Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Rawfoto in Dezember 28, 2010, 12:54:05 NACHMITTAGS

Titel: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 28, 2010, 12:54:05 NACHMITTAGS
Liebe KollegInnen

Eine Frage zum Einspannen in das Handmikrotom (zwischen Karottenscheiben wie im Forum beschrieben). Meine Chefin hat mich gerade im meiner Euphorie verunsichert :-) Sie behauptet ich verforme das Ästchen und damit natürlich die Zellen im Inneren ...

Dummer weise habe ich das Teil vor dem Einspannen keiner visuellen Kontrolle auf Rundheit unterzogen und es ist (jetzt) nicht mehr rund. Jetzt hätte ich eigentlich gedacht die Karotten wirken wie Schutzbacken im Schraubstock, sie sind ja deutlich weicher wie mein Ästchen (Durchmesser 3,6mm). Ich habe nicht übermäßig gespannt, aber, es ist das erste Mal!

Habt Ihr da Erfahrungen gemacht, die ersten Schnitte waren ja nicht im Bereich der Spannklammern. Ich habe aber das Ästchen nach den ersten Schnitten angehoben um die nächsten Schnitte zu machen und bin so sicher nach einigen Malen umspannen in den Bereich der ersten Fixierung gekommen ...

Darf man nur in jenem Bereich Schnitte anfertigen wo nicht gespannt wurde?!?

Bitte um Eure Erfahrungen ...

:-)

Gerhard

Ach ja, Ihr sagt ja zur Karotte Möhre ...
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Klaus Herrmann in Dezember 28, 2010, 13:04:31 NACHMITTAGS
Hallo Gerhard,

ZitatAch ja, Ihr sagt ja zur Karotte Möhre ...

Mag sein, aber wir sagen gelbe Rüben  :D

Wie dem auch sei, dass sie einen Tannenzweig zerquetscht wundert mich, das muss dann eine sehr holzige gelbe Rübe sein!
Ist der Baum schon verfeuert, oder gibt es ihn noch? Dann könntest Du dort schauen, wie der Querschnitt des Zweigleins aussieht!
Bei krautigen Stengel könnte das Problem auftauchen, aber bei einem stabilen Zweig?

Nu färb est mal un zeig das Ergebnis, dann können wir immer noch dran rumkritisieren! ;D
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Fahrenheit in Dezember 28, 2010, 13:49:09 NACHMITTAGS
Lieber Gerhard,

wenn man etwas vorbohrt, sollte da auf keinen Fall etwas passieren.

Wenn möglich, einfach ein Loch mit einer ein klein wenig geringeren Dicke als die der Probe in die Möhre stechen oder Bohren (schön senkrecht) und diese dann hineinstecken.

Anschließend das Möhrenstück passend bekannten und ab ins Mikrotom.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 28, 2010, 15:05:10 NACHMITTAGS
Danke Jörg

Da muss also der Proxon das nächste Mal herhalten ...

Und dann genau in der Mitte des Lochs schneiden um den Klemmdruck noch zu vergrößern, dieser wirkt ja jetzt auf mehr Fläche.

Wieder etwas dazugelernt :-)

:-)

Gerhard
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Eckhard in Dezember 28, 2010, 17:59:10 NACHMITTAGS
Hallo Gerhard,

ZitatDa muss also der Proxon das nächste Mal herhalten ...

Für die Möhren in Berlin reicht ein Zahnstocher oder ein einfacher Dorn.

Zitat... Klemmdruck noch zu vergrößern

Ich befürchte, Du hast kein frisches Zweiglein sondern tatsächlich einen Ast abgeschnitten. Den kannst Du ohne Vorbehandlung nicht in der Möhre schneiden.

Die Klemmbacken sollen die Möhre in Position halten damit Du Dein Schnittgut im 90° Winkel erwischt. Wenn Du bei Schneiden durch die Möhre auf das eigentliche Schnittgut triffst, darfst Du fast keinen Wiederstand spüren. Ansonsten werden die Schnitte gequetscht und das Ergebnis ist nix.

Viel Erfolg!

Herzliche Grüsse
Eckhard



Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 28, 2010, 19:31:08 NACHMITTAGS
Hallo Eckard, liebe ForumskollegInnen

Habe ich zum Glück nicht, ich habe auch noch den Anschnitt gefunden und die Form verglichen. Das war falscher Alarm und die ovale Form hatten auch die Teile die sicher nicht eingeklemmt waren. Zum Glück :-))

Ich habe die Teile alle mit 100 facher Vergrößerung auf Schäden kontrolliert und bei ca. 25 Prozent habe ich Risse in der Zellstruktur (an unterschiedlichen Stellen). Für das erste Mal halte ich das für durchaus o.k.

Die Schnittdicke ist aus meiner Sicht noch etwas dick, ich habe die Ausschussstücke vermessen und die liegen zwischen 0,05 und 0,04mm. Wie weit liege ich denn da noch daneben. Sprich wie dünn schneidet man Holz. Von der Erwartung liege ich bei 0,02 bis 0,03 - das habe ich aber nicht geschafft. Wie seht Ihr das?!?

Geschnitten habe ich mit dem Handmikrotom und dem Klingenhalter von Detlef und das ist eigentlich gut gegangen. Ich bin schon neugirig wenn ich meinen ersten Fotoversuch starte. Noch muss ja das Eindeckmittel aushärten. Ich habe Euparal verwendet ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Fahrenheit in Dezember 29, 2010, 07:48:28 VORMITTAG
Lieber Gerhard,

ich schneide meistens mit 50µm Dicke auf dem Handzylindermikrotom mit Detlefs Halter und Leica-Klingen. Je nach Material lande ich zwischen 40 und 60 µm, viele - besonders weichere - Pflanzengewebe reißen mir bei geringeren Dicken ein.

Ich bin mit der Anmutung der Präparate bei 50 µm eigentlich immer ganz zufrieden.

Mit Hölzern habe ich nicht so viel Erfahrung. Ich habe mal Ahorn (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6143.0) geschnitten und hatte keine Probleme mit Rissen. Das Ästchen ließ sich im Gegenteil sehr gut schneiden, allerdings war das Phloem etwas zerdrückt. Aber da gibt es mit Sicherheit Unterschiede.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Detlef Kramer in Dezember 29, 2010, 11:38:09 VORMITTAG
Lieber Gerhard,

vielleicht muss ich das nicht erwähnen, dann mea culpa: es ist wichtig, dass Du mit ziehender Klinge schneidest, also schräg durch das Geweben, nicht hacken. Holz kannst Du durch kurzes Erhitzen in Essig, am besten Essig-Essenz (15 o. 20 %) weicher bekommen (Vorsicht, die Dämpfe nicht einatmen!).

Herzliche Grüße

Detlef
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 29, 2010, 16:13:41 NACHMITTAGS
Hallo Detlef

Meine Prüfung, die "Winkel an der Werkzeugschneide" ist mir Heute noch ein Gräuel. Sie ist zwar schon über 30 Jahre her (und ich habe damals absolut nicht eingesehen zu was ich das brauche) aber sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen ... Beruflich hatte ich damit zwar nie wieder etwas zu tun, dafür privat jede Menge:-))

Den ersten teil habe ich also peinlich genau eingehalten, aber die Geschichte mit dem Essig habe ich noch nicht gekannt ==> ein super Tipp, danke :-)

Ich werde Morgen mal Fotos von meinen ersten Gehversuchen zeigen. Dank des Tipps von Arnold kontrolliere ich jetzt die Schnitte unter dem Stimi bevor ich mit ihnen weiterarbeite. Eine spitzen Sache, mein Ausschuss ist zwar dadurch beträchtlich gestiegen (weil ich die Fehler jetzt schon unmittelbar nach dem Schneiden sehe!!!), aber für das Ergebnis ist das sicher gut. Kann ich nur allen empfehlen, geht besser wie am Mikroskop und auch der Arbeitsabstand ist beträchtlich größer ...

:-)

Gerhard

PS: das Bohren von Karotten geht übrigens spitze ...
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 29, 2010, 18:02:57 NACHMITTAGS
So, jetzt hat es mir doch keine Ruhe gelassen und ich habe 3 Bilder gemacht:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54608_37426278.jpg)
S-Plan APO 4x am Olympus BHSP mit 1,67 Projektiv, Lupenkondensor, Canon 1D Mark IV Stack als Übersichtsaufnahme

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54608_58082418.jpg)
wie oben aber 40x

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54608_32568906.jpg)
wie oben aber 20x

Es geht mir um den Schnitt und nicht um die Fotos ...

Wie schon geschrieben, das ist einer von meinen ersten 10 selbst gemachten Schnitten. Es ist der beste von diesen 10! Es ist auch das erste Mal, dass ich mit dem vereinfachten(2er Satz von Klaus) nach Wacker gefärbt habe. Bei der Färbung sind mir schon selbst 2 Fehler aufgefallen:

Ich bin nach der Alkoholreihe nicht vor der ersten Färbung ins dest. Wasser gegangen (hat mir Klaus schon gestern geschrieben) ...
Nach der Blaufärbung bin ich ins dest. Wassser, dann 50% und in Folge 97% Ethanol, Xylol unter Sichtkontrolle ==> teilweise hat das Eindeckmittel noch Farbe aus dem Schnitt gezogen (eins von zehn) ==> die Bestellung von Triethylphoshat ist heute schon an den Chemieladen gegangen ...

Ich bin mir aber sicher mehr als die beiden Fehler gemacht zu haben und muss mich da noch verbessern & bitte Euch daher um Rückmeldungen, Tipps, Kritik, ...

Danke :-)

Gerhard

PS: Farben und Kontraste sehen bei mir am kalibrierten System übrigens deutlich besser aus wie am Notebookbildschirm :-)
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 29, 2010, 18:05:30 NACHMITTAGS
Sorry, kleine Richtigstellung, mit dem 20x und dem 40x habe ich natürlich nicht mit dem Lupenkondensor gearbeitet ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Eckhard in Dezember 29, 2010, 18:56:22 NACHMITTAGS
Hallo Gerhard,

ZitatIch bin nach der Alkoholreihe nicht vor der ersten Färbung ins dest. Wasser gegangen

Das muss auch nicht sein. Ich kenne die 2 Komponenten Version von W3A nicht. Bei der 3 Komponenten Version löse ich Acridinrot mit Aqua dest. und verdünne dann 1:1 mit reinem Ethanol. Schnitte können aus 50% Ethanol dann direkt mit der Acridinrot Lösung behandelt werden.

Ich empfehle Dir nach dem Astrablau kräftig mit Aqua dest. zu spülen, alles Wasser absaugen, und dann kräftig Isopropanol. Sobald Du rote Farbwölkchen siehst, Isopropanol wechseln. Dann in Euparal eindecken.

Um Deinen Schnitt besser beurteilen zu können zeige doch bitte nicht-gestapelte Bilder mit dem 10x Objektiv. Ansonsten sieht das alles sehr vielversprechend aus.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Frage zum Schnitt der Nordmanntanne (Ästchen)
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 31, 2010, 18:43:31 NACHMITTAGS
So, ein paar kleine Schritte weiter:-))

Das ist ein Schnitt von Heute, also Version 3 vom gleichen Objekt. Ich zeige Heute auf Wunsch keine fertigen (gestackten) Bilder, was Ihr seht ist also nur eine Schicht ...

Übersicht mit dem 10x:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54932_11948183.jpg)

Die volle Große des Ausschnitts mit dem 20x:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54932_20113466.jpg)

Und jetzt kommen 1:1 Daten von unterschiedlichen Stellen aus dem 20x da man sonst nicht wirklich über Qualität urteilen kann. Die Ausschnitte sind aus der gezeigen Fokusschicht, ich habe die Ausschnitte nach deren Schärfe gewählt ==> also nicht nach botanischen Gesichtspunkten, mir geht es ja darum zu sehen ob ich Eure Tipps richtig eingearbeitet habe & ich bitte daher um weiter Rückmeldungen um bald eine nächste, verbesserte Version zeigen zu können ...

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54932_19345760.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54932_54978673.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54932_39533120.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54932_10245187.jpg)

Freue mich auf Eure Anregungen ...

:-)

Gerhard

PS: natürlich eine guten Rutsch ins kommende Jahr