Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: peter-h in Juni 26, 2010, 14:42:06 NACHMITTAGS

Titel: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: peter-h in Juni 26, 2010, 14:42:06 NACHMITTAGS
Liebe Mikrofotografen und Pixelsüchtige  ;)

heutige Technik und ein gut gefüllter Geldbeutel erlauben fast alle Grenzen der fotografischen Kunst zu sprengen. Aber wo wird es sinnlos, oder wo zwingend nötig?

Dazu das nachstehende Bilderrätsel:
3 Bilder unter möglichst identischen Bedingungen, nur die Kamera und Adaption gewechselt.
Wie alle Tests ist auch dieser Vergleich leicht anzugreifen und vielleicht werde ich gedanklich in der Luft zerrissen. ;D

Objektiv CZJ Apo 63/0,95 , Bilder in Graustufen gewandelt (besser vergleichbar).

Kamera 1 - Imaging Source DBK 41 CCD Kamera (1,3 Mega Pixel) über PK10x und Zwischenoptik 12,5mm, etwas nachbearbeitet
Kamera 2 - Canon EOS 450D (12 Mega Pixel) über Zeiss Mipro63 und Zwischenoptik für EOS
Kamera 3 - Imaging Source DFK 72 COMS Kamera (5 Mega Pixel) über PK10x und Zwischenoptik 12,5mm


Bild A
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42953_64866384.jpg)

Bild B
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42953_33306148.jpg)

Bild C
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42953_22381670.jpg)

Welche Kamera hat welches Bild geliefert?
Für die Experten ganz einfach  ;D ;D ;D

Ein schönes, warmes Wochenende wünscht
Peter Höbel
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Jürgen Boschert in Juni 26, 2010, 14:48:56 NACHMITTAGS
Hallo,

meine Vermutung:




Bild A       Kamera 3
Bild B       Kamera 1
Bild C       Kamera 2

Gruß !

JB
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: derda in Juni 26, 2010, 14:59:55 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

total sinnfreier Test.

VG

Erik

Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Werner Jülich in Juni 26, 2010, 18:19:31 NACHMITTAGS
Solche Aufnahmen sind immer angreifbar. Aber dieses Beispiel ganz besonders.

Wir können nicht erkennen, wie gut die Dynamik der Kameras ist. Das sollten wir aber.
Wir können nicht bewerten, wie gut das mitgelieferte Farbmanagement ist. Das sollten wir auch.

Wir können aber erkennen, dass Sie eine Kombination aus Probe und Optik gewählt haben, die zuverlässig verhindert, dass wir Unterschiede leicht bemerken.

Wie wäre es mit einer Aufnahmenserie mit einem Objektiv 20x/0,6-0,8 und einem Präparat, das mindestens 10 Bit Dynamikumfang hat.

Ein schönes Wochenende

Werner Jülich

Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Rawfoto in Juni 26, 2010, 18:39:06 NACHMITTAGS
Hallo Peter

Auch ich finde den Test nicht für sehr aussagekräftig. Wie viele Megapixel man benötigt hängt vor allem vom gewünschten Bildformat ab. Meine Erfahrung ist, dass man mit z.B. 4 Megapixel bis A4 in den Kunstdruck gehen kann, diese aber problemlos bis A3 für den Fotodruck optimieren kann. Mit z.B. 21 Megapixel kann beim A3 Kunstdruck (übrigens, ich meine Offset) noch ein Ausschnitt gemacht werden, es gibt also eine Reserve bei der Datenmenge ...

Ab ca. 12 Megapixel, eine professionelle Kamera vorausgesetzt, kann der Bilddatensatz in Richtung volle Plakatwand optimiert werden. Eine wesentliche Rolle spielt also auch der Betrachtungsabstand ...

Entscheidend für, wie viel Geld gebe ich aus, sollte also ein genaues Bild des persönlichen Ziels sein ...

Aussagekräftig wird's also erst wenn ein Ausschnitt aus einem A2 Datensatz gezeigt wird, sagen wir z.B. ein 10x15cm großer ...

:-)

Gerhard

PS: mir ist sehr wohl bewusst, dass nicht nur die Megapixel-Auflösung zählt, wenn diese aber bei größeren Ausgabeformaten nicht da ist geht gar nichts mehr ...
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Werner Jülich in Juni 26, 2010, 18:56:15 NACHMITTAGS
Hallo Gerhard
es geht schlicht und ergreifend um den Verlust der entsteht, wenn die Kamera nicht leistet, was das Objektiv leisten kann.
Nennen wir es den Anpassungswirkungsgrad Objektiv-Kamera.

Werner Jülich
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Rawfoto in Juni 26, 2010, 19:09:49 NACHMITTAGS
O.k. Werner, verstehe ich jetzt. Nichts desto, mit den Bildern muss ja was geschehen und am Ende der Kette habe ich z.B. einen Offsetdruck, einen Fotodruck, ein Bild am Bildschirm, ... Daher muss das Entscheidungskriterium doch das jeweilige "Endprodukt" sein ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Werner Jülich in Juni 26, 2010, 20:13:45 NACHMITTAGS
Die typische Antwort des Fotografen.
Aber viele Mikroskopaufnahmen will man zur Dokumentation und für Auswertungen.
Die NA gibt uns eine Aussage über die Auflösung. Objektive mit z.B. kleiner Vergrößerung und hoher NA sind in der Regel teurer und dann will man auch die Objektivleistung auf dem Bild haben. Der Betrachtungsabstand ist dabei völlig irrelevant, den wird man immer optimal wählen.

Werner Jülich
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Rawfoto in Juni 26, 2010, 21:08:23 NACHMITTAGS
Ja, in mir spricht der Fotograf, da hast Du vollkommen recht:-)

Für mich ist es im Prinzip unbedeutend ob ein gutes Bild im Micro-, im Makro- oder im Telebreich entsteht, es steht das jeweilige Bild und seine Faszination für sich und der Betrachter entscheidet ob es gefällt oder nicht. Ich verstehe, dass viele KollegInnen die Dokumentation im Vordergrund haben. Wenn ich mir die wirklich tollen Bilder im Forum ansehe dann bin ich meist hell auf begeistert und mein Interesse ist mehr als geweckt...

Wenn ich ein Bild optimiere und für die Ausgabe vorbereite müssten doch eigentlich die gleichen Bedingungen/Regeln gelten wie bei allen anderen Genres der Fotografie. Der Fotograf, ich betone das Wort, muss im "Normalfall" auf einen bestimmten Betrachtungsabstand (Bereich) die Bilddaten aufbereiten. Das dann der Betrachter für sich entscheidet aus welchem Abstand das Bild betrachtet wird verstehe ich. Wenn wir bei der Optimierung danebenliegen wird das Bild gnadenlos durchfallen (bittere Erfahrung aus meiner ersten Fotoausstellung vor über 25 Jahren) . Wieso spielt also der Betrachtungsabstand da keine Rolle?!? Es sind doch die gleichen menschlichen Augen die das Bild betrachten und einen Kreis als Punkt auflösen, oder eben ab einer bestimmten Größe als Kreis ...

Das mit der NA bei den Objektiven habe ich (und meine Brieftasche) auch schon zu spüren bekommen :-) Auch in meinem Weltbild will man so viele Details über das Objektiv auf den Sensor, durch die Bildbearbeitung in Richtung Endergebnis bringen. So habe ich auch dieses Rätsel verstanden. Wo liegt mein Denkfehler, was ist in der Mikrofotografie anders?!? Ich grüble da wirklich gerade krampfhaft nach ...

:-)

Gerhard   
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Horst Isele in Juni 26, 2010, 21:11:31 NACHMITTAGS
@Rawfoto

Bei den benötigten Auflösungen für den Offsetdruck irrst du dich ein wenig.

Normaler Offsetdruck arbeitet mit einem 60er Raster; Kunstdruck (hochwertiger Offsetdruck) sogar mit einem 110er Raster. Das bedeutet, mit 60 (bzw. 110) Rasterpunkten pro Zentimeter.
Das sind dann 150 (bzw. 275) Punkte pro Inch.
Normalerweise wird mit einem Sicherheitsfaktor von 1,5 bis 2,0 gerechnet. Was dann 300 (bzw. 550) "dpi" ergibt. (dpi = dot per inch)
Bei A4 (ca. 8 x 12 Inch) also so ungefähr 2400 Punkte x 3600 Punkte; ergibt ca. 8 MB bei normalem Offsetdruck. Für Kunstdruck (110er Raster) in der Grösse A4 also schon knapp 25 - 30 MB.
Bei grösseren Formaten kommt dann schon bald der Effekt des grösseren Betrachtungsabstandes zum tragen – dann muss keine grössere Auflösung mehr her.
Das alles für hochwertigen Offsetdruck.

Es geht natürlich auch mit etwas weniger Auflösung. Gute Bildverarbeitung vorausgesetzt. Man sieht das aber immer.
Du benötigst also immer zwischen 150 und 300 dpi Auflösung für den Offsetdruck. Wenn du Ausschnittsvergrösserungen machen willst, noch mehr.

Gruss Horst

PS
Was deine Mikroskopoptiken und dein Adaption hergibt, ist dann noch eine weitere Geschichte.
Ich erörtere hier nur die Druckgeschichte; von der verstehe ich was.
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: hinrich husemann in Juni 26, 2010, 21:35:32 NACHMITTAGS
Hallo,
ich halte es hier zunächst mit Herrn Jülich.
Unter den von Herrn Höbel unter 1) und 3) angegebenen Abbildungs-Bedingungen (so ich sie richtig interpretiert habe) braucht man zur Ausschöpfung des Auflösungsvermögens des 63/0,95 -Objektivs mit einem 2/3"-Sensor (8,8X6,6 mm2, ich nehme mal einfach einen solchen an) rechnerisch etwa gut 2 Mega wirksame Pixel auf diesem.
Wie man die dann ins endgültige Bild bringt, ist eine andere Frage. Mehr gibt sicher "schönere" Bilder, erschließt aber keine zusätzlichen Details des Objektes.
Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: felix in Juni 26, 2010, 22:08:23 NACHMITTAGS
Hallo Herr Höbel,

im Prinzip ein sehr sinnvolles und aussagekräftiges Eperiment.  Es zeigt sehr schön, daß man sich vor dem Kauf einer Kamera überlegen sollte, was man damit zu welchen Zweck festhalten möchte.  Unter Umständen reichen 1,3 Megapixel völlig aus und vielleicht ist man dann mit einer SW-Kamera auch noch viel besser bedient als mit einer Farbkamera.

Es ist ein wenig merkwürdig, daß viele Mikroskopiker, die über den Wunsch von Novizen nach einem Einstiegsmikroskop des Typs "Eierlegende Wollmilchsau" lächeln, nichts dabei finden, nach einer scheinbar universalen Kameralösung zu verlangen.  Das führt dann oft zu teuren Fehlentscheidungen.

Gruß! -- felix
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Werner Jülich in Juni 27, 2010, 07:07:50 VORMITTAG
Der Wunsch nach schönen Aufnahmen wird nach meiner Erfahrung am besten dadurch erfüllt, dass sich der Einsteiger eine DSLR kauft.
Peter Höbel hat in einem früheren Beitrag zu Recht auf die beschränkte Lebensdauer dieser Kameras hingewiesen, doch ist es wirklich so dramatisch, 1-2 Cent pro Aufnahme zu zahlen?
Billige CMOS-Kameras haben zwar einige Vorteile, sie sind leicht und halten länger, aber im Punkt Bildqualität sind sie im Normalfall chancenlos. Der Einsteiger, der mit einer solchen Kamera anfängt, wird dann halt noch ein zweites Mal investieren müssen. Ich bin mir nicht sicher, ob Einsteiger dies hier erkennen können.
Monochromkameras sind ein Sonderfall, typisch in der Fluoreszenzmikroskopie, wo es bei schwacher Fluoreszenz auf jedes Photon ankommt. CMOS wäre da aber ein Widerspruch, weil im Vergleich zur CCD der Wirkungsgrad (lichtempfindliche Fläche) zu gering ist. Ich sehe daher überhaupt keinen Markt für monochrome CMOS. Monochrom=CCD, ich glaube, die Gleichung ist richtig.

Werner Jülich
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: sirdul in Juni 27, 2010, 08:57:06 VORMITTAG
Hallo,

ich vermute, wie Herr Boschert,

Bild A       Kamera 3
Bild B       Kamera 1
Bild C       Kamera 2

Gruß aus Kronach

Ludger Benning
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: peter-h in Juni 27, 2010, 10:57:12 VORMITTAG
Liebe Leser,

Kritik habe ich erwartet, so heftig ... na ja !
Was sollte der Beitrag ?  Einfach nur zeigen, dass man schlechte Bilder mit einer 12 MPixel DSLR, einer 5 MPixel CMOS und einer 1,3 MPixel CCD machen kann. Bzw. dass es bei der Bildgröße im Forum unmöglich ist diese Unterschiede zu erkennen.

@Herrn Jülich,
einem Anfänger eine DSLR zu empfehlen ist mutig. Es sei denn, Geld spielt keine Rolle. So sehe ich es. Aber wenn schon, dann bitte eine Vollformat! Die paar Kilo € hat man doch noch übrig.  Sicher kommt dann noch die Blitzeinrichtung dazu denn das Mechanikgewitter bei Serienaufnahmen ist nicht ohne!
Sprechen wir eigentlich über den Amateurbereich  ???

Monochrome=CCD , warum nicht. Ich mache meine UV-Aufnahmen auch nur mit einer CCD-Kamera. Aber bleibt die Technik stehen? Ich rate dringend sich bei Zeiss einzuloggen und sich die Kameratechnik incl. der Preise anzusehen !

Eine Kaufempfehlung würde ich nicht abgeben wollen, zu unterschiedlich sind die Anforderungen, Erwartungen und die bereits vorhandene Technik, ganz abgesehen vom schlanken oder prallen Kontostand.

Wer es nun doch noch wissen will, wie die Reihnefolge der Bilder war:
A = 12 MPixel DLSR
B =  5 MPixel COMS
C = 1,3 MPixel CCD

Fazit für mich :
Besser kein Technikthema beginnen! Schon einmal hatte ich einen Versuch zum Thema LiveView gestartet und vermute, dass es bis heute bezweifelt wird, was ich messen konnte. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf - Christian Morgenstern


Einen schönen heißen Sonntag
Peter Höbel
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Peter V. in Juni 27, 2010, 11:07:20 VORMITTAG
Lieber Peter,

ZitatFazit für mich :
Besser kein Technikthema beginnen! Schon einmal hatte ich einen Versuch zum Thema LiveView gestartet und vermute, dass es bis heute bezweifelt wird, was ich messen konnte. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf - Christian Morgenstern

Warum nicht?? Warum so resigniert?
Ich bin immer interessiert an Technikthemen, und dass diese mnachmal kontrovers diskutiert werden, ist nun einmal so.
Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

http://www.plankmeister.de/jokes/Sprueche/irrtum.htm

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Werner Jülich in Juni 27, 2010, 11:51:21 VORMITTAG
Lieber Herr Höbel,
ich haben nicht die geringste Veranlassung, an Ihren akribisch gewonnenen Ergebnissen zu zweifeln, aber im konkreten Fall habe ich auf die Schwachpunkte hingewiesen und dabei sollten wir es dann jetzt auch belassen.

Zu unseren Kameraempfehlungen.
Ich kann auf eine Datenbank zurückgreifen und da sieht es wie folgt aus:
Beim Kauf eines Amateurmikroskopes mit Fotoausgang ordern
ca. 10% der Kunden den Adapter für digitale Kompaktkameras.
ebenfalls ca.  10% einen Videoadapter mit 0,5er oder 0,63er Zwischenoptik
aber mehr als 25% einen Adapter zum Anschluss einer Spiegelreflex.
über die Hälfte kauft erst einmal keinen Kameraadapter.

Bei den Profis sieht die Welt anders aus.
ca. 50% kaufen einen Videoadapter
aber immerhin fast 20% einen Adapter zum Anschluss einer Spiegelreflexkamera
der Rest wartet erst einmal ab.

Was die Kosten betrifft, das entscheiden die Kunden, aber was die Beratung betrifft, da favorisieren wir, wenn die Anwendung es zulasst, ganz klar die Spiegelreflex, wobei wir auf die möglichen Probleme hinweisen.
Nebenbemerkung, mit dem Siegeszug der digitalen Spiegelreflexkameras wird die Luft für die klassischen Mikroskopkameras zunehmend dünner, siehe auch die Reaktion von Zeiss, Axiovision goes EOS, um es einmal flappsig auszudrücken. Nebenbei bemerkt unser Bonntec Imaging kann seit Ende 2008 ebenfalls die EOS-Reihe, ein Beispiel sind die Aufnahmen von Jan-Peter Frahm, die auf diesem Weg entstanden sind.

Man muß kein Prophet sein um, zu sehen, dass der Siegeszug der DSLR auch in der Mikrofotografie nicht aufzuhalten ist.  Es bleiben noch ein paar Reservate für die Mikroskopkamera, aber wer nur ein paar hübsche Farbaufnahmen braucht.....

Danke für den Tipp bzgl. der Zeiss-Seite.

Werner Jülich


Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Ulf Titze in Juni 27, 2010, 12:34:22 NACHMITTAGS
Liebe Mitleser und Mitdiskutanten,

Zitat von: Werner Jülich in Juni 27, 2010, 11:51:21 VORMITTAG

Man muß kein Prophet sein um, zu sehen, dass der Siegeszug der DSLR auch in der Mikrofotografie nicht aufzuhalten ist.  Es bleiben noch ein paar Reservate für die Mikroskopkamera, aber wer nur ein paar hübsche Farbaufnahmen braucht.....


Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Satz auch reif für die Sprüche-Liste von Herrn Voigt ist. Die DSLR mag Ihre Stärken in puncto Bildqualität haben, aber vergessen wir bitte nicht, dass die Zukunft z. B. in der medizinischen Diagnostik nach möglichst wenig aufwändiger Bilddokumentation und daher in der Konsequenz nach virtueller digitaler Mikroskopie schreit. Wie sowas aussehen kann, kann man sich auf der Seite der Internationalen Akademie für Pathologie unter "digitale Lehrserien" ansehen.

Und es wird wohl keinen berechtigten Zweifel geben, dass dies der Markt sein wird, der den größten Einfluss auf die weitere Produktentwicklung hat. Ich kann mir nicht vorstellen, in der Pathologie meine Serien von Bildern mit einer DSLR abzuknipsen.

"Reservate" würde ich diesen Markt jedenfalls nicht nennen!

Grüße

Ulf Titze

Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Werner Jülich in Juni 27, 2010, 12:53:23 NACHMITTAGS
Hallo Herr Titze,
ich hätte nicht Reservat schreiben sollen, auch nicht Nischenmarkt, sondern Spezialanwendungen. Dazu gehören sicher auch Pathologen und noch weitere 99 andere Anwender, die dazu führen, dass es immerhin eine größere 3-stellige Zahl dieser Spitzen-CCD-Kameras gibt, die pro Jahr von den großen Vier in Deutschland verkauft werden.
Inzwischen habe ich aber immerhin zwei Pathologen in der Kundschaft, die neben der AxioCam auch eine EOS adaptiert haben.

Es wird hoffentlich ein Markt für gute Mikroskopkameras bleiben, ich denke aber, er schrumpft sehr schnell, man sollte sich da nicht täuschen. Und mit sinkenden Verkaufszahlen explodieren die Kosten für F&E und Support, auch nicht hilfreich.

Werner Jülich

Ich muß nicht betonen, dass wir keine Spiegelreflexkameras verkaufen, sondern uns auschliesslich im als schrumpfend beschriebenen Segment bewegen.

Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: wilfried48 in Juni 27, 2010, 13:12:52 NACHMITTAGS
Zitat von: Horst Isele in Juni 26, 2010, 21:11:31 NACHMITTAGS
@Rawfoto

Bei den benötigten Auflösungen für den Offsetdruck irrst du dich ein wenig.

Normaler Offsetdruck arbeitet mit einem 60er Raster; Kunstdruck (hochwertiger Offsetdruck) sogar mit einem 110er Raster. Das bedeutet, mit 60 (bzw. 110) Rasterpunkten pro Zentimeter.
Das sind dann 150 (bzw. 275) Punkte pro Inch.
Normalerweise wird mit einem Sicherheitsfaktor von 1,5 bis 2,0 gerechnet. Was dann 300 (bzw. 550) "dpi" ergibt. (dpi = dot per inch)
Bei A4 (ca. 8 x 12 Inch) also so ungefähr 2400 Punkte x 3600 Punkte; ergibt ca. 8 MB bei normalem Offsetdruck. Für Kunstdruck (110er Raster) in der Grösse A4 also schon knapp 25 - 30 MB.
...

Hallo,

obwohl hier etwas OT kann ich diese Ansicht hier nicht unkommentiert stehen lassen, da sie doch einen alljährlich
wiederkehrenden Streit mit den Druckern beim Drucken unseres Jahresberichts bzw. Postern wiederspiegelt.
Die Drucker reden bei dpi immer von dot per inch und das ist eben nicht gleichbedeutend mit pixel per inch, da ein pixel eben eine farbtiefe von 8 bit und meht hat und ein dot nur 1 bit.
In der oben angebebenen Rechnung von Herrn Isel sind also die für DIN A4 richtig errechneten 2400 x 3600 Punkte (dots) also nicht 8MByte sondern nur 8 Mbit also  1 MB.
Und für den Kunstsdruck braucht man nicht 30 MB dateien für A4 sondern eben nur 4 bis 5 MB.
Aufgrund dieses Denkfehlers werden die benötigten Auflösungen bei den Bilderfassungesgeräten die in Pixel denken meistens gewaltig überschätzt.
Wenn ein Scanner von 300 dpi redet meint er übrigens wirklich 300 Pixel/inch mit 8 oder mehr bit Tiefe um dieses Bild mit gleicher Auflösung und Farbtiefe zu drucken müsste der  Drucker  nicht mit 300 dot per ich drucken sondern mit dem 16 fachen also 4200 dot per inch, da er zum Drucken von 256 Graustufen ein Raster von 16 x 16 dots braucht um einen Bildpunkt des Scanners richtig wiederzugeben.

viele Grüsse
Wilfried



Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Ulf Titze in Juni 27, 2010, 13:45:50 NACHMITTAGS
Zitat von: Werner Jülich in Juni 27, 2010, 12:53:23 NACHMITTAGS

Es wird hoffentlich ein Markt für gute Mikroskopkameras bleiben, ich denke aber, er schrumpft sehr schnell, man sollte sich da nicht täuschen. Und mit sinkenden Verkaufszahlen explodieren die Kosten für F&E und Support, auch nicht hilfreich.


... das mag sein - zur Zeit.

Ich kann nur von meinen Erfahrungen in der Pathologie berichten. Hier sehe ich eine Zeitenwende auf uns zukommen, die nicht ohne technische Veränderung lösbar sein wird. Bei jeder fortgeschrittenen Tumorerkrankung, wird VOR der teuren Chemotherapie getestet werden, ob diese überhaupt wirksam ist, am besten in Konferenz mit den behandelnden Ärzten. In Zeiten des Qualitätsmanagements werden von einem Tumorzentrum engmaschige klinisch-pathologische Konferenzen gefordert. Will sagen: die Kommunikation wird immer wichtiger, und damit die Bilddokumentation. Zusätzlich ist die Archivierung aller Blockpräparate, Schnitte und Befunde zahlenmäßig schlicht nicht mehr machbar. Und hieraus ergeben sich - aus meiner Sicht - die sich wandelnden technischen Anforderungen: platzsparende digitale Archivierung und verbesserte Telekommunikation mit teilweise weiter entfernten Kliniken.

Allerdings, und dies scheint sich in dem von Ihnen beschriebenen Trend auszudrücken, müssen immer weniger Leute diese Aufgaben übernehmen. Die Zahl der Pathologen sinkt in Deutschland, die Zahl der angeforderten histologischen Untersuchungen explodiert, und zusätzlich kommen noch die molekularen Untersuchungen, die immer größeren Stellenwert bekommen. Und, das muss ich zugeben, ich mikroskopiere auch lieber mit einem richtigen Mikroskop, als mit einem Computer.

Dennoch steht ein Wandel bevor, durch den die digitale Mikroskopie in die Routinediagnostik Einzug halten wird, und der sich mit zunehmendem Konstendruck im Gesundheitssystem beschleunigen wird. Die "großen Vier" haben dies ohne Zweifel auch schon analysiert. Ich denke, dass die digitale Mikroskopie - auch bei derzeitiger Stagnation - noch in den Kinderschuhen steckt.

Grüße

Ulf Titze
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Rawfoto in Juni 27, 2010, 14:35:34 NACHMITTAGS
Lieber Peter

Deinem Beitrag und der folgenden Diskussion verdanke ich ein besseres Verständnis zwischen der NA und der Vergrößerbarkeit. Mit der Ausgabe von Bilddaten in den unterschiedlichsten Verfahren kann ich auf Erfahrungen aus den letzten 20 Jahren zurückblicken. Wie viel Nachvergrößerbarkeit ein Mikrobild in sich hat war mir nicht bewusst. Meine Bilder haben mir zwar gezeigt, besseres Objektiv, besseres Endergebnis aber ich kenne jetzt zumindest das Thema mit dem ich mich in den nächsten Tagen auseinandersetzen muss.

Sorry, das war mir zu Beginn nicht im geringsten bewusst & Danke an Dich da Du das Thema losgetreten hast und danke an alle anderen die zu der Diskussion beigetragen haben ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Horst Isele in Juni 27, 2010, 20:18:56 NACHMITTAGS
Zitat von: wilfried48 in Juni 27, 2010, 13:12:52 NACHMITTAGS

Wenn ein Scanner von 300 dpi redet meint er übrigens wirklich 300 Pixel/inch mit 8 oder mehr bit Tiefe um dieses Bild mit gleicher Auflösung und Farbtiefe zu drucken müsste der  Drucker  nicht mit 300 dot per ich drucken sondern mit dem 16 fachen also 4200 dot per inch, da er zum Drucken von 256 Graustufen ein Raster von 16 x 16 dots braucht um einen Bildpunkt des Scanners richtig


Genau das macht der Drucker auch. Druckplatten werden mit einem Belichter erstellt, welche mindestens 4800 Dots per Inch belichten können. Eben weil 256 Graustufen ein Raster von 16x16 benötigen.
Übrigens sind die 8 MB für A4 die unkomprimierte Ausgabe in ein TIFF, welches immer zu bevorzugen ist. Ebenso ist das die optimale Grösse. Etwas kleiner geht es auch.
Einfacher gesagt: Im normalen (nicht hochwertigen) Offsetdruck werden pro Zentimeter 60 Druckpunkte ausgegeben. Das sind dann mit 2-facher Reserve die 300 dpi, oder eben 120 Punkte pro Zentimeter für die Eingabe, damit es zu einer Ausgabe von 150 dpi sicher reicht. Der Belichter gibt die Punkte mit einer Auflösung von 2400 Punkten (150 x 16) aus, damit die 256 Graustufen abgebildet werden können. Wenn dann das Papier auch noch stimmt, dann können fast alle dieser 256 Stufen auch gedruckt werden. 4800 Dots benötigt der Belichter nur für sehr hochwertigen Druck mit 110er Raster oder allenfalls für frequenzmodulierten Raster.

Wir drucken selbstverständlich auch Bilder in A4 mit einer Dateigrösse von 1 MB (nicht Auflösung). Der Druck mit diesen Bildern ist aber immer mit Verlust behaftet sein, weil entweder die Auflösung zu klein ist, oder dann die Komprimierung verlustbehaftet durchgeführt wurde.


Gruss  Horst (von Beruf Druckingenieur)

PS
Hier eine Website, in der das Ganze gut erklärt ist.

http://www.graphisoft-nordbayern.de/architipp-wieviele-pixel-braucht-ein-bild_tipp_446.html
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: wilfried48 in Juni 27, 2010, 22:46:52 NACHMITTAGS
Hallo Horst,

dann sind wir uns ja einig und du meinst mit den 300 dpi nicht dot per inch sondern Bildpunkte per inch (mit 8 bit Farbtiefe) für die man dann 4800 dot per inch auf die Druckplatte belichten muss.

Dann solltet ihr Drucker das auch so benennen und nicht die gleiche Einheit für zwei verschiedene Grössen verwenden.

viele Grüsse
Wilfried (von Beruf Physiker, die es mit den Einheiten sehr genau nehmen)
Titel: Re: Rätsel - Diatomeen und Megapixel
Beitrag von: Horst Isele in Juni 28, 2010, 18:33:13 NACHMITTAGS
 ;D