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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: treinisch in Juli 05, 2010, 08:21:40 VORMITTAG

Titel: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: treinisch in Juli 05, 2010, 08:21:40 VORMITTAG
Liebe Mitglieder des Forums,

es gibt ja, abgesehen von POL-Filtern auch noch POL Kondensoren, POL Objektive, POL Tuben.
So wie ich das sehe, sind die letzteren mit spannungsfreien Linsen ausgestattet.

Frage: Braucht man unbedingt einen spannungsfreien Strahlengang, wenn man
die Polarisation nur ab und zu benutzen möchte um ein Bild ,,bunt" zu machen oder
Kristalle sichtbar zu machen?

Ich würde mir vorstellen, dass die spannenden Linsen einfach Intensität kosten, dass Bild
bei gekreuzten Filtern vielleicht weniger schwarz machen, was ja für qualitative Betrachtungen
nicht so das Drama wäre?

Viele liebe Grüße

Timm
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Detlef Kramer in Juli 05, 2010, 08:36:33 VORMITTAG
Ganz genau so ist es!

Detlef
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Hugo Halfmann in Juli 05, 2010, 09:09:53 VORMITTAG
Hallo Timm,

so isses !

1 Polfilter kommt auf die Leuchtfeldblende, einer "irgendwo" zwischen Stativ und Tubus.

Klaus Hermann nannte das bei mir Pol für Arme.  ;D

PS: "irgendwo" hab ich deshalb geschrieben, weil´s bei meinem Leitz ein wenig "frickelig" war, den Polfilter in der Aufnahme des Binotubus unterzubringen. Das Filterchen brauchte einen kleinen Haltering aus Messing, damit es da bleibt, wo es liegen soll. Manche Mikroskope sind ab Werk für solche Umbauten / Spielereien nicht vorgesehen.

Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Miner in Juli 05, 2010, 09:23:01 VORMITTAG
Zitat von: treinisch in Juli 05, 2010, 08:21:40 VORMITTAG
Ich würde mir vorstellen, dass die spannenden Linsen einfach Intensität kosten, dass Bild
bei gekreuzten Filtern vielleicht weniger schwarz machen, was ja für qualitative Betrachtungen
nicht so das Drama wäre?
Hallo Timm,
ich würde mal sagen: Intensität kosten sie nicht, und in der Tat machen sie das Bild ein wenig heller.
Ole
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: treinisch in Juli 05, 2010, 10:40:57 VORMITTAG
Hallo,

ganz herzlichen Dank für die Infos!

Herzliche Grüße

Timm
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: TPL in Juli 05, 2010, 12:01:31 NACHMITTAGS
Zitat von: treinisch in Juli 05, 2010, 08:21:40 VORMITTAGFrage: Braucht man unbedingt einen spannungsfreien Strahlengang (...)

Ein klares JA! ;)

Hallo Timm,
es ist natürlich so, wie Du selbst schon vermutest und wie es auch von Anderen bestätigt wurde: zur Beobachtung im Polarisationskontrast braucht man keine ausgesprochene POL-Ausrüstung.
In manchen der von Dir genannten Anwendungen wird man nicht einmal einen Unterschied beim Kontrast feststellen, da heute viele Objektive schon relativ spannungsarm sind. Allerdings sind die Chancen, ein kontrastreiches Pol-Bild zu erhalten bei den einfacher korrigierten schwachen und mittelstarken Objektiven am größten, weil da die Linsenzahlen und Krümmungsradien gering und die Fassungen mechanisch einfach sind. Es gibt dagegen nur ganz wenige Apochromaten, die spannungsarm sind. Zugegeben: eher ein Luxusproblem.

Sobald es aber ans Bestimmen oder Messen doppelbrechender Stoffe geht, wird es mit einer gewöhnlichen (auch sehr hochwertigen!) Mikroskopausrüstung lästig bis unmöglich. Mindestens genauso wichtig wie die spannungsfreie Optik wird dann nämlich die Möglichkeit, die Probe präzise um die Mikroskopachse zu drehen. Und das bedeutet, dass ein zentrierter Drehtisch her muss, die Objektive perfekt zentrierbar sein müssen, der tubus orientiert festgeschraubt werden muss und selbst die Okulare orientiert sein müssen. Die Ausrüstung und Bedienung so ausgerüsteter POL-Mikroskope ist selbst für erfahrene Mikroskopiker häufig gewöhnungsbedürftig (z.B. keine tiefliegenden Tischtriebe, Objektive dürfen nicht berührt werden, Fadenkreuz im Okular).

Also: für POL braucht man natürlich POL, nämlich hochwertige POL-Filter, die gekreuzt ein möglichst farbreines, gleichmäßig ausgelöschtes Bildfeld ergeben und durch eine Glasfassung den Beobachtungsstrahlengang nicht beeinträchtigen. Andere POL-Bauteile kann man sich für qualitative Betrachtungen getrost sparen - es sei denn....

Ja-haha: Es sei denn, man möchte auch Kontrastverfahren nutzen, die zwar das POL nicht im Namen führen, aber dennoch auf polarisationsoptischen Grundlagen basieren. Bestes Beispiel: Differentieller Interferenzkontrast nach Nomarski (DIK)!! DIK ohne spannungsfreie/arme Optik ist wie Cabriofahren mit geschlossenem Verdeck :P.

Schön POLarisierte Grüße, Thomas
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Jürgen Boschert in Juli 05, 2010, 12:17:00 NACHMITTAGS
Hallo Thomas,

Zitat... Bestes Beispiel: Differentieller Interferenzkontrast nach Nomarski (DIK)!! DIK ohne spannungsfreie/arme Optik ist wie Cabriofahren mit geschlossenem Verdeck ...

Einspruch Euer Ehren ! Bestes Beispiel: Zeiss-West. Hier war der (Nomarski-) DIC nie mit Pol-Objektiven vorgesehen, und der Zeiss-West-DIC gilt nicht gerade als der schlechteste.

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: TPL in Juli 05, 2010, 12:34:05 NACHMITTAGS
Einspruch abgewiesen, Jürgen:

Für den Auflicht-Interferenzkontrast nach Nomarski waren bei Zeiss-West ausschließlich spannungsfreie Objektive vorgesehen (nämlich die Epiplan-Pol-Köpfe mit 22 mm Abgleichlänge).

Beim frühen Durchlicht-Interferenzkontrast nach Nomarski waren es zwar scheinbar gewöhnliche Plan-Objektive, die Zeiss mit in die hübschen Holzkisten verpackt hat, aber wenn dies die originale Bestückung vom Werk ist wird man auf den Objektiven noch die Gravur eines horizontalen Strichs finden. Das waren die ausgewählt spannungsarmen Objektive!

Dein Einspruch ist natürlich dennoch berechtigt, denn es gab ja später eine Menge nicht ausdrücklich gekennzeichneter Objektive, die für DIK durchaus geeignet sind (kenne ich leider nicht aus eigener Anschauung). Mein Beispiel bezog sich aber auch eher auf die anderen Optik-Komponenten, abgesehen von den Objektiven. Ich denke, man hat bei Zeiss-West aus gutem Grund z.B. die INKO-Kondensoren mit spannungsfreien Frontlinsen (rote Gravur) ausgeliefert. Und auch eine spannungsfreie Hilfslinse ist da ganz sinnvoll, wenn man sich nicht dauernd über einen inhomogenen Bildhintergrund ärgern möchte. Das kann nämlich bei nicht-POL-Optikteilen im Strahlengang eine der lästigen Folgen sein (muss aber nicht).

Schönen Gruß, Thomas
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: olaf.med in Juli 05, 2010, 13:05:46 NACHMITTAGS
ZitatObjektive dürfen nicht berührt werden

Hallo Thomas,

auch hier ein kleiner Einspruch (und Nadelstich). Nicht-berühren der Objektive beim Wechseln gilt uneingeschränkt nur bei der Marke mit dem Doppel S (leidvolle Erfahrung aus über 30 Jahren Lehre mit diesen unmöglich konstruierten Dingern!). Bei den Pol-Mikroskopen mit dem Z im Namen gilt das nicht. Da ist die Zentrierung mechanisch so perfekt, dass ich mit meinem Revolver Karussell fahren kann, ohne dass die Zentrierung verloren geht  ;D ;D. Diese Art der Zentrierung kennt man übrigens seit 1876 - warum man bei der oben erwähnten Firma dann zu dieser Exzenter-Version gewechselt hat, ist mir völlig unerfindlich, aber vielleicht hast Du als treuer Anhänger eine einleuchtende Erklärung  ???

Sonnige Grüße, Olaf
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Jens Jö in Juli 05, 2010, 13:07:45 NACHMITTAGS
Hallo Timm,

vielleicht noch eines, aber das weißt Du vermutlich:
wichtig ist, daß der Analysator vor irgendwelchen Umlenkprismen sitzt. Die drehen nämlich . . .

Gruß
Alfred
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Nomarski in Juli 05, 2010, 14:30:05 NACHMITTAGS
Hallo,

ZitatIch denke, man hat bei Zeiss-West aus gutem Grund z.B. die INKO-Kondensoren mit spannungsfreien Frontlinsen (rote Gravur) ausgeliefert.
Auch bei einem Inko-Kondesor mit weißen Gravuren (Frontlinse und Basisoptik) funktioniert DIC.

ZitatFür den Auflicht-Interferenzkontrast nach Nomarski waren bei Zeiss-West ausschließlich spannungsfreie Objektive vorgesehen (nämlich die Epiplan-Pol-Köpfe mit 22 mm Abgleichlänge).
Gab es denn auch nicht-spannungsfreie Epiplan-Pol-Köpfe mit 22mm Abgleichlänge? ???

Beste Grüße
Bernd
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: elmar in Juli 05, 2010, 16:22:47 NACHMITTAGS
hallo timm,
jetzt mal was zu den kosten. mein leitz sm-lux habe ich mit zwei foto-polfiltern ausgerüstet. portofrei direkt aus hong-kong, der eine acht der kleine
fünf euro. mehr muss es nicht sein.
viel spass mit -pol-.
liebe grüsse  elmar
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Eckhard in Juli 05, 2010, 17:50:28 NACHMITTAGS
Hallo,

ZitatHier war der (Nomarski-) DIC nie mit Pol-Objektiven vorgesehen, und der Zeiss-West-DIC gilt nicht gerade als der schlechteste.

Der Umkehrschluss gilt! Mit allen Objektiven, die für DIC geeignet sind, lassen sich auch prima Pol Aufnahmen machen.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: Nomarski in Juli 05, 2010, 20:27:17 NACHMITTAGS
ZitatDer Umkehrschluss gilt! Mit allen Objektiven, die für DIC geeignet sind, lassen sich auch prima Pol Aufnahmen machen.


Na, dann versucht es mal mit dem Planapo 63/1,4 Öl.  :D  ;D  :D  ;D

Beste Grüße
Bernd
Titel: Re: Braucht man unbedingt „POL” für POL ?
Beitrag von: treinisch in Juli 05, 2010, 20:44:16 NACHMITTAGS
Hallo,

ich wollte mich an dieser Stelle noch mal schnell bei euch allen bedanken!

Es waren noch mal viele wertvolle und hilfreiche Hinweise dabei!
Es ist einfach immer wieder unfassbar wie viel Hilfsbereitschaft und Kompetenz
hier zusammen kommen.

Danke

Timm