Liebe Mikroskopiefreunde,
die Restaurierung meines Ortholux I macht Fortschritte, so dass ich über die nächsten Schritte nachdenke, v.a. die Kameraadaptation. Ich würde hierfür gerne meine APC-C Kamera adaptieren (z.Zt. Canon EOS 350D, evtl. bald Umstieg auf neuere APS-C EOS).
Ich habe hier schon einige Adaptationen im Forum gesehen, aber gerade bei Leitz scheint es schwieriger zu sein als bei Zeiss oder Olympus, da Leitz keine Fotookulare 2,5x oder 1,6x hergestellt hat, was für die Sensorgröße ja sicher das beste wäre, oder täusche ich mich?
Ich habe also die Auswahl von Periplan 6x, 6,3x 8x oder 10x und das ganze dann evtl. mit einer Festbrennweite z.B. 50mm (Pentax) oder mit dem Zwischentubus von Zeiss (47 60 29) anzuschließen. Beim 6.3x Periplan habe ich auch ein Weitfeld-Okular vom Ortholux, das ich in den Trinotubus stecken könnte - bringt das Vorteile gegenüber den anderen Periplans (bin mit Plan-Objektiven ausgerüstet).
Im Moment werde ich es wohl über ein Vergrößererstativ adaptieren.
Wer kann von seiner Adaptation berichten bzw. wer hat noch weitere Ideen?
Vielen Dank,
Axel
Hallo,
grundsätzlich sollte eine CANON EOS 350 D wie folgt an einem Ortholox adaptiert werden können:
1. Novoflex-Bajonett Adapter besorgen (Leica-Objektiv auf Canon-EOS), ca. EUR 100,00
2. Periplan-Brillenträger-Okular 10 fach mit abschraubbbarer (!) Augenmuschel besorgen (Sehfeldzahl 18), alternativ ein Standard-Fotookular von Promicron (ebenfalls 10x, mit identischem Gewindemaß), ca. EUR 100,00
3. Promicron-Adapter besorgen mit Innengewinde für vorgenannte Okulare und Außengewinde für Objektivfiltergewinde M55, ca. EUR 40,00.
4. Leitz-Objektiv für Leica-R 35mm oder 50 mm besorgen (Elmarit-R 35 mm oder Summicron-R 50 mm), sollten gebraucht auch für ca. 100-200 EUR zu haben sein (vielleicht bei Ebay auch für weniger).
Nun wie fiolgt verfahren: Novoflex-Adapter an Objektivbajonett, so vorbereitetes Objektiv an EOS 350D, Promicron-Adapterring in Objektiv-Filtergewinde verschrauben, Okular mit Schraubgewinde in den Promicron-Adapter einschrauben, Okular mitsamt Kamera in den geraden Stutzen des Trinokulartubus einsetzen - fertig.
Das 35 mm-Objektiv erfasst das Sehfeld bis zur Randbegrenzung, das 50 mm-Objektiv dessen innere zwei Drittel. Das Objektiv kann auf unendlich fokussiert werden, ggf. zur Gewährleistung einer exakten Parfokalität auch auf einen abweichenden Entfernungswert.
Mit Spiegelvorauslösung und Fernauslöser arbeiten, um Verwacklungsunschärfen zu verringern. Brauchbare Verschlusszeiten müssen in Abhängigkeit von der Vergrößerung ausgetestet werden, da trotz Spiegelvorauslösung Verwacklungen durch den Auslösevorgang selbst induziert werden.
Vorteilhaft ist zur Fokussierung ein Winkelsucher (Seagull vignettiert am Mikroskop weniger als das Original-Canon-Produkt). Falls dessen Adaptation am Mikroskop gelingt, kann ein EOS-Speedlite-Blitzgerät über ein Canon-Blitzkabel auch am Mikroskop für TTL-Blitzaufnahmen verwendet werden.
Bei weiteren Fragen könnte meine Internet-Seite www.mikrofotografie.info weiterhelfen (hier wird auch die vorbeschriebene Adaptation gezeigt), sonst auch gerne anrufen (tagsüber unter 02674 / 182 3184).
Frohes Tüfteln
Jörg Piper
Hallo Axel,
... wie einfach es doch früher war ;):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/45628_59587750.jpg)
Schön, dass Du das ehrwürdige Ortholux wieder zu neuem Leben erweckst!
Herzliche Grüße,
Florian
Hallo Jörg, hallo Florian,
vielen Dank für Eure Hinweise.
Das Ortholux ist schon ein Mikroskop, das zum Basteln einlädt, finde ich - zudem die Form unvergleichlich ist ;D.
Glückwunsch zu Deiner tollen Website, Jörg, darauf hatte ich auch schon gestöbert, sehr hilfreich.
Ich hatte eine ähnliche Lösung wie Du ins Auge gefaßt, allerdings wollte ich statt dem 50mm Leica Summicron ein Pentax Takumar 50mm 1: 1.8 anschließen, sollte hoffentlich ähnlich gut funktionieren wie das Summicron, zudem habe ich schon die passenden Adapter (EOS-M42).
Alternativ wollte ich das Zeiss 47 60 29 testen, habe ich herumliegen und kann es mit passendem T2 Adapter anschließen. Möglicherweise aber zu kleiner Bildausschnitt wegen größerer Brennweite (ist 63mm glaube ich).
Ein Brillen-Periplan mit Schraubgewinde wie von Dir genannt wäre natürlich toll - gab es das auch für die 170mm Leitz-Optiken? Für die 160er habe ich das schon häufiger gesehen, bei den 170er leider noch nicht. Und die Korrektion war wohl anders, habe ich gelesen.
Daher wollte ich mich erstmal mit den o.g. Periplanen behelfen, evtl. läßt sich da auch ein Gewinde einschneiden oder das ganze über einen Überwurfring adaptieren.
Vom Anschluß über das Vergrößererstativ hatte ich mir etwas weniger Schwingungen versprochen, da Kameraobjektiv und Okular nicht direkt verbunden sind und so die Vibrationen nicht übertragen werden sollten (wollte hier über ein Balgengerät das Okular bedecken um Lichteinfall zu verhindern).
Was meint Ihr dazu?
Viele Grüße,
Axel
Hallo Axel,
zum Einsatz eines Statives (umgebauter Vergrösserungsapparat) zeigt Mike Guwak eine sehr
schöne Umsetzung (www.flechtennmikroskopie.de).
Allerdings ist es so, dass nach Einzug von life-view ein derart massiver Aufbau bei gleichzeitiger
absoluten Trennung von Mikroskop und Kamera fast schon zu aufwändig erscheinen mag.
Der Spiegel ist ja bei live view bereits oben und der erste Vorhang offen. Wenn die eigentliche
'Auslösung' erfolgt ist, schliesst sich nur der zweite Vorhang kurz und bei diesem Vorgang
ist die Aufnahme ja bereits auf dem Chip bzw. der Fesplatte...
Zur Lösung von Jörg wäre anzumerken, dass ein Elmarit-R 35mm zweifellos ein ausgezeichnetes
halbes Pfund Glas für die 'normale' Fotografie war und auch heute noch ist, aber dass bei Verwendung
als Optik für mikroskopische Aufnahmen wegen der vielen Glas-Luft-Flächen im 35er UND wegen des
(immer in WW-Objektiven für SLR's verbauten) zahlreichen Konkavlinsen in der Frontgruppe
nicht gerade ideale Gauss'sche Verhältnisse vorliegen dürften.
Es gibt geeignete Optiken, die meines Erachtens hierzu wesentlich besser geeignet sind:
- das von Dir bereits erwähnte 47 60 29 von CZG (falls der Bildausschnitt zu klein ist, probier doch mal
ein 8x Br Okular von Leitz aus)
- Nomarski (Bernd) hat den Vorschlag gemacht, ein 50mm-Tessar (Gauss-Typ 'vom Feinsten') zu adaptieren, um
'mehr Bildausschnitt auf den Chip' zu bekommen:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6453.0
- zu guter Letzt wäre noch der Hinweis auf die 'Pankake'-Optiken zu erwähnen. Die gabs von
Minolta, Olympus, Nikon etc., sind leicht gebraucht zu bekommen, haben i.d.R. eine Brennweite
von 45 mm und sind leicht zu demontieren bzw. 'umzubasteln', da ihr mechanischer Aufbau absolut
simpel ist.
Ach übrigens: Wenn Dein 476029 weiterhin in der Schublade verstauben sollte, hebe ich hiermit
schon mal den rotglühenden Interesse-Zeigefinger und bitte um eine PM. ;D ;D
Herzlichen Gruß
Joachim
Hallo Ortholuxianer,
die bisher vorgestellten Vorschläge sind sicher fototechnisch top, erscheinen mir aber aufwendig und auch mit (vermeidbaren?) Kosten verbunden.
Für meine Fotos mit der Canon 1000D (mit Live view) am Trinotubus benutze ich den monokularen Einsteckstutzen am Fotoende zusammen mit einem Exakta M42-Mikroskopadapter (ohne eingebaute Optik). In den Monostutzen kommt ein Euromex (?) 10fach Weitfeld-Okular. Der Exakta Mikroskopadapter wird mit dem M42-Adapter verbunden (den hast du schon).
Nachteilig bei dieser preiswerteren Lösung ist allerdings, dass mikroskopisches (Gesichts-) Bild und fotographischer Ausschnitt unterschiedlich sind (man hat aber auch einen Wechselobjektivrevolver am Mikroskop!) und dass man möglicherweise das aufgenommene Bild randlich noch etwas beschneiden muss.
ortholuxuriöse Grüße
Udo Maerz
Hallo Axel,
gerne gebe ich Dir noch die erfragten Infos zu den Leitz Brillenträger-Okularen.
Das 10x mit Sehfeldzahl 18 gab es auch für 170mm Tubuslänge. Bei diesen Okularen fehlt in der Gravur eine Angabe der Sehfeldzahl. Hier steht also nur: "Leitz Periplan 10x".
Die neueren Okulare für Tubuslänge 160 mm sehen genauso aus, hier lautet aber die Gravur: "Leitz Periplan 10x/18".
Die Typen für 160 mm Tubuslänge werden häufiger angeboten als die älteren für 170 mm. Von den neueren gibt es sehr selten auch schon mal in der Bucht welche mit Sehfeldzahl 20 (Gravur:"Periplan 10x/20).
Man kann also beide Okulartypen daran unterscheiden, ob die Sehfeldzahl eingraviert ist, oder nicht. Dies hatte Leitz so gemacht, um selbst bei Belieferungen nicht "durcheinander zu kommen".
Nach eigener Erfahrung kann man mit etwas GLück auch dann einen Schärfeabgleich realisieren, wenn man ein eigentlich nicht kompatibles Okular für Tubuslänge 160 mm verwendet und mit dem Kamera- bzw. Okularauszug ein wenig "spielt", bis der Schärfeabgleich realisiert ist. Auch durch Änderung der Entfernungseinstellung am Objektiv kann man dies meist erreichen. Die Bildqualität ist bei Leitz-Geräten nach eigenen Tests nicht sichtbar herabgesetzt, wenn die Tubuslänge um 10 mm differiert.
Ich gehe davon aus, dass man natürlich auch Objektive geeigneter Brennweite von anderen Herstellern (z.B. Pentax) ebenso gut verwenden kann, wenn die Adaptation an der Kamera gut gelöst ist.
In diesem Sinne schöne Mikrogrüße
Jörg
Hallo Jörg,
super, vielen Dank für die Info zu den Okularen!
Werde mich jetzt mal nach so einem 170er Brillen-Periplan umschauen!
Viele Grüße,
Axel
Liebe Ortholuxophile,
vielen Dank für die ganzen Hinweise. Kürzlich gab es in der Bucht auch ein 4x Projektionsokular, evtl. für Diaprojektoraufsatz oder ähnliches:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=270593004890&ssPageName=STRK:MEWAX:IT
Würde das auch passen für die 170er Optiken? Das würde dann ja das Pancake/Zwischenoptik überflüssig machen, wenn man auch nicht das gesamte Bild auf einen APS-C Sensor bringen könnte.
Viele Grüße,
Axel
Hallo Axel,
Du hast zum Projektiv 4x von Leitz geschrieben:
ZitatDas würde dann ja das Pancake/Zwischenoptik überflüssig machen, wenn man auch nicht das gesamte Bild auf einen APS-C Sensor bringen könnte.
Das ist leider so nicht richtig.
Es sei denn, Du wolltest Deinen Chip im Projektionsabstand der o.a. Optik anbringen (also 250 mm oder sogar mehr). Aber dann wäre das erzielte Ergebnis weniger als winzig, und das würdest Du sicher auch nicht wollen.
Im Grundsatz gilt (wohlgemerkt, bei Endlich-Opriken, Tubuslänge 160mm oder 170mm), dass auch bei Verwendung von gering vergrößernden Okularen oder Projektiven zwischen Chip und Ramsden'schem Kreis (das ist der 'Brennpunkt' des Okulars) eine
Optik gehört, welche das vom Okular gelieferte Bild auf den Chip fokussiert.
Die kommerziell früher erhältlichen Lösungen sind Legion: Leitz MIKAS mit Optik 0,5 x für Sucher-Leicas bzw. mit Optik 'Sp-Refl 1/3x' für Spegelreflex-Analog-Leica R, Zeiss Grundkorper I oder II mit 125mm-Optik [1/2 x] für Filmformat 24x36mm, oder der Zeiss-Zwischentubus 476029 mit seiner 63mm-Optik, welcher einen Faktor von ca. 0,25 mitbringt, ebenfalls gerechnet für das alte KB-Format 24x36mm oder auch die Zeiss MC100 Kamera mit KB-Format 24x36mm, ebenfalls mit Zwischenoptik f=63mm ausgestattet, zwischen dem Mikroskop-{Foto-}Okular und der Filmebene montiert.
Fazit: Ohne eine fokussierende Optik zwischen Okular und Chip wird es nicht möglich sein, ein brauchbares Bild zu bekommen.
Nochmal: Vorausgesetzt, wir reden über 'Endlich-Mikroskope'.
Und Dein altehrwürdiges Ortholux dürfte ganz zweifellos ein solches sein.
Viele Grüße
Joachim