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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: moräne in August 30, 2010, 09:51:05 VORMITTAG

Titel: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: moräne in August 30, 2010, 09:51:05 VORMITTAG
Hallo Mikroskopikergemeinde

Ich würde gerne zwei Fragen stellen welche aber nichts direkt mit Mikroskopie zu tun haben.
Ich habe mir bei ebay Orcein - ein Farbstoff welcher wie ich gelesen habe in der Leberdiagnostik verwendet wird -
gekauft, um damit Seide zu färben.
Orlean konnte  ich sonst noch nicht kaufen.
Ich besitze ein dickes Standartwerk von H. Schweppe ( Handbuch der Naturfarbstoffe ), in welchem umfangreiche Informationen zur Gewinnung und Verarbeitung von Orcin vorhanden sind- Orcein entstünde durch Reaktion des Ammoniaks mit Orcin und Oxidation- d. h. man versetzte Meeresflechten mit Ammoniak oder urin-was früher in großem Umfang in der Färberei eingesetzt wurde .
Es sind allerdings keine Angaben zu irgendeiner Giftigkeit gemacht.
Auch auf dem Fläschen von Merck, was mir älter vorkommt steht nichts, nicht einmal ein- Reizend- Symbol.
Aber in dem Merck Katalog von 2000, den ich mir besorgen konnte, ich glaube ich habe den mittlerweile schon in den Papiermüll gegeben,war da irgendwas mit einer Giftklasse- welche weiß ich jetzt nicht- und Entsorgungsrichtlinien angegeben.
Das hat mich natürlich verunsichert und ich habe das Orcein noch nicht verwendet.
Gibt es hier irgendjemand, der sich mit Orcein auskennt?
Zweite Frage
In der Indigofärberei hat man im ich glaube 18 ten Jahrhundert schwefelwasserlösliches Indigo entwickelt, was man dann Sächsisch Blau nannte, der Inhaltsstoff ist Indigokarmin.
So eine Schwefelsaure Indigolösung konnte ich früher bei meiner Naturtextillieferantin kaufen, jetzt nicht mehr.
Deswegen habe ich mir Indigokarmin besorgt - Mikroskopfarbstoff - und bin mir aber nicht sicher, ob ich das gleiche gekriegt habe.
Für Antworten wäre ich dankbar.

Grüße
Moräne
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 30, 2010, 11:31:48 VORMITTAG
Hallo Moräne,

es ist etwas komplizierter:

Orseille ist ein Extrakt aus Flechten ("Meeresflechten" kenne ich nicht, nur Flechten die am Meer wachsen). Die Flechten sind im Schweppe S. 517 aufgeführt!
Daraus kann man den Farbstoff Orcein herstellen, der in der Mikroskopie verwendet wird zur Kern- und Chromosomenfärbung. Orcein ist ein Gemisch aus mindestens 14 Komponenten, also kein einheitlicher Farbstoff. Wurde früher zur Seidenfärbung verwendet, heute nicht mehr, weil nicht lichtbeständig.

Orcein für Textilfärbung zu verwenden stelle ich mir recht kostspielig vor. Bei Roth 25 g 100.-

Orcin ist 3,5 Dihydroxytoluol, also eine definierte Verbindung, aber kein Farbstoff, sondern ein Teil des Phenoxazons - dem Hauptgerüst der Orceinfarbstoffe.

Indigocarmin ist das Di-Na-Salz der 5,5´Disulfonsäure des Indigo. Also der wasserlöslichen Variante des Indigo.
Indigo sollte es noch bei Axel Seehawer, Tübingen geben, er vertreibt Naturfasern und Farbstoffe.
Die Naturtextillieferantin kauft vielleicht von ihm. ;)

Wie war doch der Spruch: er kann hexen und blau färben

Edit: habe gerade nachgeschaut: Indigo gibt es noch:

www.naturfasern.de
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: moräne in August 31, 2010, 14:55:11 NACHMITTAGS
Hallo Klaus
Danke für die Antwort
Leider ist es mir wahrscheinlich aufgrund der Beschreibung der Rahmenumstände nicht ganz gelungen,die eigentliche Frage herauszuheben.
Es geht mir bei darum zu wissen wie giftig dieser Farbstoff Orcein eigentlich ist.
Ich habe einmal einem Arzt erzählt das ich im Wald nach Hautköpfen suche - Pilze welche  lebensgefährlich giftig sind - um damit zu färben. Gehn tut es. Gibt auch Bücher darüber.
Dieser wahr recht schockiert, vielleicht überlegte er ob es sich um Kontaktgifte handelt.
Daneben taucht jetzt diese Frage auf:
Seide ist eine Eiweißfaser, muß also auf ihre Art behandelt - gebeizt - werden.
Worum handelt es sich bei Kern und Chromosomengewebe? Ist das auch Eiweiß?
Wird das auch gebeizt?
Außerdem habe ich ja nicht ,wie in den Rezepturen für Orseillefärbung angegen, die Ausgangsstoffe, also die Algen,sondern das konzentrierte End-, oder Zwischenprodukt.
Also was tun, ausprobieren?
Grüße
Moräne

P. s.
es soll nicht heißen:Orlean konnte  ich sonst noch nicht kaufen.
Sondern : Orseille
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 31, 2010, 15:54:53 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,

ich hoffe du kannst akzeptieren, dass ich Deinen Vornamen oute - es gibt sicher ein paar 10-Tausend, so dass Du trotzdem geschützt bleibst!

Dass Du Orlean(s) nicht kaufen konntest habe ich schon verstanden!  ;)

Zur Giftigkeit kann ich keine verbindlichen Angaben machen, mir ist nicht bekannt, dass diese Flechten- Farbstoffe giftig sind.

Beim Karmin, das aus Schildläusen gewonnen wird und wie das Orcein in der Mikroskopie verwendet wird kann ich sicher sagen, dass es als Lebensmittelfarbstoff verwendet wird (Campari und Lippenstift). Ist aber chemisch was anderes (ein Anthrachinonderivat).

Grundsätzlich gilt: Farbstoffe sind normalerweise nicht zum Essen gedacht, aber sowohl bei Cochenille (Karmin) als auch Orcein habe ich in der Merckliste keinen Hinweis auf Giftigkeit gefunden. Und die schreiben das auf jeden Fall, wenn auch nur der Verdacht besteht.

Edit: Auf den Hinweis von Detlef muss ich doch einen Fehler korrigieren: Seide besteht tatsächlich aus Aminosäure-Ketten ("natürliches Polyamid"), aber in den Kernen ist die dort enthaltene DNS für die gute Färbbarkeit verantwortlich. Die NH2-Gruppen von Adenin Guanin und Zytosin sind sicher die "Andockstellen" für die Farbstoffe. Beizen muss man hier nicht, kann man aber.

Also: das Experiment macht schlauer und ärmer - wenn man die Kosten sieht im Falle des Orceins! ;D

Völlig OT: die Rechtschreibprüfung heitert mich immer wieder auf - wer depressiv ist sollte sie unbedingt machen! :D

Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: moräne in August 31, 2010, 17:32:29 NACHMITTAGS
Hallo Klaus

Wenn es um das Orcein zu schade ist,

Orcein für die Mikroskopie Artikel 7091 5 g

also wenn das jemand haben möche, im Tausch gegen Mikroskopteil oder Dünnschliff 
nur zu

Grüße Moräne
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: Wolfgang Prüfert in August 31, 2010, 23:24:36 NACHMITTAGS
Zitat von: moräne in August 31, 2010, 14:55:11 NACHMITTAGS
nach Hautköpfen suche - Pilze welche  lebensgefährlich giftig sind -


Woher stammt denn diese Erkenntnis??

Nach meiner Kenntnis sind nur einige der verwandten Rauköpfe (=Cortinarius Subgen. Leprocybe) lebensgefährlich giftig. Hautköpfe ( =Cortinarius Subgen. Dermocybe) enthalten dagegen nur die schwach Magen-Darm-giftigen Anthrachinone, die auch für die Färbung relevant sind.

Grüße,


Wolfgang Prüfert


Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: Klaus Herrmann in September 01, 2010, 00:10:36 VORMITTAG
ZitatMagen-Darm-giftigen Anthrachinone

die dann heftig abführend wirken - und dann ist frisch "geputzt" ;) Man wird bestenfalls schlanker!
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: moräne in September 01, 2010, 09:46:11 VORMITTAG
hallo
also da hätten wir nach Pilzbuch noch blutroter hautkopf- sanguineus - dann (Ihr mögte es ja lieber lateinisch): -cortinarius cinabarinus mit zwei nne, semisanguineus purpureobadius,, malicorius und noch ein paar andere. alle mit Totenkopf versehen ( aber nur im Pilzbuch nicht in natura)
Ich hab´' eher keine Lust  mit euren nebensächlichkeitseinfällen rumzutun
Grüße aus dem Schlamm
wer wohl
fischlein deck dich
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: Klaus Herrmann in September 01, 2010, 10:00:51 VORMITTAG
Hallo Pilzsachverständige,

also wo er Recht hat, da hat er Recht:

http://www.pilze.ch/pilzbestimmung/Artenlisten/Cortinarius_Derm.htm

ZitatMit einigen Arten (Hautköpfe) ist es möglich, Wolle zu färben. So entsteht z. B. mit dem Gelbblättrigen Hautkopf (C. croceus) ein strohgelber Farbton

Aber wenn man sie nicht isst, dann ist die Gefahr sicher gering zu achten! ;)
Titel: Re: Frage zu Farbstoffen
Beitrag von: moräne in September 01, 2010, 12:10:58 NACHMITTAGS
hallo Wolgang Prüfert
Es ist richtig was du sagst.
Dickere Pilzbücher - Gerhardt  - geben an, das einige Rauköpfe ein  gefährliches Nierengift enthalten, die Hautköpfe leicht mit denen zu verwechseln sind.
Aber was ich sagte war, das dieser Arzt da ins Grübeln kam, und eigentlich ging das ja um Orcein.
Also Grüße
Gerd