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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Ernst Hippe in Dezember 09, 2008, 21:12:16 NACHMITTAGS

Titel: Kristallveränderung
Beitrag von: Ernst Hippe in Dezember 09, 2008, 21:12:16 NACHMITTAGS
Hallo Polfreunde,

hier ist noch ein deutliches Beispiel, wie sich Kristalle in 3 Monaten verändern können:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/3096_30991049.jpg)

Wieder Tretinoin, Schmelze, nach 1 Tag und 3 Monaten, fast "organisch" aussehend. Unterschiedliche Hifsobjekte, daher die abweichenden Farben.
Titel: Re: Kristallveränderung
Beitrag von: Frank D. in Dezember 09, 2008, 22:22:06 NACHMITTAGS
Guten Abend Herr Hippe,

wie auch diese, so schaue ich mir Ihre Aufnahmen immer gerne an.

Ich habe noch zwei Fragen zu der Farbdarstellung und zu Ihren Hilfsobjekten.

Wie den Bildern zu entnehmen ist, handelt es sich um Gangunterschiede der 2. (+1110nm / evtl. Rot 2.Ordnung) bzw. der 3. Ordnung (+1240nm / Grünlichblau).

Schaut man sich Bild 2 (3 Monate) an, kommt zu dem Hilfsobjekt der Gangunterschied des Tretinoin. Zusammen ergibt es ein sattes Grasgrün, was auf einen Gangunterschied des Tretinoin von ca. 100nm schließen lässt.
Orientiert habe ich mich an den beiden zentralen Ovalen.
Addiert man nun diesen Wert zu dem Hilfsobjekt der ersten Aufnahme, trifft das Foto nicht annähernd den Farbton, der für ca. 1340nm in der Michel Lévy Farbtafel vorgesehen ist.

Verändert der Kristall sein Brechverhalten so stark, auch wenn keine oder nur eine minimale Formänderung erfolgt ist? (... oder liege ich in meiner Betrachtungsweise voll daneben; 7. Himmel statt 2. Ordnung)

Wie messen Sie den genauen Wert Ihrer Hilfsobjekte?

Mit freundlichen Grüßen
Frank Donat

PS
In Ihrem Beitrag "Vergänglichkeit, polarisiert", sind beide Aufnahmen mit dem selben Hilfsobjekt gemacht worden.
Allerdings hat sich dort die Form der Kristalle auch stark verändert.
Titel: Re: Kristallveränderung
Beitrag von: Ernst Hippe in Dezember 10, 2008, 09:50:54 VORMITTAG
Hallo Herr Donat,

das Addieren von Gangunterschieden stimmt nur bei speziellen Bedingungen. Dabei ist wichtig:
1. Die Polfarbenskala (z.B. Levy) gilt für exakt gekreuzte Polfilter. Es gibt auch eine Skala für parallele Filter; dazwischen zeigen sich erhebliche Abweichungen.
2. Die Farbe für ein homogenes (Hilfs-)Objekt stimmt nur in 2 definierten Drehstellungen (180° versetzt), bezogen auf die Lage der Polfilter.
3. Kristalle wachsen in allen möglichen Richtungen, noch dazu bei unterschiedlichen Dicken.
4. Also: Bei beliebiger Verdrehung von Polfiltern, Hilfsobjekt und Objekt ergeben sich unbestimmbare, aber reproduzierbare Mischfarben. Auch bei gleichem Hilfsobjekt können diese bei unterschiedlichen Stellungen sehr verschieden sein.

Den Gangunterschied meiner Hilfsobjekte habe ich durch Kompensation mit stufenweise geklebten Tesafilm-Präparaten ermittelt, beschrieben im MIKROKOSMOS April 1988. Wenn Sie mehr wissen wollen und ihn nicht bekommen, könnte ich Fotos davon versuchen.
Titel: Re: Kristallveränderung
Beitrag von: Bernhard Lebeda in Dezember 10, 2008, 10:02:38 VORMITTAG
Zitat von: Ernst Hippe in Dezember 10, 2008, 09:50:54 VORMITTAG

2. Die Farbe für ein homogenes (Hilfs-)Objekt stimmt nur in 2 definierten Drehstellungen (180° versetzt), bezogen auf die Lage der Polfilter.


Hallo Herr Hippe

wieso denn dieses? Es sind doch genau 4 Drehstellungen entsprechend den Hell/Dunkelpositionen. Ich denke Sie meinen 2 Drehstellungen in Additionsstellung, von der Frank mit seiner Frage automatisch ausgegangen ist und was wohl ein Teil der Denkfalle war.


Viele Grüsse


Bernhard
Titel: Re: Kristallveränderung
Beitrag von: Ernst Hippe in Dezember 10, 2008, 10:06:21 VORMITTAG
Ja, ich meinte die beiden Additionsstellungen!