Hallo,
ich stehe vor der Wahl ein gebrauchtes Zeiss West Ölimmersionsobjektiv F 100/1,25 oder Plan 100/1,25 (jeweils Endlichoptik mit Iris) zu erwerben. Wer kennt diese Objektive, und kann mir zu dem einen oder anderen Zu- oder Abraten? Das Objektiv soll zunächst im Dunkelfeld für Bakterienausstriche eingesetzt werden. Das F-Objektiv hat eine schlechtere Bildfeldebnung, die ich aber sicherlich akzeptieren kann. Möglicherweise hat dieses Objektiv weniger Linsen, was dem Bildkontrast zugute käme. Auffällig ist, dass das F-Objektiv einen Arbeitsabstand von 0,5 mm besitzt, während das Plan-Objektiv bei 0,09 mm liegt. Ist dies in irgend einer Weise relevant? Ist das Alter des Objektivs relevant, d.h. besteht ein gravierender optischer Unterschied zwischen einem Objektiv mit 6-stelliger Best.-Nr. und einem Objektiv mit 7-stelliger Best.-Nr.?
Vielen Dank
Gerd
Hallo Gerd,
ich fange mal ganz vorsichtig an...
Zu den Nummern von Carl Zeiss (West, Oberkochem, Göttingen)
Die 6-stellige Nummer, meist noch mit Bindestrich und folgender
4-stelliger Nummer, (Beispiel 46 04 40 - 9902), ist eine neuere
Katalognummer. Diese Art der Nummerierung wird von Carlo auch
heute noch vorgenommen.
Nummern aus dem Zeiss'schen Pleistozän waren in der Tat
7-stellig (Beispiel 4153852) und hatten keine mit Bindestrich
abgesetzte zusätzliche 4-stellige Zahl. Wann genau der Wechsel
von Serien- zu Katalognummer vorgenommen worden ist, entzieht
sich meiner Kenntnis, aber sicher wird hierzu einer der hier Mitlesenden
Kenner der Zeiss-Historie das eine oder andere markante Wort
finden...
Zum Alter des Objektives:
Es gibt durchaus 'Sahnehäubchen' aus den späten 50er Jahren, die brillieren
hinsichtlich Kontrast, Auflösung und 'Knackigkeit' auch heute noch nur so vor
sich hin, und es gibt 20 jahre alte Delaminationsleichen, die dennoch
in der Bucht ganz aufrichtig zum Verkauf mit dem Attribut 'tadelloser
Zustand'angeboten werden, weil manche dieser Linsenkitt-Trennungen
für das ungeübte Auge gar nicht erkennbar sind.
Egal, ob Bucht oder andere Quelle: Ich würde immer ein Recht auf
Rückabwicklung als Bedingung in die Verkaufsvereinbarung einbinden,
denn Delaminationen sind nicht reparabel und haben einen sehr schlechten
Einfluß auf die Abbildungsqualität.
Um es vorweg zu nehmen: es gibt durchaus Verkittungs-Trennungsphänomene,
die sich lediglich auf den Randbereich beziehen und wenig bis gar
keinen Einfluß haben, aber es gibt eben auch solche, die gerade im
Dunkelfeld optisch und auch fotografisch durch Halo- oder
Geisterbildeffekte das weitere Bearbeiten reichlich erschweren.
Objektive mit solchen Fehlern machen sich höchstens noch gut als
Zettel-Beschwerer...
Gerd,
das von Dir aufgeführte F 100/1,25 kenne ich nicht.
Der Arbeitsabstand von 500 µm ist bei Zeiss nicht so selten, da gibt
es hier im Forum genügend Diskussionen zum Nachlesen. Einziger
Nachteil: man braucht halt ein bisschen mehr Immersionsöl als sonst....
Demzufolge kann ich Dir aus meiner Sicht und aus meiner Kenntnislage
auch nur zum Plan 100/1,25 m.I. raten, wenn es denn im Frontlinsen-
bereich noch einigermassen vernünftig ausschaut (also keine 'Schützen-
gräben' vom Objektträgerhalter verursacht, womöglich noch linear-mittig
mit sauberer Schramme durch die Frontlinse ein Tal gezogen), die
Federung des vorderen Elements nicht erst nach einer Tonne Druck
nachgibt und keine Verbastelspuren an der zum Okular weisenden
Lochblende des Objektives zu sehen sind.
Allerdings ist das hier alles Theorie. Du musst Dir selbst im wahrsten
Sinne des Wordings ein Bild machen. Anfassen, ansehen, durchgucken,
benutzen, bewerten.
Dies, lieber Gerd, ist aus der Ferne und schon gar nicht per Theorie zu
entscheiden.
Demzufolge passt leider auch für Dich der Spruch: Fragen magst Du hier
sehr gern stellen, aber entscheiden musst dann Du ganz, ganz allein.
Freundlichen Gruß
Joachim