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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Werner Rühl in November 21, 2010, 14:14:53 NACHMITTAGS

Titel: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 21, 2010, 14:14:53 NACHMITTAGS
Hallo

So ein ähnlicher Thread war schon mal hier, aber leider muss ich nochmal nachhaken, bzw. fragen.

Habe mir in einem Plastikbecher mit Drehverschluss, Gras vom Garten und Wasser einen "Heuaufguss" gemacht.
Das ist jetzt ca. 3,5 Tage her.
Es hat sich so ein weisser Rand gebildet.
Als ich den Deckel aufmachte, zuerst ein Geruchsschock. Bestialischer Geruch vom Feinsten !
Mann dachte ich mir, da muss es ja von Tierchen nur so wimmeln.
Pustekuchen, nach mehreren Tropfen auf dem Objektträger und intensives Suchen mit 100x und 250x,
nicht die geringste Spur von "Lebewesen" !!

Muss ich jetzt noch ein paar Tage warten, oder bringt mir das nichts mehr?
Für ein paar Ratschläge wär ich dankbar.

Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Wolfram Weisshuhn in November 21, 2010, 14:56:03 NACHMITTAGS
Hallo Werner,

siehe Google >Stichwort "Heuaufguß". Ich glaube, das hilft weiter.

mfG

Wolfram Weisshuhn
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 21, 2010, 15:06:06 NACHMITTAGS
Hallo Wolfram

Danke, warum bin ich nicht eher draufgekommen.
Im Internet gibt es doch alles.

Hier meine Fehler:

Gras nicht zerkleinert und zuviel
Leitungswasser statt Tümpelwasser genommen und zuviel
Auch muss man noch länger warten.

Also nächster Versuch steht an

Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Peter V. in November 21, 2010, 15:15:40 NACHMITTAGS
Hallo!

Genau! Ganz kurz:

Gras zerkleinern
Wasser aus einem Teich, am besten vom Rand, ein kleines bißchen Material vom Grund oder von Steinen abschaben und auch hinein.
Das Ganze auf den Balkon, Terrasse, Garten etc.

Klappt garantiert!

Hast Du mal etwas Material von dem weißen Rand / Häutchen auf der Wasseroberfläche genommen?

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 21, 2010, 16:04:27 NACHMITTAGS
Hallo Peter

ja, hatte ich nichts drinnen.
Danke für den Tip.
War soeben an einem Weiher und hab am Rand unter dem Gras Wasser genommen.
Heu zerkleinert und rein, nicht zuviel Wasser.
So jetzt heisst es abwarten.

Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Hyperion in November 21, 2010, 16:50:33 NACHMITTAGS
Da waren bestimmt jede Menge Bakterien drin, nur sieht man die ohne 100er und ohne Färbung im Hellfeld so gut wie überhaupt nicht...
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Peter V. in November 21, 2010, 16:54:28 NACHMITTAGS
...äh - was ich noch vergaß: Ich schrieb Balkon / Terrasse, war aber vermutlich gerade gedanklich in wärmeren Sphären. Ob das jetzt draussen noch so gut funktioniert, weiss ich nicht - sicher nicht, wenn der Heuaufguß zum Eisklumpen wird.
Vielleicht doch ein etwas wärmeres, aber noch einigermassen lichtdurchflutetes Plätzchen auf der Fensterbank? Man sollte dann allerdings keine kleinen Kinder und Katzen haben  ;)
Ein ordentlicher Heuaufguß in voller Blüte auf dem Wohnzimmerteppich ist nicht geeignet, eilte Freude zu bereiten.....

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 21, 2010, 17:55:58 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter V. in November 21, 2010, 16:54:28 NACHMITTAGS
...äh - was ich noch vergaß: Ich schrieb Balkon / Terrasse, war aber vermutlich gerade gedanklich in wärmeren Sphären. Ob das jetzt draussen noch so gut funktioniert, weiss ich nicht - sicher nicht, wenn der Heuaufguß zum Eisklumpen wird.
Vielleicht doch ein etwas wärmeres, aber noch einigermassen lichtdurchflutetes Plätzchen auf der Fensterbank? Man sollte dann allerdings keine kleinen Kinder und Katzen haben  ;)
Ein ordentlicher Heuaufguß in voller Blüte auf dem Wohnzimmerteppich ist nicht geeignet, eilte Freude zu bereiten.....

Herzliche Grüße
Peter


Hallo Peter

Ja, besonders Freude wenn es penetrant stinkt !!   >:(
Klarbei mir steht jetzt der Heuaufguss am Fenster im Wohnzimmer bei ca. 22°C

@Hyperion

Das 100er hab ich noch gar nicht ausprobiert. Muss mir noch Immersionsöl besorgen.


Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 25, 2010, 16:01:26 NACHMITTAGS
Hallo

Langsam wird es frustig.
Habe am Sonntag einen neuen Heuafguss gemacht, mit Tümpelwasser.
Nach 4 Tagen dachte ich jetzt an erste "Erfolge", aber wieder nichts.
In meinen Tropfen rührt sich nichts.

Kann es sein, daß ich noch zu früh dran bin?
Welche Vergrösserung wäre eigentlich ideal?

Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: skipvolli in November 25, 2010, 19:40:02 NACHMITTAGS
Hallo Werner

Komisch, dass das mit deinem Aufguss nicht klappen will.
Ein paar Tips wie es bei mir eigentlich immer zuverlässig funktioniert:
Wiesenheu für Nager aus der Tierhandlung kaufen.
Gaaaanz wenig davon nehmen, vielleicht so ca. 30 - 40 Halme auf 500 ml Tümpelwasser.
Alternativ kannst du den Aufguss auch mit Leitungswasser ansetzen und nach zwei bis drei Tagen mit Tümpelwasser impfen.
Mit der kleinsten Vergrößerung ( 40 fach ) lässt sich bereits ein Überblick gewinnen, zur genaueren Betrachtung eignet sich 100fach bis 200fach, je stärker die Vergrößerung, desto schneller flitzen dir die kleinen Biester aus dem Bild und sind mit dem Objektführer nur mit Übung zu erjagen.

Alternativen zum Heuaufguss:
Kohlrübenaufguss, auch hier gilt je weniger Bakterienfutter umso besser ( 1 winziges Stückchen getrockneter Kohlrübe auf 250 ml )
Milchaufguss; auch hier wieder nur ein einziger Tropfen Milch auf 250 ml, dann warten bis das Wasser wieder ganz klar ist bevor man den nächsten Tropfen füttert.

Aber eigentlich gibt es Menschen, die sich hierin sehr viel besser auskenne als ich:

http://www.lebendkulturen.de/kulturen/uebersicht/uebersicht.html

Hier findest du übersichtlich Anleitung in alle möglichen Kulturen.

Liebe Grüße

Wolfgang

Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Peter Reil in November 25, 2010, 21:53:27 NACHMITTAGS
Hallo Werner,

könnte es sein, dass du das Glas luftdicht verschlossen hältst?

Freundliche Grüße
Peter Reil
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: treinisch in November 25, 2010, 22:43:11 NACHMITTAGS
Hallo Werner,

wo in deinem Aufguss hast Du denn die Probe entnommen? Eine gute Stelle ist da,
wo auch die Bakterien in der Nähe sind, zum Beispiel direkt unter der Kahmhaut.

Ist denn soweit mit der Mikroskopiertechnik alles in Ordnung? Schonmal mit Mundschleimhaut
oder Zwiebeln versucht um zu klären ob mit der Technik alles paletti ist?

Wie genau schaust Du denn? Direkt mit Deckglas oder erstmal den Tropfen ohne Deckglas
mit einem 2.5x oder 5x Objektiv? Viele Einzeller verschwinden spurlos (natürlich nicht wirklich,
aber es wirkt so) wenn man ihnen Leid antut, also zB das Deckglas zu schwungvoll auflegt.

Wenn der Objektträger sauber und fettfrei ist, verläuft der Tropfen von alleine ziemlich breit,
ist der OT fettig liegt der Tropfen wie eine Halbkugel. Da ist es natürlich schwer etwas zu sehen.

Ich finde für den ersten Überblick ist auch Dunkelfeld ganz nett, ansonsten könnte es doch eine
gute Idee sein, die Aperturblende sehr weit zu schließen um die Schärfentiefe auf Kosten der
Auflösung zu erhöhen.

Ansonsten kannst Du auch mal ein paar Pipettenladungen Heuaufguss durch einen Kaffeefilter
laufen lassen (kreisförmig zuschneiden und falten), der letzt Tropfen der sich im Filter sammelt ist entsprechend aufkonzentriert.

Das waren jetzt alles Banalitäten, die du vielleicht auch schon kennst, aber, naja man kennt das
ja, viele Stunden am Druckertreiber konfiguriert, und dann war einfach nur das Kabel kaputt.

Viele liebe Grüße

Timm
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Peter V. in November 26, 2010, 06:12:45 VORMITTAG
Hallo!

Also, ich bin auch ein wenig verwundert, dass da "gar nichts" drin sein soll. Vielleicht sind 4 tage einfach noch zu früh? Lass ihn mal weiter brüten. Hat er denn schon das richtige "Aroma"?
Ich habe selbst noch nie einfach mal so "mitten raus" gefischt, ich weiss es nicht sicher, aber es kann schon sein, dass sich da nicht viel findet.
Ich habe immer Proben direkt aus der Kahmhaut ( also dem "Schlarz§, der sich obem meist am Rand sammelt ) entnommen. Da fand sich zu Beispiel massennhaft so etwas:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6033.msg41074#msg41074
Zur Suchtechnik: ich würde als Anfänger auch zuerst einmal die Aperturblende weit schließen, um einen maximalen Kontrast zu erzielen. Dann mit niedriger Vergrößerung ( 4x / 10x-Objektiv auf z.B. den Deckglasrand fokussieren, damit man einmal so eine etwaige Vorstellung der korrekten Schärfeebene hat. Und dann das Präparat absuchen.
Es kann schon sei, dass man als Anfänger z.B. Amöben, die sich oft finden, aber kontrastarm und recht klein sind, einfach übersieht.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: piu58 in November 26, 2010, 08:42:28 VORMITTAG
Was du auch versuchen solltest: Viele der Infusorien sind zumindest zeitweise sessil. Nimm doch mal ein winziges Stück des Heues heraus und untersuche es. Dort sind in der Regel Vorticellen zu finden.
Wenn es so unangenehm riecht, wie du beschreibst, dann musst du mindestens massenhaft Bakterein finden. Aber die machen visuell nicht so viel her. Vielleicht ist die Probe zu dicht mit organischem Material besetzt und es gibt keinen freien Sauerstoff. Dann gibt es auch keine Tiere.
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 26, 2010, 17:32:33 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter Reil in November 25, 2010, 21:53:27 NACHMITTAGS
Hallo Werner,

könnte es sein, dass du das Glas luftdicht verschlossen hältst?

Freundliche Grüße
Peter Reil

Ja genau, das habe ich. benutze einen Plastikbehälter mit Schraubverschluss
Ist das der Fehler?
Aber wenn ich den Behälter nicht verschlossen habe, stinkt es erbärmlich !!

Allen anderen auch vielen Dank für die Tips

Viele Grüße

Werner

Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: skipvolli in November 26, 2010, 19:04:39 NACHMITTAGS
Hallo Werner

Also generell brauchen die meisten Infusorien natürlich Sauerstoff und die Futterbakterien zehren diesen auf, allerdings ist der Gasaustausch durch die kleine unbewegte Füssigkeitsfläche, die ja nach oben noch dazu durch die Kahmhaut abgedeckt ist, sehr gering.
Ich decke meine Gläser ( 1l Einmachgläser mit Glasdeckel, aber ohne Gummidichtung), da ich sie direkt auf dem Schreibtisch stehen habe wegen des Geruchs schon ab.
Wenn die Gläser allerdings nur ca. bis zur Hälfte gefüllt sind, reicht der vorhandene Sauerstoff, vor allem bei regelmäßiger Öffnung der Gläser ein Aufgussleben lang (ca. 3 Wochen).
Noch ein Tipp:
Drei bis vier Aufgüsse im Abstand von einer Woche parallel ansetzen und den frischesten jeweils mit dem ältesten impfen, Datumsaufkleber dran, dann verlierst du nicht die Übersicht und kannst auch quasi wissenschaftlicher arbeiten. Solche Serien habe ich auch schon zeitgleich mit Proben aus verschiedenen Gewässern betrieben und dann die Unterschiede verglichen. Ist im Winter eigentlich eine sehr wirksame Methode zu "Tümpeln".
Man kann  zum Ansetzen auch Proben aus verschiedenen Bereichen desselben Gewässers benutzen (Detritus, Planktonnetz, Aufwuchs von Wasserpflanzen)

liebe Grüße

Wolfgang
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 26, 2010, 19:53:22 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang

Vielen Dank für die Tips.
Ich hoffe daß ich irgendwann eine Poszivmeldung abgeben kann.

Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in November 27, 2010, 12:43:55 NACHMITTAGS
So, nach 6 Tagen habe ich eine verd. stinkende Brühe.
Seit 2 Tagen ist der Behälter offen.
Gerade wieder Proben entnommen.
Habe ein totes Lebewesen gefunden. Schaut aus wie Tier mit Beinen und langen Krallen dran, leider tot.
Anonsten, nichts lebendiges gefunden.
Werde heute Nachmittag mal zum Weiher fahren und neue Proben holen.
Da es heute Nacht mit -8°C sehr kalt war, kann es sein daß der Weiher schon gefriert.

Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: piu58 in November 29, 2010, 08:23:00 VORMITTAG
Zitat von: Werner Rühl in November 26, 2010, 17:32:33 NACHMITTAGS

Aber wenn ich den Behälter nicht verschlossen habe, stinkt es erbärmlich !!



Es kann sein, dass unter Luftzutritt ganz andere Gerüche entstehen als bei Luftabschluss. Anaerobier ergeben Fäulnisprozesse, im aeroben kann man eher von Verrottung reden. Außerdem kannst du ja nur wenig Heu nehmen, das reicht. Eine Blumenvase - auch ein guter Patoffeltierechen- Zuchttümpel - stinkt ja auch nicht erbärmlich.
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in Dezember 07, 2010, 22:06:20 NACHMITTAGS
Hallo

Zuerst einmal viele Grüße aus dem kalten England.
Bin hier bis zum 18.12. auf Dienstreise.
Hatte am Sonntag nochmal Proben meines mittlerweile fast 2 Wochen alten Heuaufgusses "gesichtet".
Und wieder kein Erfolg.
Obwohl ich alles richtig gemacht hatte.
Wasser aus einem eiskalten Bach ( möglicherweise ist fliessendes Wasser nicht geeignet ) und nicht zuviel Heu.
Und diesmal im warmen Wohnzimmer ans Fenster , mit offenem Deckel.
Ich kann nur eines sagen, da vergeht einem die Lust am Mikroskopieren.
Wollte doch zu gerne meiner Tochter etwas zeigen.
Doch Pustekuchen, nicht das geringste Lebenszeichen !!

Viele Grüße

Werner

Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Peter V. in Dezember 07, 2010, 22:24:31 NACHMITTAGS
Hallo!

Ohne der große Experte für Tümpelei und Heuaufgüsse zu sein, würde ich einfach mal vermuten, dass jetzt einfach die falsche Zeit ist. Das Wasser zu kalt, alle Viecher "tot". Und klare fließendes Wasser ist ohnehin nicht so geeignet, besser wäre stehendes Wasser vom Rand eines Teiches gewesen.
Nicht verzagen - der Winter ( und zur haben haben wir ja nun mal einen "richtigen" Winter ) ist einfach nicht die richtige Zeit für "das Leben im Wassertropfen".

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Lothar Lammfromm in Dezember 08, 2010, 01:51:10 VORMITTAG
Zitat von: Werner Rühl in Dezember 07, 2010, 22:06:20 NACHMITTAGS
(...)Hatte am Sonntag nochmal Proben meines mittlerweile fast 2 Wochen alten Heuaufgusses "gesichtet".
Und wieder kein Erfolg. (...) Wasser aus einem eiskalten Bach ( möglicherweise ist fliessendes Wasser nicht geeignet ) und nicht zuviel Heu. Und diesmal im warmen Wohnzimmer ans Fenster , mit offenem Deckel.
Ich kann nur eines sagen, da vergeht einem die Lust am Mikroskopieren. Wollte doch zu gerne meiner Tochter etwas zeigen. Doch Pustekuchen, nicht das geringste Lebenszeichen !!

Nur den Mut nicht verlieren!

Es kann sein, dass deine Kultur längst schon zusammen gebrochen ist.

Den Tipp mit dem Mineralwasser Volvic (Link von oben) finde ich gut. So hast du nämlich wiederholbare Bedingungen. Das Tümpelwasser dieser Jahreszeit ist vermutlich nicht sehr erfolgversprechend. Darum mein Ratschlag: Halte dich an einen Aquarianer deines Vertrauens!

1. Aquariumwasser

(stibitze dem Aquarianer rund 2 Liter Aquariumwasser, das du idealerweise auf Vorrat, offen und am Fenster aufbewahrst, z.B. in einer größeren Schale - wirf ein Reiskorn und ein Pflanzenblatt hinein, nach Möglichkeit auch ein paar Aquarienalgen - verdunstetes Wasser kannst du schadlos mit Leitungswasser auffüllen). Dieses Wasser (bzw. handelt es sich dabei praktisch um ein "Miniaquarium") ist neben Volvic einer deiner Grundlagen zum Aufbau von Kulturen.

2. Algen und halb zersetzte Pflanzen aus einem Aquarium solltest du dir auch besorgen, und feucht/sonnig lagern bzw. gleich im Mikroskop untersuchen. Es ist immer wieder verblüffend, welche Tiere und Einzeller sich so alles in der Nähe von Algen oder in der Nähe von verwesenden Pflanzenblättern aufhalten.

3. Statte einer Zoohandlung einen Besuch ab. Dort kaperst du kleine Mengen Stroh/Heu/Holzspäne, möglichst benutztes aus Kleintiergehegen, (ggf. auch zusätzlich Aquariumwasser und Pflanzenreste, vor allem, falls du unter den Nachbarn bzw. via Kleinanzeigenmarkt keine Aquarianer findest), kleine Mengen Tierkot (Reptilienkot finde ich als Nährgrundlage für Mikroorganismen prima - Vogelkot ist aber auch interessant), und - last but not least - ein Dutzend Gerstenstrohpellets (gibt es u.a. als Grünalgenvernichter im Teichbedarf) für die Produktion von Pantoffeltierchen.

4. Frischhefe solltest du dir auch besorgen - und zwar zum Füttern deiner Kulturen - und ein paar winzige Brocken Käse wären gut - außerdem ist Fleischextrakt bzw. Suppenwürfel (Richtung Rind) zum Anfüttern von Mikroorganismen gut, allerdings nur ein paar winzige Krümel, maximal eine Messerspitze.

(es soll ja nicht stinken bzw. eine "Massenzucht" von Mikroorganismen vorgenommen werden)

5. Nimm verschiedene Proben aus Regenwasser"tümpeln" sowie den Gewässern deiner Umgebung und: feuchte Erdproben. Die feuchten Moose bzw. veralgten/schmierigen Beläge von den Bäumen deiner Umgebung verdienen ebenfalls Würdigung. Und die Erde, die sich unter alten Holzstücken und unter Laubhaufen findet.

6. Klaue deinen Kindern die rote oder orange (ggf. braune) Füller-Tinte (1 Patrone reicht) - notfalls besorgst du dir im Schreibwarenhandel einen billigen (ja: der allerbilligste tut es) Set an bunten Füllerpatronen (bei mir um die Ecke kostet z.B. 36 bunte Füllerpatronen 1 Euro)

7. Von einem Pfund Erde (mein Vorschlag: nimm die Erde unterhalb vermooster Grasstücke plus ein paar Löffel Blumenerde) und zwei Liter Wasser kochst du dir ein schönes Süppchen. 5 Minuten kochen, umrühren, und dann den Sud abgießen - und auffangen! - in diesen Sud tust du nach dem Abkühlen einen viertel Teelöffel Zucker dazu, ein paar Tropfen Milch, einen winzigen Brocken Käse sowie ein paar Krümel Fleischextrakt bzw. Rindersuppenextrakt. Den Sud solltest du dann kühl aufbewahren zur späteren Verwendung.

Einen zweiten Erd-Sud erstellst du wie siehe oben, allerdings diesmal ohne Kochen!

So: Und nun kombinierst du s.o. fleißig. Die verschiedenen Grundlagenflüssigkeiten mit den Inkubatoren (z.B. Erdsud, Gerstestrohpellets, Stroh, verwesende Pflanzenteile, Algen, Hausstaub) und den Nährmedien (z.B. Hefe, Käse, Rindfleischextrakt, Zucker).

Du kannst ja eine kleine Versuchsserie starten mit einem halben Dutzend Yoghurtbechern bzw. Marmeladendeckel, Reagenzgläsern oder Petrischalen, die du unterschiedlich beschickst.

Nach zwei/drei Tagen solltest du in den meisten (!) Fällen was sehen. Ach, und die rote Tintenfarbe: Gib einen Tropfen (ein Tropfen genügt) in den Heuaufguss (bzw. die verschiedenen anderen Varianten, die du dir durch Kombination, siehe oben, erzeugen kannst). Ergebnis: Viele Lebewesen nehmen diese Farbe auf und lassen sich dann im Mikroskop  viel :) besser erkennen.

P.S.
Wenn es dann immer noch nicht klappt, schicke ich dir gerne einen Brief mit Algen/Mikroorganismenkulturen/Gerstenstrohpellets u.ä. Wäre ja gelacht, wenn sich bei dir keine mikroskopischen Lebewesen einstellen sollten - Frust darf nicht sein !!  ;D
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Werner Rühl in Dezember 13, 2010, 22:47:31 NACHMITTAGS
Hallo Lothar

Wow, danke für die ausführlichen Tips.
Bin noch bis zum 22.12. auf Dienstreise in England,
deswegen werde ich weitere Aktivitäten in Sachen Heuaufguss ins nächste Jahr verlegen.


Viele Grüße

Werner
Titel: Re: Anfängerfrage Heuaufguss
Beitrag von: Pommbaer in Dezember 13, 2010, 23:16:30 NACHMITTAGS
Tipp:

Es heisst nicht umsonst Heuaufguss. Eine Sommerwiese - naturbelassen ( ohne Dünger oder sonstige Behandlung ). Das Schnittgut in der Sonne trocknen lassen ( Heu halt ) und dann kannste dir das einlagern. Ich wage zu bezweifeln, dass man mit grünem Schnittgras jemals große Erfolge erzielen wird.

Wir haben Jahrelang die örtlichen Schulen mit dem Heu unserer Naturwiese versorgt, da es für den Heuaufguss bestens geeignet war. Einfach Heu + Regenwasser, ein paar Tage stehen gelassen und es wimmelte nur so vor Pantoffeltierchen und Co.
Regenwasser deshalb, da es im Grunde genommen destilliertes Wasser ist, also kaum Ionen enthält. "Saurer Regen" spielt heutzutage kaum noch eine Rolle.

Wenn du einen Film auf der Wasseroberfläche hast ist das schon nicht verkehrt - das ist ein Mikrofilm aus Aeroben Mikroorganismen.