Liebe Freunde der minimalistischen Mikroskopie,
Florian hat in seinem Beitrag auf sehr interessante Repliken des einfachen Leeuwenhoekschen Mikroskops hingewiesen. Hier besteht in der Tat eine faszinierende Möglichkeit zum Selbstbau und Experimentieren mit diesem Urtyp des wissenschaftlichen Mikroskops:
Vor vielen Jahren, als bei uns in der Nachbarschaft ein Kupferdach neu gedeckt wurde, habe ich an einem verregneten Sonntag 'mein' Leeuwenhoek-Mikroskop aus Blechabfall und einem Erdungskabel gebastelt:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/48800_60673984.jpg)
Die Linse ist aus der Spitze einer Pasteurpipette über einer Spiritusflamme geschmolzen. Der Faden wird abgebrochen und die Linse 'liegend' wie eine Birne zwischen den etwas um die Bohrung eingedellten Blechplatten festgeklemmt. Statt des Original-Fokussier-Systems lässt sich die exzentrisch am Kupferdraht befestigte Präparateträger-Spitze durch Drehung und seitliche Verschiebung in die Fokusebene bringen und dann durch Festziehen der Kabelschelle fixieren. So erfüllt ein an der Spitze festgeklebtes Mückenbein nun schon seit vielen Jahren treu seinen Dienst als Demonstrationsobjekt.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/48800_4605410.jpg)
Um die Handhabung zu vereinfachen, habe ich das Mückenbein mit einem Tropfen Klebstoff fixiert. Man erkennt auch, dass der Durchmesser des Kupferkabels eingentlich viel zu stark ist und das Objekt weniger als einen Millimeter von der Linse entfernt fixiert sein muss (Falls Jemand einen Nachbau erwägt...). Hier im Detail von der Objektseite her. Schlechtes Bild, ja, aber der Pulvillus des Mückentarsus ist als heller Punkt zu erkennen: So nahe muss das Obkekt an der Linse sein!
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/48800_54604107.jpg)
Das kleine Gerät rechts im Bild ist das oben beschriebene 'Frontlinsenmikroskop':
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/48800_24175875.jpg)
Die Fokussierung erfolgt über die gerändelte Platte, die in den Messingträger mittels eines Feingewindes eingelassen ist. Das Präparat liegt auf der anderen Seite der Trägerplatte. Die Frontlinse hat ebenfalls ein Außengewinde bekommen, mit welchem sie in einer Bohrung der gerändelten Platte vor- und zurückgeschraubt werden kann, um die Linse in den passenden Abstand zum Präparat zu positionieren. Denn auch hier muss die Frontlinse sehr nahe an das Objekt gebracht werden und kann sogar mittels Immersionsöl mit diesem verbunden werden. Eine genial einfache Konstruktion nach Prof. Haselmann!
Herzliche Grüße,
Alfons
Vielen Dank für diese schönen Anregungen! Ein solches Frontlinsenmikroskop baue ich mir umgehend...
Herzliche Grüße,
Olaf
Lieber Alfons,
Leeuwenhoek lebt: ich habe eine moderne Variante mit Neigespiegel für Präparate auf OT. Schon fast Hai Täck! ;)
Auch da gelten die Optikregeln: Diffuse Beleuchtung ist günstiger!
Für Nostalgiker: ich verkaufe es, wie alle meine Endlichoptik - obwohl es unendlich praktisch ist!
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/48840_4171202.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/48840_36801559.jpg)
Hallo potentielle Kugellinsenschleifer,
hier noch ein weiterer interessanter link zu einem ball lens microscope:
http://www.rainer-wolf-illusions.de/texte/ball-lens-microscope.pdf
1 µm Auflösung bei einer Beleuchtungsapertur von 0,1 ist nicht schlecht,
bei digitaler Bildaufzeichnung über Nikon Coolpix.
da würde mich mal der direkte Vergleich zu einem Brrr.. Mikroskop interessieren ;D
viele Grüsse
Wilfried