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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Tim in November 18, 2010, 16:26:26 NACHMITTAGS

Titel: Delaminierte Optiken - Was tun
Beitrag von: Tim in November 18, 2010, 16:26:26 NACHMITTAGS
Hallo Forum,

ich habe selber einen Revolver Kondensator n.A 1,4 für das Standard, bei dem eine der Linsen Delaminierungserscheinungen zeigt. Das Thema geistert hier im Forum ja mehrfach schon herum bei KPL Okularen etc. Um das mal zusammenzufassen was ich an Reparaturversuchen im Forum mit bekommen habe:

a) Linsen mechanisch ganz trennen; alten Kitt entfernen und wieder neu zusammenkitten (mit Kanadabalsam, UV-härtbarem Optik-Kitt oder was auch immer Verfügbar ist) Das wäre quasi die "Brachialmethode", da man Gefahr läuft die Zentrierung der Linsen und Positionierung zu verlieren. Geht zudem nur bei Baugruppen, an die man auch herankommt.

b) Das defekte Teil in einen Wärmeschrank packen und unter Vakuum erhitzen.

Vor allem Weg b) würde mich interessieren: Wie geht das im Detail? Welche Temperaturen brauche ich? Kann ich die Linse in der Fassung lassen oder muss mechanisch das Paar zusammengedrückt werden. Geht das nur bei bestimmten Herstellern? Sind bestimmte Temperaturrampen notwendig?

Wer hat so was schon gemacht und vor allem wie? Ich wäre sehr dankbar für sachdienliche Hinweise.

Grüße,
Tim
Titel: Re: Delaminierte Optiken - Was tun
Beitrag von: Tim in Dezember 03, 2010, 21:39:53 NACHMITTAGS
So, nach etwas herumprobieren möchte ich meine Erfahrungen im Falle "Reparatur von delaminierter Linse" dem Forum kundtun:

Vorweg sei gesagt: so wie erhofft hat es leider nicht funktioniert.

An meinem Standard habe ich einen Revolver-Kondensor mit achromatisch-planarer Optik mit n.A. 1,4 bzw. 0,32. Die 0,32er Linse hatte am Rand eine gut sichtbare delaminierte Stelle in Sichelform, die ca. 1/4 der Gesamtfläche einnahm.

Die ganze Baugruppe habe ich in einen Vakuumtrockenschrank gelegt, und die Linsen leichten zusammengedrückt mit einer Reagenzglasklammer (für Nicht-Chemie-Affine:so was wie eine große Holzwäscheklammer zum Reagenzgläser halten ohne sich die Finger zu verbrennen). Wo Glas auf Holz traf, waren zwei Lagen Teflon-Dichtband zwischengelegt.
Das ganze in der Hoffnung, das die Wärme den Kitt erweichen und so unter leichtem Druck mittels Klammer
zusammenfügen möge, was Zeiss einmal zusammengefügt hatte. Das Vakuum sollte sicherstellen, das sich keine Luftbläschen hinein mogeln. Die ganze Optikgruppe habe ich weiterhin in der Fassung belassen, da ich abnahm, ich könnte so ein mögliches Verrutschen der Linsen vermeiden.

Versuch 1)
Temperatur unter Vakuum (ca. 10mbar) hochgeheizt bis 120°C, ca. 5h gehalten und über Nacht abkühlen lassen. Nach dem ersten Versuch war die Sache schlimmer als Besser: der "gute" Bereich war nun nur noch 1/4 der Fläche.
Vermutlich lang die Temperatur nicht aus, den Kitt ausreichend zu erwärmen und die Thermischen Spannung haben für den Rest gesorgt? Also Temperatur behutsam steigern (Das ist ja sowieso DAS Patentrezept bei uns Chemikern ;)).

Versuch 2) Gleiches Spiel nochmal, jedoch Temperatur auf 140°C...
Keine Verbesserung.

Versuch 3) Temperatur auf 160°C...
Tendenziell besser, zentraler Bereich okay, aber dennoch am Rand delaminierte Bereiche.

Misstrauisch geworden habe ich nun (gut, hätte ich besser vorher gemacht) die Optik zerlegt und nachgeschaut, was so alles in der Fassung steckt. Und siehe da, es ist ein Triplett in zwei Gruppen getrennt durch einen Ring. Vermutlich hat die Zusammendrückerei deswegen nicht gut funktioniert?

Versuch 4) Temperatur 170°C Nun nur das delaminierte Linsenpaar alleine in der Fassung (als Führung / Sicherung gegen seitliches Verrutschen) und wieder mit der Klammer zusammengedrückt...

Na ja, die Mitte ist wieder zusammen, am Rand zeigt sich aber rundherum delaminierte Bereiche.

Fazit: So einfach wie erhofft ist es leider nicht verlaufen. Ich hätte die Optik gleich auseinander nehmen sollen und nur die defekte Linsengruppe mit sanften Druck auf die Flächen in den Ofen tun sollen.

Jetzt wäre meine letzte Reparatur-Option das vorsichtige Trennen der Linsen, entfernen des alten Kitts und neu Verkitten mit einem geeignetem Kitt (Includal CB?).
Da es sich "nur" um eine Kondensoroptik handelt, ist das ganze (hoffentlich) nicht so kritisch bezüglich einer Verschlechterung in der Abbildungsleistung.

Viele Grüße,
Tim
Titel: Re: Delaminierte Optiken - Was tun
Beitrag von: volki in Dezember 03, 2010, 22:16:17 NACHMITTAGS
Hallo Tim,

wie äußert sich die Delamination am Kondensor in der Abbildungsleistung?

Gruß

Volker

Titel: Re: Delaminierte Optiken - Was tun
Beitrag von: Werner in Dezember 04, 2010, 00:05:59 VORMITTAG
Hallo Tim!

Methode a) durchführen. Bei delaminierten Linsen ist zu wenig Kanadabalsam vorhanden. Nach Reinigung neuen Balsam(span) auf die konkave Linse bei 80°C mittig auftragen und schmelzen lassen, dann die vorgewärmte zweite Linse aufsetzen und andrücken. So gibt es keine Luftblasen. Die Zentrierung erfolgt über den Rand - alle Linsen werden so beschliffen, daß die optische Achse genau in der Mitte liegt - die Fertigung eines Systems wäre sonst zu aufwändig.
Wenn es schief gehen sollte, die Linsen durch Erwärmen wieder trennen und neu versuchen.
Bei aushärtbarem Kitt geht das nicht streßfrei! Kanadabalsam ist die beste Wahl, wurde jahrhundertelang verwendet.
Bei größeren Achromaten habe ich das schon mal so gemacht (im Trockenschrank), hat funktioniert.

viel Erfolg   -   Werner
Titel: Re: Delaminierte Optiken - Was tun
Beitrag von: Dieter Stoffels in Dezember 04, 2010, 12:11:02 NACHMITTAGS
Halo Tim,

ohne Deine Bemühungen unterlaufen zu wollen, möchte ich Dich fragen, ob es wirklich Sinn macht, soviel Arbeit in die Instandsetzung des Kondensors mit ungewissem Ausgang zu stecken. Da es sich um einen Kondensor mit einer Apertur von 1,4 handelt, muss dieser nach der Repararatur auch wider "öldicht" sein. Meiner Beobachtung nach werden diese Kondensoren häufig auch gebraucht zu günstigen Preisen angeboten. Ich weiß natürlich nicht, ob es sich hierbei um einen Kondensor mit besonderen Eigenschaften handelt. Lehrreich ist eine solche Instandsetzung aber sicherlich.

Viele Grüße!

Dieter
Titel: Re: Delaminierte Optiken - Was tun
Beitrag von: Tim in Dezember 04, 2010, 13:57:20 NACHMITTAGS
Nun ja,

diese Frage kann man ja bei vielen Reparaturversuchen / Umbauten / Bastelarbeiten stellen. Bei mir (und vermutlich auch bei vielen anderen?) ist es zum einen die Freude, etwas mit eigenen Händen wieder in Ordnung zu bringen (mit noch mehr Freude, wenn der Patient dabei nicht gelitten hat). Zum anderen sind die gewonnen Erfahrungen ja auch was Wert...

Zurück zum Kondensor:
Öldichtheit (oder Wasserdichtheit- ich habe meistens keine Lust, Immersionsöl beim "kurz Gucken" zu verwenden. Dunkelfeld z.b. geht auch mit VE-Wasser als Kondensorimmersion ganz gut)
spielt hier ausnahmsweise keine Rolle. Vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt: n.a. 1,3 hat der Konsendsor mit allen Linsen, schraube ich die Oberste (dieser Kandidat ist okay und enthält die immergierbare Linse) ab, hat die verbleibende Optik noch n.a. auf 0,32. Und genau diese Optikgruppe ist delaminiert.

Grüße,
Tim