Hallo Leute,
ich war eine ganze Weile nicht mehr hier. Nachdem ich von Claus neue Okulare bekommen habe, konnte ich in den letzten Monaten endlich mal ein Paar brauchbare Fotos machen. Nun habe ich gerade angefangen die Entwicklung einer Schneckenart zu dokumentieren.
Gestern und heute habe ich die Larven fotografiert und es ist eindeutig, dass die Tiere wachsen.
Meine Frage ist nun, wie ich die Größe der Larven abschätzen kann.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42423_22520886.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42423_6806944.jpg)
Beide Bilder sind im Abstand von 24 Stunden bei 400-facher Vergrößerung aufgenommen.
Gibt es eine Faustregel wie breit das sichtbare Feld bei 400-facher Vergrößerung ist? Oder kann ich irgendwie anders herausfinden wie groß die Larven sind?
Liebe Grüße Maike
Hallo Maike,
das einfachste ist, für jedes Objektiv den Durchmesser mit einem mm-Maß als Objekt zu messen. Beim Objektiv 40x ist der unter 1 mm, da braucht man dann entweder ein Okularmikrometerplättchen, den Spalt einer Schieblehre oder ähnliches. Bei dem Schneckenlaich reicht aber sicher ein kleineres Objektiv. Hat man diese Werte, kann man auf dem Bildschirm oder Ausdruck mit dem Kreis sogar die Größe eines Objekts recht genau durch Vergleich ausmessen.
Hallo Maike,
Zitat von: schnecken-maike in Juni 17, 2010, 07:37:03 VORMITTAG
Gibt es eine Faustregel wie breit das sichtbare Feld bei 400-facher Vergrößerung ist? Oder kann ich irgendwie anders herausfinden wie groß die Larven sind?
... wäre eigentlich nicht sooo schwer gewesen, das durch die Suchfunktion rauszukriegen - das Thema hatten wir hier schon mehrfach, gehört eigentlich zum kleinen 1x1. Also:
Sehfelddruchmesser in mm = Sehfeldzahl (des Okulars) geteilt durch Objektivmaßstab.
Beispiel:
Angaben auf dem Mikroskop:
Okular: 10 / 20 (bedeutet 10 fache Vergrößerung, Sehfeldzahl 20)
Objektiv: 40 / 0.65 (Maßstab 40, n.A. 0.65)
Dann ergibt sich für den Druchmesser des gesehenen Feldes: Sehfeldzahl (Okular) 20 / 40 (Objektivmaßstab) = 0,5 mm.
Viele Okulare haben ein 18er Sehfeld, da landet man dann im 40er-Objektiv bei einem Sehfelddruchmesser von 0,45 mm.
Beachte, dass der Sehfelddurchmesser
unabhängig vom Maßstab des Okulars ist (10x, 12,5x ...).
Die Methode ist brauchbar, aber halt nur "Pi mal Daumen". Wenn Du genau wissen willst, wie groß die Biester sind - z.B. für wissenschaftliche Veröffentlichungen - musst Du messen. Da brauchst Du dann aber zwingend ein Objektmikrometer und ein Okularmikrometer. Das kann dann echt in Arbeit ausarten ;D.
Gruß
Ulf
Hallo Maike,
es gibt sog. Objektmikrometer, das ist ein auf einen normalen Objektträger aufgebrachte Skala, meist 2mm in 200 Teile geteilt (Abbildungen findest Du in anderem Zusammenhang im Artikel "Kombination von Okularen und Objektiven unterschiedlicher Hersteller" im Forum 'Gerätetechnik'). Für grobe Schätzungen reicht es aus, wenn Du weisst, wievielen Teilstrichen (1TS = 10 µm) Dein Okular-Sehfeld in Etwa entspricht. Ein Zeiss Plan 40 mit KPL 10x Br bildet ca. 45 TS oder 450 µm ab, wenn ich mich nicht verzählt habe ;D
Für genaue Messungen müsstest Du noch zusätzlich eine Okularstrichplatte oder ein Okularnetzgitter haben, welche dann für jedes Deiner Objektive mit dem Objektmikrometer geeicht wird.
Gruß, Joachim
...bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden...
Wenn Sie die Größen nur visuell bestimmen wollen, reicht ein Okularmikrometer aus. Je nach eingesetzter Hardware müssen Sie mit Toleranzen im Bereich von 5-20% rechnen.
Wenn Sie die Größen auf den Bilder ausmessen wollen, nehmen Sie eine Messsoftware und kalibrieren Sie diese für jedes Objektiv mittels Objektmikrometer. Je nach Sorgfalt erreichen Sie hier eine recht gute Genauigkeit.
Es gibt eine Einschränkung, nämlich wenn sie eine Kompaktkamera mit Varioobjektiv einsetzen. Hier muß man einkalkulieren, das die mangelhafte Reproduzierbarkeit der Kameraobjektivbrennweite zu Abweichungen führt. Das müssen Sie ausprobieren und dann je nach Anforderung jeweils neu Kalibrieren ohne danach die Zoomfunktion noch einmal anzufassen.
Werner Jülich
Hallo,
Das einfachste, billigste und schnellste Verfahren ist einfach ein Objektmikrometer unter den gleichen Bedingungen zu fotografieren wie die Probe. Dann ist man unabhängig von allen variablen Mikroskop- und Kamera-Parametern. Man kann dann Bilder des Objekts und des Objektmikrometers einfach ausdrucken und ersteres mit letzterem wie mit einem normalen Lineal ausmessen ;). Fettich!
Gruß, Olaf
Ganz sicher nicht.
Wenn ich nicht sicherstellen kann, dass die Abbildungmaßstäbe konstant sind, dann habe ich ein Problem. Kameras mit Zoomoptik sind aber nicht immer in der gleichen Position, weil dies nur für die Endanschläge reproduzierbar möglich ist und diese aus verschiedenen Gründen nicht immer gewählt werden können.
Gleiches gilt auch für die manuellen Pankraten, auch da geht man immer von bis zu 5% Abweichungen aus.
Werner Jülich
Hallo,
Olaf hat es wohl so gemeint, dass man am Ende einer Foto-Session das Objektmikrometer fotografiert ohne an dem Zoom etwas zu ändern. So mache ich das manchmal auch. Wenn es nur um eine Abschätzung geht, kann man aber auch Durchmesser des Gesichtsfeldes als Anhaltspunkt nehmen. Ich mache das dann so, dass die vier Ecken gerade noch zu erkennen sind und nehme diesen diagonalen Durchmesser für 18 oder 20 mm dividiert durch die Vergrößerung. Der Rest ist Dreisatz.
Im Übrigen bieten eigentlich alle Bildauswertungsprogramme wie ImageJ oder auch AxioVisision lite die Möglichkeit, dies halbautomatisch zu machen. Da wird der Dreisatz quasi elektronisch durchgeführt. Aber einen Standard, das Objektmikrometer oder eine andere bekannte Größe braucht man auch da.
Herzliche Grüße
Detlef Kramer
ZitatOlaf hat es wohl so gemeint, dass man am Ende einer Foto-Session das Objektmikrometer fotografiert ohne an dem Zoom etwas zu ändern.
Natürlich habe ich das so und nicht anders gemeint!!!! In Zeiten der Digitalfotografie kosten die Bilder ja nichts und das Objektmikrometer ist eh zur Hand. Also Objekt fotografieren, und direkt danach, also ohne irgendetwas außer der Schärfeneinstellung zu verändern, das Objektmikrometer auch fotografieren. Da mich niemals die Vergrößerung interessiert, sondern reale Maße des Objekts, brauche ich auch nicht zu rechnen, sondern mit meinem Maßstab nur abmessen. Eine Angabe der Vergrößerung ist sowieso Quatsch, da diese von der endgültigen Darstellung abhängt. Mit anderen Worten: auf dem 17'' Bildschirm ist die Vergrößerung anders als auf dem 19'' Bildschirm.
Gruß, Olaf
Hallo,
vielen Dank für die Antworten.
Mit der Suchfunktion habe ich es probiert, wusste aber nicht recht was ich als Suchbegriff eingeben sollte und habe nichts gefunden.
Auf meinem Okular steht leider nur 10x. Ohne eine Sehfeldzahl. Ein Objektmikrometer habe ich nicht. Allerdings brauchts hier auch nicht zu genau sein. Dass das Tierchen nun etwa einen halben Millimeter misst reicht mir als Angabe aus.
Ich hatte irgendwo gelesen man könne sich einen Maßstab mit dem Kopierer auf 10 % verkleinern und auf Overheadfolie drucken, die man dann auf den Objekträger klebt. Ich bin mir aber nicht sicher ob das an Maßstab auch nur annähernd hin kommen würde. Da müsste der Kopierer schon sehr feine Linien drucken und auf der Folie nichts verlaufen.
Liebe Grüße Maike
Hallo Maike,
wenn Du das Okular heraus nimmst und von unten betrachtest, solltest Du eine Begrenzung erkennen. Die kannst Du mit dem Lineal ausmessen. Ist bestimmt 18 mm.
Die Sache mit dem Kopierer geht auch, allerdings schätzungsweise nur bis zum 10 x Okular, was Dir reichen würde.
Nur Mut!
Detlef
Eine Frage:
wie verhält sich denn die Vergrößerung zur Brennweite?
Ist es so, dass wenn 23mm meinetwegen bei einer konkreten
Kamera mit immer dem selben Objektiv eine Vergrößerung von 2 ergibt,
dass dann 46mm eine Vergrößerung von 4 ergibt?
Herzliche Grüße
Timm
Hallo Timm,
entschuldige, aber die Frage ist nicht unbedingt sinnvoll. Die Antwort ist natürlich: ja. Aber das bezieht sich ja nur auf den Chip/Film. Dann kommt ja die Übertragung auf Papier/Bildschirm und da ist die Vergrößerung ja viel größer und unabhängig von der auf dem Chip/Film. Das erklärt auch, wie viel sinnvoller es ist, einen Maßbalken anzugeben.
Herzliche Grüße
Detlef
Hallo Detlef,
klar, über Maßbalken rede ich ja gar nicht, da bin ich Fan!
Aaaber! Wenn die Antwort ,,ja" lautet, ist doch die nächste Frage,
worin dann das Problem der nicht immer in die gleiche Zoomstellung
fahrenden Kamera besteht!
Die Brennweite des Fotos steht doch in den EXIF-Daten des Fotos, man
kann also dann, wenn die Antwort ja lautet, einfach für jedes Objektiv
das Objektmikrometer fotografieren und wenn man mit der Brennweite
mal ein paar Millimeter daneben liegt, einfach anhand der EXIF-Daten
die Länge entsprechend umrechnen.
Das sollte doch für Fotos im Amateurbereich dann dreimal ausreichend
sein!
Viele liebe Grüße
Timm
Hallo Timm,
" Wer rechnet ist immer in Gefahr sich zu verrechnen. Die einfache Kuh findet immer das richtige Gras :D :D" ... so stand's auf der Vorderseite meines Mathematikheftes in der Oberstufe - sehr zum Ärger meines Lehrers.
Ein Objektmikrometer zu beschaffen ist ja nun wahrlich kein großer Akt und dann ist der von mir oben beschriebene Weg doch wirklich der einfachst, sicherste und schnellste.
Gruß, Olaf
Lieber Timm,
es kann sein, dass ich Deine letzte Frage nicht richtig verstanden habe. Jedenfalls:
Zitateinfach für jedes Objektiv
das Objektmikrometer fotografieren und wenn man mit der Brennweite
mal ein paar Millimeter daneben liegt, einfach anhand der EXIF-Daten
die Länge entsprechend umrechnen.
ist das korrekt, das habe ich auch schon so gemacht. Umständlich und zeitaufwendig (ein paar Minuten), aber es geht.
Herzliche Grüße
Detlef
Hallo Olaf
der von mir beschriebene Weg beginnt mit dem abfotografieren des Objektmikrometers
aber eben nur ein mal pro Objektiv und Kamera!
Ob, wie du so kühn behauptest, das mehrmalige Anwenden des
Dreisatzes tatsächlich langsamer und schwieriger ist, als das genau so häufige abfotografieren des Objektmikrometers und neu zeichnen des Maßbalkens inkl. eventuellen immergierens und reinigens des Objektmikrometers hängt, würde ich sagen, zumindest stark von den individuellen Fähigkeiten abhängen.
Ganz so fatalistisch wie Du bin ich jedenfalls nicht, was die Fehleranfälligkeit des Dreisatzes angeht!
Immer vorrausgesetzt dass die obige Annahme stimmt, versteht sich!
Herzliche Grüße
Timm
Hallo Detlef,
genau so war meine Frage gemeint! Herzlichen Dank für die Klarstellung und die Bestätigung!
Das mit den paar Minuten kommt mir allerdings spanisch vor, ich hätte jederzeit eine Flasche guten französischen gewettet, dass das in deutlich unter 10s erledigt ist!
Herzliche Grüße
Timm
Hallo Timm,
ich habe - wahrscheinlich wie auch Du - den Dreisatz erlernt als man das in der Schule noch wirklich rechnen lernte (Abi 1967). Ich bilde mir schon ein, dass ich auch heute nach einigen Jahrzehnten noch ganz gut damit klarkomme. Hast Du aber jemals versucht, ein solches Verfahren einem Rudel von bis zu 80! Neuabiturienten aus der post-2005 Abiturienten-Generation aus NRW (Gesamtschulen etc.) beizubringen? Dazu reichen definitiv meine didaktischen Fähigkeiten, auf die ich früher einmal ziemlich stolz war, nicht aus :( :(.
Immergieren gibt es in der Mineralogie nicht, Reinigen würde ich aber auch bei Gebrauch von Ölimmersion beherrschen. Ich behaupte immer noch, daß mein direktes Verfahren schneller, anschaulicher und einfacher ist, vor allem, wenn man mehrere Objektdetails ausmessen muß.
Herzliche Grüße,
Olaf