Hallo Forum,
vermutlich ist meine Frage für viele hier im Forum "kalter Kaffee", aber da ich hier neu bin, stelle ich einfach mal die vielleicht "dumme" Frage: Was ist der Unterschied zwischen quatitativer und qualitativer Polarisation? Und ist es möglich, auch ohne POL-Objektive mit Polarisation zu arbeiten?
Schon einmal vielen Dank im Voraus!
Beste Grüße Uwe
... habe gerade dummerweise bemerkt, dass ich im falschen Unterforum gepostet habe. Ich hoffe, hier findet es trotzdem jemand ...
Hallo Uwe -
Nur Mut!
Die meisten Zusatzspielsachen fürs Mikroskop mit denen man kontrastreiche, bunte und leuchtende Bildchen erzeugen kann sind (sau)teuer - nicht so die Polarisation!
Die billigsten Objektive genügen völlig und mit ein paar Stückchen Polfolie (z.B. von einer Stereobrille), oder als Luxus alte Foto-Polfilter (am besten linear) von eBay für wenige Euros kannst du Dir deine Polarisation für erste Versuche zurechtpfriemeln.
Den unteren Polfilter legst du auf die Leuchtfeldblende oder an irgendeinen Ort unter den Kondensor, wo er Platz hat und wo du ihn drehen kannst. Den zweiten Polfilter (Analysator) platzierst du irgenwo zwischen Objektiv und Okular, notfalls auch auf dem Okular. Und dann legst du mal ein paar Wattefasern drunter und guckst, während du am unteren Polfilter drehst.
Das wäre der Anfang - später kannst du dann deine Ausrüstung bis zum Wert eines Mittelklassewagens ausbauen ;D.
Gruß
Rolf
Hallo Uwe,
ZitatWas ist der Unterschied zwischen quatitativer und qualitativer Polarisation?
Quantitativ betrifft alles messbare, wie z.B. Gangunterschiedsmesssungen mit einem Drehkompensator. Bestimmst du den Gangunterschied über eine Farbtabelle, so ist das eine qualitative Messung (Vergleich).
VG
Erik
Danke Euch beiden für die Antwort!
Wenn ich Dich, Erik, richtig verstehe, gehe es beim "qualitativen" um Messungen, man sieht aber nicht "mehr" oder "anderes", wenn man durchs Okular schaut...
Zum anderen: Was ist der Unterschied, wenn ich ein "spannungsarmes" POL-Objektiv benutze oder ein "normales" Objektiv nehme? Wie groß ist der Qualtitätsunterschied / Beobachtungsunterschied?...
Beste Grüße
Uwe
Hallo Uwe,
ZitatWenn ich Dich, Erik, richtig verstehe, gehe es beim "qualitativen" um Messungen, man sieht aber nicht "mehr" oder "anderes", wenn man durchs Okular schaut...
Diskrete Zahlenwerte bekommt man durch quantitative Messungen.
Hallo Erik,
danke für Deine Antwort, aber - sorry - ich verstehe nur Bahnhof...
Vielleicht muss ich meine Frage dahingehend differenzieren, ob man einen Unterschied zwischen quantitativer und qualitaviter Polarisation sieht, wenn man durchs Mikroskop schaut? ... Keine Ahnung, ob diese Frage nicht völliger Unsinn ist...
Beste Grüße
Uwe
Hallo Uwe,
mal eine andere klärende Frage: was willst Du denn eigentlich machen? Gesteins-Untersuchung mit den dafür notwendigen exakten polarisationsoptischen Untersuchungen? ("Quantitative" Polarisation)
Oder willst Du das, was bei 95% aller Polanwendungen gemacht wird: die Polarisation als attraktives Hilfsmittel verwenden um schöne Polaufnahmen von doppelbrechenden Substanzen herzustellen, wie sie Ernst Hippe und andere hier immer wieder meisterlich zeigen? Nicht zu vergessen der Einsatz als Kontrastierhilfsmittel um doppelbrechende Substanzen oder auch Gewebe (Zellulose) sichtbar zu machen?
Spannungsfreie Optik ist sehr teuer und stellt nur sicher, dass man durch Spannungsdoppelbrechung keine Aufhellung bei gekreuzten Polarisatoren bekommt.
Hier ein Beispiel der guten Kontrastierung eines doppelbrechenden Kristalls, der in seiner unterkühlten Schmelze liegt. Weil diese Schmelze nicht kristallisiert ist gibt sie keinen Effekt und bleibt deshalb bei gekreuzten Polarisatoren dunkel. Die Spannungsrisse dagegen sind wieder sichtbar. Ohne Polarisation würde man den Kristall in seiner eigenen Schmelze kaum sehen!
Die dabei verwendete Optik ist hochwertig, aber auch nicht spannungsfrei.. Natürlich gibt es qualitative Unterschiede bei den Polarisatoren.
Hohe Auslöschung bei guter Transmission, homogen, plan.. Aber mit guter ungefasster Polfolie kann man schon weit kommen. Und wenn die Ansprüche steigen, geht Auftieg in die Mercedes SL-Klasse oder Maserati mit einem Lottogewinn dann mit links! ;)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56301_28011630.jpg)
Hallo Uwe -
"quantitativ" und "qualitativ" betreffen ja nicht das physikalische Prinzip der Polarisation, sondern den Betrachter.
Wenn du einen Regenbogen bewunderst und vielleicht fotografierst und nachher das Bild bewunderst ist das qualitativ. Wenn du aber relative Intensiät und Wellenlänger der Farben mit teuren Apparaten genau analysierst, ihren Abstand im Spektrum bestimmst und das ganze in eine Tabelle einträgst, dann ist das eben quantitativ.
So ist es auch mit der Polarisation im Mikroskop. Wenn du durch ein für 20 € polfähig gemachtes Basismikroskop für 300 € mit einfachen achromatischen Objektiven eine Zellulosefaser oder ein Stärkekorn betrachtest, bekommst du fast das gleiche Bild wie mit einem Pol-Mikroskop für 30 000 €.
Der Unterschied für den Laien ist der fast schwarze Hintergrund bei gekreuzten Filtern (beim Polmi), während der Untergrund beim preiswerten mit den selbstgebastelten Filtern eben nur dunkelgrau oder dunkelblau ist, dadurch wirken natürlich die leuchtenden Objekte etwas weniger brilliant - aber was solls im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung und wenn man sowieso für farbige Hintergründe schwärmt?
Dieser Unterschied wird dadurch bewirkt, dass sämtliche optischen Teile im Strahlengang eines Polmikroskops (nicht nur die Objektive, sondern auch Kondensoren, Zwischenlinsen, Prismen etc.) dafür konstruiert oder ausgelesen sind, dass sie selbst nicht polarisierend wirken - und das multipliziert deren Preis eben um ein Vielfaches, ganz zu schweigen von den Messeinrichtungen und -tischen mit Gradskalen, Nonius etc, die man aber zum Kucken nicht braucht.
Viele Grüße
Rolf
Hallo Klaus, hallo Rolf,
ok, jetzt habe ich verstanden, worum es geht bzw. was der Unterschied ist! Vielen herzlichen Dank für die ausführlichen Erläuterungen!!!
Beste Grüße
Uwe
Hallo Uwe,
i.a. bezieht sich die Frage "Was?" auf einen qualitativen und die Frage "Wieviel?" einen quantitativen Aspekt.
Gruss, Oliver