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Allgemeines => Allgemein => Allgemeine Nutzungshinweise => Thema gestartet von: Peter V. in Mai 20, 2010, 22:18:21 NACHMITTAGS

Titel: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Peter V. in Mai 20, 2010, 22:18:21 NACHMITTAGS
Liebes Forum,

Was ist "eklig"?

1) "Wenn's koa Coli net anfassen wollen, dann solltens des Studium besser glei aufgem".
Sehr gut erinnere ich mch an diesen Satz unseres Mikrobiologie-Professors beim Anblick der angewiderten Gesichter einiger Mitstudenten/-innen nach der Aufforderung, sich für ein Experiment zum Thema Händedesinfektion diese zunächst mit einer E.coli-Kultur einzureiben.

2) Im Anatomiekurs einer Ruhrgbebietsuniversität war in den achtziger Jahren ( wohlgemerkt, des 20. Jahrhunderts ) den Studenten die Verwendung von Handschuhen bei der Präparation strikt verboten! Statdessen wurden die Hände und Unterarme mit einer dicken Schicht Vaseline als quasi "chemischer Handschuh" zum Schutz vor Formalin eingerieben. Lediglich wenigen attestierten Allergikern und Studenten mit offensichtlichen Hautproblemen wurde die Verwendung von Einmalhandschuhen ( widerwillig ) gestattet.

Warum schreibe ich das? Heute morgen wurde in einem mittlerweile gelöschten Thread ein recht unscharfes Foto eines Taschentuchs mit einem eitrig-blutigen nasalen Sekret gezeigt. Der Kontext ist eher sekundär und wahrlich nicht erwähnenswert, jedoch wurde das Foto als - ich erinnere mich leider nicht mehr des genauen Wortlautes - "ekelhaft" ( zmindest sinngemäß ) bezeichnet. Weitere Kommentare begrüssten diese Äußerung, schließlich werde durch solche Postings weiteren Bestimmungshilfeersuchen z.B. von Würmern in Fischmäulern etc. Vorschub geleistet. Was ja im Umkehrschluss bedeutet, dass Derartiges als "ekelhaft" empfunden werde und so etwas ja wohl nicht hierher gehöre.

Wieso eigentlich?

Wer befindet darüber, was "ekelhaft" / anstößig ist und was nicht? Sind das nicht sehr subjektive Einschätzungen? Die Geschichte der Mikroskopie in jedenfalls ein andere! Mikroskopie ist elematar verknüpft mit dem Begriff  (Natur)-Wissenschaft. Dürfen wir uns hier von solchen Begriffen wie "Ekel" leiten lassen und uns mit bestimmten Dingen nicht beschäftigen, nur, weil sie von manchen als i-bäh-bäh empfunden werden? Betreiben wir hier nur "Ästhetische Mikroskopie"? Lassen wir nur "Blümchenmikroskopie" zu?

Vieles ist unstrittig, an einem schönen Pflanzenschnitt wird wohl niemand Anstoß nehmen. Aber was ist mit z.B. Stemi-Fotos von Insekten? Ich könnte auf Anhieb zahlreiche Personen nennen, denen beim Anblick hier gezeigter Makro- oder Mikrofotos von Wespen, Ameisen und anderweitigem Insektengetier der kalte Schauer über den Rücken liefe und die sich ohne jeden Zweifel - hätten sie die Wahl - lieber ein vollger..... Taschentuch anschauen würden. Wurde deshlab schon einmal darüber diskutiert, ob solche Fotos hier gezeigt werden sollen / dürfen?
Was ist mit Haarbalgmilben? Eklig oder nicht?
Wie verhält es sich mit Fotos der Sektion einer Jungmaus in einer fachgerechten und nicht reißenerischen Dokumentation ( als notwenige Vorarbeit zu Herstellung entsprechender histologischer Präparate )?
Ohne jeden Zweifel ist die ( tierische / menschliche ) Histologie eines der mikroskopischen Hauotanwendungsgebiete ( und vermutlich eine der ersten Anwendungen der Mikorskopie überhaupt!).
Und so, wie es sich hier fast schon bei botanischen Präparaten eingebürgert hat, zunächst die ganze Pflanze zu zeigen und dann sukzessive ins Kleine zu gehen, wird das ja teilweise auch im Bereich Histologie hier praktiziert Lehrhaft oder ekelhaft?

Warum sollten Anfragen zu Bestimmungshilfe eines z.B. Fischliebhabers nach bestimmten Würmern oder zu Kotproben von Reptilien nicht toleriert werden, wo doch haufenweise Nematoden und sonstige vielleicht nicht immer im klassichen Sinn ästhetische Viecher aus dem Tümpfel gezeigt und bestimmt werden? Wer zieht die Grenzen? Nach welchen Kriterien?

Und um zurück zum Ausgang zu kommen: Wäre das gleiche "Material" statt in einem Taschentuch in einer Petrischale präsentiert worden - hätte man es ebenso unagenehm empfunden?

Ich formuliere diese Dinge bewußt als Frage und bitte einfach, darüber einmal nachzudenken.

Ich weiss, dass ich jetzt vermutlich starke Nerven brauche. Und ich poste dieses Beitrag ganz bewusst im geschlossenen Mitgliederbereich dieses Forums.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Jürgen Boschert in Mai 20, 2010, 22:32:26 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

ich glaube da hast Du die Kritiker ziemlich missverstanden. Es ging nicht primär um die "Ekelfrage", vielmehr darum, dass da jemand mal kurz ein Posting im Mikroforum gemacht hat, um schnell an eine Diagnose zu kommen, unter Umgehung des Besuchs bei einem Fachmann. Das ist nun wahrlich nicht der Sinn unseres / Christian Linkenhelds Forums. Es war dies der einzige Beitrag eines Neulings, dem es offensichtlich nicht an mikroskopischen Themen an sich gelegen war - fand auch ich irgendwie dreist. Und wenn hier nicht Einhalt geboten wird, wo ist dann die Grenze - dann könnten auch in entsprechender Weise andere das Forum für ihre Zwecke missbrauchen. Schleim, Eiter, Würmer und anderes vermeintlich "ekliges Zeugs" können gerne hier abgelichtet und behandelt werden, wenn Bezug zu der Mikroskopie an sich besteht.

Hoffe, mich irgendwie verständlich ausgedrückt zu haben.

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Hyperion in Mai 20, 2010, 22:35:09 NACHMITTAGS
Zu dem Gefühl des Ekels gibt es einige sehr interessante und wissenschaftliche Untersuchungen.

Da spielen nicht Farbe, und Geruch eine Rolle, nein auch die Form und der Kontext und noch einiges anderes spielen da mit ein. In Südafrika ekelt man sich z. B. vor Zimtgeruch.

Wieviele Leute würden es denn eklig finden, wenn ich ein Vial mit Blut hier zeige? Wieviele, wenn ich einen neuen (!) OB darin tunke und das dann hier ablichte?
Dreimal darf man raten.
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Florian Stellmacher in Mai 20, 2010, 22:37:57 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

genau das ging mir auch durch den Kopf!

Sicherlich habe ich in diesen Dingen eine notgedrungen "professionelle" Auffassung, ich könnte wohl sonst kaum meinen schönen Beruf ausüben. Aber ich denke, Du sprichst genau den Kern der Sache an! Möglicherweise ist das Problem kleiner als man denkt?

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/40654_28356137.jpg)

Kunst oder Pornographie?

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/40654_957762.jpg)

Eine pathologisch veränderte Körperflüssigkeit, die man mit dem Mikroskop untersuchen möchte, oder eine eklige rote Brühe mit Fettaugen?

Es liegt vieles lediglich im Auge des Beschauers!

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion!

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Peter V. in Mai 20, 2010, 22:38:58 NACHMITTAGS
Lieber Jürgen,

Ich glaube, Du hast jetzt mich mißverstanden - und damit die Intention meines Postings.
Ich selbst war doch der Erste, der einen - sagen wir mal - sehr ironischen Beitrag zum Anliegen des "Hobbyrhinologen" geschrieben hat. Natürlich war das ganze Posting unsinnig. Aber darum geht es mir gar nicht, sondern um den wesentlich späteren Verlauf des ja jetzt nicht mehr einzusehenden Threads, in dem es gar nicht mehr um die ursprüngliche Fragestellung ging, sondern darum, dass das Foto "eklig" ( oder ähnlich formuliert ) sei, was hier überhaupt "bestimmungsmäßig" angefragt werden dürfe und was zu "anrüchig" sei.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Klaus Herrmann in Mai 20, 2010, 22:43:26 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

ZitatIch weiss, dass ich jetzt vermutlich starke Nerven brauche.

Die hast Du ja, also keine Sorge ;)

Ich habe wohl die weitere Entwicklung des Beitrags verpasst. Für mich war das einfach eine naive Bitte um Hilfe, die man ihm hier wirklich nicht geben kann. Ich will mal garnicht unterstellen, dass sich da einer einen Scherz erlaubt hat.

Ob das bisschen unscharfer Rotz im Tempo zu Empörung führen muss?

Erinnert mich immer an die Leute, die glauben, dass Fisch als Filet im Wasser wächst und Zustände bekommen, wenn sie mal einen selber ausnehmen sollten.

Letztlich kommt es sehr auf die Darstellung an. Ich erinnere mich an die hervorragende Dokumentation von Ronald zur Sezierung einer Maus. Nicht unbedingt etwas, was ich selber machen wollte, aber m. E. hat so etwas absolute Berechtigung in dieser wissenschaftlichen Form hier im Forum gezeigt zu werden. Auch Florians Histopathologie ist nicht unbedingt ästhetisch, aber tadellose Wissensvermittlung.

Also wenn der Hintergrund seriös ist: absolut ok! Wer sich grauselt muss ja nicht hinschauen. Im Naturaliste gibt es eine Rubrik "Spinnen" ich mag keine, also mach ich die nicht auf, sondern klicke sie ungelesen als "gelesen" weg.

Gibt andere Dinge über die man sich aufregen sollte im Leben!
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Werner Jülich in Mai 21, 2010, 09:46:53 VORMITTAG
Ich habe den Beitrag und die Antworten verfolgt.
Ich dachte zuerst an einen Troll und denke dies eigentlich immer noch.
Die Alternative, kostenlose "Hilfe" aus dem Internet abgreifen, will ich zwar nicht ausschliessen, aber mit welchem Suchbegriff sollte der Fragesteller denn hier gelandet sein?

Werner Jülich
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Peter V. in Mai 21, 2010, 10:01:38 VORMITTAG
Zitat von: Werner Jülich in Mai 21, 2010, 09:46:53 VORMITTAG
Ich habe den Beitrag und die Antworten verfolgt.
Ich dachte zuerst an einen Troll und denke dies eigentlich immer noch.
Die Alternative, kostenlose "Hilfe" aus dem Internet abgreifen, will ich zwar nicht ausschliessen, aber mit welchem Suchbegriff sollte der Fragesteller denn hier gelandet sein?

Werner Jülich

Hallo Herr Jülich,

er wollte sich ein Mikroskop ( bei Amazon? ) kaufen und wollte dazu in einem Forum Fragen stellen. Was wird er wohl als Suchbegriff(e) eingegeben haben???

Vielleicht "Mikroskop" und "Forum"?  -> 1. Treffer: www.mikroskopie-forum.de !!!

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Jens Jö in Mai 21, 2010, 12:48:05 NACHMITTAGS
Hallo,

ein Scherz dieses Kalibers wäre natürlich eine Bombe mit noch größerem Potential als der Gansbusenbrenner . . .
Nur: ich glaube nicht an einen Scherz. Der Besucher (warum er nicht zum Arzt geht, weiß wohl nur er selbst) hatte sich als "willeswissen" angemeldet, und das sagt es doch deutlich genug.

Gruß
Alfred
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Hyperion in Mai 21, 2010, 14:32:49 NACHMITTAGS
Naja abgesehen davon ist ein MRSA Nachweis nun auch nichts was man nicht auch daheim machen könnte (mit ein bischen Backgroundwissen natürlich, müsste man sich halt anlesen).

Es gibt genug Selektivmedien für MRSA, dann kann man noch ne Gramfärbung machen und wer ganz sicher gehen will oder faul ist kauft sich ein fertiges ELISA Kit dafür. Bekommt ein jedermann aus dem Internet.

Ich habe früher mal in nem Klinik Labor gejobbt und die Methoden sind i. d. R. so gut ausgearbeitet und durchdacht, dass man eigentlich fast keine MTAs mehr braucht, das kann man auch einen Praktikanten oder Zivi machen lassen (was auhc gang und gebe war, die wurdne eingewiesen und haben dann die Antibiogramme und co alleine erstellt). Der Arzt macht dann anhand der Ergebnisse nur noch die Diagnose und steht mit seiner Unterschrift dafür ein....

Ansonsten würde ich mir bei einer Bakteriellen Superinfektion im HNO Bereich und Schnupfen keine Sorgen machen und vorerst noch nichtmal zum Arzt gehen, ich habe sowas etwa 3 mal im Jahr und i. d. R. klingt das nach 1-2 Wochen wieder ab.

Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Peter V. in Mai 21, 2010, 19:51:42 NACHMITTAGS
Zitat von: Hyperion in Mai 21, 2010, 14:32:49 NACHMITTAGS
Naja abgesehen davon ist ein MRSA Nachweis nun auch nichts was man nicht auch daheim machen könnte (mit ein bischen Backgroundwissen natürlich, müsste man sich halt anlesen).

Es gibt genug Selektivmedien für MRSA, dann kann man noch ne Gramfärbung machen und wer ganz sicher gehen will oder faul ist kauft sich ein fertiges ELISA Kit dafür. Bekommt ein jedermann aus dem Internet.

Ich habe früher mal in nem Klinik Labor gejobbt und die Methoden sind i. d. R. so gut ausgearbeitet und durchdacht, dass man eigentlich fast keine MTAs mehr braucht, das kann man auch einen Praktikanten oder Zivi machen lassen (was auhc gang und gebe war, die wurdne eingewiesen und haben dann die Antibiogramme und co alleine erstellt). Der Arzt macht dann anhand der Ergebnisse nur noch die Diagnose und steht mit seiner Unterschrift dafür ein....

Ansonsten würde ich mir bei einer Bakteriellen Superinfektion im HNO Bereich und Schnupfen keine Sorgen machen und vorerst noch nichtmal zum Arzt gehen, ich habe sowas etwa 3 mal im Jahr und i. d. R. klingt das nach 1-2 Wochen wieder ab.



Ja nee - is klar!  ;)

Amputationen sollen übrigens auch gar nicht so schwer sein, hat früher der Barbier gemacht, mit nem Beissholz, Whiskey und einem ordentlichen Knebel alles kein Problem....

Wieso sind wir jetzt eigentlich schon wieder bei diesem Thema ???

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: treinisch in Mai 22, 2010, 02:32:10 VORMITTAG
Zitat von: jaracim in Mai 21, 2010, 12:48:05 NACHMITTAGS
(warum er nicht zum Arzt geht, weiß wohl nur er selbst)

Hallo Alfred,

dafür gibt es zahlreiche plausible Erklärungen. Verhaltensweisen ähnlich wie diese
sind keinesfalls selten, wenngleich sicherlich in der Regel nicht effektiv im Sinne
körperlicher Gesundheit.

Es trifft nicht immer das Mikroskopie-Forum, auch wenn ich mich in meiner kurzen Zeit hier schon an
Stuhlproben, irgendwelche nässenden Pilzinfektionen und Haarparasiten-Erschreckungen erinnern kann.

Auf manchen Gebieten bilden sich komplette Parallelwelten mit ganz eigenständigen Weltbildern und
sozialen Gefügen, die die Rolle der Schulmedizin mehr oder weniger übernehmen, schau dir zum Beispiel
mal ein paar Foren für Schwangere an, du wirst staunen!

Im OTC-Geschäft wird das übrigens durchaus auch gezielt ausgenutzt.

Vlg

Timm
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Peter V. in Mai 22, 2010, 07:02:57 VORMITTAG
Zitat von: treinisch in Mai 22, 2010, 02:32:10 VORMITTAG
Zitat von: jaracim in Mai 21, 2010, 12:48:05 NACHMITTAGS
(warum er nicht zum Arzt geht, weiß wohl nur er selbst)

Hallo Alfred,

dafür gibt es zahlreiche plausible Erklärungen. Verhaltensweisen ähnlich wie diese
sind keinesfalls selten, wenngleich sicherlich in der Regel nicht effektiv im Sinne
körperlicher Gesundheit.

Es trifft nicht immer das Mikroskopie-Forum, auch wenn ich mich in meiner kurzen Zeit hier schon an
Stuhlproben, irgendwelche nässenden Pilzinfektionen und Haarparasiten-Erschreckungen erinnern kann.

Auf manchen Gebieten bilden sich komplette Parallelwelten mit ganz eigenständigen Weltbildern und
sozialen Gefügen, die die Rolle der Schulmedizin mehr oder weniger übernehmen, schau dir zum Beispiel
mal ein paar Foren für Schwangere an, du wirst staunen!

Im OTC-Geschäft wird das übrigens durchaus auch gezielt ausgenutzt.

Vlg

Timm

Hallo Timm,

besser hätte ich es nicht ausdrücken können!!! Und diese peudeo- oder paramedizinischen Paralleluniversen sind ein erschreckend weites Feld und zudem ein Milliardenmarkt. Menschliche Handlungsweisen sind vielfach mit dem normalen Verstand nicht nachzuvollziehen.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Robert Götz in Mai 22, 2010, 11:34:44 VORMITTAG

ZitatNaja abgesehen davon ist ein MRSA Nachweis nun auch nichts was man nicht auch daheim machen könnte (mit ein bischen Backgroundwissen natürlich, müsste man sich halt anlesen).

Aber Sie glauben nicht wirklich, dass jemand, der offensichtlich keine Ahnung hat, das mit zuverlässigem und reproduzierbarem Ergebnis zu Hause
in der Küche machen kann? Ganz abgesehen davon, dass solche Kits ca 700$ kosten?



Gruß
Robert Götz

Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Robert Götz in Mai 22, 2010, 12:15:13 NACHMITTAGS


De gustibus non est disputandum, stand neulich irgendwo im Forum.
Und ich glaube, dass das bis zu einem gewissen Grad auch für das Ekelempfinden gilt.
Klaus sagt, dass er Spinnen eklig findet; ich liebe Spinnen. Einen Fisch ausnehmen möchte ich dagegen nicht unbedingt.
Manche Leute fallen um, wenn sie Blut sehen, anderen macht das garnichts aus.
Zudem ist es eine Frage der Gewöhnung. Wer, wie ich, als Hilfsarbeiter im medizinischen Bereich tätig ist, hat eine
ganz andere Ekelschwelle, als jemand, der mit solchen Sachen nichts zu tun hat. Eitrige Flüssigkeiten, die dann auch
noch stinken, sind für mich alltäglich, für "normale" Menschen eher unzumutbar.
Die Frage ist, was für einen Informationswert bzw. -gehalt ein Bild hat. Und da sehe ich einen großen Unterschied
zwischen einem benutzten Taschentuch und einem Bild von einer Sektion, das mit entsprechenden Erläuterungen zum Zweck
der Belehrung hier eingestellt wird.
Diese als weniger "schön" empfundenen Bilder sind auch ein nützlicher Kontast zu den superschönen Mikrofotos, die hier
oft zu sehen sind und die Preise bei Wettbewerben gewinnen. Hier steht doch offensichtlich die Ästhetik der Darstellung hinter
dem urprünglichen Zweck des Mikrofotos - vermitteln und dokumentieren von Informationen - zurück.

Ästhetische Pfingsten
Robert Götz

Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Microbehunter in Mai 22, 2010, 14:48:29 NACHMITTAGS
Liebes Forum, es tut mir wirklich leid, aber ich kanns mir nicht verkneifen...

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/40765_27243068.jpg)
Was sind das für eklige orange Kügelchen unter meinem Mikroskop, entnommen von

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/40765_17978548.jpg)
diesem Taschentuch?

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/40765_3728327.jpg)
Doch nicht etwa, Karotten...

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/40765_33557026.jpg)
...mit Kartoffeln & feinem Bio-Hühnchen?

ZitatWas ist "eklig"?
Meine Antwort: es hängt von der Vergrößerung ab!

(Lösung des Rätsels: es handelt sich um hochwertige Babynahrung!)

Oliver
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Klaus Herrmann in Mai 22, 2010, 18:13:10 NACHMITTAGS
Na das erste ist wohl eine Hochgeschwindigkeits-Aufnahme vor dem Mund des Babys,

als es gerade deutlich gemacht hat, dass es satt ist - oder es nicht schmeckt! ;D
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Hyperion in Mai 22, 2010, 18:29:43 NACHMITTAGS
ZitatAber Sie glauben nicht wirklich, dass jemand, der offensichtlich keine Ahnung hat, das mit zuverlässigem und reproduzierbarem Ergebnis zu Hause
in der Küche machen kann? Ganz abgesehen davon, dass solche Kits ca 700$ kosten?

Sie haben recht, das glaube ich nicht wirklich. Aber prinzipiell ist es schon machbar.

In den USA gibt es zuverlässige Home-HIV Tests die nur einen Tropfen Blut brauchen, die sind aber hier nicht zugelassen, weil man den Patienten mit dem Ergebnis nicht alleine lassen will.
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Florian Stellmacher in Mai 22, 2010, 18:50:42 NACHMITTAGS
Liebe Ekelektiker,

folgende Geschichte möchte ich noch zu dem eigentlichen Thema dieses Threads eitragen: Vorletztes Jahr wurde in einem Nebengebäude des Schleswig-holsteinischen Landesmuseums Schloss Gottorf eine sehr interessante Ausstellung mit dem Titel ,, Mumien – der Traum vom ewigen Leben" gezeigt. Ausgestellt wurden künstlich oder durch natürliche Prozesse konservierte Kadaver von Menschen und Tieren aus den verschiedensten Jahrhunderten und Kulturkreisen. Die Mumien waren in Glasvitrinen untergebracht, die Beleuchtung, wohl aus Rücksicht auf die empfindlichen Exponate, eher schummerig eingestellt. Insgesamt herrschte eine vielleicht am besten als würdevoll zu bezeichnenden Atmosphäre, die aus meiner Sicht dem Thema gut gerecht wurde; die Ausstellung war nicht reißerisch aufgemacht sondern vor allem informativ.
Als ich den ersten Saal betrat, habe ich unwillkürlich zuerst einmal den Strohhut abgenommen, den ich im Sommer immer trage, ganz so, als wenn man eine Kirche oder eine Gruft betritt. Umso erstaunter war ich, als ich andere Besucher der Ausstellung beobachtete, die mit ihren Kindern vor den Vitrinen standen. Nun ist es mir durchaus noch ein Stück weit erinnerlich, wie man als – sagen wir – Zehnjähriger dem Thema ,,Tod" oder ,,Leiche" gegenübersteht. Das ist sicherlich etwas Faszinierendes und, ja natürlich, auch Gruseliges. Ich weiß noch, dass wir als Kinder fasziniert Vogelkadaver untersucht (natürlich nur von außen!) und sie dann hinten im Garten unter dem Apfelbaum andächtig begraben haben. Wir wären aber nie auf die Idee gekommen, uns mit toten Tieren gegenseitig  zu erschrecken oder darüber zu lachen. In der Mumien-Ausstellung gab es aber etliche Väter, die mit größtem Vergnügen den Kindern vermittelten, wie exorbitant gruselig die Mumien seinen, und dachten sich auch noch Geschichten aus, um den Horror zu verstärken. Was steckt dahinter? Natürlich die eigene Wahrnehmung dieser Herrschaften – wer sich konservierten toten Körpern aussetzt, muss sich sicherlich nicht rechtfertigen, warum ihn so etwas interessiert, aber eine Geisterbahn sollte man daraus ganz bestimmt nicht machen! Mir kam es jedenfalls so vor, als wenn (Entschuldigung) Idioten ihren Nachwuchs mutwillig zu Idioten machen wollte. An dieser Stelle wurde aus meiner Sicht die Chance vertan, etwas aus dem Beriech ,,Ekel" in die richtige Richtung zu bahnen. Auch das ist eine Verantwortung.

Nur mal so...

Florian
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Jürgen Boschert in Mai 22, 2010, 19:47:50 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

... nein, das Fass mit den Ausstellungen "Körperwelten" mach ich jetzt nicht auf.  ;D

Gehört auch in diese Rubrik.

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: treinisch in Mai 22, 2010, 20:18:32 NACHMITTAGS
Zitat von: Florian Stellmacher in Mai 22, 2010, 18:50:42 NACHMITTAGS
In der Mumien-Ausstellung gab es aber etliche Väter, die mit größtem Vergnügen den Kindern vermittelten, wie exorbitant gruselig die Mumien seinen, und dachten sich auch noch Geschichten aus, um den Horror zu verstärken.

Hallo Florian,

Ich denke, der Anblick echter Leichen ist für jeden gesunden Menschen eine eher intensive Erfahrung, gerade
wenn man nicht daran gewöhnt ist. Ich glaube es ist vorschnell diese Väter zu verurteilen, sicher hast Du recht,
dieses Verhalten ist weder gut noch akzeptabel, aber es ist wohl einfach das nächstbeste Verhalten, dass diese
Menschen im Repertoire haben um mit der Situation fertig zu werden.

Dass Du da bereits als 10jähriger weiter warst, spricht meiner Meinung nach eher für Dich oder Deine Eltern als gegen die
Gruselväter :-)

vlg

Timm
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Peter V. in Mai 22, 2010, 23:43:21 NACHMITTAGS
Zitat von: Jürgen Boschert in Mai 22, 2010, 19:47:50 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

... nein, das Fass mit den Ausstellungen "Körperwelten" mach ich jetzt nicht auf.  ;D

Gehört auch in diese Rubrik.

Beste Grüße !

JB

...und hier beneide ich jeden, der zu dem Thema sowie Herrn von Hagens eine klare schwarz-weiss-Meinung hat. Ich bin mir jedenfalls bis heute nicht schlüssig, wie ich die Körperwelten und Ihren Schöpfer endgültig einordnen soll ( völlig unabhängig von meiner Hochachtung vor der wohl über jeden Zweifel erhabenen handwerklichen Kunst der Präparation ). Es ist wie so oft im Leben, so, wie auch seinerzeit bei Julius Hackethal. Sehr gute Ansatze, im Kern eine ute Sache, in der letztlichen Ausprägung und Entwicklung des Ganzen aber mehr als zweifelhaft. Aber das ist jetzt wirklich völlig o.t.!

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ekel und das Mikroskopie-Forum
Beitrag von: Robert Götz in Mai 23, 2010, 12:47:47 NACHMITTAGS

ZitatIn den USA gibt es zuverlässige Home-HIV Tests die nur einen Tropfen Blut brauchen, die sind aber hier nicht zugelassen, weil man den Patienten mit dem Ergebnis nicht alleine lassen will.

Das hört sich so schön fürsorglich an, aber ist der Grund nicht eher, dass dann die Meldung an das Gesundheitsamt unterbleibt?

(ich weiß, ich weiß, das ist OT)

Gruß
Robert Götz