halte. Faszinierend zu sehen, wie sich die Farbe der Augen verändert; die obige GIF-Animation zeigt 2 Einzelaufnahmen aus diesem Video; möglicherweise sind das Polarisationseffekte des DIC in Verbindung mit sich ändernden Polarisationseigenschaften der Augen.


Beste Grüße,
Michael Plewka